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Sonntag, 20. Zebruar 1916.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 88. . 64. Jahrgang.

Ei» erneuter Angriff der Engländer bei Ypern gescheitert.

Grosse Sprengung auf der Conrbreshöhe. — Ein erfolgreicher deutscher Vorstotz im Ober-Elsaß.

Der Tagesbericht vom 19. Zebruar.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 19. Febr. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Auch gestern brachtet! unsere Truppen euren durch starkes Feuer vorbereiteten englischen Angriff südöstlich von Apern zum Scheitern.

Im Abschnitt nördlich und nordöstlich von Arras Minen- und Handgranaten kämpfe. Wir besetzten einen von uns gesprengten Trichter.

Auf der Front zwischen der Ais ne und Maas lag stellenweise starkes feindliches Artillerie- nnd Minenfeuer.

Durch eine große Sprengung zerstörten wir einen Teil der französischen Stellung auf der Com- breshöhe.

Nordöstlich von Largitzin (nabe der französischen Grenze, südwestlich von A l t k i r ch) stieße« deutsche Abteilungen in die feindliche Stellung vor, zerstörten Verteidigungsanlagen und Hindernisse des Gegners und kehrten mit einigen Gefangenen und zwei er­beuteten Minenwerfern zurück.

Unsere Flieger griffen den Flugplatz Abeel (süd- westlich von P o p e r i n g h e) sowie feindliche Bahn­anlagen erfolgreich an.

Östlicher und Balkankriegsschauplatz.

Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 19. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 19. Februar, mittags:

Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Besonderes vorgefallen.

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der Tiroler Front beschoß die feindliche ?lr- tillerie die Ortschaft Fontunedo in Judicarien und den Raum des C o I di L a n a. Im Sugana-Gebiet wurde ein Angriff der Italiener auf den Colo (nord­westlich von Borgo) abgewiescn.

Im Kärntner Grenzgebiet stand der Ort Urgvwitz, im Küstenlande der Mrzli Vrh und der Monte San Michele unter lebhafterem Feuer.

Die gestrige Unternehmung eines rtalienischen Flugzeug cs ch Waders gegen Laibach hatte einen kläglichen Verlauf. Tie Mehrzahl der Flugzeuge wurden schon an der Kampffront zur Umkehr gezwungen. D r e i erreichten Laibach nnd war­fen in die Nähe eines dortigen Spitals und ans mehrere Ortschaften der Umgebung ohne jeden Erfolg Bomben ab. Bei der Rückkehr griffen unsere Flieger die feind­lichen an und holten ein Caproni-Großkampf- flugzeug herunter.

Der Stellvertreter des Chefs des Eencralstabs: v. Höf er, Feldmarschalleutnant.

Oie 81 . Ariegsrvoche.

(Von unserem militäviischen Mitarbeiter.)

Die deutschen Erfolge an der W e st fron t, welche unsere Heeresleitung in der ihre Berichte rühmlrchst auszeichnenden Einfachheit und Knappheit meldete, er­weckten in Frankreich eine wachsende Beun­ruhigung. Sie erzeugten eine sichtbare Nervo­sität im französischen Volke und zeigten nur zu deut­lich ihr Spiegelbild in der Tagespreise Frank­reichs. Diese Beunruhigung machte sich anfänglich nur in -den Kreisen der Heimat bemerkbar, wurde aber dann von rückwärts nach vorne, von den Nichtkämpfern in die Schützengräben hineingelragen. Die französische Presse mahnt jetzt ihre Leser angesichts der deutschen Erfolge an der Westfront zur Ruhe und warnt vor überstürzten Handlungen, spricht den Soldaten an der Front Mut zu und -weist daraus hin. daß die französische Armee dem Gegner weit überlegen fei. Wenn auch die Mehrzahl der Pariser Zeitungen in den Maßnahmen der deutschen Heeresleitung nur Sondierungen der französischen Stellungen erblickt, so zeigen diese sorgenvollen Stimmungen immerhin, wie wenig die Nerven des französischen Volkes vertragen können, wie gering sein Vertrauen in die eigenen Heeresberichte

Tjt und welcher Leistungen das deutsche Heer fähig ge­halten wird. Die Luftschiffangriffe aus Paris und London erschütterten bereits die französische Zuversicht, die glücklichen Offensivstöße des deutschen Heeres riefen neue Zweifel und Bedeicken hervor. Dies löste eine Schreckhaftigkeit jenseits der deutschen Stellung aus. so daß sogar das -französische K r r e g 2 m i n i st e r i u m sich veranlaßt sah, von amtlicher Seite eine „Auf­klärung" herauszugeben, welche zweckmätzigerweise als Beruhigungsschrift hätte überschrieben werden müssen. Begreiflicherweise gründet sie sich vor allem darauf, der deutschen Heeresleitung die w e i t- gehendsten Absichten unterzuschieben, für welche unsere Feinde auch nicht den geringsten Beweis er­bringen können und stellt dieses angebliche Mißverhält­nis zwischen Erstrebtem und Erzieltem auf die G e- winnseite Frankreichs. Diese Täuschungs-Versuche bezwecken lediglich eine Irreführung des Publikums und sind kaum dazu angetan, ihren Zweck zu erfüllen, nänrlich das erschütterte Vertrauen wieder -herzustellen. Abgesehen von dieser verwerflichen Grundidee können wir die französische amtliche Aufklärung nur als eine Anerkennung unserer Leistungen ans-ehen, wenn es zutreffend ist, daß deutscherseits nicht weniger als 25 Minen mit Riejenladungen von 6 bis 6 Tausend Kilogramm zur Explosion gebracht wurden, wenn in mindestens dreimonatiger Arbeit. Stollen von 40 Meter Tiefe gegraben wurden, welche durch ihre physische Kraft und moralische Wirkung ans die Verteidigung als „s u r ch t b a r" bezeichnet werden. Der nüchterne Beurteiler wirft angesichts dieser französischen Angaben die naheliegende Frage auf, wie -die so umfangreichen und zeitraubenden Arbeiten unserem Gegner bis jetzt verborgen bleiben konnten und warum auch nicht seinerseits so wirkungsvolle Sprengungen zur Aus- sührung kamen. Aber auch sonst findet der französi-che Leser in diesem Dementi -wenig Grund zu neuer Be­ruhigung, denn die amtliche Stelle bezeichnet es an­gesichts der eigenen Gefährdung als unmöglich, die­jenigen Stellungen durch Sperrfeuer wirkungsvoll zu -verteidigen, welche irur wenige Meter vom Feinde entfernt liegen. Es wird hierdurch eingeräumt, daß die als uneinnehmbar geltenden Linien es tatsächlich nicht überall sind, daß die deutsche überlegene Pionicrwaffe Mittel rmd Wege gefunden hat, -die fran­zösische Munitionsverschwendung durch rastlose Arbeit unter der -Erde wirkungsloser zu machen. Es scheint so, als wollte dieser amtliche Beruhigungsbericht die französische öffentliche Meinung auf etwaige un­angenehme Überraschungen vorbereiten. Auf deutscher Seite -darf er als ein Beweis dafür angesehen werden, daß die bisherigen Kraftproben an der fran­zösischen Front neben -dein ansehnlichen takti­schen Gewinn zu unseren Gunsten ausfielen, und daß der Feind eine Unsicherheit empfindet, die in diesem Maße -sich bei ihm bisher noch nicht bemerkbar nmchte und gewiß nicht zu unterschätzen ist.

Die ohnehin schon recht rege artilleristische Tätigkeit der ersten Februartag-e erfuhr in der zurück­liegenden Kricgswoche eine erneute Steigerung und erlitt nur au denjenigen Tagen eine Abschwächung, an denen das' Wetter keine Beobachtung zuließ. Die heftige Kanonade benutzten beide Parteien zu einzelnen energischen Offensivstößen, auf deutscher Seite, um neue Grabenstücke für den Jnsanteriesturm reif zu machen, auf gegnerischer,. um das verlorene, jedoch durchweg ohne Erfolg, wieder zurück zu gewinnen. Seit langer Zeit des Stellungskrieges arbeitet sich die deutsche In­fanterie wieder mit gutein Erfolge gegen die eng­lisch e Stellung bei Apern vor, und zwar sowohl nord- rvestlich bei B o e s s i n g h e, im Ringen um den Kanal­übergang, wie auch südöstlich, wo es sich wahrscheinlich um den Besitz von Zillebeke handelt. Aus beiden Punkten verloren die Engländer an Boden. In dem südlichen Mschnitt gibt ihn unsere Heeresleitung mit 800 Meter an. Für -die Erbitterung des Kampfes und die gute Wirkung der deutschen Artillerie und Minen­werfer . spricht die geringe Gefangenen zahl, welche die Engländer verloren, sowie -die Meldung, daß der größte Teil der Grabenbesatzung gefallen sei. Die deutsche Artillerievorbereitung letzte in -diesein Gefechts- raum schon seit mehreren Tagen -ein und ibr ist neben dein Dodesmut unserer Infanterie der Geländegewinn in erster Linie zu danken. Das Gewonnene wurde trotz dreimaligen Angriffs der Engländer fest behauvtet. Auch zwischen dem Kana! von La Vassäs und Lens lebte der Kampf wieder kräftig, auf. Die sechstägigen Ge- fechte um die Wiedergewinnung des deutschen Gelände- g-ewinnes bei Vimy scheinen beendigt zu sein. Seit dem 9. Februar versuchten die Franzosen nicht wieder, das Verlorene sich zurückzuholen. Wie -heiß hier ge- rungen, welche ansehnliche Kcunpfkraft von den Fran­zosen an dieser Stelle eingesetzt wurde, um den Verlust wieder einzuholen, erhellt aus der ansehnlichen Ge- fangenenzahl von 9 Offizieren und 682 Mann und der Beute von 35 Maschinengewehren sowie 2 Minen­

werfern neben zahlreichem anderen Geräte. Nicht ohne Grund setzte die französische Heeresleitung so viel Machtmittel an lebendiger und toter Kraft ni diesen Raum von nur einigen hundert Metern ein, wenn der Verlust leicht zu verschmerzen gewesen wäre. Mit derselben Hartnäckigkeit suchte uns der Feind die Beute südlich der Somme streitig zu nrachen, während die Gas- und Minenangrisse sowie das häufige Sperrfeuer zwischen R e i m s und S o i s s o n s in der Richtung auf das nördliche Aisneufer dafür sprechen, daß hier mit Überraschungen gerechnet wurde. Das am weitesten nach Westen vorspringende Knie der deut­schen Stellung wird nach französischer Ansicht für einen etwaigen deutschen Durchbruch besonders, ge­eignet gehalten und darum trachtete auch die gegnerische Heeresleitung danach einen Uferwechsel. an der Aisne zu verhindern. Hier zeigte der Feind eine besonders ängstliche Sorge, ohne daß deutscherseits ihn: hierfür der nötige Anlaß gegeben wurde. Diese Ein­bildungskraft und dies offensichtliche Streben, ein Ge­heimnis zu erraten, welches in Wirklichkeit vielleicht gar nicht besteht, dies Her um tasten und Suchen nach sichtbaren Anzeichen einer,grofeen deut­schen Offensiv e, das, waren die H a u p t -m e rk- male der feindlichen Tätigkeit in den letzten Tagen. Die -mehrfachen Versuche der Franzosen, die deutschen Erfolge in der Champagne bei Tahure wieder^ zurück - zugewinnen, -entsprangen aus demselben Bestreben, die weitere Ausnutzung dieses Teilerfolges den Deutschen unmöglich zu machen. Auch in diesem Kampfgebiete ist die deutsche Heeresleitung nur bestrebt gewesen, die letz­ten Nesse und Brüche aus der H e r -b st o s s e n s i v e der Franzosen zu beseitigen. Eine ganz besondere Bedeu­tung maßen die Franzosen den deutschen Angriffen auf dem südlichen Teil unserer Front bei, zumal unsererseits bisher auf dieser Strecke niemals die De­fensive ausgegeben -worden ist. Kleine erfolgreiche Jn- fanterieangriffe im Kanipfraum zwischen PLaas und Mosel, an der Lothringer Front, sowie in dem Raume Zwischen Vogesen und Schweizer Jura verursachten in Verbindung mit einer mchvsachen erfolgreichen Be­schießung von Belsort die größte Beunruhi­gung bei unseren westlichen Feinden. Das über­raschende Moment war für sie dasjenige, daß die Deutschen im Gegensatz zu den Anfängen der früheren französischen Offensive an allen Punkten Zwischen Schweizer Grenze und Nordsee artilleristisch und insantcristisch an griffen und nicht, wie es die Franzosen taten nur immer wieder im Artois und iu der Champagne. Diese bisher noch nicht dagewesene Erscheinung war der Hauptgrund für die französische Annahme, daß nun der große deutsche Angriff sehr bald folgen müsse. Irgendwelche bestimmte An­zeichen liegen bisher hierfür durchaus nicht vor. Der deutschen Heeresleitung ist es vortrefflich gelungen, den Feind zu beunruhigen und unsicher zu nrachen und ihn zu verhindern, sich Einblick in die deut­schen Vorbereitungen, falls solche vorhanden wären, zu verschaffen. Unsererseits ist daher alles erreicht wor­den, was durch diese einzelnen Kämpfe überhaupt er­strebt werden konnte. ' -

Die Vorgänge auf dem östlichen Kriegsschauplatz litten an mehreren Tagen unter der Ungunst der Witte­rung. Sie hatte auch zur Folge, daß die Fliegertätig­keit gegen Wochenende ani beiden Seiten erheblich nach­ließ. Die russische Offensive in Qstgalizien er­lebte keine Erneuerung. Dagegen setzte auf denr nördlichen Frontteil seit den: 16. Februar eine außer­ordentlich heftige Kanonade im Raum Riga-Düna­burg ein. Welche Ziele hier unsererseits ^verfolgt >»er­den, ist gegenivärtig noch nicht klar crstchtlich. Es stecht aber außer Zweifel, daß Riga wie auch Dünaburg frag­los die letzten beiden Überbleibsel der großer! Offensive Hindeüburgs vom Herbst vorigen Jahres sind und -daß gegenwärtig der russische Winter noch längst nicht zu Ende ist. Während der Sommerzeit war besonders das Smupfg-cbiet westlich Riga ein bäum zu überwindendes Hindernis. »-

Auf dem Balkankriegs schauplatze machte die genreinsame Offensive von Österreichern und Bul­garen in Albanien erfolgreiche Fortschritte. Gegen- tvärtig dreht sich der Kampf um den' Besitz von D u r a z z o, ohne däß Italien irgendwelche Aussicht hätte, diesen Hasen sich zu erhalten. Vor Saloniki ist die Lage ebeüso unverändert wie vor Zwei Monaten.

An der italienischen Kmnpffront wurde in -den letzten Tagen heftig gekänipft im Raume >des Brückeu- kopf-es von Flitsch. Hier versuchten die Italiener vergeblich, die österreichischen Eroberungen in diesen! Gebiet sich zurückzuholen. Österreichische Flieger unter­nahmen einen erfolgreichen Geschwaderflug mit Bam- benwurf gegen Dtailand. Hier erlebte die Bevölkerung ebenso unangenehme Überraschungen hinsichtlich der mangelhaften Leistung ihrer Flieger wie die in Paris und in London. Auch hier -war der Sicherbe't.-