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L». Jahrgang.
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Verlag: Langgaffe 27.
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SrrlagS-Fernsprecher R». 295*.
klbend-Ausgabe.
1. WLatt.
Hobrecht.
Der Verbrauch von Kräften in der Bismarck-Ära wird Mm erneut zum Bewußtsein gebracht, die sich um Deutschlands Wohl und Wehe nicht bloß als indifferente Mauer bekümmern, sobald sie Akt davon nehmen, daß M gestrigen Sonntag Arthur Hobrecht seinen achtzigsten Mrtstag beging. Hobrecht war der Vorgänger Max , Forckenbecks auf dem Breslauer und später auf dem berliner Oberbürgevmeisterposten. Er hat auf dem letz- wi sich erhebliche organisatorische Verdienste erworben. ,, Kt einem nicht unbedeutenden sachverständigen Urteil Llw hgabt, gehörte er mit zu einer kleinen Politischen Ge- mratte, der u. a. der verstorbene Treitschke, ferner -der ibmfalls verstorbene Direktor des Literarischen Bureaus, Wer, und der noch unter den Lebenden weilende frühere shef der Reichskanzlei, v. Tiedemann, der nachmalige MI ^giemngspräsident in Bromberg, zugehörten. Ms Fürst ^ Umrck nach dem Abgang Camphausens aus dem Lstanienwäldchen in Verlegenheit wegen eines Nach- silgers war, schlug Herr v. Tiedemann ihm vor, es mit ^brecht zu versuchen. Bismarck ermunterte seine da- ilige rechte Hand, Hobrecht aufzusuchen. Dieser kam,
1 und siegte. Er wirkte durch eine Spanne Zeit als es der Preußischen Finanzverwaltung und bemühte sich Mich, den Test des Bismarckschen Finanzprogramms in Ä WiMchkeit zu überführen, der unter dem Namen der Sm Ikwendungspolitik historische Berühmtheit erlangt hat. "kam darauf an, zur Anerkennung zu bringen, daß die nnen infolge des Wachsens ihrer Aufgaben
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re finanzielle Bedrängnis geraten waren und auf wm Teil der Überweisungen einen begründeten An- ‘ Ach geltend machen könnten, die aus der Änderung der st- und Wirtschaftspolitik zufließen sollten. Es hing tm mit der Verstärkung Bismarcks mit dem Zentrum tagen der Franckensteinschen Klausel und dem Curtius- Ii>mng des Kulturkampfministers Falk zusammen, daß Brecht das Finanzministerium nun ebenso schnell Eierte, wie er es übernommen hatte. Ob er auf dem Wien nicht noch mehr und Besseres geleistet haben würde die Herr Bitter, muß der Zukunft zu entscheiden über- «Isen bleiben. Jedenfalls aber trat er unverbittert in Privatleben zurück und hat in der Folgezeit, soweit er Politisch tätig war, seine Kräfte vorwiegend der Monalliberalen Partei gewidmet. Seine Klugheit, Ob- Mität und gesellschaftliche Zuvorkommenheit haben M wenig dazu beigetragen, seinen politischen, gemeind- pen und gesellschaftlichen Einfluß auch weit über die «che seiner nächsten politischen Gesinnungsgenossen er- Weich zur Geltung kommen zu lassen. Wie zu seinem Mgsten, so hat es ihm auch zu seinem achtzigsten Ge- Wstl age nicht an vielfachen Ehrungen gefehlt. Diese Erl>en in vorwiegendem Grade seiner Persönlichkeit
Montag» de« 15. August.
gelten, die das ist, was der verstorbene Kstltusminister einmal eine geschlossene nannte. Der Mann, der am gestrigenSonntag auf demGipsel von achtzigJahren ange- tangt, hat immer ganz genau gewußt, was er wollte. Er weiß es auch heute noch ganz wie seinerzeit der alte Kaiser Wilhelm, und deshalb wird seinen Werken und Tagen noch auf lange Zeit eine Nachachtung zutest werh.en, die nichts gemein hat mit den verwelkenden Kränzen, die dem Mimen geflochten werden.
Internationaler sWllllWr ArbetterkWreß.
H. F. Amsterdam, 13. August.
Die Sozialisten aus fast allen Ländern der Erde haben sich diesmal in der Hauptstadt Hollands ein Stell- dichein gegeben. Obwohl die Verhandlungen des inter- nationalen sozialistischen Arbeiter-Kongresses erst morgen beginnen, so sind bis heute nachmittag bereits etwa 480 Delegierte ans fast allen Testen der Erde eingetroffen. Mit Ausnahme von Australien ist Wohl die ganze zivilisierte Welt vertreten. Man bemerkt die Abgeordneten Bebel, Singer, Bernstein, Stadthagen, Pfannkuch, Gerisch, Schwartz (Lübeck), Schriftsteller Kautsky, Stadtverordneter Dr. med. Friedeberg (Berlin), Frau Klara Zetkin (Stuttgart), Frau Dr. Rosa Luxemburg (Berlin), Frau Zitez (Hamburg), Redakteur Dr. Erdmann (Köln), Sperka (Stuttgart), Jaurds, Vaillant, Guesde (Paris), Plechanoff, Axelrod, Leo Deutsch (Genf) als Delegierte der russischen Sozialdemokraten, Dr. Rabinowitsch und Rappaport als Delegierte der polnischen Sozialisten, die österreichischen Arbeiterführer Dr. med. Viktor Adler, sowie die Reichsratsabgeordneten Pernerstorffer und Dr. Ellenbogen (Wien), Steiner (Prag), den Sekretär der österreichischen Arbeiterpartei, Skaret (Wien), den holländischen Abgeordneten van Kol, Rechtsanwalt Troelstra, Ferry (Rom), Jglesias (Madrid), Sen Katayama (Aokohama, Japan), Hyndman (London), die Abgeordneten Knudsen und Olsen (Kopenhagen), Haljmar Branting (Stockholm), Groß und Bokani (Budapest), Hilquist (New Dork), die belgischen Abgeordneten Anseele und Van der Velde (Brüssel), Greulich (Zürich), viele Delegierte von Gewerkschaften, wie Paeplow (Hamburg) vom deutschen Maurerverband und andere bekannte Persönlichkeiten. Am Bahnhof ist ein Empfangsbureau, vor dem eine rote Fahne aufgehißt ist. Dort erhält man die Eintritts- bezw. Delegiertenkarten. Zahlreiche Journa- listm aus allen Ländern sind eingetroffen. Gutem Vernehmen nach sollen auch viele Polizei-Agenten aus Deutschland, Österreich, Rußland, Polen, Spanien. Italien, Frankreich usw. bemerkt worden sein. Die Verhandlungen werden in dem imposanten großen Saale des „Konzertgeboud" stattfinden. Dasselbe ist sehr weit von der Stadt belegen. Es gehört einer sehr reichen Bourgeois-Gesellschaft, die es für die nächste Woche den Sozialisten gegen 100 Gulden pro Tag zur Verfügung gestellt hat. Das Podium ist, wie bei allen diesen Kongressen, rot drapiert. Oberhalb desselben ist in holländi-
RcLaktisnS-Fernfprechcr No. 52. 1904»
scher Sprache der bekannte Ausspruch von Karl Marx p lesen: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch." Morgen (Sonntag) vormittag wird nur eine Begrüßungsfeier stattsinden. Nachmittags wird eine Volksversammlung unter freiem Himmel abgehalten werden. Es sind sechs große Tribünen gebaut, die viele Tausende von Menschen fassen. Es werden in dieser Volksversammlung sprechen Bebel, Klara Zetkin, Sen Katayama, Plechanoff, Leo Deutsch, Hyndman, Peter Courant, Van der Velde, Anseele, Vaillant, Jaurss usw. Einen sehr breiten Raum wird zweifellos die Ermordung des russischen Ministers v. Plehwe und der Königsberger Hochverratsprozeß einnehmen, zumal auch Vertreter der russischen sozial-revolutionären Partei, die den Terror als unentbehrliches Kampfesmittel halten, anwesend sind. Auch der jüdische Arbeiterbund in Nsw°I)ork, der zumeist aus ausge- wiesenen russischen und polnischen jüdischen Arbeitern besteht, hat mehrere Delegierte entsandt.
Zu sehr lebhaften Auseinandersetzungen wird außer- dem der Generalstreik Veranlassung geben. Bekanntlich gehört zu den Hauptverfechtern dieser Forderung _ dev Berliner Stadtverordnete, praktischer Arzt Dr. Friedeberg. Die deutsche Parteileitung steht dem Generalstreik ablehnend gegenüber. Es ist aber dem Dr. Friede- berg bereits gelungen, in einer von einigen Tagen in Berlin abgehaltenen Versammlung der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften einen Beschluß durchzusetzen, welcher im wesentlichen besagt: „Die Versammlung erwartet, daß die nur indirekt nutzende, unzweck» mäßige, ungeheure Opfer an geistigen und materiellen Kräften erfordernde parlamentarische Betätigung zurück- gedrängt, alle Kräfte des deutschen Proletariats - direkt auf die geistige und sittliche Hebung des Proletariats und auf den wirtschaftlichen Kamps verwandt werden. Daß darum der Ausbau der gewerkschaftlichen Organisationen und die Erziehung der Gewerkschaftsmitglieder über die Tagesfragen hinaus zu idealgesinnten, bewußten Klassenkämpfern mit aller Macht betrieben und so die Möglich- kest eines siegreichen Generalstreiks für das deutsche Proletariat baldigst verwirklicht werde."
Bezüglich der Feier des 1. Mai wird die Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften folgende Erklärung dem Kongreß unterbreiten: „Die Versammlung beschließt, am 1. Mai jeden Jahres die Arbeit ruhen zu lassen.
Jeder Arbeiter hält es für seine Ehrenpflicht, an diesem Tage durch Verweigerung der Persönlichkeit unter volle« Seibstverantwortung der Klassengesellschaft, sowie dem klassenbewußten Proletariat zu bekunden, daß die Idee des allgemeinen Generalstreiks im Wachsen begriffen ist. Die Feier des 1. Mai soll der Maßstab für das Wachsen des Klassenbewußtseins im Proletariat sein."
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h. k. Amsterdam, 14. August
Die Eröffnung des Kongresses fand heute, Sonntag, morgen 10 Uhr statt im Konzerthaus, einem Gegenstück zur Berliner Philharmonie. Der. Saal ist vollständig schmucklos. Nur hinter dem Präsidium stehen auf mäch-
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Villa Tournesol.
Baderoman von Paul Bonhomme.
Autorisierte Übersetzung von Wilhelm Thal.
(17. Fortsetzung.)
^.^ie dachte sogar daran, sich die Mitwirkung Made- M zu sichern, und sie endlich ins Vertrauen zu ziehen. Me. Augenblicke später konnte man die_ beiden Wütern, eifrig in ihre kulinarische Vorbereitungen Mst, erblicken, wie sie gewissenhaft Schokoladencröme Ä sind von oben bis unten mit braunen Fleckchen gespritzten. Ihr Mieder, ihr Gesicht, ihre Haare, alles ^ etwas abbekommen, so eifrig waren sie bei der
SSöfirenb dieser Zeit war Tournesol mit Gsrard, der IpDuKf) immer seinen Plan auseinandersetzte nach dom Md gegangen und rauchte dort gemütlich seine „.wette. Als er ihn mit dieser Überzeugung spreck>en g?*' als er sah, wie die großen, gutmütigen Augen des Iforn ^mes aufleuchtÄen, wenn er zufällig Berthes M aussprach, wurde er in seinen Entschlüssen immer uumer wieder erschisttert.
Augenblick fragte er sich sogar, ob er lange den Mut haben würde, zu widerstehen, und ob er Er, Mt gerührtem Herzen seine Tochter aussuchen und ff Wn sollte-
IM..'" llut, heirate ihn und sei glücklich, wenn du ihn Es erschien ihm so schön, andere glücklich zu
er mußte wohl in seinen früheren Entschlüssen kAchüttert sein, sonst hätte er, der sonst die Diskretion J? ar , nicht ganz plötzlich zu fragen gewagt:
'^agen Sie einmal, wie ist -denn eigentlich die Lage Menienre bei Ihrer Gesellschaft?"
'Ms kommt darauf an", antwortete Gsrard. „Die
Generalinfpektoren können ein Gehalt von 12 000 Frank erreichen und beziehen außerdem noch eine Entschädigung
für Bureauunkosten.außerdem werden ihnen die
Umzüge bezahlt."
„Na, und Sie?"
„Ich habe 3000 Frank fest . . . -mit den verschiedenen Entschädigungen komme ich aber gut und gern auf 6000."
„Jährlich."
„Natürlich", versetzte Gsrard -mit einem gewissen Stolz.
Herr Tournesol blieb ein Weilchen stumm und stellte unwillkürliche Vergleiche an, indem er sich sagte:
„Die Sache ist mit dem besten Willen von der Welt unmöglich. Ich kann Berthe nicht einer solchen Ehe aussetzen, während Helene, meine älteste Tochter in Amerika 50- bis 60 000 Frank jährlich ausgibt. und ich selbst 30- bis 40 000 Frank brauche ... . 6000 Franst Die wären ja wie nichts verschwunden, wie ein Drotkrümch-en würde sie die verspeisen."
„6000 Frank", wiederholte er. „Ja, wenn er die noch wenigstens monatlich verdiente!"
Nein, er konnte Gsrards Bewerbung tatsächlich nicht ermutigen, er war nicht reich genug, um sich den Luxus eines so armen Schwiegersohnes zu leisten.
Mit -diesen Gedanken kam er nach Hause, und sein Gesicht spiegelte seine Empfindungen wieder.
Berthe, -die die Bereitung des Schokoladericrömes in Stimmung versetzt, und die trotzdem noch Zeit gehabt hatte, ein bißchen Toilette zu machen, erschien entzückender und reizender als je. Sie war fest entschlossen, ihrem Freunde, -bei der Durchführung seines Planes zu helfen, und das Projekt nach Kräften zu verteidigen. Auch Fifille hatte sich ihr angeschloss-en und sich ihren Gründen gefügt. Auf die Erörterung der technischen Frage ließ sic sich allerdings nicht ein, dagegen erklärte sie mit ihrer leichten Flötenstimme. Gsrards Idee erschiene ihr, sehr praktisch, denn es wäre entschieden vorteilhafter, in einem
guten Coups erster Klasse nach Edenbad zu kommen, anstatt sich in dem alten Omnibus rütteln und schütteln zu lassen.
„Sehr gut, sehr gut", flüsterte ihr ihre Schwester zu.
Während der kurzen Promenade, die sie zusammen nach dem Frühstück machten, bedankte sich Gsrard deshalb auch- auf das herzlichste bei ihr.
„Das lasse ich mir gefallen, das ist recht von Ihnen, Sie müssen uns Helsen. Wir werden uns auch zur Zeit revanchieren."
Nur Herr Tournesol teilte die allgemeine Freude nicht. Wenn er nur ein Mittel hätte finden können, Gsrard ebenso wie seinen Vater aus einige Zeit auf einst Mission zu verschicken!
Abends, als die ganze Familie ihn zum Wagen geleitete, fragte er leise:
„Gedenken Sie nicht während der Ferien zu Ihren Eltern zu reisen?"
„I, Gott bewahre", erwiderte Gsrard> kategorisch. „Ich weiß nicht einmal, ob ich in diesem Jah-r einen Urlaub nehmen kann."
„Ja, lockt Sie denn so eine Reise nach Deutschlan-!) garnicht?"
„Gewiß, aber es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, mich zu entfernen. Besonders, wenn die Gesellschaft auf das Pro- jekt ein-geht. Ich muß doch da sein und der Direktion zur Verfügung stchen."
„Und . Sie müssen da wohl immer hin- und herfahren? Sie werden sehr oft nach Edenbad kommen, nicht wahr?"
„Ich niuß ja . . . zunächst muß ich die topographische Frage studieren. Tann muß ich Pläne entwerfen, Messungen aufnehmen . . ."
Das Gesicht des Herrn Tournesol verdüsterte sich.
„Diese vielen Reisen müssen doch furchtbar anstrengend sein, namentlich bei dieser Hitze."
„Ach, das ist nicht so schlimm", versetzte Gsrard, un§
