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Versicherungen gegen Neileunfnlle.

Von Dr. jur. W. Brandts, Berlin.

J Obwohl man nicht sagen kann, daß ine Eisenbahn, .mfdile in den letzten Jahren Mb Verhältnis zu der Zahl verehrenden Züge sich vermehrt haben, so dachte ich L daran als vorsichtiger Familienvater vor Beginn meiner Sommerreise eine Rerseunfallversrcherung zu n«, da solche ja schr billig sein soll und immerhin Je größere Beruhigung auch neben emer bereits vor- bcmdenen Lebensversicherung gewährt. Jto die «ache mar nicht so einfach ausgeführt als rch dachte.

^Zunächst fragte ich auf einem Berliner Bahnhof, wo ein großes Plakat daraus hinweist. daß man für wonge fflfarf eine hohe Unfallversicherung für dre Reise ab- Metzen könne, nach einem Projekt. Jchswollte daraus «sehen für welcheUnfälle" Entschädigung gewahrt würde. Der Herr in dem Bureau erklärte kühl und auch oar nicht verlegen, Prospekte nicht zu haben. Er fugte auch nicht hinzu, daß sie ihm gerade ausgegangen seren und er sie morgen wieder bekommen wurde, trotzdem rch ihm hierzu Zeit ließ. Ich gehöre nicht zu den Personen, welche Verträge oder Anträge unterschreiben, ohne sie vor­her zu lesen und mich über die Rechte, die rch damit er­werbe, oder die Pflichten, die ich übernehme,, zu^unür- richten. Was nirr veranlaßte den Herrn, mir dre Be- dimmrgen seiner Gesellschaft nicht mrtzuterten? Hat er vielleicht schon öfter , die Erfahrung gemacht, daß Per­sonen, nachdem sie Kenntnis davon genommen haben, au; die Versicherung zu verzichten pflegen? Und wenn das geschah. was mag der Grund gewesen sein?

Ich begab mich deshalb zu eurem der RerseLureaus Unter den Linden" und fand dort ein ähnliches Plakat. Hier wurderr mir ans meine, Anfrage zwar ,auch nicht die Versicherungsbedingungen mitgegeben, um sie zu Hause,rn Ruhe durchlesen zu könneii, sondern es wrrrde intr eine fertige Police, der die Versicherungsbedingungen ange--

hängt tvvren, übergeben, inderen Besitz ich also erst ge­langen würde, nachdem ich die Prämie gezahlt hatte, ^ch hätte diese Bedingungen allerdings mr Kontor durch! s können, was mir aber bei dem dort stattfmdenden Ver­kehr als ein ungeeigneter Raum hierzu erschien. , Es btrev mir deshalb nichts übrig, als in das Bureau einer -oer- icherungsgesellschaft zu gehen, und zwar wählte ich Eure der angesehensten Berliner GesÄschaften. Hier erhielt ich in kulanter Weise die vollständigen Bedingungen nebst einem Formular.zu einenr Versicherungsantrag. Diuno- lich wurden mir einige Fragen beantwortet. ohne daß man nrich nach Namen und Wohnung fragte, also ohne jede Aufdringlichkeit.

Aus deir Bedingunger: dieser Gesellschaft mid aus den­jenigen anderer Gesellschaften ersehe ich, daß die, Gesell­schaften unter sehr verschiedenen Voraussetzungen für einen Unfall auf der Reise zahlen, und wird es tn der jetzigen Reifezeit manchem Leser interessantstem, Kenntnis hier­über zu erhalten. Die weit, verbreitete Meinung, daß, wer -eine Reise-Unfallversicherung beschließt. für «den Unfall, den er in der Reisezeit erleidet, einen Anspruch hat. ist ein leerer Wahn. Und es ist auch wohl gut. daß es so ist denn die übermütige Stimmung, rn welche manchen die Freiheit von Amt und Dienst versetzt wurde dann vielleicht allzusehr überschäumen und Gefahren leichtfertig mißachten.

Mau kann die Gesellschaften nach dom Umfange, den sie ihrer Versicherung gegeben haben, in drei Gruppen teilen: 1 in solche, bei denen sich die Versicherung auf fast alle Unfälle erstreckt, welche man während der Lauer einer Reise erleidet; 2. in solche., welche nur für Unfälle bei Benutzung eines Transportmittels irgend welcher 2lrt eitte Entschädigung zahlen, und dies auch nur daun, wenn dem Beförderungsmittel ein Unfall zugestoßen rst; solche, welche nur gegen Eisenbahn- und DampsschM- mrfälle versichern, und zwar gleichfalls unter der Voran- setzung daß der Eisenbahn oder dem Dampfschiff ein Unglück Angestoßen ist. Zur Lessen, JllustriLEg seim die mir vorliegenden Bedingungen je einer Gesellschaft dieser drei Gruppen kurz charakterisiert.

Di« Gesellschaft der ersten Gruppe versichert grund sätzlich gegen alle Unfälle während der Dauer einer Reise, also z B auch aegen Unfälle beim Bergsteigen, im Hotech auf der Straße, gegen körperliche Beschädigung Durch Verbrennung, plötzlich ausströmende Gase oder Dampfe. Blitzschlag usw. Allerdings Hai sie eine Reche von Aus- nahmen aufgestellt z. B. für Unfälle bei WasserfahNen ohne Begleitung einer zweiten erwachsenen männlichen Person- auch Unfälle beim Baden sind nicht versichert, wenn dabei der Tod eingetreten ist. Nicht versichert sind Unterleibsbrüche. Unfälle infolge von Geistesstörung oder Störung des Bewußtseins, z. B. wegen Lrunkenhelt. sowie natürlich alle gewöhnlichen Erkrankungen, da diese ja nichtUnfälle" sind. Uiifälle beim Radfahren, beim Fahren mit Automobilen. sowie auf Gletscherpartieen er­fordern eine Zuschlagsprämie. Die Versicherung gilt

nicht für Uiifälle innerhalb des eigenen Wohnorts, im übrigen erstreckt sie sich auf ganz Europa, auch -auf See­reisen nach) einem europäischen, afrikanischen oder asiati- scheu Hafen.

Die Gesellschaft der zweiten Art ist buchstäblich nur eine Reiseunfall-Versicherung, denn sie versichert nur, gegen körperliche Beschädigung, welche der Versichertewahrend einer Beförderung unmittelbar und allem durch einen dem Eisenbahnzug, der Post oder jedem andem Wagen, dem Schlitten, "dem Dampfschiff oder dem sonstigen Be- förderungsniittel (z. B. dem Pferd, dem Maultier, dem Esel) zustoßenden Unfall" erleidet. Es genügt also nicht, daß die versicherte Person während der Reise einen Un- äll erleidet, z. B. vom Pferde stürzt oder beim Heraus- stecken des Kopfes aus dem Eisenbahnwagen gestoßen oder geschlagen wird, oder -daß ihm von der Angeschlagenen Waggontür der Finger gequetscht wird, sondern dem Wagen selbst muß ein Unfall Anstößen, z. B. er muß bei einevi Eisenbahnzusammenstoß oder bei einem Absürrz von einem Damm beschädigt werden. Ob «de Ent- aleisunq. bei der der Wagen völlig unverletzt bleibt, die Passagiere aber nicht, die Gesellschaft entschädigungs- pflichtig macht, erscheint mir zweifelhaft. Sicher erhalt man keine Vergütung, wenn man z. B. von der Platt­form einer überfüllten Straßenbahn, während sie um eme Ecke biegt, herabstürzt, denn dem Wagen stößt kein Un­fall zu. Man erhält auch keine Vergütung, wenn man vom Pferd oder Esel abgeworfen wird, denn das Der er­leidet ja keinen Unfall, sonderm nur der versicherte Passagier. Eine Ausnahme von diesem Grundsatz ist, ge- macht zugunsten von Unfällen beim Ein- und Aussteigen in einen stillstehenden Eisenbahnwagen. Hier wlvd eme Vergütung gezahlt, auch wenn der Waggon keinen Unfall erlitten hat. Für Straßenbahnen gilt dies jedoch mchsi Auch für Unfälle bei Benutzung von Fahrrädern wlvd keine Vergütung gezahlt.

Noch enger begrenzt ist die Eisenbahn- und Dampf- fckiiff-Unglückversicherung. Die soeben angeführten Bei- spiele lassen die engen Grenzen der Versicherung dieser dritten Gruppe genügend erkennen. Es kommt noch hin­zu. daß in den mir vorliegenden Versicherungsbedingungen die Dampfschiffversicherung auf europäische Binnen­gewässer beschränkt ist, alfo für Seefahrten überhaupt nicht gilt. Es ist also eine Versicherung gegen die folgen­schwersten, glücklicherweise aber sehr seltenen Unfälle. Um die Versicherung wertvoller zu machen, ist sie so em- gerichtet, daß sie nur lebenslänglich genommen werden

^ Während also der Kreis der Unfälle, welche versichert sind, von sehr verschiedener Größe ist. finden wir ziemliche Übereinstimmung Lei den Grundsätzen, welche für die Be- rechunng der Entschädigung gelten, deren Höhe sich natur- lich im einzelnen Falle nach der gewollten Versicherungs- summe richtet.

Den mir vorliegenden Versicherungsbedingungen der drei Gesellschaften gemeinsam ist die dreifache Abstufung

FemUelon.

Berliner btimmungZdilder.

Von Paul Lindenbcrg.

Wovon man spricht. - Berliner Wettlänjerinne« - Besuch a«S Pajris. Unsere Liebenswürdigkeiten. r.'"*»

Anthonynd ihre Urteilsgabe.. D,e deutschen Männer. - Andere Urteile. - Soziale Fürsorge. - Eme Wald, schule Acht Uhr abends. Die Weltausstellung von Lt. Louis im Bilde.

Es gibt G e s p r ä ch s t h e m a t a, die man an­schlagen mutz, ob man sich auch noch sosehr dageg-N sträubt, 's ist dasselbe, wie mit dem berühmten, G.gen- äevstromschwtmmen. Man versucht's einige Zeit, schon ans Trotz und um -die eigene Kraft zu erproben, bn> nie Wellen doch stärker sind als wir und uns schließlich mit sich führen. Und erst zögernd, dann aber ganz gemäch­lich und behaglich plätschert man mit talab. Ob man wollte oder nicht, man mußte irr der jüngsten Zeit vom Wetter sprechen, von der Hitze und ihren Beglerter- scheinungen, von Dürre, Wassermangel, Waldbranden und ähnlichen Dingen. Wehe, wenn man eine gegen­teilige Meinung äußerte, man ward mit derartig miß­trauischen oder mitleidigen Blicken betrachtet, als ob man schon einen Sonnenklaps habe.O, diese Glut, cs tu nicht mehr zum ertragen l Leiden Sie denn auch so da­runter?" Und obwohl man sich nach einem -L-ektbade sehnt und nach einer Sintflut von Erdbeerbowle, äußert man ganz harmlos:Nicht im geringsten! Es ist so recht 'ne mollige Temperatur. Schließlich ist doch der Sommer dazu da, daß es etwas warm ist." Und der andere dann besorgt:Hören Sie, lieber Freund, Sie scheinen mir doch krank zu sein und schon zu phantasieren ich würde an Ihrer Stelle einen Arzt airssuchen", und er entfernt sich mit verwundertem Kopfschütteln.

Was hätte -dieser Hitzfeind nun erst gesagt zu der Tatsache, daß sich gerwd' während der heißesten Tage «chrzehn jung« Berlinerinnen auf die

Strümpfe gemacht, um in Magdeburg als Wettläu­

fe r i n n e n aufzutretcn. Das zeugt wahrlich von Mut. Zugleich aber auch von regem Geschäftssinn, denn die flinken Spree-Atheneriuncir, die sonst emsig Nadel und Schere führen, ergattern sich durch ihre Behendigkeit eine ganz hübsche Nebeneinnahme und haben einen vergnüg­ten Sonntagsansflug als Gratiszugabe. Ob sich das Ge­schäft auf die Dauer lohnen wird, ist zwar fraglich, hier haben die kürzlich veranstalteten Wcttlänfe zwischcil Ber­liner und Pariser Schneidermüdelchens keinen weltcr- schütternden Eindruck gemacht und dürsten kaum zu Wre- dertlolungen reizen. Trotzdem gefielen den medliwen Pariserinnen, unter denen sich einige allerliebüe Käfer befanden, Berlin und dessen Bevölkerung sehr gut and cs soll in verschiedenen Fällen eine srenndschastliche Annäherung zwischen Paris und Berlin stattgefmiden haben. Aus zarter Rücksicht auf unsere schönen Fein­dinnen wurde die Allianz in einem vornehmen Lokal der -Französischen Straße gefeiert und natürlich- bloß französischer Sekt dazu ver-wendet. OS die schnell gc- sl-.-cktenen Rosenkctten so stark sind, um bis zum fran­zösischen Dom zu reichen, der sich mit seiner grauen Kuppel auf 'd>em Benachbarten GenBarmenMarkt erhebr, wird sich binnen kurzem zeigen.

O wir Berliner können sehr liebenswürdig sein, namentlich Fremden gegenüber, und sind letztere gar weiblichen -Geschlechts und jung und hübsch, so kennt un,:r Entgegenkommen keine Grenzen. Aber auch über Jugend und Schönheit setzen wir uns hinweg, wie wir dies anläßlich des vor wenigen Wochen hier stattgefnn- dcnen Internationalen Frauen - Kon­gresses gezeigt. Denn es war viel Alter aus dem­selben vertreten, viel Klugheit und Intelligenz, die Grazien waren wohl nicht eingeladen worden. Und dennoch, welch eine überschwengliche Aufnahme hat man den Damen bereitet, alle Kreise wetteiferten, sie gaü- lich zu bowirten und ihnen den Aufenthalt auf Berliner Boden auf das angenehmste zu gestalten, die Kaiserin, der Reichskanzler mit seiner Gemahlin, der Oberbürger­meister nebst den Stadtverordneten, unsere Minister und

deren Gattirrnen, unsere ersten Gelehrten und Künstler waren bestrebt, Berlins Ruf als Festort in jeder Be­ziehung zu erhöhen, kaum je zuvor hatte man am Ufer der Spree so viel für die Mitglieder eines Kongresses getan wie in Resem Falle. Eine Dame besonders ivar vor allen übrigen ausgezeichnet und mit Güte wie Freundschaft -wahrhaft umwickelt worden, das achtzig­jährige Fräulein S u s a n n e B. Anthony aus den Bereinigten Staaten.Den Dank, o Dame, bcgehr'n ji-iv nicht!" hätte man beim Abschied auf das Gepäck dieser Slichtc Methusalems schreiben können. Denn kaum in Ihrer Heimat angelangt, äußerte sich Susannchen in reizender Weise über die in Berlin empfangenen Ein­drücke und ihre sonstigen in Deutschland gemachten Be- obachtnugen.Die deutschen Frauen sind eben immer noch Geschöpfe einer alten Tradition! Bon den deutschen Männern halte ich nicht viel. Sie sehen dnmm aus, nicht ein bißchen lebhaft, wie beispielsweise die Amerikaner: ick, glaube, das kommt vom Biertrinken." Es- geht doch nichts über eine schnelle Auffassungsgabe und ein geist­reiches Deuten der Physiognomien eines Volkes von 60 Millionen. Genau wie jener oft zitierte Engländer, der nach der Bekanntschaft mit dem Stubenmädchen und dem Kellner rat Hotel die Hamburger beschrieb.Die Frauen

stottern und die Männer haben rote Haare!"-O,

Susannchen, holdeste aller Zeitgenossinnen, das durfte nicht kommen! Oder bist du vielleicht verärgert von dannen gezogen, weil man brr hier keinen Hciratsantrag gen-,acht? So liebenswürdig sind wir denn doch nicht. Takt ist der Verstand des Herzens", hat 'mal ein be­deutender deutscher Dichter gesagt, aber auch er zählt nach Susannchens Meinung zu den Dummen. Wir müssen eben unser Schicksal mit Geduld tragen!

Gut, daß nicht alle f r e m d c n B e s u che r B e r - l i rr s so schnell mit ihrer Meinung fertig sind wie jene erleuchtete Zierde des verstorbenen Frauen-Kongreffes. Kürzlich weilte hier ein hervorragender Amerikaner, William Regnolds, der in verschiedenen verantwortlichen Staatsstellungen tätig gewesen: er sprach sich nach den rn amerikanischen Zeitungen veröffentlichten Berichten mit