Mage zum Mestmüener
Mp. 585. Morgen-Ausgabe
Mittwochs den 16. Dezember.
Geduld.
Willst Du Deiner Arbeit reiche Frucht genießen,
Darf Dich Harr» und Hoffen keiner Zeit verdrießen, Ungeduld und Zweifel rauben alle Nnd,
Argwohn, Mißtrau» schließen gar die Tore zu;
Soll des Glückes Blume Deinem Beel cnlsprießcn, Schaffe und vertraue — und Du wirst genießen!
Steltcr.
(76. Fortsetzung.)
Ena Keoni.
Roman von Marie Bernhard.
Die Geringschätzung, mit der der Offizier von dem künftigen Gatten seiner Schwester sprach, mißsieh mir,
.-aber konnte ich wissen, ob sie nicht gerechtfertigt
ivar? — Erstaunt war ich auch, zu bemerken, lote eifrig, (aut und angelegentlich sich Susi mit ihren: Oheim und Sennora Coldras unterhielt. Sie hatte die beiden vollständig in ein animiertes Gespräch verstrickt, was mich um so mehr befremdete, als ich ja wußte, daß sie den Onkel nicht mochte, und daß die Sennora ihr namenlos langweilig war; erst später kam ich dahinter, daß sie die beidm so vollständig in Beschlag genommen hatte, um mir und ihrem Bruder Zeit zu lassen, unsere neue Bekanntschaft gründlich zu Pflegen. —
Als aber im Berlauf einer Stmrde die Unterhaltung allgemeiner wurde, konnte ich beobachten, daß zwischen dem alten Baron von Richtbofen und seinem Neffen ein jo kühles, gespanntes Verhältnis herrschte, daß nur die von beiden Seiten streng gewahrte Höflichkeit die leichte Tünche bildete, welche dem Verkehr dm Anstrich offenbarer Antipathie benahm. Die beiden Herren richteten nie das Wort aneinander; inachte das Gespräch es unvermeidlich, daß einer des anderen erwähnte, so geschah es von seiten des älteren Mannes mit eisiger Kälte, von seilen des jüngeren mit einer zornigen Ironie, die sichtlich mir mühsam im Zaume gehalten wurde und oft nahe daran war, in offenen, beleidigenden Hohn auszuarten.
— Ader ich war nicht inehr unbefangen genug, um gerecht abzuwägen, auf wessen Seite das Recht liegen mochte,
— immer mchr fühlte ich es, ich stand unter einem Zauber, desien ich mich umsonst zu erwehren strebte; er spann mich ein mit Blick, mit Wort, mit Miene, mit dem weichen Tonfall der Stimme, mit dem beredten Verstummen. mit einem bittenden Augenausschlag, und ich saß da, verwirrt und geblendet, und sagte mir innerlich immer wieder: es ist ein Traum, — das ist ein Traum — und du mußt daraus erwachen, -— mußt erwachen!! —
916er meine Susi sah glückselig aus! Immer wieder streifte der lachende Blick ihrer blauen Augen bald über mich, bald über ihren Bruder hin. und dann verklärte sich ihr reizendes Gesichtchen wie im hellsten Sonrrenschein, und wieder ergoß sich ein wahrer Springquell von Witz,
K twillen und heiterster Laune über ihre beiden Nach- r. — Auch Clemens^ Günther war glücklich, — er sah Mveilen nach seiner L-chwester hinüber und sandte ihr stnen bedeutsamen B'lick zu, einmal hob er sein Glas und
trank ihr zu, wollte aber, auf Sennoras Coldras' dringende Frage, durchaus nicht bekennen, was der stumme, sichtlich rnit vollem Verständnis aufgeuommene Toast zu bedeuten habe.
Ich muß es ehrlich gestehen,-ich hatte Ort, Zeit
und Umgebung vollständig vergessen; ich sah und hörte nur noch nreineu Nachbar, der leise tind animiert ztl mir sprach und, wenn ich ihm antwortete, mit einer Andacht mir zuhörte, als fielen die tiefsinnigsten Orakelsprüche von mmnen Lippen. Wie erschrak_ ich daher, als Susi plötzlich ihre Uhr zog und zu mir hinüber rief:
„Ha blonde, wenn du deiner lieben Madame Bertram noch persönlich Lebewohl sagen willst, dann ist es höchste Zeit!"
Ich sprang sofort auf, Scham rmd Bestürzung im Herzen. Meine treue Hannah, meine liebe, unermüdliche Pflegerin, bereu Scheiden ich vor wenigen Stunden itoch so tief bedauert, sollte für längere Zeit von mir gehen, — und ich hatte hier gefesselt, geplaudert, gelacht, mich amüsiert und sie vergessen! Tränen der Beschämung traten mir in die Augen, und ich hörte, wie Clemens Günther leise zu seiner Schwster sagte: „Die weiße Rose schüttelt den Tan ab!"
Die Tafel war aufgehoben, ich eilte, fortzukommen; aber als mein Tischnachbar meine Hand jetzt an seine Lippen zog, flog doch ein Zittern über mich hin, das ich umsonst zu unterdrücken strebte.
„Wann darf ich morgen kommen, Susanne?" fragte Clemens Günther.
„Morgen?" Susi machte ein wichtiges Mäulchen. „Vormittags können wir dich nicht brauchen, da haben wir bie Toilettenfrage ztl erledigen; abends _ kommt Manuel, das mußte ich ihm bewilligen, wenn ich ihn mir nicht ernstlich verstimmen wollte, — er bringt auch den Paradiesvogel und den Irländer mit, also, das ist nichts für dich! Aber halt! Nach dem Auer, etwa um fünf, werden wir cmsfahren, vielleicht im Vorüberstreifen hier und da noch einen Einkauf machen, aber es schadet dir und uns nichts, lvenn du dabei bist, — du magst dich ztl Pferde setzen und uns abholen oder am Großen Stern im Tiergarten treffen. Einverstanden?"
„Einverstanden! Ich werde pünktlich am Großen Stern zur Stelle sein! Hast du deiner Freundin bereits gesagt, Kleine, daß ich die Ehre haben werde, bei deiner Hochzeit ihren Kavalier abzugeben?"
„Nun, das versteht sich doch von selbst, wozu häb' ich darüber noch reden sollen? Jetzt laß rms gehen, du siehst, ma blonde brennt der Boden unter den Füßen vor Un- gedttld."
Noch eine tiefe Verneigung, ein paar höflich-ent-
schuldigende Worte meinerseits an die beiden älteren Herrschaften, und ich ging Arm in Arm mit Susi davon, bemerkte aber noch, daß Clemens Günther seinen in der Ecke lehnenden Schleppsäbel holte und dem Bedienten zurief, ihm Mütze und Handschuhe zu bringen, — er wolle gleichfalls gehen.
„In den Klub?" fragte Susi, im Fortgehen den Kopf zurstchvendend.
„Wohin sonst?" Clemens Günther zuckte die Achseln. „Ich Hab' natürlich auf dm Dresdmer Bahnhof mit-
51. Jahrgang. 1903.
kommm wollm, aber deine Frmndin hat sich das streng- stens verbeten."
„Ist das wahr, piccola?" fragte Susi erstaunt.
Ich nickte stumm; bei meinem Abschied von Hannah wollte ich keinm Zeugen, außer einem unvermeidlichen Diener, haben.
Draußm, im schönen, Hellen Treppcnflur, nahm Susi tnich plötzlich in ihre Arme, wirbelte sich mit mir wie toll herum und ries mit fröhlichem Anfjauchzen:
„Wie ich mich srm'! — Du lieber Gott, wie ich mich freu'! Bin ich nicht ein Sonntagskind, dem alles geschieht, was es sich nur wünscht? Es wird,-
es wirb!"
„Aber um des Himmelswillen, .... was denn?"
„Ich tverd' mich hüten, dir's zu sagen, wenn du dmn wirklich so grausam unschuldig bist! . Du wirst's ja er- lebm, und dann sprechen wir uns weiter!"
Schweigend hastete ich die Treppe hinauf; ganz so „grausam rmschuldig", wie Susi meinte, war ich denn doch nicht,-aber bei dem Gedanken, daß wirklich das
jenige, was Susi sich ausgedacht, „werden" könnte, überkam es inich wie ein Schwindel und nieine Hand griff unwillkürlich nach dem Treppengeländer.
Drobm fanden wir Hannah bereits atifgestanden und im Begriff, sich zu rüsten; sie behauptete, die warmen Speisen und die zweistündige Ruhe hätten ihr^ so wohlgetan, daß die bevorstehlende Reise Kinderspiel für sie sei; während ich ihr half, bemerkte ich, daß chr Blick mich mehr als einmal erstaunt streifte, und daraus flüsterte sie Susi ein paar Worte ins Ohr, die diese rnit zusnmmendem Lächeln und Kopfnicken beantwortete.
Als ich in größter Hast mein helles Kleid mit einem dunklen Koslünt vertauscht hatte, meldete auch schon ein Bedienter, der Wagen sei vorgefahren; ich küßte Susi, bat sie, gleich zu Bett zu gehen und keineswegs mchr meine Rückkehr zu erwarten, und zwei Minuten daraus saß ich neben Hannah in den weichen Kissen eines geschlossenen Wagens irnd fuhr nach dem Bahnhof. — Wir waren betde schweigsam, — ich war befangen, benommen von dem großen, neuen Eindruck, den ich soeben empfangen hatte, und konnte es doch nicht über mich gewinnen, der treuen Seele neben mir jetzt, angesichts unseres Abschieds, in der
letzten Stunde, etwas darüber zu sagen.ich
hätte nicht gewußt, wie ich das, was mich so mächtig, aber doch noch verworren und dunkel erregte, in Worte kleiden sollte, — überdsies hätte ich jetzt das erste Wort von Clemens Günther zu Hannah sprechen müssen, denn ich wußte nicht, ob ich chr jemals etwas von der Existenz eines Bruders meiner Susi erzählt hatte. Jedenfalls war mir das jetzt nicht erinnerlich; meine Hand ruhte in Hannahs, zuweilen drückte ich sie zärtlich und seufzte dabei. Hannah, jedenfalls in Gedankeit ganz anderer Art ebenso ttes eingesponnen wie ich, drückte mir auch die Hand und seufzte ebenfalls. Ab und zu sagte ich: „Meine gute, einzige Hannah, wie danke ich dir für all' deine Güte, und wie werde ich dich vermissen!" oder etwas Ähnliches, — und dann küßte sie mich und nannte mich ihren Liebling, chr Herzblatt, ihre süße Eva, die auch sie schwer ent- behren werde, — das war alles!
(Fortsetzung folgt.)
praktische»
empfehlen:
Teppiche in Velour, Tapestry, Axminster, mechanischem Smyrna u. imit. Perser, in neuen Mustern, in allen Größen, per Stück von Mk. 5.50 an. Bettvorlagen in obigen Qualitäten per Stück von 1.20 an.
Wollene Jacquard-Decken Stück Mk. 12.—, 10.—, 8.—bis 6.—. Steppdecken in Cretonne, Wollsatin und Alias per ivluck Mk. -0. , 18. , 15.—, 12.—, 10.— bi§ 4.50. ^ 0 . „ c .
Portieren in Plüsch u. Wolle per Paar Mk. 18.-, 15.-, 10.-, 8.- btt; 3.50. Reisedecke» in Sealkskin, Plüsch u. Wolle Mk. 30.—, 18.-, Io.-, 12.- bis 5.—.
Linoleum, 200 om breit, per «Dieter Mk. 4.50 W 2.80.
„ HO, 90 und 67 cm breit, per Meter Mk. 1.60 bis 8o Pf.
Tischdecken in Plüsch, Tuch u. wollenen Fantasie-Geweben per Stück Mk. 18.—, 15.—, 10—, 8.— bis 2.—.
Fenstcrmäntel in Tuch und Plüsch, gestickt und mit eleganten Bordüren, per
Stück Mk. 5.50, 4.—, 3.75 bis 2.50..
(dardiuen in crbme und weiß, neueste Dessins, in jeder Preislage. Länfcr-Stofsc in Plüsch, Tapestry, Cocos, Wolle und Jute, 90—65 cm breit, per Meter Mk. 3.50, 2.50, 1.75, 1.—, 80, 60 bis 40 Pf.
Sophakissen mit Daunen- nnd Baumwollefüllung Mk. 3.—, 2.—, 1.20, 60 Pf.
Abqepaßte Linolemu-Tcppiche, 200 breit, 250 lang, Mk. 12.—.
' „ „ „ 200 breit, 300 lang, Mk. 15.-.
Reste von Brüssel nnd Tonriiay. Velvet, für Bettvorlagen geeignet, spottbillig.
Ä
fl
I - !
!' 'Wj
fl
tr
j I
. |
vfl
I
\ ]
Hl
ij iil
j
' W
ii}]i
i
v
II j
Iil
]
H I i
i n
J
m\
£ I
u
