Sette 4» S« März 1902.
fern und den Latz zu heften 1 Thlr.; die gülden« Sttffe ne&ft den Armringen auffrrschen lassen 13 g. Gr; der Susanne auf die Hand gegeben 3 Thlr.; Summa 75 Thaler 11 g-Gr- 13 Heller. Zar Würdigung dieser Zahlen ist noch zu berücksichtigen, daß em iryhr damals einen ganz anderen Werth hatte als heute..
* Kür die Gefährlichkeit der großen Raubthierc firingt die „Deutsch-Ostafr. Ztg." vom 22. Februar einen neuen Beweis. Danach wissen die großen Raubthiere sich auch neuer> dings noch im näheren Umkreis der Hauptstadt Dar-es-Salaam zahlreiche Menschenleben zu erlangen, w>e durch die Rodungen H der Konmiunrschamba Aulep und auf dem Grundstuck d^s ts.rm Devers erwiesen ist. Beim Lichten und Abräumen des Udbusches wurden nämlich nicht weniger als neun Menschenschädel mit daneben liegenden Rippen und Knochen und außerdem fünf Ochsen-GeriPptheile gefunden Da die Eingeborenen ziemlich sorgfältig für ihre Tobten zu sorgen pfle^n, so bleibt .nur anzunehmen, daß die Knochen von Opfern herstammcn, re ;Löwen während der Nacht auf der großen Straße nach Pugu «griffen und im nahen Dickicht verzehrt haben. Wenn, was wahrscheinlich ist, die Schwarzen weiter aus dem ^rmern stammten, so ist es sehr erklärlich, daß etwa von dm An«-- Vorigen angestellte Nachforschungen nach ihrem Verbleib ohne Erstüg blieben.
Kleine Chronik.
Aus Prag wird berichtet: Schon seit längerer Zeit
langten an das Apotheker-Gremium Beschwerden darüb« na, daß die in der Apotheke des Theodor Prunner in der Gerstegaff« hergestellten Medizinen den Rezepten nicht entsprechen. Am Samstag wurde Prunner dabei überrascht, wie er aus starken Giften Arzneien zubereiten wollte. Man erkannte sofort, datz man es mit einem Geisteskranken zu thun habe. Prunner wwrde in die Jrrmanstalt transportirt.
Aus der Schweiz werden wegm S ch n e e s a t t und Lawinengefahr vielfache Verkehrsstörungen gemeldet. DerPost- Werkehr zwischen Andermatt und Göschenen ist unmoglrch; der 'Schn« liegt 1 Meter hoch.
In Winterthur gab ein 18-jähriger ^ungling einem -mi der Schul« nach Hause gehenden Mädchen einen Kuß. Das Mädchen erschrak darüber so sehr, daß Nervenstörungen ein- tratm. Gegen den Jüngling wurde Klage erhoben und das Bezirksgericht verurtheilte ihn wegen fahrlässiger Körperver- lehung zu 100 Francs Buße und 2200 Francs Entschädigung
Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgabe). Verlag: Langgaffe 37
50. Jahrgang, wo. 14».
Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen (Stiere und Rinder) 43-45 Mk.. d) mäßig genährte Kuhe und Färsen (Stiere und Rinder) 32—34 Mk.. e) gering genährte Kühe und Färsm (Stiere und Rinder) 30-31 Mk. Bezahlt wurde für 1 Pfund: Kälber: a) f""ste M°st (Vollm- Mastt und beste Saugkalber (Schlachtgewicht) 80 82 Ps.,
(Lebendgewicht) 48-50 Pf., b) mittler« M°st- und gute Saugkälber (Schlachtgewicht) 73-76 Pf„ (L°bendgewicht)44 bis 47 Pf c) geringe Saugkalber (Schlachtgewicht) 60—68 Ps. Schafe:' a) Mastlämmer und jüngere Masthammek (Schlachtgewicht) 64-66 Pf., b) ältere Mastharnmel (Schlachtgewicht) 58—60 Pf., c) mäßig genährte Hammel und Schafe schafe) (Schlachtgewicht) 50-52 Pf. Schweine: a) voll-
fleischige der feineren Raffen und deren Kreuzungen un Alter bis zu 114 Jahren (Schlachtgewicht) 66 Pf-, (A^udgewichi) 52 Pf b) fleischige (Schlachtgewicht) 65 Pf-, (Lebendgewicht)
51 Pf- ‘ _
Atzte Uachrichlrn.
London, 25. Mär«. Reuters Büreon meldet «rrterm 23. März: Mit Lord K-itcheners Erlaubnrß haben Schalk Burger, Lucas Meyer, Reitz, Jacoby, Kroh und Bandewelde. welche die Regierung Transvaals bilden, mit Sonderzug, von Balmoral aus die Reife nach der Oranje-Kolonie nngetreten. Sie verhetzen Balmorel am 22. März, brachten die Stacht in Bilioens- d-cift zu und setzten in Begleitung von sechs britischen Stabs-Offizieren am 23. März Vormittags die Reife noch Kroonftadt fort. Es geht das Gerücht, die Buren- ffchrer seien für allgemeine Uebergabe, um Lern Kriege ein Ende zu machen.
wb. Paris, 25. Atärz. Der Londoner Korrespondent bes „Matin" lvill erfahren l>aben, in^englischen Kreisen zweifele man sehr daran, daß die von schaff Burger und anderen Burenchefs unternommenen, Schritte zu Verhandlungen Anlaß geben könnten, die geeignet waren, Öen Friedensschlutz herbeizuführen.
Belgrad, 25. März. Wie in hiesigen Mstaningen Kreiseiiverlautet, ging aus Petersburg die amtliche Mtt- cheilnng ein, daß der König und die Königin im Laufe des Sommers, wabrscheinlrch un ^uh, b on d-em Kaiser und der Kaiserin von Ruß fand in Livadia empfangen werden.
D MswirLH schKstliches.
X Höchst a. M., 25. März. Der hiesige Vorschutz- Verein, E. G. m. u. H., hat seinen 39. Geschäftsbericht herausgegeben. Aus dem umfangreichen Berichte ss^n folgende Daten hervorgehoben: Der in 1900 begonnene w-irthschastlich- Niedergang machte sich auch im verflossenen ^ahre bemerkbar und wurde noch vertieft durch di« infolge der bekannten Bann brüche hervorgerufene Kreditkrisis, welcher in den davon >n erste c Linie betroffenen Theilen unseres Vaterlandes eine ganze Anzahl industrieller Unternehmungen und Einzelexistenzen zum Opfer fielen. Was nun das Vereinsgeschäft s^leü betrifft so kann wenn auch auf einzelnen Eonten die gefchaftsstille Zeit zu spüren war, von verwichenem Jahre im Allgemeinen gesagt lwerden, daß es den Verein in Bezug auf Mitgliederzahl, Umsatz, Bilanzsumme wieder einen bedeutenden Schritt hat vorwärts gebracht. Und wenn auch der Reingewinn um 2200 Mark gegen das Vorjahr zurückgeblieben, so lag, resp. war solcher 'in den wesentlich niedrigen Zinssätzen gegen 1900 begründet. Die Mitgliederzahl ist, von Ende 1900 von 846 auf 606 die Bilanzsumme von 2,1 Millionen auf rund 2,6 Millronen, !der 'Gesammtumsatz, einschließlich der Vorträge ausdem Borsfuhr (ohne Umsatz der Kaffe, der in 1901 3214 .RM., gegen 128 Mill in 1900 betrug), von rund 4414 Mill. m 1900 auf srund 493Ü Mill. gestiegen. Die Reserven erreichen die ftatt- Iliche Höhe von 123,000 Mark, und den Mrtgliedern werden jwiederum 7 pCt. Dividende ausgezahlt.
Viehmartt zu Frankfurt a. Nt. vom 24. März. Zum Verkaufe standen: 565 Ochsen, 59 Bullen, 893 Kühe, Rinder und Sttere, 393 Kälber, 336 Schafe und Hümmel, 75 Schaf- lämmer, 1385 Schweine, 5 Ziegenlämmer, 1 Ziege. Bezahlt wurde für 100 Pfund: Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerthes bis zu 6 Jchren 65—67 Mk., b) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 59—62 Bit c) mäßig genährte junge, gute genährte ältere 54—55 Mk., d) gering genährte jeden Alters 40—48 Mk. Bullen: a) voll- Nnscksige höchsten Schlachtwerthes 54—56 Mk., b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 49—52 Mk. Kühe und Färsen (Stiere und Rinder): a) vollfleischige, ausgemästete Karsen (Stiere und Rinder) höchsten Schlachtwerthes 69—61 Mark b) vollfleifchige ausgeinästete Kühe höchsten Schlachtwerthes bis zu 7 Jahren 56—58 Mk., 0 ) ältere ausgemästet-
Emsendungen aus dem Leserkreise.
* Mt Inkrafttreten des neuen L e h r e r b e s 0 ldungs - aesetzes hattm einzelne Gemeinden die für Lehrer mit eigenem Haushalt gesetzlich geforderte höhere Wohnungsentscha- diquna irrthümlich, analog den bisherigen Alterszulagen, erst vom Beginn des auf die Einrichtung des Haushalts folgenden Quartals zur Auszahlung gebracht, während die wertau- meisten Gemeinden in Ucbereinstimmung mit dem Wortlaut des Gesetzes, welcher den Bezug des Grundgehalts, und der bezüglichen Wohnungsentschädigung mit dem thatsächüchen Eintritt des Dienstverhältnisses, respektive der Einrichtung des Haushalts, vorschreibt, verfuhren. Inzwischen hat nun die Schulbehörde in Uebereinstimmung mit der richterlichen Entscheidung höchster Instanz das Vorgehen der ersterwähnten Gemeinden für unstatthaft erklärt, wie andererseits die Schulunterhaltungspflichtigen auch nur so lang« berechtigt sind, die geringere Wohnungsentschädigung für Lehrer ohne eigenen Haushalt zu zahlen als die thatsächliche Voraussetzung dazu besteht. Den bisher geschädigten, allerdings nur wenigen Lehrern— es hei- rathei halt auch nicht jeder Lehrer mit Quartals-Wohnungswechsel - steht nun die Auszahlung der ihnen vorenthaltenen Beträge bevor wie dies in anerkennenswerther Weise schon von einzelnen der in Betracht kommenden wenigen Gemeinden auf erfolgte Anregung sofort bereitwilligst zugesichert wurde.
* Der Verfasser des Eingesandt vom Sonntag scheint sich die Lösung der so viel ventilirten Frage des S ch u l b e g i uns recht leicht zu machen: wenn die Schüler um 914 Uhr zu Bett kommen, ist eben Alles all right! Wer wird ihm darin bei- stimmen können, wenn es sich um Schüler der höheren Klassen handelt; wer wird ihm sogar darin beistimmen müssen wenn er eine derartige Schlafenszeit als die normale hinstellt, wenn er Unterhaltungen und Vergnügungen in der spateren Abendzeit als für das jugendliche Alter durchaus ungeeignet bezeichnet. Aber die Agitation über eine Aenderung des frühen Schulbeginnes geht — meines Wissens — doch nicht aus von den Eltern, deren Kinder bereits die oberen Klassen besuchen.
Es kann nicht scharf genug betont werden: das Schlafbedursniß ist eben ganz verschieden, allein schon nach oem Alter. Ohne besondere Rücksicht auf Konstitution, Nerven, Lebensgewohn- heiien -c. Kinder von 9 bis 12 Jahren brauchen eben mehr Schlaf wie solche von 15 bis 18. Für letztere kann es gewiß in keiner Richtung schaden, wenn sie durch ein rechtzeuiges Zu- bettqeben von Genüssen und Vergnügungen, die mit ihrem Alter noch nicht im Einklänge stehen, fern gehalten werden. Aber genügt denn für Kinder von ca. 9 bis 12 J°hren eme nominelle Schlafenszeit von etwa 10 Stunden? DurchschmtUich doch kaum und ich glaube, vor Allem nicht hier in Wiesbaden. We kaum -ine Stadt in Deutschland repräsentirt doch Wiesbaden einen Platz, wo sich gutsituirte Familien zu dauerndem Aufenthalte niederlassen, lediglich um ihrer Ruhe und ihrer Gesund- beit zu leben, und die naturgemäß ihre Zukunft, ihre Hoffnungen in ihren Kindern sehen. Die große Reklame, die mit den Wiesbadener Schulverhältniflen getrieben wird, — die aber leider, wie mancher hinterher mit großem Bedauern erfahren mutz, wohl auf die Volksschulen, aber gewiß nicht auf die Gymnasien zutrifft! — hat sicher viele zur Ueberstedelung hierhe. veranlaßt und wird es weiter thun! Für meine Person muß ich konstatiren, daß diese Reklame mich wesentlich veranlaßt Hai, meinen Wohnsitz hierher zu verlegen — „ich, wie mancher Andere, wußte allerdings nicht, was ich thatsächüch vorfmden churde: Es ist wohl klar, daß all diesen Eltern, die °us den erwähnten Gründen hierher ziehen, doppelt an em« gesundheitlicheri Enü wickeluna ihrer Kinder neben der wissenschaftlichen Forderung liegen wird. Ich bin gewiß für eine gewisse Anpassung, sogar Abhärtung der Kinder, aber ich kann darin nur Brücke (Brucks. Wie behütet man Gesundheit und Leben ferner Kinder. Wien, W. Braumüller.) beisümmen: „ein Punkt, auf den, utf) die Abhärtung nie ausdehnen sollte, ist die Nachtruhe . — bm auch b«r Ansicht, „daß man Kinder schlafen lassen wollen" — d. h. selbstverständlich, wenn sie thatsachlich sch^ftn. Ich habe bei meinen Kindern eine, Schlafenszert um 7 Uhr selbst im Sommer durchgeführt — ich denke aber, daß es eme gewisse Grausamkeit darftellt. Kinder, schon an heißen Tagen, gerade bei Beginn der kühleren Tageszeit' ins Bett zu öwingeu, lediglich um ihnen eine normale Schlafzert zu sichern. Wie leicht wäre dies durch einen späteren Schulbeginn zu andern, zum Bortheil für die Schüler und für den Erfolg des Unterrichts. Daß dabei eine Reihe begleitender Umstände des Werteren zu berücksichtigen sind, habe ich bereits sonst hervorgehoben: der Sckulweg der unter Umständen die Schlafzert um V 2 bis 1 Stunde verkürzt, der hier in Wiesbaden nicht zu unterschätzende Nachtheil. daß gerade um die Zeit die Straßen- reinigung stattfindet, welche die zur Schule gehenden, Schüler pS zwingt. Staubwolken - wesenttiche Träger von Jnfektionsstoffen — einzuathmen und endlich noch em Umstand! Die ganzen Lebensgewohnheiten Wiesbadens sind auf andere Verhältnisse zugeschnitten wie in Industriestädten, z B. Frankfurt. Wenn in letzterem das Tagesleben um circa 6 Uhr beginnt, so muß hier der Beginn um wenigstens eine Stunde später datirt werden. Dazu kommt noch em Punkt, der im Winter allerdings praktisch berücksichtigt, aber anscheinend den Sommer über gründlich vernachlässigt wird: die fast HÄb-
stündiae Differenz der mitteleuropäischen und der Ortszeit! Em Schulbeginn um 7f4 Uhr würde darnach erst dem früheren von 7 Uhr entsprechen — umgekehrt wird der Hitzenachlatz i/o Stund« später eintreten! Wenn mithin ein Kind, um ihm eine feinem Alter entsprechende, Schlafzeit zu gewahren, um 7 Ubr zu Bett gezwungen wird, ist es in Wirklichkeit er;t 614 Uhr. Ich denke doch, eine Berücksichtigung dieses Zeit
unterschiedes — der doch gesundheitlich wesentlich in Betracht kommt, als örtlich ausschlaggebender — wäre eme Mindest- ford-erung, wo es darauf ankommt, die Schulverpflichtung den gesundheitlichen Anforderungen, die die Eltern, sowie die ^le^te mit vollem Rechte speziell bei jugendlichen Schülern (9 bis 12) stellen müssen, anzupassen. Ich lege gegenüber dem Verfass« des „Eingesandt" auch darauf Werth, zu konstanren, daß der Wunsch eines späteren Schulbeginn-es nicht auf die Rücksichtnahme auf „3 bis 4 kranke Schüler", zurückzuführen ist, sondern daß ein intensiveres Schlafbedürfniß auch bei durchaus normalen Kindern nichts weniger wie selten ist. Ich kann nicht umhin, auch hier die Worte des bereits erwähnten Professors Brücke zu citiren (p. 147—48): „Nebenbei muß ich bemerken, daß diejenigen Naturen, welche viel Schlaf brauchen, keineswegs sogenannte schläfrige Naturen im gewöhnlichen L>inne des Wortes sind, sondern daß großes durchschnittliches Schlafbedürfniß erfahrungsmäßig zusammen Vorkommen kann mit der höchsten geistigen Begabung und mit der wirksamsten uu 2 intensivsten Thätigkeit des Ausgeschlafenen." Als ein Beispiel großen Schlafbedürfnisses kann ich übrigens nach Bismarcks Zeugniß den Kaiser Wilhelm I. anführen. — Daß endlich noch Wiesbaden durch seinen Charakter als Kurort einen bedeutenderen Prozentsatz von nicht gerade „Kranken", aber doch mehr schonungsbedürftigen. Kindern hat, daß viele Eltern gerade durch di« Rücksicht auf die Gesundheit ihrer Kinder hierher ziehen, dauernd wohnen,das ist doch eine Thatsachc, aus der auch die Schulbehörden die entsprechenden Konsequenzen ziehen sollten. Durch die Wiesbaden eigenthümlichen Lebensgewohn- heiten wird natürlich auch die Aufstehenszeit der Dienstboten, das Eintreffen der Brod- und Milchlieferanten beeinflußt — in umso höherem Maße spielt das eine Rolle, je weiter der Schulweg ist. Was soll man dazu sagen, wenn ein Lehrer durch Rundfrage bei seinen Schülern seststellt, daß fast die Hälfte noch nichts genossen hat! Da würde doch schon durch einen auch nur um eine halbe Stunde späteren Schulbeginn Abhülfe möglich sein. In anderer Weise wird so viel gethan, Wiesbaden zu einem angenehmen Aufenthaltsorte, besonders für gutsituirte Familien, zu machen, in jeder Weise wird der Charakter des Kurortes hervorgehoben; weswegen sind die höheren Schulen, speziell die Gymnasien, denn ein solches Stiefkind? Weswegen ist es so schwer, da den Wünschen der Eltern, der Aerzte etwas entgegen zu kommen? Die Ueberfüllung der ! Klaffen, die derartig ist, daß eine große Zahl von Schülern überhaupt abgewiesen werdm mutzte, daß es vermögendeu Leuten, die gerade ihrer Kinder wegen nach Wiesbaden übersiedeln wollten, unmöglich war, dieselben in die, Gymnasien eintreten zu lassen, und die infolge dessen nicht hierher zogen, die durch die Ueberfüllung bedingte abnorm häufig nothwendig werdende Privatnachhülfe, das ist doch schon eine ganze Reihe von Uebelständen! Wenn nun durch einen gesundheitsgemäßen Schulbeginn diese Nachtheile eine gewisse Abschwächnng erfahren können — im Interesse der Schüler, der Eltern und nicht zum wenigsten der Lehrer selbst, weswegen ist das gerade hier so schwieria? Vielleicht liegt das nur daran, daß brsher dre Wünsch« der Eltern nicht der entscheidenden Stelle zugefuhrt worden sind — eine Initiative der Lehrer, die ja doppelt be- theiliqt sind, war ja naturgemäß ausgeschlossen. Es sollten aber 'jetzt alle Eltern, die Interesse für ihre Kinder haben, die auch auf eine gesunde Entwickelung derselben Werth legen, die jetzt in den Buchhandlungen, sowie bei Engel und Acker auf- liegmde Petition durch ihre Unterschrift unterstützen und dadurch selbst zu einer Aenderung der bisherigen Uebelstände der- ;
tragen. Dr • f
* Antwort auf das letzte Eingesandt 8 Uhr-Schu:- beginn. Vor Allem möchte ich den ungenannten Herrn Einsender darüber belehren, daß weniger als acht Stunden Schla, nach ärztlicher Ansicht für ein Kind nicht ausreichen; von b kann überhaupt nicht die Rede sein. Dann ist es unstatthaf, all die Eltern, die den 8 Uhr-Schulbeginn wünschen, für solch; zu halten, welche ihre Kinder spät Abends Vergnügungen sogar 5 ftnder-Bälle" besuchen lassen. Es giebt schon genug Eltern, welche für ihre gesunden Kinder den Schlaf in ^er Morgenstunde von 6 bis 7 aus Erfahrung für unentbehrlich halten müssen. Selbst wenn die Kinder gewöhnt sind, schon vor 1410 zu Bett zu gehen, so wird man um 6 Uhr wohl noch mehr müde als ausgeschlafene Gesichter zu sehen bekommen. Zu bedenken ist, daß man nicht sofort emschlaft, nachdem man sich hingelegt hat und daß oft Kinder, vor lauter Angst zu spät in die Schule zu kommen, Morgen, noch früher auswachen, als nöthig ist, besonders wenn sie das Unglück hatten, ohne eignes Verschulden verschlafen zu haben und dafür bestraft worden waren. Denn so mustergültige Haushaltungen giebt es doch auch nicht überall, wo nie btt Mutter oder das Dienstmädchkn verschläft, wo me der Milchmann zu spät kommt und die Brödchen ausbleibeii. Und daß dies Alles gerade vor 7 Uhr so oft passirt, bewerft daß der 7 Uhr-Schulbeginn sowohl für di« Kruder, als auch für den allgemeinen Haushalt ein verfrühter ist. Immer wieder,,imrd noch dazu vergessen, daß 6 Uhr. nach der mitteleuropäischen Zeit gerechnet, in Wirklichkeit 514 Uhr bedeutet. lAim Schluß möchte ich die Eltern, welche unserer Ansicht sind, dringend auffordern. ihre Unterschriften sofort an den bekannt gegebenen Stellen einzutragcn, damit die Sache bald ihre Erledigung findet. Frau 41. Th.
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