48. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: bitten den Verlag •'»j# Pfg. monatlich, durch die Post 4 Mt. Ätt Mg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasse 27.
Avonnenten.
Slnzetgen-PretS r Die einspaltige Petitzcile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Ameigen 25 Pfg. — Reclamen die Petitzeile für Wiesbaden 60 Pfg., für Auswärts 1 Mk.
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ß. AdCumulatorenraurh C. Presstuflraum O. Torpedo-vnd' Wo/inraum C. Torpedo/andirrohr fff Torpides
6C SchrabbeA für Heben und Senken des Book ei HHSehrauhen für Vormund Rücknnärtsgang
Canarische-Jns.
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J. Dampfkessel K- Maschinenraum L Kommando turn) MTc/eskapscherhstein
H diueau des Meeresspiegels.
bei der fab rt an der Oberfläche , \Miveau des Meeresspiegels " u \bei Herfahrt unter Wasser
lassen und Ausstößen von Wasser in bez. aus besonders für diesen Zweck eingebauten Behältern im Boden des Bootes und kann durch zwei in vertikaler Richtung wirkende Schrauben vorn und hinten unterstützt werden. Für die Vor- bezw. Rückwärlsbewegung ist „Holland" mit 3 Schrauben versehen, die bei der Fahrt an der Oberfläche durch Dampf und bei der Fahrt unter Wasser durch
durch je 2 Vertikal- und Horizontalruder am Hintcrtheil des Bootes. Der aus 7 Mann bestehenden Besatzung dient der größte Raum des Bootes direkt hinter dem Lancirrohr als Aufenthaltsort. „Holland" hat eine Länge von 24,4 Meter und ist einem Torpedo ähnlich geformt. Sein Deplacement beträgt, vollständig untergctaucht, 138,5 Tonnen. — Ein Gelingen des bevorstehenden Experiments würde den
für die Abend-Ausgabe bis
nächsterscheinenden Ausgabe wird
|jt0. 566. Redaktions-Fernsprecher No. 52.
Morien-Ausgahe.
|m Ilcra-Dotli mih Mlm nutet Wisset.
Seit langen Jahren schon sind die Marinen einiger Staaten, besonders Frankreichs und Amerikas, damit beschäftigt, ein Unterseeboot zu konstruiren, welches allen An- fordetungen an ein kleines, bewegliches, nur mil dcr Torpedo- ivaffe versehenes Kriegsfahrzeug genügt und außerdem durch Wtertauchen seinen Anblick dem Feind beliebig zu entziehen vcriyag. Die bis vor Kurzem in dieser Richtung gemachten Versuche haben indessen nur mäßige Resultate ergeben, besonders in Bezug auf die Verwendbarkeit der Unterseeboote in weiterer Entfernung vom Land. Auch die so oft genannten französischen Fahrzeuge „Gustav Zeds", „Rarval", „Morse" und „Gymnote" machen hiervon keine Ausnahme. Sehr viel vollkommener ist dagegen das von Mr. John P. Holland konstruirte und nach ihm benannte Unterwasser- boot der nordamerikanischcn Unionsflotte. Um die Vielseitigkeit, Unabhängigkeit und Leistungsfähigkeit dieses Bootes zu beweisen, wird dasselbe eine Reise von New-Iork nach Lissabon ausführen und auf derselben nur die Bermudas-Inseln und Fayal (Azoren) als Zwischenstalionen anlaufen. Da diese erste transatlantische Reise eines unterseeischen Bootes immerhin ein gewagtes Unternehmen ist, so wird der „Holland" von einem kleinen Dampfer begleitet werden, welcher, wenn möglich, das unterseeische Fahrzeug nicht aus Sicht verlieren soll. Sollten indessen beide Schiffe doch von einander getrennt werden, so wird „Holland" seine Reise allein fortsctzen und führt zu diesem Zwecke auch die erforderliche Menge von Feuerungsmaterial, Trinkwasser, Proviant und anderen nothwendigen Dingen mit sich. Man gedenkt die ganze 7425 Kilometer lange Strecke in 16 Tagen zurückzulegen, was einer Fahrgeschwindigkeit von 19,35 Kilometer in der Stunde entsprechen würde.
Bei gutem Wetter wird sich „Holland" an der Oberfläche des Meeres halten, sodaß der obere Thcil des Bootes sichtbar ist; bei schlechtem Wetter dagegen wird der Tiefgang so vergrößert werden, daß nur die Kuppel des Kommandothurms über den Wasserspiegel hinausragt, und bei schwerem Sturm wird es ganz und gar untertauchen, nachdem der Teleskopschornstein heruntergelassen und die obere Oeffnung desselben durch eine Kappe hermetisch verschlossen ist. Es tritt dann an Stelle des Dampfbetriebes der Accu- muhatorenbetricb ein. Wenn diese Reise glückt, soll das Boot auch andere Häfen in Europa anlaufen, um weitere Reklame für die Baufirma (Nixons Werft in Elizabeth Port) zu machen.
In unserem beistehcnden Bilde ist im oberen Theile die geplante Reise von New-Aork über Bermuda und Fayal nach
11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 8 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Mittwoch. den 5. Dezember.
Lissabon durch eine starke Linie dargestellt, während der untere Theil des Bildes einen vertikalen Schnitt durch die Längsachse des „Holland" enthält, aus dem die innere Einrichtung des Bootes, die Unterbringung der verschiedenen Dampf- und Dynamomaschinen, der Kessel, Accumulatoren, Torpedos rc. klar zu ersehen ist. Durch wasserdichte Schotten sind die einzelnen Räumlichkeiten von einander getrennt. Das Heben und Senken des Bootes geschieht durch Ein-
Berlags-Fcrusprecher No. 2266. 1966.
Elektricität getrieben werden. Die Erzeugung des Dampfes geschieht mittels Gasolinfeuerung. Während der Fahrt an der Oberfläche wird auch nebenher Elektricität erzeugt und in den Accumulatoren aufgespeichert, um bei der Fahrt unter Wasser verwendet zu werden. Die einmalige Füllung der Accumulatoren reicht für eine Unterwasserfahrt von 90 Kilometer bei einer Geschwindigkeit von 14,5 Kilometer in der Stunde aus. Die Steuerung des „Holland" geschieht
Madeira
Feuilleton.
Ans den Pariser Theatern.
(Von unserem eigenen Korrespondenten.)
Paris, Ende November.
Als im Anfang dieses Jahres das DddLIra Frangais oder wie man hier gewöhnlich zu sagen pflegt, die Oomsäie Fraugaisa, ein Raub der Flammen wurde, hat dieses Ereigniß in der ganzen gebildeten Welt eine weit größere Antheilnahme hervorgerufen, als es sonst der Fall zu sein pflegt, wenn ein Brand keine zahlreichen Opfek an Menschenleben fordert. Es ist dies auf den bedeutenden Ruf zurückzuführen, den das „Haus Molidres" genoß — und auch wohl in etwas neuerer „ Gestalt ferner genießen wird — sowie zun: Theil auch auf die bedeutenden Kunst- und Erinnerungsschätze, die es barg, und die glücklicher Weise fast alle unversehrt gerettet werden konnten.
An und für sich hätte man es, wäre nicht ein junges, blühendes Geschöpf dqbei zu Grunde gegangen, aber kaum als beklagenswerth bezeichnen sollen, daß dieses Gebäude vernichtet worden, ja wenn man ein häufigerer Besucher der Pariser Theater ist, so regt sich unwillkürlich der Wunsch, daß in einer schönen Nacht, falls dies ohne Gefährdung von Leben und Privatbesitz geschehen kann, der größte Theil derselben durch die reinigenden Flammen zerstört werden möchte. Das Haus der Oomödie gehörte noch zu den besten, ließ aber ebenfalls betreffs der Bequemlichkeit und Sicherheit so viel zu wünschen übrig, daß es erstaunlich genannt werden muß, daß das vornehme Publikum, welches diesen Musentempel doch meistens besuchte, sich nicht schon langst dagegen auflehnte.
Es ist ja gewiß sehr löblich, falls dieBezeichnungMusen- tenipel durch die Wahl der Stücke und die Aufführungen möglichst gerechtfertigt wird, aber die beste Darstellung muß an Eindruck verlieren, wenn man nur geistige Ge- Mse empfängt der Körper über leidet und die Aufmerk-.
samkeit von den Vorgängen auf der Bühne durch den unbehaglichen Gedanken beeinträchtigt wird: „Wie komme ich hier wieder heraus?" Fast nie aber habe ich das Dlwatre Frangais besucht, ohne daß derselbe in mir auftauchte, denn die Sitzreihen waren so dicht aneinander gedrängt, die Gänge an den Seiten so schmal, daß, wäre der Brand während der Vorstellung ausgebrochen, er sicher namenloses Unglück zur Folge gehabt hätte.
Weit schlimmer noch aber, als es in der zerstörten Comddie der Fall gewesen, ist es mit den Sicherheitsvorrichtungen in vielen anderen Pariser Theatern bestellt, „Varidtss", „Roukkes", „Palais Royal" sind wahre Mausefallen zu nennen und es ist erstaunlich, was der Mensch riskirt, wenn er auf einige vergnügliche Stunden rechnen zu dürfen meint. Im Allgemeinen wird ja auch in diesen Theatern letztere Erwartung nicht enttäuscht. Die dort vorgeführten Stücke sind meist sehr lustig, häufig geistreich und werden fast stets mit der Verve, der Munterkeit und Virtuosität gespielt, wie sie eben nur in Paris zu finden sind. Während indeß die Vorgänge auf der Bühne nur wenig, lassen die Einrichtungen im Zuschauerraum fast Alles zu wünschen übrig. Für die Sicherheit ist kaum etwas, fiir die Bequemlichkeit garnichts gethan. Die Sesselreihen sind nicht allein, wie oben erwähnt, so dicht aneinander gerückt, daß man sich nur mit größter Mühe an dem augenblicklichen Besitzer eines Fauteuils, der natürlich aufsieht und sich möglichst „dünne macht", vorbeikann, die Sitze haben auch eine so geringe Breite und Tiefe, daß eine etwas korpulentere Person wahre Marterqualen darin aussteht, während es auch für einen vollständig normal gewachsenen Menschen immer große Schwierigkeiten mit sich bringt, seine unteren Extremitäten irgendwie so zu placiren, daß sie sich nicht nach einiger Zeit schnierzlich fühlbar machen.
So lange die Pariser die Nase über ihre geliebte Metropole nicht hinaussteckten, haben sie all' Dies als etwas Unabwendbares in den Kauf genommen; Theater waren nun einmal derart eingerichtet, und wer sich darin vergnügen wollte, der mußte diesen Genuß eben mit einigen körperlichen Qualen bezahlen. Aber seit sie
mehr reisen, ist es ihnen zum Bewußtsein gekommen, daß es Musentempel giebt, in denen alle diese Unbequemlichkeiten nicht vorhanden, daß der Geist sich ergötzen könne, ohne daß das Fleisch dafür gezüchtigt werde. Besonders die Besucher der Metropole jenseits des Kanals bringen von ihren Ausflügen geradezu revolutionäre Ideen bezüglich der in den Theatern einzuführenden Reformen mit. Denn in der Londoner Hauptstadt fanden sie in den Schauspielhäusern schöne erwärmte Vorhallen, breite, bequeme Garderoberäume, in denen man nicht gedrängt und gestoßen wurde, Fauteuils, in welchen zu sitzen ein wahres Vergnügen, und was dergleichen Annehmlichkeiten mehr sind. Zurückgekehrt, bemerken sie erst die Nachtheile, die sie bis dahin als etwas Selbstverständliches betrachteten, und da deren Beseitigung natürlich nicht ohne eine Mindereinnahme für die Theater möglich wäre, so werden allerlei Vorschläge gemacht, um ein Aequivalent dafür zu schaffen. Weshalb zum Beispiel könnten nicht die drei feierlichen Männer abgeschafft werden, die in Frack und weißer Krawatte hinter einem Pulte in der Nähe des Eingangs thronen, und deren Pflicht darin besteht, die an der Kasse empfangenen Billets zu besichtigen? Der Zweck dieser Kontrolle, die das Publikum nur belästigt, ist absolut nicht ersichtlich, da sich natürlich am Eingang zu d?n Sitzen noch eine Persönlichkeit befindet, die abermals das Billet besieht, ehe sie uns gestattet, uns auf unserem Platze niederzulassen. Es wäre sogar ganz angängig, die „Ouvreuse" abzuschaffen, die unsere Hüte beschädigt und die Schirme verliert, als Gegenlefsümg sür ein Trinkgeld, das sie als ihr gutes Recht verlangt, und mit dem sie natürlich nie zusrieden ist.
Daß diese Vorschläge bis jetzt irgend einen Erfolg gehabt hätten, kann man allerdings nicht behaupten, gut Ding will Weile haben, und besser, oder wenn man will, schlechter als ihr Ruf besitzen die Pariser in solchen Sachen eine Langmuth, die schon oft ihr Schaden gewesen und hauptsächlich der Grund ist, daß in Paris Verbesserungen und Neueinrichtungen immer viel später zu Tage treten, als in allen anderen großen Städten.
W. Wald.au,
