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«8. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post L Mk. oo Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasse 27.
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Abend-Ausgabe.
Der Thronwechsel In Italien.
Der ermordete König Humbert.
Wie schon mehrfach betont, erfreute sich König Humbert ebenso wie seine Gemahlin, die Königin Margherita, bei seinem Volke außerordentlicher Beliebtheit. In großer Zahl bringen die Matter Einzelheiten aus seinem Leben. Ueber die Vermahlung Kon-.g Humberts wird geschrieben: „Ehe es zur Helrath des KonigA Humbert mit seiner Cousine Margherita kam, holte er sich an verschiedenen Höfen Körbe, den letzten in Wien, wo die Tochter des Erzherzogs Albrccht, Mathilde, welche bald nach der Werbung Humberts einen schrecklichen Tod durch Verbrennen fand, von dem italienischen Freier nichts wissen wollte. Nicht viel mehr als sechzehnjährig, folgte- Margherita dem „Consin mit dem finsteren
Blick und dem martialischen Schnurrbart", zum Altar, und ganz
Italien bereitete rauschende Feste vor, die in Turm nnt einem Turnier, bei dem der Herzog von Aosta die Rolle des sieghaften Ritters spielte, ihren Anfang nahmen. In der Hauptstadt Florenz hielt daim die märchenhaft schöne Prinzessin ihren Einzug nn historischen Telemachwagen mit den klassischen Malereien. Von fürstlichen Gästen, die zur Hochzeitsfeier in Turm geblieben waren, blieb Kronprinz Friedrich Wilhelm, der spatere Kaller Fncdnch, dem jungen Paar zur Seite und machte den ganzen Triumphzug durch Italien mit. Der Kronprinz schlug dann lemen Wohnsitz rn Neapel auf, und hier wurde anderthalb Jahre nach der Hochzeit der Sohn geboren, der jetzt als Viktor Emanuel III. de» Thron besteigt. Das savohische Hansgesetz bestimmt. dag die Mitglieder der Negierung bei der Geburt des Thronerben anwesend lein müssen, und da die Vermnthungen über den Zeitpunkt der Geburt sehr schwankten, brachten die damaligen Minister vier Woche» auf Reisen zwischen Neapel und Florenz zu. Die Stadt Neapel wurde Taufpatin» des »eiigeborenen Prinzen, und Vertreter aller Stände, vom Fürsten bis zum Schifferiungcn. leisteten bei der Taufe Assistenz. Die Wiege, ein Meisterwerk aus Go d und Perlmutter, war ein Geschenk der Stadt, und Bilder des Prinzen in der Wiege mit der Prachtgestalt der neapolitanischen Amme wurden im ganzen Reich gekauft. Es folgten keine weiteren Kuider, und aus der übcrschlanken. mädchenhaften Prinzessin wurde eine stattliche Dame, die. seit sie Königin ist. sich gern prunkhaft kleidet und womöglich ihren ganzen reichen Schmuck auf emmal anlegt. König Humbert ist im ganzeil Land als echter Bürgerköuig beliebt gewesen, noch mehr aber die Königin wegcii ihrer bestrickenden Liebenswürdigkeit. Auch der Prinz war als solcher beliebt, nur ist es gewiß charakteristisch, daß, obwohl er heute 81 Jahre zählt, man im ganzen Volk noch immer von ihm als vom „principino“ spricht; selbst seine Verheirathung hat darin keine Aenderung gebracht.
lieber das Attentat
ist der Post" aus Mailand ein ausführlicher zusammensassender Bericht zugcgangcn, dem wir folgende Einzelheiten entnehmen: Als der König in den Wagen stieg und einem in seiner Nahe stehenden
«ran ans Monza Namens Terzaghl die Hand druckte näherte sich Brcsci den, Wagen und feuerte, auf dem Trittbrett stehend, die drei Schüsse ab. Der König wosite sich gerade letzen als der Mörder abfeucrte, und wurde am hinteren Theile des Halses verwundet, er drehte sich »»willkürlich um, und das brachte ihm den Tod. denn der zweite Schuß durchbohrte ihm das Herz. Der Ko-" **< " ,,h
bewegte sich nach vorn, ohne ein Wort sprechen z Ponzio-Vaglia stützte ihn, imd in diesem Anae.......
Mörder den dritten Schub ab. Die in der Nahe des königlichen Wagens Stehende» hatten erst den Eindruck, als ob Jemand sich Mühe gäbe, die Wagenthür zuzuschlagcn. Die lingewibheit dauerte aber nur einen Augenblick, denn bald darauf hatte die wüthende Menge den Mörder ergriffen und wollte ihn lhnchen. Was nun folgte, war geradezu graucilhast. Die Carablilicrl warfen sich der rasenden Menge entgegen und umringten den Mörder, der nicht den geringsten Widerstand leistete; sie legten ,hm Ketten an und umklammerte» seinen Hals so fest, dab sie ihn beinahe erwürgt hatten. Das Volk schlug inzwischen auf den Unglücksmenschen mit Fauste» und Stöcken los und traf und verivundete auch dre a3reSc . 1 luar zerschunden und blutüberströmt; aus Raie und Mund kamen ihm ganze Ströme Blutes, sovab ihm einer der Carabimeri mit der Hand di- Nase zuhalten mußte. Der Revolver tvuroe am Thatort van einem Feuerwehrmann gesunden. Er war nach warm und mit drei Kugeln geladen. Der Feuerwehrmann brachte, von einem Jnfantcric-Offizier begleitet, die Waffe zur Polizei. Der Revolver ist neu, von kleinem Kaliber: der glänzende Lauf funkelte beim Schein der Laternen. — Die letzten Worte, die der König auf dem Turnplatz gesprochen hatte, lauteten: „Ich habe schon lange nicht mitten unter meinem Volke eine so herzliche Shmpathickundgcbung erletzj." Eine Sekunde später war er getroffen. — In dem Revolver,
welcher dem Mörder zu seiner That diente, fanden sich sieben verschiedene Daten cinciselirt, unter anderen das Datum des 4 . Mai 1804, dann das Datuni der Ermordung des Präsidenten Carnot, endlich eine Zahl mit dem darauffolgenden Wort „Massaua".
Berichte aus Italic«.
bä. Nom. 1. August. Die Verhaftungen von Socialistcn und Anarchisten bauern fort. In Mailand sind über 50 Personen verhaftet worden. Die meisten davon sind Anarchisten. In Prato wurden ebenfalls zahlreiche Socialisten verhaftet.
bä. Kerti». 1. August. Wie aus Rom telegraphirt wird, celebrirte heut- Früh Trögella Parachc von Magenta vor, dem aufgebahrten Leichnai» de? Königs in Gegenwart der Koiilgiu-Wittwe und sämmtlichcr Mitglieder des königlichen Hauses eine feierliche »Hess e. Der Lcichnain ist umgeben von immergrüne» Oleander- bänmen. Die Acrzte verzichteten vorläufig auf dicEinbalsamirniig. Sie machen alle zwei Stunden Formalin-Einspritzungcn. In Monza traf heute Kardinal Ferrari in besonderer Mission des Papstes ein. Er überbrachte dem Tobten de» päpstlichen Degen und begab sich sodann zur Königin-Wittwe. Wie dem „Lokal-Anzeiger" telegraphirt wird, iuißt man dem Besuch eine politische Bedeutung bei. — Der Hofzng mit dem jungen Königspaar traf heute Früh 5 Uhr auf dem Hauptbahnhof i» Rom ein. Der König saß am Fenster und unterhielt sich mit Saraceo, der auf Wunsch des Königs allem erschienen war. Nach 20 Minuten Aufenthalt fuhr der Holzug weiter. In Monza erfolgt die Ankunft voraussichtlich heute Abend 7 Uhr. Morgen wird eine Proklamation an das Volk und an die Armee erlasscii.
wb. Nom, 2. August. Nach dem „Corriere della Sera" mehren und verstärken sich die Grundlagen für die Annahme, daß die Ermordung des Königs das Ergebnib einer Verschwörung ist.
Vom Hose.
bä. Mailand, 2. August. In Monza waren außerordentliche Sicherheitsmabregeln getroffen worden. Der Bahnhofsplatz war von Kavallerie, Carabiuieri lind Wachen besetzt. Um 6 Uhr 40 Mm. lief der königliche Hofzug in Monza ein. Zunächst entitiegc» demselben der Herzog von Aosta und der Prinz von Montenegro, dann das Königspaar. Der Monarch trug dunkle Eivilkleldung. In geschlossenen Landauern, uiugeben von Kavallerie, fuhr der Hof ins Schloff,, Das Voll war von dem düsteren Gepränge ettva? bestürzt. Es waren Anstalten getroffen worden, den König laut zu begrüßen, doch ließ er sich keinen Augenblick sehen und der Wagen fuhr rasch. - In Monza trafen gestern noch zwei Schwadronen Kavallerie und eine Abtheilung der Königs-Garde ein. Sämnitliche Zufahrten zum Bahnhof und die Znglinien wurden unzugänglich gemacht. In Mailand selbst waren gestern wieder alle Truppen konsignirt. trotzdem in der Stadt Alles ruhig ivar. Der Zugang zum Kgl. Schloß ist auf Befehl der Königin-Wittwe nur , noch für die nächsten Familien- Angehörigen und die Geistlichkeit offen. Die Einzeichnungen in die Trauerliste betragen mehr als l0,000. Die Zahl und Pracht der Kränze ist groß Aus allen Ländern Europas sind Kränze von den italienischen Kolomeen eingetroffen. Die Betheiligung der Oesicrrcicher und Deutschen an der -bisherigen Trauerfeier ist eine ganz außerordentlichc. Auf die Beileidstelegramme italienischer Städte hat die Königui-Wlttwe mit dem Ausdruck ihres tiefsten Sckimerzes geantwortet. — Die Leiche des Königs Humbert wurde einem Alkoholbade untcr- zoqen und dann auf einem Bett aufgebahrt, um dem Sohne zum letzten Male das Antlitz des Vaters zu zeigen. Nur ern Geschoß wurde ans der Leiche entfernt. Das Testament wird heute eröffnet. Man spricht in Monza davon, König Humbert habe ein politisches Testament hiutcrlassen, doch verlautet darüber noch nichts Näheres.
Beileid des Kaisers.
bä. Kerlin, 1. August. Das in französischer Sprache abgefaßte Telegran»», welches der Kaiser an König Victor Emanuel HI. von Italien gerichtet hat, lautet, der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge, in deutscher Uebcrsetzung wie folgt: „Tiefbewegt durch den Tod Deines edlen Vaters, Meines innigst geliebten, treuen Freundes und Vluidesgenoffcn, sende ich Dir mit dem Ausdruck meiner vollen Betrüblich die aufrichtigsten und warmen Wünsche, die ich für Deine Regierung hege. Möge die Freundschaft, die unsere Häuser und Völker während der Regierung Deines Vaters verband, alle Zeit Bestand haben. Sein Ge- dächtniß bleibt für immer in meinem Herzen cingegraben. Wilhelm." — An die Königin Margherita richtete der Kaiser folgendes Telegramm: „Furchtbar erschüttert durch den Tod Deines königlichen Gemahls. Meines theuren Freundes und Verbündeten, sende ich Dir mit der Kaiserin den Ausdruck unseres tiefsten, innigsten Beileid?. Ritterlich durch und durch, gut. tapfer und treu, fiel König Humbert wie der Soldat auf dem Schlachtfelde, ein Opfer jener teuflischen Bestrebungen, welche göttliche und menschliche Ordnung zu zerstören trachten. Gott tröste Dich in Deinem namenlosen Schmerz! Er stärke den Arm Deines Sohnes, daß er Sccpter und Schwert führen möge zum Heil seines Volkes, für den Ruhm und die Wohlfahrt ItaliensI Das Andenken Deines verewigten Gemahls wird in unserem Herzen unauslöschlich bleiben. Wilhelm."
Der Mörder.
bä. Rom, 1. August. Gestern wurde, wie schon gemeldet, der Attentäter Brcsci in das Mailänder ilntersuchnngsgefangiiiß nbcr- gcfiihrt. Er ist in einer unterirdischen Zelle untergebracht, ^u seinen Verhören bekennt er sich fortwährend als Anhänger der revolutionären Anarchie. In Jvrea wurde ein Anarchist verhaftet, der sich als ein Komplize Brescis bekannte und die Aussage machte, daß er und Brcsci ausgeloost worden seien, entweder die.Königin oder den König zu tobten. Wäre die Königin, die anfänglich nicht disponirt war, nach dem Feste gekommen, so wäre stc das Opfer gewesen.
Rom. 1. August. (Agenzia Stefan!.) Dem, Vernehmen nach scheiiit es nach den Aussagen Brescis un gestrigen Verhör nicht ansgeschlossen, daß er im Auftrag- gehandelt habe Man glaubt, die Aussührnng des Verbrechens sei »l Patcrson beschlossen worden. Vrescr gicbt z», in,Paris gewesen zu sein, leugnet aber, gusammenkilnste mit Anaichisten gehabt zu salvatore Ouintaralli, der mit B
, gegangen sind. Ouintaralli ist in das Gefangniß nach Porto Ferräjo gebracht worden. Ein gewisser Antonio Lanner aus-vrient, welcher gleichfalls mit Brcsci und einer Frauensperson aus Amerika zurückgekehrt ist. wurde gestern in Jvrea verhaftet. Die Gründe de? Aufenthalts Lanners in Jvrea sind nicht bekannt. Infolge der Verhaftungen vermehren sich die Verdachtsmomente, daß es stch um ein Komplott gehandelt habe. — Leiitnant Brcsci, der Bruder des Mörders, bczeichnete das Verbrechen als die feigste That des Jahrhunderts und fügte hinzu, er habe seit langer Zeit keine Nach- riärt von seinem Bruder gehabt, den er nnnier noch in Amerika glaubte. Wenn er anfgefordert würde, vor dem Richter anszusagen, so werde er dies offen thun.
Vergebliche Warnungen.
bä Rom, 1. August. Aus Reggio Emilia wird gemeldet: Ein ausgedienter Polizeisoldat hatte der politischen Behörde im vorigen Monat eine Denkschrift vorgelegt, worin er auf die Umtriebe der Anarchisten aufmerksam machte und das Leben des Königs Humbert und des deutschen Kaisers für bedroht erklärte. Sonntag warnte er die Behörden nochmals und forderte Sicherheits-Vorkehrungen
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haben. Ein gewisser von Amerika zurilckkehrte
-um Schutze des Königs. Man hielt ihn aber für einen Bettb der cs auf eine Unterstützung abgesehen hatte.
Ein Urtücil über den neuen König.
und mit ihm in Paris zu einer Nnarchistenvcrsaniinlung ging, ist gestern i» Rioinarino auf Elba verhaftet ivorden. — De», Vernehmen nach wurden bei ihm mehrere Briefe und die Photo- graphieen von fünf Anarchisten, sowie eine Postkarte beschlagnahmt, in der er dieselben zu einer Zusammcickunft bestellt, wozu sic auch hrn-
Morandi
fraqt^ antn,ortete"er: 'Der König hat eine hohe Auffassung seines Stinte» Sein Grundgedanke ist: Die Grundlage des modernen Staates ist die Sociälqesetzgebung nach de», Muster Deutschlands. Obschon treu zur Verfassung stehend, wird er sie in zweifelhaften Fällen mehr nach ihrem Geist als nach dem Buchstaben mter- pretiren. Er glaubt, der König muß über den Parteien stehen, die Rechte der Kammer achten, aber nichts destoweniger sich einen leitenden Einfluß sichern in allen Fragen, die die äußere Politik, Heer Flotte. Kirche und die Sicherheit der Rechtspflege, die Durchführung der Socialreform betreffen. Alles ist Allem ist der König ein Mann, der das gute Herz seines Vaters mit der Energie seines Großvaters verbindet. Er wird uns Alle durch seine Festigkeit und Entschlossenheit überraschen. (Franks. Ztg.)
Die Thronfolge in Italien
geht da König Viktor Emanuels Ehe in ihrer fast vierjährigen Dauer kinderlos geblieben ist, an Herzog Emanuel Philibert von Slosta über. Der Herzog, geboren am 13 . Januar 1800, also 10 Monate älter als der nunmehrige König, ist der älteste Sohn des Königs Simabeo von Spanien, Umbertos jüngerem Bruder und seiner ersten Gemahlin Prinzessin Pozzo dalla Cisterna. Der nunmehrige Herzog-Thronfolger hat am 25. Juni 1895. in Kingston die 1871 geborene Prinzessin Helene von Orleans qeheirathet. Dieser Ehe sind zwei Söhne entsprossen, die 1898 und 1000 geboren sind. Auch falls die fernere Ehe des jungen Königs- paares nicht mit Kindern gesegnet sein sollte, ist also die Thronfolge gesichert. Der jüngste Bruder, Herzog der Abruzzen, ist seit mehr als Jahresfrist auf der Nordpolsahrt begriffen und man hat seit Langem nichts von ihm gehört. Er wird wohl erst nach Monaten' die Kunde von der Ermordung seines Oheims erfahren.
Der Aufstand in China.
Der Vormarsch nach Peking.
Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Das Bild der Ereignisse in China wechselt mit kaleidoskopischer Schnelligkeit. Erst wenige Wochen sind vergangen, seit die civilisirte Welt durch die Schreckenskunde von dem furchtbaren Blutbad in Peking erschüttert wurde, und heute ist cs fast zur Gewissheit geworden, daß die Gesandten der Mächte in Peking und mit ihnen allem Anschein nach der größte Theil der dort befindlichen Ausländer noch am Leben, wenn auch nicht gerade, wie es in den chinesischen Meldungen heißt, „wohlbehalten" sind. Denn daß die Gesandischaften in Peking am 22. Juli noch nicht erstürmt waren, dafür liegen Beweisstücke vor, deren Zuverlässigkeit kaum an- gezweifclt werden kann. Trifft cs aber zu, daß die Gesandtschaften sich am 22. Juli noch gehalten haben, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß sie auch bis heute nicht dem Geschick zum Opfer gefallen sind, das sie bedroht. Denn nach den meisten uns neuerdings zugegangcnen Meldungen haben die Angriffe der Chinesen auf die Gesandtschaften in Peking seit dem 16. des vorigen Monats nachgelassen, wenn nicht ganz aufgehörl. Mag es somit ein gewisser Optimismus sein, anzuuehmen, daß die in Peking Eingeschlossencn sich bis jetzt gegen den Ansturm der Chinesen behauptet haben, so ist es doch eine Thatsache, daß auch die Regierungen sich fast sämmtlich zu dieser günstigere» Auffassung derDinge bekehrt haben. Diese Annahme, daß e8 vielleicht noch möglich sein könnte, den in Peking Eingeschlosseuen Hülfe zu bringen, und sie, die allein Anschein nach von der chinesischen Negierung als Geiseln zur Erlangung besserer Fricdcns- bcdiugungen zurückgehallen werden sollen, aus den Händen der chinesischen Barbaren zu befreien, hat dazu geführt, den Vormarsch nach Peking in unerwarteter Weise zu beschleunigen. Wenn die neuesten Meldungen aus Tientsin zntresfen, so wäre der Vormarsch der durch neue japanische Streilkräfte verstärkten internationale» Truppen nach Peking unterdeß bereits in die Wege geleitet worden. Diese Meldungen müssen freilich in Erstaunen setzen, denn bisher überwog in den maßgebenden Kreisen die Anschauung, datz die bisher in Tientsin versammelten Truppen nicht auZ- rcichen, um den Vorstoß ans Peking mit Aussicht aus Erfolg zu versuchen. Freilich sind unterdeß erhebf liche Verstärkungen der Japaner gelandet, und die Hoffnung, die in Peking Eingcschlossenen Vielleichs doch noch zu retten, mag den Anspoiu.. ju eint»
