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Zrettag, 26. Februar 1913.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 9b. -» 63. Jahrgang.
Der Nrieg.
Der Tagesbericht vom 26. Februar.
Unverände Lage.
W. T--B. Großes Hauptquartier, 26. Febr., vormittags. (Amtlich.) Bon beide» Kriegsschauplätzen ist nichts Wesentliches zu melde».
Oberste Heeresleitung.
-i-
Ein dritter englischer Truppen-Transport vernichtet.
Br. Mailand, 26. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bin.) Der „Corriere dclla Sera" meldet aus London: Nach einem Telegramm aus Eastburne an Lloyd ist am 24. Februar, nachmittags 4 Uhr, einige Seemeilen von Eastburne ein Dampfer mit 1800 Mann englischer l Truppen untergegangeu.
Der Zee- und Handelskrieg mit England.
Berlin, 25. Februar.
Amerikas Antwort.
Zt-ach Mitteilungen, die, wie cs in der Natur der
- Dinge liegt, nur von unterrichteten deutschen Stellen kommen können, enthält «die amerikanische Antwortnote Vorschläge, die voraussichtlich zu einer
- weiteren Entspannung der Lage führen und die Grundlage für Verhandlungen werden bilden können.
\ Es wird angedeutet, daß das Staatsdepartement in Washington in seiner Antwort an die -Schlußsätze unserer Note anknüpft, in der es heißt: „Sollte die amerikanische Regierung insbesondere einen Wog finden, die Beachtung der Londoner Seekriegsrechtserklärung auch von fetten der mit Deutschland kriegführenden Mächte zu erreichen und Deutschland dadurch die legitime Zufuhr von 'Lebensmitteln und industriellen Rohst offen zu ermöglichen, so würde die deutsche Regierung hierin ein nicht hoch genug anzuschlagendes D e r- dienst um die humanere Gestaltung der Kriegssührung anerkennen und aus -der also g-e- .schaffenen neuen Sachlage gern die Folgerungen ziehen." Die amerikanischen Anregungen würden hiernach, so muß man zunächst doch Wahl annohmon, die Möglichkeit zu einer Verständigung bieten. Wir wissen nicht und können nicht wissen, ob diese Verständigung gelingen wird, denn es gehört dazu vor allem, daß die britische Regierung den Vorstellungen, die sie anscheinend demnächst aus W a s h i n g t o n zu hören bekommen wird, in der Tat Gehör schenkt. Um also die Kernfrage zu umgrenzen, käme es jetzt auf Zweierlei an, einmal darauf, ob die Vereinigten Staaten in London Anstrengungen in der Richtung > machen wollen, daß England rins die legitime Zufuhr von Lebensmitteln und industriellen Rohstoffen nicht länger verweigert, und sodann -darauf, ob die englische Regierung diesem amerikanischen Ersuchen in unzweifelhaften Formen stattgeben will. Man --sieht, auch trotz der Geneigtheit der Union, dem deut- ! scheu Vorschläge näherzutreten, ist die Hauptsache durchaus ins ungewisse gestellt. Nehmen wir nun :aber einmal an, daß die Bereinigten Staaten ernstliche Bemühungen in der angegebenen Richtung I machen und daß sic Erfolg haben, wie würde alsdann : die Sachlage sein? Um -ein zutreffendes Urteil zu ge- : winnen, muß man zuvörderst an der Tatsache festhalten, daß die größten Schwierigkeiten für Amerika und die anderen Neutralen nicht aus unserer Erklärung der englischen Gewässer als Kriegsgebiet, sondern aus dem englischen Flaggen mißbrauch erwachsen. Wollte die britische Regierung den möglicherweise statt- sindenden amerikanischen Wünschen nachgsben, so müßte sie zuerst und -vollkommen einwandfrei die allgemeine Anweisung der Verwendung neutraler Flaggen z u r L ck z i e h e n. Wir untersuchen hier nicht, ob -das zu erwarten ist (kaum; wie wir gestern berichteten. Schriftl.), wir wollen vielmehr nur die Verhältnisse Prüfen, wie sie wären, wenn England diese Rückkehr zu -den Geboten von A n st a n d und Menschlichkeit über sich gewinnen würde. Es läge alsdann io. daß unseren Unterseebooten die Unterscheidung zwi scheu feindlichen und neuttalen Schissen beträchtlich erleichtert würde, daß also die Gesicchr für die Neutralen verringert wäre. Beseitigt aber wäre sie nicht und die Warnung an die Neutralen, sich in die englischen Meere zu begeben, bliebe immer noch der heilsamen Beachtung empfohlen, vor allem, weil die Gefährdung der Schiffahrt in dreien Gebieten ja nicht bloß durch unsere Tauchboote, sondern auch durch unsere, hottentlich recht Zahlreichen Seeminen gegeben ist. Bleibt es nach alleden, auch w-effechm für die Neutralen ratsam, sich von den brrttschen Küsten fern zuhalten, so wäre -der Vorteil doch nicht gering, den Amerika für sich und die arideren Neutralen
dann erreichte, wenn es England zur Beachtung der Londoner SeekriögsrechtserAärung bringen könnte. Neuttale Schiffe mit Lebensmitteln an Bord würden unsererseits, sobald ihre Staatsangehörigkeit festgestellt worden ist, unbehelligt bleiben, während wir uns jetzt, durch die englische Flaggcnverfüg-ung gezwungen, auf langwierige Un t e r s u ch u n g e n nicht ern- lassen können. Ja sogar (so bedauerlich das sachlich sein -mag) neutrale Schiffe mit Konterbande an Bord würden wir passieren lassen, weil wir der Vorschrift, wonach solche Schisse in einen unserer Häfen zu bringen und die Waren, gegen angemesse Bezahlung für deutsche Rechnung zu übernehmen wären, aus g c o- graphischen und tatsächlichen Grüiiden nicht entsprechen könnten. Dagegen mutz man nicht etwa glauben, daß der Krieg gegen die feindlichen Handelsschiffe irgendwo gemildert werden würde, wenn Amerika bei England etwas im Sinne der deutschen Anregung erreichte. Wir haben feindliche Handelsschiffe in großer Zahl schon lange vor dem 4. Februar versenkt, wir werden dies Geschäft mit Lust und Liebe auch weiter betreiben, gleichgültig, welche Ladung die Schiffe führen. In Wirklichkeit würde_ sich gar nicht so viel ändern, schon weil der weitaus überwiegende Teil des Handels von und nach England durch englische Schiffe besorgt wird. Wir würden, mn auch das noch zu sagen, von einein englischen Z u g e st ä n d n i s, das uns den Bezug von Lebensmitteln und industriellen Rohstoffen ermöglichte, gar so viel nicht haben. Denn wie der Verkehr E ng- l a n d s mit -den Vereinigten Staaten hauptsächlich -durch englische, so wird u n s e r Verkehr mit der Union vornehmlich durch deutsche Schiffe betrieben, und wenn die englischen Kreuzer unsere Handelsschiffe belästigen, so müssen wir zugäien, -daß sic damit nicht die Grundsätze des nun einmal geltenden Seekriegsrechts verletzen. Immerhin gibt es doch -auch amerikanische Schiffe, wenn schon nicht viele. Und manche Waren, Lebensmittel, Kupfer usw., könnten uns also von drüben geliefert werden. Einstweilen geht -der verschärfte Seekrieg jedenfalls weiter, wir -machen mit ihm bereits die angenehmsten Erfahrungen, wir können es deshalb seelenruhig a b- warten, wie sich England zu den angekündigten amerikanischen Anregungen zu stellen gedenkt.
Schon 20 Schiffe!
Berlin, 26. jftebt. (Ktr. Bin.) Die holländische „Tijd" stellt laut „B. T." fest, daß die Liste der nach dem 18. Februar aus Minen gelaufenen oder torpedierten englischen Schiffe 28 Namen umfaßt.
W. T.-B. London, 25. Febr. (Nichtamtlich.) Das Reuter- sche Bureau meldet aus Scarborough: Der Dampfer „D e p t- ford" ist in der Nordsee auf der Höhe von Scarborough am 24. Februar gesunken, die Mannschaft glaubt, infolge eines Torpcdoschusses. Die Besatzung ist bis aus einen Mann durch einen Passagierdampser gerettet worden.
Loi'don, 26. Febr. (Ktr. Bin.) Der klein-e Kohlendampfer „Downshir e", 837 Tonnen, der East-Downshire- Aesellschaft gehörig, wurde vor Calf os Man ani Samstagabend gegen 5 Uhr durch ein deutsches Unterseeboot ange- halten. Ter Besatzung wurden 5 Minuten zum Ausbooten gelassen. Alsdann wurde das Schiss versenkt. Nach einem Bericht des Reuterschen Bureaus war cs „14 12", das diese Handlung vornahm. Die Deutschen gaben drei Schüsse ab, bevor der Kapitän beidrehte. Von der Bemannung wurden fünf Leute an Bord des Unterseebootes hinübergenommen, während ihr eigenes Boot dazu benutzt wurde, einen deutschen Offizier nach der „Downshire" zu rudern, wo m i t t- schiffs ein Sprengkörper angesetzt wurde. Da?Schifi sank in einigen Minuten. Die Bemannung trieb aus ihren eigenen Booten umher, bis sie von. Fischereidampferu mitgenommen wurde. Ein Boot trieb auf die offene See, ein anderes mit der gesamten Bemannung wurde nach Dundrnn cingeschleppt Der Kapitän kam am Sonntag in Belfast an, wo man cm stimmt, daß das Tauchboot nicht „17 12", sondern ,,17 21" gewesen ist.
W- T.-B. London, 25. Febr. (Nichtamtlich. Meldung
des L^effchen Bureaus.) Die Bemannung des Dampfers
„Western Coast" aus Liverpool ist in Portsmouth gelandet worden und berichtet, daß der Dampfer durch eine Mine oder ein Torpedo auf der Höhe von Beachy Head zum Sinken gebracht worden sei. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen.
Kopenhagen, 25. Febr. Reuter meldet: Ein Dampfer unbekannter Nattonalität und unbekannten Namens wurde außerhalb E a st b o u r n c (Sussex) durch ein deutsches Unter-, sccboot zum Sinken gebracht.
Einzelheiten zu dem Untergang des Dampfers „Cambank".
Bon der holländischen Grenze, M. Febr. (K. Z.) Aus Amlwich auf der Insel Anglesey wird der „Daily News" unterm 21. gemeldet: Angesichts von Point Lynas, eine» Signalposton an dieser ruhigen -und einsamen Küste von Anglesey, torpedierte gestern ein deutsches Tauchboot den britischen Handelsdampfer „Cambauk", d-er eine wertvolle Kupferladung aus Huelva brachte. Bier Leute von der 24 Köpfe starken Bemannung kamen dabei um. Der Dampfer, der gerade einen Lotsen für Liverpool an Bord genommen hatte, sank 15 Meilen von der Küste. Er verschwand vor den Augen der Küstenwach-e und mehrerer Dorfbewohner einfach aus dem Gesichtskreis. Es war 12 llhr, das Meer lag still wie ein See und spiegelte den Sonnenschein wider. Der Schuß wurde auf sehr kurze Entfernung abgegeben. Wie es heißt, war der Turm des Tauchbootes von dem Signal- Posten deutlich erkennbar, nachdem der ruchlose Angriff erfolgt war. Einige der Opfer müssen auf einen kurzen Augenblick ihr Schicksal vor Augen gehabt haben, ehe das Schiff aufflog, denn die Mannschaften mn Ausguck haben ihnen die Gefahr gemeldet, als sie die mit voller Schnelligkeit sich nähernde Blasenbahn des Torpedos bemerkt hatten, der nur wenig unter der Wasserlinie daherschoß. In dem nächste« Augenblick holte das Schiff stark nach Steuerbord über. Der Torpedo hatte gerade mittschiffs und in den Ma s ch i n e n» raum getroffen. Binnen drei Minuten sank das Schiff. Gleich nach der Entladung versuchte öie Bemannung die Ausbootung. Wegen der heftigen Schlagseite und der Schnelligkeit, mit der das Schiff sank, war es jedoch nicht möglich, mehr als ein Boot klar zu machen-, in- dem zwanzig Mann, darunter der Kapitän und der Lotse, gerade noch rechte zeitig Platz nahmen. Zwei Heizer aus Liverpool wurden im Schiffsraum getötet. Ein Mann siel ins Wasser, als er das Boot besteigen- wollte, und ertrank. Einer der Maschinist«« war schwerverletzt und wurde mit besonderer Vorsicht in das Boot gereicht, vermochte jedoch, da die Kräfte ihn verließen» nicht, den ausgestreckten Arm eines Matrosen festzuhaltmt und versank in den Fluten. Ein- Rettungsboot war gleich nach dem Unfall von der Küstenwache abgesandt worden. Di« beiden Booten wurden durch -ein Ausklärungsschiff in Point Lhnas eingeschleppt, wo man den Matrosen auch Kleider reichte, da manche von ihnen fast nackt ivaren. Der Kapitän, der „Cambam-k" und der Loffe bemerkten den Turm des Tauchbootes in demselben Augenblick wie die Welle des Torpedos.
Fum Untergang eines englischen Hilfskreuzers.
288 Mann umgekommen.
Berlin, 26. Febr. (Ktr. Mn.) Au der Meldung der briki» schon Admiralität, daß der britische Hilfskreuzer „Clan Mae Naughte" seit dem 23. Februar vermißt wird und daß man befürchtet, daß er gesunken ist, meldet jetzt Reuter, auf dem Hilfskreuzer, der ivahrscheinlich gesunken ist, befanden sich 20 Offiziere und 260 Mann, die vermutlich alle umgx» kommen find.
Jur veschiehuny der englischen Gststüste.
DerAustausch von gefangenen englischen und deuffcheu Ärzte».
Sr. Rotterdam, 26. Febr. (Eig. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Einer Mitteilung Asauiths im Parlmnent zufolge find bei der Beschießung von Hartlepool, Scarborough umd Whitbh 127 Personen der Zivilbevölkerung getötet und 567 v-etwundet worden-. — Im Unterhaus erklärt« die Regierung, daß sie mit Deutschland über den Austausch gefangener Militärärzte verhandle; über den Austausch von Zivilärzten habe matt sich schon geeinigt.
Mitzstimmung in England über die Regierung.
Br. Amsterdam, 26. Febr. (Eist. Drahtbericht. Ktr. Bln.) Die Londoner „Daily Mail" schreibt in einem Leitartikel: Seit sechs Tagen ist die deutsche
Blockade in Kraft, seft 10 Tagen angekündrgt. Wo bleibt die Antwort der Verbündeten? Seit 8 Tagen hören wir Drohungen der Minister gegen Deutschlarid. Ani 15. Februar sagte Churchill, der ganze Druck der Flotte werde prompt gegen Deutschland ausgeübt werde». Am 19. Februar -warnte Grey Deutschland. Gestern jagte Asquith. daß Repressalien überlegt würden, also weiß ' man noch gar nicht, was man will. Die englische Natto-n lebt in der Illusion, Deutschland- sei streng blockiert. Das genaue Gegenteil ist aber Tatsache. Bezeichnende Mittel der englischen Anwerbung!
Berlin, 26. Febr. (Ktr. Bln.) Die Rekrutterung in Eng. lc-nd scheint nach einem Bericht der „Voss. Ztg." nicht so z«. friedeustellend auszufallen, wie man glauben machen möchte, Die „Times" stellt wieder fünf Fragen für Männer: Lohnt es» Euch Euve Frauen vor Schlimmer«» als dem Tod zu dv,
