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M-ntag, IS Oktober 1823.

Wiesbadener Tagblait.

Nr. 234. Seite 8.

Unter Gattung6 /Beilage

be6 'Wjedöabenez 'ZagMatfö. _.

W£jm

3m sterbenden Mald.

Von Senta Serien.

Irgendwo steigen wir ans dem Zug aus, wo ein kleines Bobn-bäuschen sich in di« weichen Linien waldbestandener Berg« einfchmiegt. Irgendwo, wo ein Tal ist. durch das der Waldbach huscht, vergnüglich plätschernd, iarnkrautumsäumt. Irgendwo, wo der Morgennebel sein« Schleier über bunte Laubkronen wogen läßt. - #

Und wir schreiten hinein in den Herbst morgen. Krisen uns von dem Zauber seines Erwachens erfüllen. Sehen goldbraune Blätter aus dem milchigen Weih des Nebels müde auf die Erde herniederrieseln. Sieben behutsam still, roerni eine Schnecke trag und lautlos über den Waldvfad kriecht. Lasten uns einlullen von dem Murmeln des Masters, das glattes Geröll mutwillig zu Tal trägt.

Dann steigt der Nebel. Zerteilt sich in Fetzen, di« an den Bergwänden hängen, sich stoßen, zeri lottern. sich wieder zusanrmenballen. Die Raum gsben dem milden Lächeln einer müdgealterten Herbstsonne.

Und diese Sonn« macht, daß die bunten Häupter der Laubbäume zu leuchten anfangen. daß in den Tautropfen, die auf -den Blättern liegen, das Lickt sich tausendfach bricht.

Es wogt wie ern bunter Schleier durch die Kronen des Waldes. Aus der Ferne ballt ein Halali herüber. Ein Hirsch bock fegt über den Weg. «her das weiche Lautz des Waldbodens saugt di« Tritte »einer Huf« in stch auf. daß es ist. als husch« ein Gesoenist lautlos durch den Wald — bis wir ein hölzernes Knacken vernehmen und wissen, daß das Wild in das Unterholz eines Fichtenbestands etnge­brachen ist.

Und wie wir ein Stück weitergehen, verwandelt stch da» lockige Bunt der Laubbäume in den zartgestrickelten. rot­braunen Schleier, den di« Morsensonne zwischen das Nadel- gebslz malt. Und selbst der grindige Schorf des Alters, der auf den Fichtenstämmen liegt, gewinnt an diesem Herbst- morgen ein bnntlrucktendes Aussehen. als wollte er sagen: Seht, so erstirbt in Schönheit der Wald. . .

Und je tiefer wir in das braunrotgsldene Wunder des sterbenden Waldes eindrmrgen. desto benommener werden »rr von dex ewigen Schönheit der Natur, di« das Ende alles Lebendigen, das auf die bockst« Wüte und die fußest« Reife fosgt. in unnachahmlichen Tinten malt.-.

Zwischen den salben Blötrern. die den.Waldboden be­decken. leuchten die roten Perlen eines Preiselbeerstrauchs auf: da ist es uns. als ob dies blutige Tränen wären, in denen der Wald um kein Sterben weint« . . .

Bei den fliegenden Fischen.

Don Walter ». Rummel.

Unser kleines Segel schmiegt stch den tiefen Atemzügen und der wosenden Brust der See an wie eine weiße Mott«, die vom Winde ihr auf den Leib geklatscht wurde. Wir sehen nichts als Himmel und Meer und vom Meere wiederum nichts als zw«, Wellen, eine schnell enteilende, eine uns hoch und starkbustg entsegenfchwellende. In dem glerchmößis rauschenden. schweren Wellenschlag knistert plötzlich ein leich­terer. schmaler Ton hinein. Lebhaft hastig und eilig schwirrt es über blau« Wogen und weiße Kämme daher: Zwanzig, dre'ßig glitzernde Fische, die großen Brustflossen als starr auraestreckte Flügel der Luft, dem frischen Meereswind ent­gegengebreitet. Nach längerem, immer schnursrade vorwärts gehenden Fluge müde geworden, fallen die Fische wieder in rhr Element zurück. Aber meist nur für eine halbe, ein« Viertelstunde nur für so lange, um sich in der hilfreichen Melle neue Kraft, neuen Abstoß und Flugauitrieb für di« federnde Schwonzsloste zu holen. Schon stiebt die ganze Schar wie «in ausgegangenes Volk Feldhühner flüchtig davon.

Sind wir fo einmal mitten in den fliegenden Fischen dann. wird ilch das Bild häufig wiederholen. Man freut stch immer w eder. steht stej-r von neuem gern diele l'bellen- ban Wirten und durchsichtigen, meist stlbrigen. manchmal auch rostgen Flug«!. Wie ein frohes, vergnügliches, nur zur Kucz- wen des Lebens getriebenes Spiel schaut sich das für das unerfahrene Auge an. Für den Neugekommencn ist das nur ein Luft- L'cht- und Sonnenbad, das die munteren Wellen- blinken, glatten Leiber hinwegrieseln lassen. In Wirklichkeit ist aber dieser ganze Flug nichts anderes als em atemloser Flucht-. Rettung»- und Verzwefflungsriti durch dre Lutte. Denn dicht hinter, unter den Davsn- m^irrcnden. ,n ihrer Angst und Seelennot ru halben ftwrl ,ro< !^ e t nen , Wasserbürgern preschen dickt an der c*«** ll L kaufender Fahrt die dunklen und schweren großer Raubfische daher. Hart tm den maßen StonnsflpTiin feer Fliegenden bleiben st«. Wenn dies« ab ins Master zurückstnken müsten. packen die Räuber der falsche Vogel hat noch nicht den f»»™ erreicht, rangen ftc den oder jenen mit ^.^EN. steil aufböumenden Sprung noch ist den ?? und morden ,hn hin. rasen wie der Satan, um die iüt,^ etI Q?> reTl - bmter dem ent'etzt weiterfliehenden einher. Wenn die hochmögendr-r. mächtigen Thun- Itt'rl'l ^ ihrer wohlbesetzten Remere Treibjagd

4?ZZ?{Jn n i„ wS.A CTli ^ e 5 allenthalben, di« Fliegenden ver- die Hohe ,»ersuchen nach alle r Seiten bin die ver- ^bl'cke Kette her Laaer und Treiber zu^durchbrecken. Be- "boote zufällig selbst in einer solchen <üil- man v Bac K'chts Bestcrcs tun als • -EinenEen einen der Seeil-egenden zu befestigen

»n großen, starken und rauflustigen Gesellen

iv kreuzen. Kommt man einem ,n die Rabe. r o ist der

nIft' ae Ä er mJt e mir^ e , r = fa r^ n - 3) " Versuch ist der Mühe drci^ Zen tnern"handeln? * Um etnen Don 3 ® ei & ,s ^ Aber nickt nur die großen Raube» des Meeres mich bi" Menschen stellen den fliegenden Fischen wegen ihres zarten und wohlschmeckenden Fleisches nochJo^fder imd^enec Anfel des Stillen Ozeans bat stch der Fang des fliäenden L'kck'e.s zn einem ganzen Kult enüvickelt und ausAildet. Da muß der braune, arme Kanäle mongjelana abaeichieben ron seinen anderen Dorfgenosten, völlig abgeschieden beson­ders von allen Frauen und Mädchen einsam dabinleben muß fasten und sich kasteien, stch.aller m»S„

LÄ«scn imd guten Gerichte., we ein Wüstenanachoret ent- Nlten. Erst dann, nach gründlichster Vorbereitung ist die Ausfahrt gestattet. In dunklen Nächten, wenn hm Mond keine unlautere Konkurrenz macht, gleiten die Sockseekanus» . durch bte sKmale Riffausfahrt auf das freie Meer hinaus «äs stch in endloser Schwärze breitet. Jedes Kanu hat ani Mg einen Mann stehen, der eine schwelende, grell leuchtend» Palmenstrohfakel dickt an den Wasserspiegel niü>erhält Wie

Sckwarm verwehter, umhersuckender und durcheinander Möendcr Leuchtkäfer lchauen die Fahrzeuge aus der Ferne stm an. Ist man aber selbst bei der Reise dabei, wird man oaid die fliegenden Fische, diesmal, ohne daß sie freßgierig»

Seeräuber hinter der Sckwanzsloste hatten/beransckwirren baren.^ Sie haben es eilt«, können nicht rälck genug die Io v-etlich auf das Meer heruntergefallenen Sonnen und Sterne begrüßen. Aber das vermeintliche Himmelslicht ist teils Blendwerk, das keine andere Bestimmung hat. als sie 'n Tod und Verderben zu locken. Mit dem Handnetz werden die armen Toren herausgefangen. Anderes Getier, das in den südlichen Meeren, den Heimatregionen des fliegenden Flfckes lebt, wird von den Fackelhaltern weniger willkom­men geheißen. Eo mancher Insulaner, den ick bei meinen Wanderungen sab batte tief« und schwer« Narben am Leibe, rerrubrend von einem hechtäbnlicken Fi'ch. der auch nach der Fackel springt, einem Fische, besten länglicher Kopf stch zu einem scharfen, spitzen Dolche verjüngt, der so ein nacktes Kanakenfell schon tücktig beschädigen kann.

Diese Fangart mit dem Lichte erklärt auch zur Genüge die Tatsache, warum nicht selten in der Nacht — nie am Tage - fliegende Fische auf das Deck der in den Troven- mecren fahl enden Segelschiffe fallen. Sie schwirren den blendenden Schiffslaternen zu und bleiben, nicht mehr fähig, stch mit dem Schweife wieder von den Planken aLzuschnellen. Hilfslos auf den Bretttern liegen.

Thalatta Das Meer. Es wogt und braust. Der Thun ingt. die fliegenden Fische fliehen Der Große frißt den Kleinen. Oberstes Gesetz ist das des Mordes. Totscklag und Frevel, wohin wir sehen. Da unten in der dunklen, un­heimlichen Tiefe ist schier eine noch schlimmere Welt als unsere gepriesen« in der Sonne ist . . . Tlnd dennoch!, auch über dem Meere steht versöhnend der Regenbogen, di« im Glanze des ickeidenoen Tagesgestirns effchimmerNde und zitternde See ist ein Sinnbild des Friedens, wie es schöner nicht gesehen werden kann, der Silberflug der sliegenden Fische wird dem Ankundigen immer wieder ein holdes Sviel des Lebens sein, über Raub. Mord. Toischlag und finstere Gewalttat zieht Urmutter Meer den schwarzen Vorhon«. dix schweren Schleier dss Schweigens zu . . .

Lydicr.

Ban Karl Norbert Mrasek.

Eines Tases bekam er einen anonymen Brief.

„Lieber Dichter", stawd ungefähr darin.' „ich habe alle Ihre Werke gelesen, und es drängt mich. Ihnen zu schreiben. Wie kann man nur stets und immer eigenes Fühlen, eigenes Leid und Web in den Mittelpunkt des Sck>affens stellen, der Menge vreisgeben? Was liegt daran, wenn die Welt Sie nicht versteht, der Alltag Sie bedräng^ Mit Iberer großen Seele und Ihrem Schönheitssinn amrden Sie die Dis­harmonie zwischen Dichtung uird Wahrheit doch auf eine an­dere Art überwinden können. Erfreuen Sie stch an anderen, lebensfrohen Menschen, gestalten Sie nicht immer nur das eigene, sondern auch fremde Schicksale — auch die stnd in- terestant —. schreiben Sie stch Ihr« Seele frei vom Leid, werden Sie doch einmal auch beiter! Meinen Namen will ich verschweigen, ich unterschreibe, wie es mir einfällt. Es grüßt Sie Herz liebst — Lydia."

Er ließ das Blatt sinken. Sie versteht mich nicht: dachte er traurig. Was weiß ste von der Sehnsucht nach innerer Freiheit, wa? von der Qual. Menjchen zu suchen und kein« zu finden, was von dem Schrei der Seele nach Erlösung vom Leit durch Eestaltung nach außen? Aber wie er länger sann, hellte stch sein Blick aus. Sie versteht mich eigentlich dock! Mehr als alle vermochte sie aus meinen Werken zu leien, wie mir's unis Herz ist. Und vielleicht bat ste nicht so Unrecht: inner« Überwindung der äußeren Welt, das ist es. was mir nottut. Heiterkeit erleben, stch an lebensfrohen Menschen emvorranbm. begeistern können!

Von neuem vertieft« er stch in den Brief. Die Schrift- ?ü»e wurden ihm mit einemmal lieb und traut. Ein« Wärm« und Innigkeit straften sie aus. Er fühlt«, wie irgend etwas leine Seel« löste: di« geheimnisvolle Wesenheit der Schret- Lerin. die aus dem Brief, der Schrift, dem Inhalt magisch ihm entgegentrat. Es schien gewiß: ste verstand ihg. Und meint« es gut Mit ihm. Wo aber gab es einen lebensfrohen Menschen, an dem er stch erlösen konnte? Sie! Sie selbst! Jen« Lydia mußte er erleben!

Wer aber »war ste? Ein Mädchen? Eine Fra«? Er mußte sie kennen lernen.

Er schrieb ein« kleine Skizze,' und hinein verwob er artig das Erlebnis mit dem anonymen Brief und öine versteckt« Bitte, stch zu erkennen zu geben.

Anderen Tags überbrachte der Dien« ein weißes Kärt- lein. darauf stand nichts, als: Lydia.

Freudig erregt sprang der Dichter auf. sah erwartungs­voll nach der Tür. Nun wird ste hereintreten: jung, schön, heiter, wie ein Frühlingsmorgen . . .

Und ste kam. Jung, schön, heiter. Er war beinahe ver- wirrt, verlegen. Aber lachend und scherzend plauderte ste über die ersten Augenblicke hinweg. Er sah die Heiterkeit in ihren Augen glänsen. Seine Seele tat stch auf. Er lachte, vlauderte mit. Er bat st« zu einem Spaziergang. Sie willigte gern ein . . .

Nun trafen sie stch täglich. Lustwandelten erst im Park, dann immer weiter hinaus, in den Wald, in die freie Gottes- natur. Sie lachten, scherzten, schwärmten, waren Legeiftert. Die Welt versank.

Einnral, im Taumel der Seligkeit, hob er voti jenem Brief an zu reden, der ste zusammengeführt. Er wollte dies un8°das genauer erklärt baden. S''e antwortete ausweichend. Er stutzte, und fragte ungestüm drängend. Nun wurde ste rot und schwieg beschämt. Und gestand, daß ste «ar nicht jene Lydia lei. die den Brief geschrieben. Daß ste stch nur. als st« die Skizze gelesen, für Lydia ausgvgeben habe, um ihm Erlebnis sein zu dürfen- - . ^

Da sprang der Dichter iah empor und - stürmt« von dannen. Sie rief ibm angstvoll nach — er aber hörte nicht darauf und lief. lief durch die Wälder-

Bis er inne hielt. Warum eigentlich, so fragte er stch. stiebe ick plötzlich vor diesem Wesen? Ist ste nicht schön, heirer geistvoll? — Nein, und dreimal nein! rief eine barte St>mm« in seinem Innern. Warst du blind, daß du ihre derben Züge nicht gesehen ? Warst du taub daß du die Hohl­heit ihrer Worte nicht erkanntest? — Es ist wahr, mußte der Dichter rückennnernd bei stch bekennen: wie aber konnte st« mir denn Erlebnis «erden? Und mählich, wie er sein« Er­fühle prüfte kam die Erkenntnis: er erlebt« ste nicht, wie st« war sondern wie er stch Lydia wünschte, erdichtete, ste war bloß der Stein gewesen, «ns dem er stch das Idealbild Lydias meimln konnte. Nun aber die Begriffe auseinander- iielcn und jene mit Lydia nicht wesensgleich waren, ginn auch das Bild in seiner Seel« im. Trümmer. r

Traurig ging er beim «nb verfiel in sein« früher« Schwermut. Und wartete, bis di« rechte Lydia käme, die

Er ^ «ar^e^^ein^weltenferner Dichter. . .

Der Gärtner.

Von Curt Seibert.

Ich sollte einmal Landwirt werden, habe es aber bald wieder aufgegeben, da es den vereinten Kräften von Mensch und Vieh eines ganzen Gutes nicht gelang, mir den Unter­schied zwischen Genie und Weizen beizubringen. Ich hielt immer beides für Hafer. ^

Neuerdings iah ich mich jedoch genötigt, Gärtner zu wer» den. Zu diesem Zweck schaffte ich mir einen Garten an. Aus verschiedenen Gründen. Erstens braucht man keine weiten Ausflüge am Sonntag zu machen, die doch nur mit gekenter­ten Booten und zerstochenen Beinen enden. Z«>eitens kann man da allerlei pflanzen. Nun ist ein wilder Ziegenibock " ein Hofgärtner gegen mich. Wer es gibt ja Bücher, in denen man amssklärt wird. Ich kaufte mir also die BrosMre ..Wie haue ich meinen Kobl?" von Professor Immergrün, und' legte los.

Als ich zum erstenmal in meinem Garten stand, ich muß sagen, ich war überwältigt. Man erzählt sich von Karl V.. er habe die Sonne in seinem Gebiet nicht untergeben sehen. Nun. mein Gebiet war nicht ganz so groß, aber di« Sonn« sah ich auch nickt untergeben. Es stand nämlich ein Haus davor, so daß ich nach 4 Uhr immer Schatten batte.

Zuerst sah das Grundstück einem Garten so ähnlich wie ein Ei einem Radieschen. Es bestand zu dreiviertel aus Unkraut, der Rest war Erde. Ich machte mich an -das Un­kraut und rottete es mit einem Spaten aus. Nachdem ich 16 Wochen gerottet hatte, war das Unkraut verdovvelt. Da­für batte ich den Svaten abgebrochen. Nun lieb ich einen Mann mit einem Pflug kommen. Das Pferd trat meinen halben Lattenzaun nieder, aber der Garten wurde glatt.

Eine Samenhandlung lieferte nach Bestellung aus meiner Broschüre eine Menge kleiner Paketchen. deren In­halt ick in dem Garten verteilte. Als ich zum erstenmail se- düngt hatte, wollte stch meine Frau von mir scheiden lasten. Sie unterließ es jedoch, als die ersten Knospen sprangen, das heißt, als die ersten Spitzen irgend welcher Gemüse ans der Erde kamen. Stundenlang stand ich davor und beriet, was das werden könnte. Ich hatte zwar «tu allen Stelle» Täfelchen angebracht, aber ich hatte auch eine andere Vor­stellung von den Feldffrüchten.

Mein Freund Alex, der etwas von Landwirtschaft ver­steht. besuchte uns neulich. Kopfschüttelnd betrachtete er un­sere Anlagen und stocherte mit seinem Stock veffchiedentlich in der Erde umher.

„Warum du so viel Dünger auf die SiiefnrLtterchen ge­worfen hast, begreife ich nicht", sagte er. .chie Ecken ja."

Ich entsann mich gar nicht. Stiefmütterchen gesät zu haben. Vielleicht batte ste mir der Samenbänidler unter „Gemüse" mitgefchickt.

Alex wanderte weiter.

„Hier hängt ein Schild .Mömische Spargel", was soll das sein?"

„Das ist ein« besonders schöne Sorte, sagte ich. so laug, wie römische Lanzen. Wenn wir sie pflücken, kannst du kom­men. Meine Frau hält die Leiter und wir brechen ste ab." Alex machte ein mißmutiges Gesicht.

„Soargeln werden gestochen", sagte er.

Gestöcken? Er mußte verrückt sein. Ich werde mich hüten, meine schönen Coargel kaputt zu stechen^ Wer ich sagte nichts, sondern führte ihn weiter.

„Meine Kartoffeln mußt du sehen. Di« Blätter kommen schon heraus." •

Und ich zeigte ihm die Stelle, wo ich 100 Zentner zu ernten gedachte.

.Das fft ja Kohl", meinte Alex.

„Was soll hier Unsinn sein?" ♦

„Wer redet von Unsinn? Kohlt Das ist ganz gewöhn­licher Weißkohl!"

Ich wollte nicht wÄ-erßprechen und zog ihn zu dem Lattenzaun.

„Sieh nur diesen herrlichen Wein", rief ich aus. „Wir er wächst, wie er -blüht. Das wird Burgunder, mein Freund, von dem wir manches Glas durch die trockene Gurgel gießen wollen." - •

Aber Aler schien nichts davon zu.-halten. Er erklärte meinen Burgunder für wilden Wein. Das bewegte mich tief.

„Wilder Wein, sagst du? Ohne.Trauben?"

„Ohne Trauben?"

„Mer. was macht man denn damit?"

„Na. wenn stch mal ein Rebhuhn in dein« Stiefmütter­chen verläuft, dann kannst du es schießen. Mit wildem Wein schmeckt das sehr gut."

Ich notierte mir das Ressvt. Aber ehe Mer «ins. wollte ich noch eine Auskunft von ihm. Ganz hinten im Earten zwischen den Erdbeeren war «in Gewäcks aufgefchosten. Ich hatte dort nur Erdbeeren geiat. Weiß Gott, wie das dahin geraten war. Ein langer Strunk, mit grünen Blättern be­wachsen. Merkwürdig sah er aus und geheimnisvoll. Ich wollte ihn misreißen. aber dann besann ich mich. Vielleicht wurde es was besonders Schönes, ein Birnbaum oder Mn- lickes. Mer dann mußte man ihn verpflamen. Der gute Alex wußte Rat.' Er trat an das sonderbare Gewächs, riß es mit kräftigem Ruck beraus und hielt mir das untere Ende • vor die Nase. Da baumelten einige' braune Früchte.

„Mein Gott", rief ich. „Kartoffeln! Aber die ich doch da hinten . . ."

„Nein, das stnd die Spargeln."

„Oder da vorn. .

..Da stebt her Kohl."

Ick mußte feffftellen. daß ich kein einziges Feld Kas tofieln befaß. Als Aler fort war. schrieb ich an mehrere Kaufleuie und bat um Zusendung von Kartoffelsamen. Dann setzte ich mich vor das Beet mit «den Stiefmütterchen, mid warte seitdem auf das Rebhuhn. Mer es verirrt stch keins hierher, und der Kartoffelsamen kommt auch nicht.

Ich werde, weiß Gott, das Rebbuhn in einer Geflügel- Handlung erlesen und trotz meines Gartens die Kartoffeln kaufen müfteit. Dafür wird man nun Gärtner!

Axborrsnien.

Bon Clara BlStgen.

Seschtevene Ehegatten, dt« wieder heiraten, stnd wie entlassene Sträflinge, die abstcktlich von neuem fündigen um wieder in d»s Gefängnis zu kommen.

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©ine Frau, die Geist hat. muß sehr reizend, sehr an­mutig !«m. damit er ihr verziehen werde.

*

Sn der Ehe ist es di« größte Kunst, die Kette so zu schleppen, daß kein Fremder das Klirren Hort.