Morgen-AusgaZe. Drittes Blakt. Seite 19 ,
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Aakteen.
Von Eduard Ovvel.
Die Humoristen unter den Pflanzen hat man die Kakteen genannt. Vielleicht paßt kür ste die Bezeichnung ..Lebens- künstle?' noch bester. Wir finden ste auf dürren, sandigen, steinigen Ebenen, auf öden telstgen Hochlandstrecken und in den Ritzen zerklüfteten. Gesteins, an dem kaum ein bißchen Dammerde haftet. Ja manche Arten lder Gattungen Cereus und Rhivfalis) klettern wie Orchideen. Aroidecn. Dorstemen und Begonien auf dode Bäume nud wurzeln in der zwischen der Borke haftenden spärlichen Erde fest. Die Kakteen geboren zur groben Verwandschaft der Nopalgewämse. die durch erne vom gewöhnlichen Bau der übrigen Pflanzen, abweichende Form überraschen. Ihre Gevatter Dickblätter' baden schon ein seltsames Aussehen, aber die rechten Noval- vewächse entwickeln überhaupt keine Blätter, sondern lasten 'dre Stengel fleischig und dick werden, versehen ste m,t Mil tonen von Spaltöffnungen und übertragen ihnen einfach die Funktionen, die sonst dem Laube, dem Blattwerke, zufallen. Reichvcrästelte Novalgcwächse mit kurzen Zweigen, sehen manchen Dickblättern nicht unähnlich. Und wenn einzelne Glieder oder Zweige zu breiten Scheiben werden, dann halt der Laie ste ohne weiters für Blätter. So z. B. bei der Gattung Feigenkaktus (Opuntia)., Biele Gärtner bezeichnen übrigens Dickblatt und Novalgewächse mit dem gemeinsamen Namen Sukkulenten oder Fettpflanzen.
In botanischem Sinne umfasten die Novalgewächse neben den blattlosen baumartigen ostindischen Wolfsmilcharten die Opuntien und Kakteen, die Cereus-. Melokaktus-, Echino- kaktus- und Mamillaria-Arten. die von, Chile und Sudbrast- lien über Peru. Columbien, die Antillen und Guatemala verbreitet, insbesondere aber auf der Hochebene Mexikos m einer erstaunlichen Manigialtigkeit der Formen entwickelt
5 nd. Immer bewohnen ste Gegenden, di« nahezu drei Viertel es Jahres hindurch des Regens vollständig entbehren, die überhaupt zu den trockensten der Erde gehören.
Diesen Verbältnisten des Standorts entspricht denn auch die ganze Organisation der Nopale. An Stelle der Laubblätter siebt man trockene Schuppen und Haare aiisgebildet. vielfach find die Laubblätter in Stacheln umgewandelt, die — in großer Anzahl von den dicken Stengelgliedern abstehend — diese vor den Angriffen der dürstenden Tiere so gut wie möglich schützen. Die Haut der zu sänken-, scheiben- oder kugelartigen Masten auswachsenden Stämme ist an ihrer Austenwand fast knorpelig verdickt, und häufig wird durch Einlagerung von oralsaurem Kalk (bis zu 85 Prozent) ein förmlicher Panzer um die tiefer liegenden grünen Gewebe ausgebildet (Kerner). In wieder besonders entwickelten Geweben sammeln die Nopalgewächse Wastervorrat auf und können dann wie das ..Schilf der Wüste", das Kamel, der gröhten Trocknis längere Zeit widerstehen. Das Waster- gewebe zeigt bei den verschiedenen Arten eine grohe Manig- faltigkeit in der Form, im Ausbau und in der Anlage. Wir wisten ja nachgerade, dag der Natur alles und jedes Schematisieren verbaht ist.
Die austerordentliche Wichtigkeit der Faktoren, die einer Verdunstung der Wasseroorräte Vorbeugen, rechtfertigt einige Bemerkungen.
In den pflanzlichen Bewohnern der Steppen und Wüsten, die auch die aröhte Dürre des Bodens im Hochsommer über- stcben. ja frisch und saststronend ihre Organe dem Lichte zu- reckrn. während alle anderen Gewächse längst vergilbt und verdorrt stnd. finden wir eine auffallend grobe Menge von im Waller gelösten Salzen. Cblormagnestum. Kochsalz und derlei, und diese Salze gehören neben harzigen und gummi- haltigen Säften zu den Stollen, die dos Waller mit grober Energie festbalten und dadurch den Pflanzen auch über die Perioden der absoluten Regenlosigkeit und gröbten Trocknis dinwegbelfen.
Nun kommt hinzu, dast die Novalgewächse, vor allem die Kakteen der neuen Welt und die Euphorbien des südlichen Asten und Attila. ibr grünes Gewebe in hervorragender Weise auch gegen tierische Angriffe schützen. Wir haben gesehen, dast bei diesen Lebenskünstlern sozusagen alles verkehrt ist. Der Stengel ist grün dick, saftig, fleischig, und die Blätter, die an ihm sitzen, stnd in starre graue oder braune Dornen metamorobostert. Diese Dornen halten wie Hellebarden die ungerufenen Ankömmlinge und Widersacher zurück und sorgen dafür, dast die Allmutter Sonne in den
Zauberwerkstätten der Zellen der Stämme jene Lebensarbeit verrichten kann, die bc, ..normalen" Gewachsen im Blatt- werke vor stch geht. Bei den Rovalen wird nämlich di« neue organische Substanz, die zum Lttlf- und Ausbau bex dient, in den säulen- oder kuchenartigen Stammen erarbeitet. Bei vielen Opuntien, erreichen die Dornen me stattliche Länge. Die schuhbedurftlgeren Knospen stnd obendrem mit widerhakigen Angelborsten besetzt, so dast die ganze Pflanze ebenso trefflich gegen tierischen Schaden wie gegen klimatische Unbilden gesichert ist.
Die Notwendigkeit einer so vorzüglichen Bewaffnung begreift man sofort, wenn man stch klar macht, dast die saft- reichen Kakteen zur Zeit der großen Dürre oft d,e elMige Nahrung sind, die ein Tier vor dem Hungertode schützt. Werden ste auch lange gemieden, in der Verzweiflung des Durstes greift sie u. a. der verwilderte Esel tn Südamerika an. sucht sie durch Hufschläge zu entwurzeln oder zu walten, um stch nicht das Maul an den abscheulich scharfen Dornen zu^zerreiben und dock - wie oft schlagen ihm diese Waffen aualvolle Wunden, die ihn so gefährliche Gewächse, wenn es eben gebt, dock meiden lehren!
Die Kakteen stnd die Lieblinge zahlreicher Pflamen- freunde. und sie verdienen ihrer.Eigenart wegen auch diesen Vorzug Wenn zur Zeit der Winternebel das schlummernde Pflanzenleben der peruanischen Küste erwacht, dann sprossen aus dem starren Kaktus moste wundersame Bluten ine Wüste bedeckt sich m,1 ernem herrlichen Flor. Alexander von Humboldt war es. der uns die botanischen Herrlichkelten der südamerikanischen Äauatorialzone erschloß und unserer Phantasie darüber ein Gemälde von wunderbarer Wirkung schuf.
Die Kakteenfamilie umfaßt etwa „900 Arten. Sie stnd Eingeborene der Neuen Welt und geboren zum größten Test der beißen Zone an. Einige Arten aber gehen hinauf nach Norden und bis nabe an die Schneegrenze. Diese Arten fühlen stch auch bei uns wobl. Alls Kakteen zeichnen stch durch schöne, vielblätterige, meist trichterförmige. Bluten, aus: eine der prachtvollsten entwickelt Cereus. d,e berühmte Königin der Nackt". Cereus nyctioalus hat prismatische Stämme, die mit Saftwurzeln an den Felsen oder auch an den Borken der Bäume emvorklettern. Andere Cereusarten haben austechte säulenförmige Stämme, wieder andere stnd kugelig oder kuchenförmig oder haben Sie Gestalt kurzer
Königin'der Nacht blübt. wie der Name..verrät, nachts. Es gibt solche Nachtschwärmer, und merkwürdigerweise entfalten ste fast alle die reizvollsten Blumen, die wahrhaftig das Tageslicht nickt zu scheuen batten. Die Blumenblätter der nächtlichen Königin sind schraubig angeordnet. d. h. ste stnd in kleinen vertikalen Abstanden entlang einer Schraubenlinie so gruppiert, daß die kleinsten zu unterst, die größten zu oberst stehen, nicht unähnlich den Blättern des Hüllkelches in dem Küvfcken eines Korbblütlers. Auch darin liegt eine Eigenart, denn diese schraubenförmige Anordnung ist — wenigstens in so auffälliger Form — eine Seltenheit. Wer je eine Königin der Nacht bat blühen sehen, wird sich über die wunderbare Farbengebung gewundert haben: außen ist die Blume stlberschimmernd.
innen trägt sie eine goldoezackte Krone, wie es bei Königinnen Brauch. In der Dämmerung tut ste stch auf. um Mitternacht entfaltet ste ihre strahlende Pracht in vollem Glanze, und am Morgen ist ste verblüht. ...
Die silbrige helleuchtende äußere Blumenhälste ist von hoher Bedeutung für die Lebensfunktionen dieser Pflanze. Wäre die Blüte nur scharlachrot, so hätte ste ihren Zweck von vornherein verfehlt . Sie würde von den am Abend fliegenden Faltern und Schwärmern. Eulen und Spannern gar nickt beachtet werden, denn die scharlachrote Farbe ist wie die der violetten, blauen und vurpurroten Blumen in der Nacht unsichtbar. Da können nur noch die Blüten gesehen werden, die weiß oder blaßaelb gefärbt stnd. wie die Blumen der Nachtkerze, des Geißblattes, mehrerer Nachtschattengewächse und vornehmlich der großblumigen mexikanischen Kakteen, zu denen ja unsere Cereusart zählt. Der Silberblütenkranz der Königin der Nackt lockt die Nachtfalter an. die — von Blüte zu Blüte fliegend — das Werk der Befruchtung vermitteln. Der feine Duft, den die reizende Blume ausströmt. würde nicht genügen, um die Insekten anzuziehen. Die ..Königin der Nacht" unterscheidet sich darin von anderen . Nachtichwärmeriniien". die durch berauschende Düfte die Nachtinsekten an sich locken. — ohne ihr verschleiertes Antlitz zu zeigen!
BaUhorns Ehrenrettung.
Das Wort ..verballhornt" ist in unserem Sprachgebrauch eingebürgert, wenn wir sag^r wollen. Laß M-nd eme an und für sich gute Sache verschlechtert worden 'lt. und kundige
Leute wissen auch, daß. diese Bezerchnungen E ve^allhor
neu", „ballüornisieren ..verbessert nach Johann.Balldorn^ mit einem Drucker zusammenhängen. der durch l«me angeblichen Verbesserungen den Text seiner Druckwerke ar« ver schlechtert bat. Während man früher von diesem BaMiorn nur aus Berichten des 17. Jahrhunderts Kunde batte, üt moderne Bibliographie einer ganzen Reibe von Wetten feiner Presse auf die Spur gekommen, und letzt ist es sogar gelungen, mit einem neuen wichtigen <-ltind die fo lang« verleumdete Ehre des wackeren Lübecker. Buchdrucker^ zuzetten und alle die ihm angebängten ..Verböserungen ,n: bas Reick der Fabel zu verweisen. Uber diesen Fund . berich.el oer schwedische Reichsbibliotbekar Dr. J. Colli,n 'n einem Arrf- fatz der in der Zeitschrift „Nledersachsen wieder^eseden wird. Wir wisten heut«, daß ^wei Buchdrucker mit dem Namen Johann Dallhorn im 16. -Jahrhundert in^Lübeck tat a waren, nämlich Vater und Sohn, und zweifellos nt es oer ältere von beiden, der zu der Redensart Anlag gegeben fot. Der älteste datiert« Ballhorn-Druck, die Niederdeutsche Bearbeitung einer gegen Luther gerichteten Streitschrift des Erasmus von der nur zwei Blätter erhalten sind, llawwt ms Tem'Ä 1528. Dock muß Ballhorns Druckerei schon ein oder mehrere Jahre früher m Bettieb gewesen sein, denn bereits im Jahre 1527 wird vom Lübecker Magistrat, ein Verbot für den Magister Johann Vallborn erlasten, da« er nicht mehr gewisse ..Schanddriere auf Herren. Fürsten und Städte" drucken dürfe. Nach Ballhorns Tod itn Marz 1573 übernahm dann der älteste Sohn, der wieder Johann Ball- Horn hieß, das Geschäft und hat dann auch .eine rerwe
^^Astech'^istE entwickelt Ballhorn »um, Urbild all«
schlechten Bearbeiter und ..Verschlimmbesterer geworden? Die erste Nachricht, auf der fern böser Ruf beruht, stammt wohl von Balthasar Sckmvvius^der 1659 in ernem ..Kalender" bemerkt, daß der BmhdruM Dallhorn em ABt^Buch „vermehrt und verbessert hatte ausgehen lÄsen. Dieses ABC-Buch. das wir bisher aus . eigener Anschauung nicht kannten, soll de: Drucker irgendwie umgestaltet kaben nach den Angaben de: einen, indem er lauter Daovelbuchitaben im Druck verwendete nach anderen, indem er den Sahn, das diele Schulbücher schmückende Symbol der Ammett'amren eigenmächtig umänderte. Er soll dem wachiawen Tler die Sporen von den Füßen fortgenommen und statt desten e,n Et oder gar einen Korb voll Eier neben ihn gesetzt haben. Diese letztere Geschichte scheint aber auf. einer Erfindung des witzi- gen Kortum zurückzu gehen, der in seinem ^kannten satrri- schen Gedicht .Die Jobsiade" seinen Selben, den Kandidaten Hieronymus Jobs", die genannten Derbesterungen an dem alten Ballbornfchen ABC-Buch vornehmen lont wodurch er «fern Schulmeister cnnt verliert. E ringe Schriftsteller wollten tfberbcupt von dem ..verballhornten" ABC abseben und den Ruf des Druckers davon herleiten, da« er überhaupt seine Schriften mit eigenen Zusätzen versehen habe, um stch den Schein der Gelehrsamkeit zu geben. Di« vorhandenen Drucke gaben aber zu dieser Annahme keinen Anlaß, und so blieb man denn darauf angewiesen. zu warten, bis em Exemplar des unbekannten ABC-Buches gesunden wurde Dies ist nun geschehen. Ein schwedischer Buche ttammler Freiherr Gosta Peyron erwarb von mein Stockholmer Antiquar «m Exemplar eines Lübecker Drucks aus dem Jahre 1553. der stch als ein« lateinische Ausgabe des so lange gesuchten Ball- hornschen ABE-Buches erwies. Der kleine Druck, der acht unvagimerte Blätter umfaßt. ist kem ABC-Buch.im modernen Sinne sondern eine sog. Katechismus-Fibel, die außer dem Alphabet noch die Glaubensartikel, einige Gebete und. anderes enthält: es ist die älteste norddeutsche Katechismusfibel, die wir kennen. Aber ste zeigt keinen Hahn, der hätte „verballhornt" werden können, gibt auch, in der angewandtem Orthographie nirgends einen Anstalt für irgend welche „Verbesserungen". Weder Doooewuchstaben noch sonst irgend welche Zusätze kommen vor. Damit ist also di« Ehre Johann Ballhorns gerettet, und man muß annebmen.. daß erst, viel später durch irgend eine Verwechslung das Sprichwort fernem Namen angehängt worden ist. _
Die Idee.
Von Fritz Hermann.
.Störe ich ruck. Fritz?"
.Lvas ist denn?" ,
Lck dachte, du arbeitest. .. „
schreibe gerade eine kleine Novelle. Scham.
„So. Also hast du eine neue Idee?"
„Freilich, sonst könnte ich doch keine neue Novelle schreiten. Kind."
„Wie schade!"
Meine Frau setzt sich ru mir an den SÄreiLtifch und steht mich bedauernd an.
„Was ist schade?" , w ^ „ .
„Du hast mir doch gesagt, daß der Schriftsteller immer neue Ideen braucht, wenn er schaffen will, und je bester die Idee, um Io höher das Honorar, das man dir dafür bezahlt.
'Und du wmß^ doch. Fritz, daß die Frau die Gefährtin »nd Jreundin des Mannes lein soll?'
„Das sagte ^ich einmal. Hat das was mit meiner
*° 8e s e «&i U viel" Fritz. Wenn du kein« Idee gehabt hättest..."
UDann wäre ick wobl fparierengegangen. bis mir etwas «rugefallen wäre."
Meine Frau beobachtete mich lauernd.
Und wenn du dichtest, brauchst du mich nickt. Wie?
Jiein, denn ick muß mich ganz aus meine Arbeit kon-
Wenn ich dir nun helfen könnte, würdest du mich dann brauchen können? 2ck habe nämlich eine. Idee, eine, ausge- »eichnete Idee, dir möchte ick dir gern erzählen. . . .
„Wenn die Idee gut ist. Sckatzi."
Bitte Ne ist sehr gut. Du glaubst es wohl nickt? weshalb iolllUdu nur Ideen baben Oh. mein Lieber . . . K wirst überrascht kein . . . Also ick habe oder bester getagt ich batte beute nackt eine vortreffliche Idee. . . .
„Weshalb erzähltest du ste nickt?"
Weil du schliefst und bereits . . . schnarchtest . . . Im dachte mir nun. wenn ich Fritz diese ausgezeichnete Idee
ß zable. dann kann er daraus eine Skooeüe macken und b«. mmt Geld dafür. ^
Z°d da \fi tnt Idee bergab, müßte ick «•
„Geistige Mutter. . . . Ich habe keinen literarischen
Ehrgeiz. ^
„So seid ihr Männer. Egoistisch bis dort hinaus. Dre Ideen darf man euch sagen, und ihr schlacktet ste aus. . . . Und von dem Geld«. ... Es ist wirklich eine Schlechtigkeit. . . ."
.Du willst also Geld. Sckatzi?“ .
„Geld . . . Geld ... Im will dein Geld nickt . . . mm Geld will ich. Ick gebe dir die Idee, die ganz ausgezeichnete Idee . . . und du denkst, fiir dein bißchen Schreibarbeit darfft du dann das Honorar kassieren . . Aber dies G-ld
gebürt mir . . . verstehst du? Als ich diese ausgezeichnete Idee batte, dachte ich: dafür bekommst du mindesten« hundert Mark und kannst dir dann die entzückende kleine Perlentaicke kaufen, die du dir schon io lange wünschest. . . .
„So. eine Perlentafche wünschst du dir?"
„Natürlich, wenn deine Frau einen Wunsch bat. den überhörst du. Wenn ick das Perlentäfchchen hätte, dann könnte ich mein Wirtschaftsgeld viel bester verwahren und brauchte es nicht zu verlieren. Und die Ersparnis . . . Siebst du das denn nickt ein? . . ."
„Willst du mir vielleicht deine Idee jagen. Kind, daß ich dir fasen kann, ob sie was wett ist. .
Du willst mich betrügen. Du wirst antworten, die Idee wäre gar nimt ausgezeichnet und wirst ste heimlich doch ver- orbeilen . . . Nein, die Idee ist ausgezeichnet . . .
Aber Kind. Ick bin dock kein Schutte! Sprich doch. Me ist dein- Idee?" t , . . . , , .
„Du willst mich nur analen. Ich habe dir doch gesagt, daß ich die ausgezeichnete Idee batte: ick habe ste mckt mehr . . . denn ick vergaß ste . . ."
f^fui! e '©tt glaubst mir wohl nicht, -ab ich eine Idee
^ ftlte „3cfi glaube es. Frieda." „„
..Und du glaubst wohl nicht, daß ste ausgezeichnet war?"
tränen. Tränen. Tränen.
„Auch das glaube rck.
Die Sonne brickt hinter Wolken vor. Meine Frau lächelt.
„Wenn also meine Idee wirklich io allsgezeichvet ist. wie du dock selbst sagst, Fritz, willst du mir nicht die hundert Mark geven, daß ici» mir die Perlentasche kaufen kann? Der Kaufmann hot gesagt, es wäre di« letzte, und die neuen. d,e er bereinbekäme. wären um fünfundstebenzig Prozent teurer ... Ich bin eine sparsame Frau . . .
Ich »«de meiner Frau bundett Matt, daß ste. stch die ««wLoüd^üuUeu tmui. dt. «och st» killt« ist und tu der
man das Wirtschaftsgeld fo gut verwahren kann, daß es nicht
verloren gebt. . . .
^Jst ^es^ni'ch't schön, wem, die Frau die Helferiu des Mannes fein kann? . . Ick werde , gleich nach elner neuen Idee suchen . . . Eine noch viel schönere, aus der du eine» Roman machen kannst, dann kann ick mir vi?lle,ch.t von meiner Idee bald den Marquisnng kaufen, den ick uur ick»' solang« wünsche ..."
Die Glaskugel.
Don Karl Lerbs.
Ich keime ihn. und er kennt mich: acher wir «even Wrm« aneinander vorüber und grüßen uns nicht. Wenn wn uns begegnen (er gebt «in wenig schleppend, denn ste haven mm da irgendwo im Krieg das Bein zerfchosten). Io fliegt zwischen uns ein rascher Blick bin und her. in dem Unausgesprochenes liegt. Es wird niemals gesagt werden, denn wir stnd vev-
Neulich habe ich darüber nachgedacht, wie es kam. und ich weiß es nun. In unserer frühesten Kindheit waren wir unzertrennlich, zumal im Sommer, weun wir im Garte» Kuchen aus Sand buken. Ein Dreirad, ihm gehörig, droht. uniser« Freundschaft unter seinen Rädern »u »ermalmen — der Pudding des Nachbarn, im Garten zum Kühlen auf««, stellt und von uns vom sicheren Balkon aus mit kleine« Steinen bombardiert, stellt« ste wieder her. Am Tage dar- auf bekam er. ttotz geringerer Treffergebniste. die fälligen Prügel und es war wieder ans. Als ich dann auf der Fahrstraße das Frühlingslviel aller Jungen zwilchen drei und dreizebn ttieb, das Klickerfpiel („Murmel" nennen ste s am- derswo). da kam er daher und setzt« nach einigem Zögern einen wunderschönen farbigen GlaSklicker. Es war ein Wag^ stück denn Io ein Ding kostete allein einen Groschen. Ich warf und gewann: das bunte Wunder war nach ehernen Gesetzen mir verfallen. Da ging er voll Zorn, und wir ver-
^"Das"Leben ist doch wunderlich. Wir baben viel erlebt seither und batten des kindischen Trotzes längst vergeste» sollen. Aber wir geben stumm aneinander vottiber und grü» ßen un» nickt. Ein« bunte Glaskugel ist zwischen uns, di« mit den Jahren schwoll und schwoll, bi, wtt um» durch da« Fardenspiel nicht mebr ettennen konnten. Ich glaube. «« wird so bleiben, «der wenn er «tnnutt Kinder Hat.
