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Jugendbild beut Jugendfreund auf dem Schlachtfelde crjchienen — so tief war es in seinem treuen Herzen. Aus dem Feldpost-Um- schlag ftotterte noch ein Blättchen, aus dem stand von F/auenhand geschrieben: „Herr von Mendorf sendet einen besten Gruß, er denkt, da« er bald sterben wird, aber es ist möglich, daß sein kräftiger Körper auch diese schwere Verwundung übersteht. Schwester Cäcilie."
Wie eine Mahnung war es Adelheid! Sic half und arbeitete, wo sic konnte, für die Kämpfer draußen, sie sorgte für die Angehörigen ihrer Leute, die im Osten und Westen kämpften. — Aus ihrer näheren Familie stand keiner draußen — ja, wenn sie Kinder gehabt hätte, Söhne — die würden jetzt auch Soldaten sein — aber auch der Trost lieber Kinder war ihr in ihrer traurigen Ehe versagt geblieben! Und nun war jemand da, b<m sie helfen, dem sie vielleicht etwas sein tonnte. Sie rüstete zur Reise — der Ober-Inspektor bekam Auweisun- fl<n — sie fuhr nach Berlin und verschaffte sich die nötigen Papiere — und dann eine Tag- und Nachweise, bis sie endlich an das Tor des Lazaretts klopfen konnte unb sich Schwester Cäcilie rufen ließ. Er lebte noch — aber es ging langsam zu Ende! Dennoch stand sic aufrecht und getrost an seinem Lager, während er schlief, ganz leise hatte Schwester Cäcilie sie hiucin gelassen — er öffnete auch die Augen nicht — aber er sagte mit einem Mal ganz deutlich, während ein Lächeln über das verfallene Antlitz ging: „Tic Mittagsfee." —
Als er erwachte, saß sie da — nicht im ivei- ßen Kleid, sondern schwarz und im Witwenschleier, er schien cs nicht zu bemerken — feine Gedanken konnten die Gegenwart kaum noch fassen, aber seine Seele ahnte ihre Nähe und an der Hand der Mittagsfee durfte Konrad aus dem Leben gehen. *
Krieg und Glaube»
Das Glaubensbekenntnis im Weltkrieg.
Löst der Krieg alle Bande der Ordnung und Gesittung? Scheinbar ja! Aber wenn je ein Volk, so haben wir Deutschen in diesem gewaltigen Weltkrieg es erkennen gelernt, daß der Krieg über alle Anflösung und Schrecken hinweg ein großartiger Ordner und Erhalter ist. Es sind znnt Teil gründ andere Gesetze, die ihn diirchwalten; aber von ehernen, großen, ja zum Teil erhabenen Gesetzen wird auch er beherrscht, wie er anderseits sie schasst und gibt. Und wenn wir der höchsten Leitung des Krieges durch die genialen Heer- siihrer gedenken, wenn wir erleben, wie nach ihrem weitansschauenden Plan sich Ereignisse von welterschütternder, aber gleichzeitig welt- mtcuernber Bedeutung auf den Schlachtfeldern vollziehen — aus denen neue Abschnitte der Weltgeschichte sich entwickeln, neue Welt- und Völkerordnungen entstehen, durch die dennoch der Geist gesteigerter Planmäßigkeit und klarer, bewußrer Zielrichtung hin auf die letzten und höchsten Gesetze der Menschheitsentwicklung und Menichlichkeit weht, daun will uns ein Gefühl staunender Bewunderung erfaffen vor dieser höchsten Ordnung im scheinbar wildesten Chaos, vor dieser Höherwertung und höherer Anwendung bleibender Regeln mitten in scheinbar ungezügelter Regellosigkeit.
Denn das ist das Bezwingende, wie in jedem Erleben, so auch in diesem Weltkrieg: Schließlich läßt sich alles Denken und Geschehen auf einige wenige, klar umrissene Formeln und deren Anwendung von Jahrtausenden und Jahrhunderten her zurüekführen. Mögen die Kriegsmittel gegen früher endlos gesteigerte, mögen ihre Wirkungen in der Masse und Breite unaiissprechlich vermehrte sein, mögen die Lehren und Erfahrungen der Taktik und Strategie mannigfachst erhöhte sein: Schließlich waltet m ibnen und wirlt mit ihnen das Feldberrn- ßenie durch einige wenige letzte, höchste Grundgedanken, fußend ans einige wenige, aber seit ßnbeginn ans der Menschheitsgeschichte empor-
__________Kasseler Neueste Nachrichten.
geflutete Gnmbcrsahrnugen, die sich in wenige, aber weltbeherrschende Grundsätze, Grundlinien, Formeln zusammcusassen lassen. Auch aus dem Krieg, der gewaltigsten Völker- und Menschheits-Bewegung und -Erregung, entwickeln sich letztlich ein paar kurze Sätze eines ehernen, Gewinn und Verlust ordnenden Mcnschheitsdogma s, ohne das die Völker sich längst in blindem Wahn zerfleischt, vom Erdboden völlig vernichtet hätten!
Es gibt nichts Genialstes, nichts Menschliches ohne eine letzte, höchste Ordnung, und der menschliche Geist ist auf Grund seiner Uranlage gezwungen, diese Ordnung auf einige letzte Grundregeln zurückzusühren, an Hand deren er sich ihrer erst bewußt wird. So kann selbst der Weltkrieg uns ein Lehrmeister werden für das Verständnis auch des Höchsten, bestimmter göttlicher Tatsachen und Ordnungen, auch im geweihten Reich der Religion, des Glaubens, des Christentums. Sie wirken nicht kraft eines Zwanges von außen, sondern durch die Wuchz innerer Wirklichkeit. Aber wäre ihre Fassung in eine letzte, höchste Formel noch nicht geschehen, sie mußte vollzogen werden als Ausdruck innerster Ordnung, auf die hin nun einmal der Menschengeist in sich selbst angelegt ist, und ohne den er nicht wirken kann. Eine der erhabensten, wenn nicht die erhabenste Formel christlicher Religion wird für immerdar das sogenannte Apostolische Glaubensbekenntnis sein. Es soll uns denn auch des weiteren, mitten im Kriege, beschäftigen, um die Gesetze der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes daraus ahzulesen. E. K.
Was uns not tut.
Eniwicklungsmöglichkciten für unsre Jugend.
Unter Wassengeklirr und Schlachtenlärm wächst heute unsere Jugend heran, einer ernsten und arbeitsreichen Zukunft entgegen, die ihr wenig Zeit zu heitcrm Spiel und sorgenlosem Scherz lassen wird. Schwer waren schon die vergangenen, sind, twch die gegenwärtigen Tage für viele, die bisher gewohnt waren, lachend durchs Leben zu wandern. Härter noch, wenn auch nicht ohne Freude und Licht, wird die Zukunft fein, für die nun in eifriger und pflichttreuer Arbeit gerüstet werden mutz, besser gerüstet noch als sonst, denn die Lösung großer und schwerer Aufgaben werden die kommenden Jahre von uns, besonders von der Heranwachsenden Generation, fordern, größerer Aufgaben, als die Zeit bis jetzt mit sich gebracht hat. Und ihre Lösung wird umso schwieriger sein, als Hunderttausende wackerer Lebensstreiter, die für die Entwicklung unseres Volkes noch viel, unendlich viel hätten tun können, nun in den letzten langen-Scblaf sanken. Ihre Kraft, ihr Fleiß, ihre Arbeitssrcudigkcit, ihre Talente, ihr Geist muß ersetzt werden: wahrlich, ein hohes und schweres, aber auch schönes Werk. Es kommt darauf an, daß wir es recht vollbringen; wir können es aber nur dann, wenn wir unserer Jugend jeden Standes, Akters und Geschlechts das beste Rüstzeug in die Hand geben. Die Vergangenheit sei da nicht vergebens unsere Lehrmeisterin. Wir wissen, was wir unserer Volksbildung, die bis jetzt von keinem großen Kulturvolk übertroffen wurde, zn verdanken haben. Aber wir dürfen nicht glauben, daß mit dem bis jetzt in dieser Hinsicht Erreichten genug getan fei. Tausende und Abertausende fühlen in sich schlummernde Kräfte und können sie nicht entfalten, weil ihnen die zn beschreitenden Wege nicht offen stehen, weil sich unüberwindliche Hindernisse aller Art vor ihnen auftürmen.
Sie verkümmern in vielleicht trostloser, tötender mechanischer Arbeit, und ihre Talente und Fähigkeiten, die dem Volksganzen unendlichen Segen bringen könnten, wenn sic sich nur hätten entwickeln können, bleiben wie ein Stück Brachland, dessen Boden reiche Schätze birgt, ungenutzt. Diese Wahrheit hat uns der Krieg in mehr als einem Fall bestätigt; so verössent- lichte erst vor kurzem Gertrud Bäumer in der "HAfe" den Brief eines Offiziers, in dem dieser
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das Loblied seines jungen Geschützführers singt, dessen Keuninisse und Fertigkeiten unfein Truppen sicherlich noch ganz anders hätten zugute kommen können, wenn dem begabten jungen Manne Gelegenheit gegeben gewesen wäre, seine trefflichen Anlagen durch eine gute Schulung zn vervollkommnen. Das ist nur ein Fall unter vielen. Aber er sagt doch genug. Er sagt uns: Daß unser Volk sich selbst am besten dient, daß es die glücklichsten Vorbedingungen für seinen weiteren Aufstieg schafft, wenn es alle im Volkskörper bis jetzt noch brach liegenden Kräfte weckt und in die richtigen Bahnen leitet. So manchem Fleißigen und Begabten wird heute noch, trotzdem gewiß schon manches besser geworden ist als früher, das Vorwärtskommen ungeheuer schwer, ja fast unmöglch gemacht, oft um irgend eines verschlissenen Vorurteils willen; den Schaden davon hat das Volksganze. Mögen tlach dem Kriege Einrichtungen getroffen werden, die es Jedem, auch dem Aermsten und Geringsten, ermöglichen, seine Fähigkeiten zu entfalten. Wir brauchen nach Beendigung des Krieges jede Kraft, die tätig helfen kann, die Schäden zu überwinden, die er uns geschlagen, und zukünftige Größe zu schaffen; je besser gerüstet sie ist, umso segensreicher für uns alle. o- „
Bsrufs-Fragen.
Berufsberatung und Kriegsverhältnisse.
Von der Notwendigkeit einer sachgemäßen Berufsberatung sind heute die sozial interessierten Kreise überzeugt. Man soll es nicht mehr dem Zufall überlassen, dem Zureden oder dem Vorbild guter Freunde oder Nachbarinnen, wenn es gilt, für sich selbst ober für seine jungen Töchter einen Beruf zu wählen. Auch nicht nach bett so weit verbreiteten, doch meist unzweckmäßigen, schnell veralteten gebrudtett Berusssühreren soll man sich richten, denn alles ist beute dem schnellsten Wechsel unterworfen, und was in diesem Augenblicke gilt, gilt morgen schon nicht mehr. Vor allem heißt es aber bei der Wahl eines Berufes, die Begabung, die Eigenart, die gesundheitlichen Umstände der betreffenden Persönlichkeit in Betracht zu ziehen, noch vieles andere hat mitzu- sprechen, wenn es heißt, eine Arbeit heranszu- finben, die Erwerbsmöglichkeiten unb möglichste Befriedigung schafft. Deshalb hat man, zuerst in Berlin, dann aber nach diesem Muster auch in anderen Städten Deutschlands (auch in Kassel) Berufsberatungsstellen gegründet, und durch die Berliner Zentrale (NW., Brückenallee 33) erfahren die Auswärtswohnenden, wo die für sie zuständige Stelle ist. Wenn sich schon in normalen Zeiten die RoUvendigkeit einer Berufsberatung herausgestellt hat, wieviel mehr noch tritt während der Kriegszeit der Nutzen einer solchen Hilfsstelle zutage; voraussichtlich wird auch nach Friedensschluß die Wirksamkeit der ratgebenden Persönlichkeiten eine immer ausgedehntere werden.
Man nniß da in erster Linie an die Krieger. Witwen denken, die für sich und oft auch für ihre noch kleinen Kinder den Lebensunterhalt erwerben müssen; auch die Frauen der Kriegsbe. schädigten wird man zur Erwerbsarbeit hinlei- len, und nicht zum Wenigsten ist für die heran, wachsenden Mädchen zu sorgen, die bei der heutigen ungünstigen Vermögenslage vieler Familien und im Hinblick aus die Voraussicht- lich geringeren Heiratsaussichten nach dem Kriege einen Beruf ergreifen wollen. Eine nach jeder Richtung hin befriedigende Wahl zu treffen ist nicht leicht und alle, die bereits für sich ober andere vor. diesen Fragen standen, können ein Lied davon fingen. Niemals bisher sind aber so plötzliche und eingreifende Umwälzungen aus dem (Gebiet der Frauenar- beit zu beobachten gewesen wie heute. Neue Berufe. z. B. die Tätigkeit einer Schaffnerin, einer Briefbotin, mancherlei Posten im kauf- männischen Betriebe, sind den Frauen eröffnet worden, manche Erweiterungen bisheriger Be- fugnisse traten ein, so die Zulassung des weiblichen Oberlehrers an Knabenschulen, die Her- anziehuitg der Kindergärtnerinnen zum Unter-