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Nummer 35.___________________________

tretet Ausweisen, so ergibt sich für eine An­zahl Kriegerwitiven schon aus diesem neuen Beruf eine Erwerbsmöglichkeit. Die Frauen haben sich in dem halben Jahrhundert, seitdem sie in Deutschland zum Telegraphen- und Post- dienst zugelafsen sind, so gut bewährt, daß ih­re Zahl gegenwärtig 35000 beträgt Neu be­schäftigt während der Kriegszeit wurden die Frauen nur in den Sainmelstellen der Feld­post und ganz vereinzelt als Briefträger, und zwar nur solche Beamtinnen, die bereits vor­her als Post- und Telegraphengehilftnnen tätig waren und sich durch Kriegstrauung verheiratet hatten. Ihnen ist gestattet, bis zur Rückkehr des Ehemannes aus dem Krieg deren Posten zu versehen. Die Bardier- und Friseur-Innung hat sich gegen die Hilfskraft der Frau ausgesprochen, was viele Verwun­dete in den Lazaretten (wie ich persönlich zu beobachten Gelegenheit hatte) nicht beeinsluß- tes sich nut besoderer Vorliebe von den Helfe­rinnen einseifen zu lassen. Dagegen haben die Perlreter des Glasreinigunasgewerbes den empfindlichen Mangel an gelernten Arbeitern durch Einstellung von Putzerinnen abgehol- sen, und in Gastwirtskreisen beschäftigt man sich ernstlich mit dem Gedanken, anstatt des Kellners die Kellnerinnen in der männerar- men Zeit anzustellen. Ch. U.

Deutsche Frauen.

Eine, die ihren Sohn verlor.

Ein Mitarbeiter stellt uns den Brief einer deutschen Mutter zur Verfüguilg, die ihren Sohn in den Kämpfen an der Maas verlor. Wir geben nachstehend einige Zeilen daraus wieder: .Jetzt erst beginne ich meinen Brief- ivcchsel zu erledigen. Ich konnte einfach nicht eher ruhig über das ärgste schreiben, das Schlimmste, was mir noch im Leben widerfah­ren totmte. Ich konnte wohl anfangs die ganze Tragweite rar nicht siassen, und dann hatte ich genug damit zu tim. meine Kräfte vollends fest zusammenzunehmen und mich würdig in das schwere Opfer ztt fügen, das man mich der Zukunft unseres Landes bringen läßt. Aber glanben Sie mir. . . des Hauses R. Glück ist mit Fritz gegangen. Was für prächtige Worte fanden seine Vorgesetzten, um mich tapfer zu erhalten; wußten sie doch alle, wie Heb er mich batte, lind mit seinem Tode erstanden mir Freunde, die ich nicht kenne und die mir schrei­ben, um mich über das Gefühl der grenze-nlo- fen Einsamkeit, der inneren vor allent, Hinweg­zubringen.

Mutter, sei tapfer, meine Freunde sind auch die Deinigen, wenn mir etwas zustoßen tollte," so sprach er, als ich ihn im Oktober in V. besuchte. Und von dem Dreiblatt sind Sie nun noch allein da. Glauben Sie mir, viel Schweres ward mir fchoir int Leben zuteil, aber dieses, das brachte mir den Trotz, nicht kleinlich zu jammern, sondern, dem tapferen, prächtigen Sohn zuliebe, so tapfer zu sein, wie er es von seiner Mutter erwartete. . . Die schöne geistige Welt, die ich ihm verdanke, das ist mir das schönste Vermächtnis, das er mir gelassen. Und Kraft dieser innere« Welt kann ich noch ein Leben weitersühreit, so einsam es werden wird. Er stiegt im Soldatenfriedhof bei St. Mihicl, inmitten seiner Kameraden. Das Grab hat jetzt schon einen schönen Grab­stein erhalten, den eilt Offizier, ein Badener, selbst erdacht hat. Die Herren wollen mir bald ein Bild schicken. Jubelnd über den erfochtenen Dieg, so siel mein Junge durch einen Kopf schuß . .

Ale Pilze.

Ihre Verwertung als Nahrungsmittel.

. In einer Zeit, da die Teuerung aller Le- wens,nittel der Hausfrau das Wirtschaften äußerst erschwert, die F le fschp reife lur einen einfachen Haushalt fast unerschwing- uch sind und selbst das Gemüse hoch im Preis« geht, ist es wichtig, die Aufmerksamkeit beson- »ers auf die eßbaren Schätze des Waldes, die V'kz« zu lenken, die uns die Natuf kosten-

Kafleler Neueste Nachrichten.

frei liefert, wenn wir die kleine Mühe des Santinelns nicht scheuen. Aianch köstliches Pilzgericht läßt sich von den Streifereien durch Feld und Wald mit nach Hause bringen, na- mentTicb ist das Pilzsuchen für die Kinder ein angenehmer Zeitvertreib, der ihnen durch das Bewußtsein, daß sie auch zum Haushalt etwas beitragen können, viel Freude machen wird, und außerdem ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse bereichert. Selbstverständlich ist dazu die Anleitung eines Kenners nötig, und wer im Zweifel ift,totrfe die Pilze lieber weg, ehe durch ihrenGcnuß Unheil angerichtet wird. Pilzmerttaseln mit guten Abbildungen und Beschreibungen sind überall billig erhältlich. Pilze sind nicht nur wohlschmeckend, sondern auch äußerst nahrhaft, denn sie enthalten viel Eiweißstofse und Nährfalze und sind als Fleisckersatz recht geeignet. Es ist er­wiesen, daß unsere Wälder ungeheure Men­gen von eßbaren Pilzen enthalten und daß sich Hunderte von Zentnern wert­voller Pilze heranschafsen ließen, wenn eine richtige Organisation des Sammelns und Verkaufes eingeleitet würde.

Da es hieran aber fehlt, so komnten bei uns leider nur wenig Pilze zu verhältnis­mäßig hohen Preisen auf bett Markt. Hier läge für die oberen Klaffen der Schulen unter Anleitung eines Lehrers ein weites Feld der Tätigkeit, durch die für die gesamte Bevölke­rung viel Nutzen gestiftet werden könnte. Wer selbst Pilze sammelt, tue dies nur an ganz trockenen Tagen, da die bei Regenwetter ge­suchten Pilze gesundheitsschädlich sind. Auch reiße man sie nicht mit der Wurzel aus der Erde, sondern schneide sie vorsichtig über dem Boden ab und bedecke die Schnittistelle mit Er­de und Nadeln, damit sich keine Maden da­rauf ansiedeln, die den Pilz zerstören. Alle Pilze müssen frisch, nach spätestens 24 Stun­den genossen werden und durch Abwaschen mit warmem Wasser vom Erdgentch befreit werden. Für den Winter legt man sich um besten eilten Vorrat durch Trocknen der Pilze an, umsomehr, als das Verfahren fehr einfach ist. Die Pilze werden gut gereinigt, auf eine Schnur gezogen, (kleine bleiben ganz, große schneidet man in Scheiben) und in der Sonne oder am Herde solange getrachtet, bis sie kein Wasser mehr enthalten. Pfefferlinge sind für diesen Zweck ungeeignet, weil sie im gettock- ncten Zustande kein Wasser mehr uuffaugeu und zähe bleiben. Getrocknete Pilze müssen vor der eigentlichen Zubereitung mehrntals mit Wasser überbrüht werden nnd solange stehen bleiben, bis sie ganz aufigegnollen sind. Sie werben dann, sorgfältig gedünstet, von frischen Pilzen nicht zu unterscheiden sein und vorzügliche Gemüse und Saucen liefern.

Marmelade, Gelee, Fruchtsaft.

Ratschläge für die Einmachezeit.

Noch immer gibt es viele Hausfrauen, die aus Furcht vor dem Mißlingen ihrer Arbeit sich nicht an das Einkochen von Frucht­säften, Marmeladen und Gelees wagen, so gern sie auch Fürsorge für den kommenden Winter treffen möchten. Dabei würden außer der Anschaffung bet Früchte nnd des Zuckers keinerlei weitere Ausgaben entstehen, da wohl Einkochtöpfe sowie Glasbüchsen und Flasche« verschiedener Art und Größe in jedem Haus­halt vorrätig sind. Diese Furcht vor dem Miß­erfolg ist aber vollständig unbegründet, wenn folgende Regeln beachtet werden:

Sämtliche Gläser und Flaschen sind sorg­sam zu reinigen, evtl mit kaltem Sodawasser aufzusehen, auszukochen, im Wasser ziemlich erkalten zu lassen, daun zu reinigen, in einem Becke« zu wässer« und in einen Eimer ge­stürzt, auslaufen zu laffe«.

Sind sie völlig trocken nnd abpoliert. so bewahre man sie leicht bedeckt ans, um Staub und Insekten fernzu halte«

Will man sie füllen, so zünde man einen Sckwcfelfaden an, lasse den Dampf in die da­rüber gehaltenen Gläser bringen und fülle sie

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sofort mit dem noch heißen Eingekochten.

Damit sie nicht zerfpringcn, ninwinde man sie mit nassem in heißem Wasser ausgewunde­nem Tuch.

Man verbinde sic erst daun mit in Wasser getauchtem und abgetropstent Pergamentpa­pier, wenn sie völlig ausgekühlt sind.

Man lege aus dis Oberfläche ein rundes Scheibchen von Papier und tauche dieses in Rum, teilten Spiritus oder streue etwas Sali­zyl darauf.

Man fülle jedes Glas nur bis zu 1 Zen­timeter vom oberen Rand.

Man bewahre das Eingekochte in luftigem, kühlen, trockenen und dunklen Nauine auf,' am besten int Keller, wenn er gelüstet werden kann, aber auch Bodenkammern, oder Vorsal- schränke eignen sich dazu, wenn man sie auf den letzteren vor dem Herabfallen sichern kann.

Um Frnchtsäfte bereiten zu können, kocht man die Früchte (bei Achseln und Bir­nen Kernhaus entfernt) langsam mit wenig Wasser weich, füllt sie in ein Seihtuch (das man um die Beine eines umgestützten Stuh­les bindet) oder in einen Saftbeutel, den man über einem Gesäß aushängt und säugt den Saft auf. Auf 500 Gramm Saft rechnet man durchschnittlich 250 Gramm Zucker, genau kommt es auf etwas mehr ober weniger nicht an, da die Früchte verschiedene Süße besitzen. Dann kocht man beides zusammen auf, schäumt ab, füllt auf Flaschen, umhüllt diese mit Tüchern oder Heu und erhitzt sie int Wasserbad nochmals auf et­wa 80 Grad Celsius, nachdem sie zuvor ver­korkt wurden. Dann umhüllt man die Korke entweder mit Pergament ober taucht sie mehr­mals in Parasit: oder flüssigen Flaschensigel­lack.

Um Gelee zu bereiten, kocht man bett Saft mit dem Zucker, bis ein Tropfen auf ei­nen Teller getan, als feste Perle stehe« bleibt und füllt die Masse in Gläser.

Marmelade bereitet man wie folgt: Tie Früchte werden mit der gleichen Menge Zucker,- wie oben angegeben, vermengt, und 24 Stun­den stchcit gelassen. Dann kocht man sie am anderen Tage weich, tteibt sie durch ein Haar­sieb und kocht sie dick ein, bis die Mannelabe in breiten Schwaden vom Löffel fällt.

E. Lema.

Sie Kriegs-Küche.

Bürgerlicher Wochenfpeisezettel

(für vier bis fünf Personen).

Dienstag: Labskaus aus Salzsisch. Abends: Buttermilchspeise.

Mittwoch: Graupensuppe mit Kartof­feln. Johannisbeerspeise. Abends: Gurken- falat mit Kartoffeln.

Donnerstag: Pichelsteiner mit Rind­fleisch. (Eintopfgericht aus Gemüse, Kartosfln und Rindfleisch. Kochkiste.) Mends: Stachel­beergrütze mit frischer Milch.

Freitag: Fischklöße mit Kapern oder Gurkenbeiguß, Brühreis. Abends: Gerstsn-- slockensuppe mit getrockneten Pflaumen.

Sonnabend: Gemüsesuppe. Abends: Milchreis. (Kochkiste.)

Sonntag: Hackbraten, Salat, Milchkar- toffeln. Abends: Obstsuppe mit Maisgries. flößen.

Montag: Grießsuppe. Kriegssülze und Kartoffelsalat. Abends: Sülzreste und Brat- kartoffeln.

Kochvorschriflen.

Labskaus aus Salzsisch.

4 Pfd. gefchälte Kartoffeln werden halbgar gekocht, bann wird 1 Psd. Salzsisch (Klsch­öbe r Stockfisch) auf die Kartoffel« gelegt und mit den Kartoffeln langsam gar gekocht. Ter Fisch wird nun von den Gräten befreit und mit den Kartoffeln und einer hellgelb gcröfte« ten Zwiebel zerstampft und zu einem Brei ge­rührt. Salz, Pfcfter, Majoran und Pein-