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Dimitri, wir zählen bis drei/ keuchte Schi- mek.Eins!"

Und wieder brauste cs vom österreichischen Schützengraben herüber:

Er ließ schlagen «ine Brucken, Daß man kunnt hinübcrruckcn Mit der Armee Wohl vor die Stadt/

Zwei/

Da hob Dimitri die Hände und gab sich sei­nen Kameraden gefangen.

Und das Lied tönte fort und fort. Sie Ver­standen es nicht; sie wußten nur, daß dort, wo es klang, Menschen waren, Wanne Menschen, die ihnen Nahrung geben würden und ein La­ger zum Schlafen und Schuh vor der Vernich- ung ihres armen Lebens. Und so stampften ie, die Arme in der Luft, durch den knietiefen Morast den Stellungen der Feinde zu, dem Lied entgegen, das näher und näher klang mit seinem Hellen, siegesfreudigen Rhythmus.

Sonntag-Gedanken.

Das sechste Gebot.

Du sollst nicht ehebrechen'! Mit diesen; massiver: Verbot von; Berge Sinai, scheinbar beschränkt auf eine schwere Einzel- tatsüude, ist es aufgedeckt, das ganze Riesen- gcbiet des Unsittlichen in seiner; hunderterlei Verästelungen. Jesus von Nazareth hat in der Bergpredigt uns dahin belehrt, daß bei dem 6. Gebot, wie bei allem, was sich aus die Hebung der Menschheit zu Gott hin erstreckt, nicht die böse Tat allein, sondern schon die niederige Gesinnung ins Licht des göttlichen Richteramls gerückt wird:Ich aber sage euch: Wer «in Weib ansiehet, ihrer zu begehren, der hat scboir mit ihr die Ehe gebrochen in sei­nem Herzen"! Und in stnngemaßester Fol- genrng dessen hat Martin Luther dann ferne an erschöpfenden; Inhalt nicht zu überbietende Erklärung hinzugefügt:Wir sollen Gott für­chten und lieben, daß wir keusch und zuchtg leben in Worte;; und Werken, und ein icglichcr sein Gemahl lieben und ehren"! Ueberzeugend ist in der Reihenfolge dieser Zusammenstellung -um Ausdruck gebracht, wie die Gedanken- und Wortsünde im Nahmen der Sittlichkeit dre Ur­sache ist, aus der dann die schmähllche und schwere Tatsünde entspringt, die Sünde, die das Fundament des ganzen menschlichen Da­seins sprengt und zerstört: Die Ehe, d;e Famr- lie, die Wiege von Staat und Gesellschaft.

Und nun schallt dieses heiligste Gebot keu­scher Sittlichkeit mit Posaunemo n mitten hin­ein in den Weltkrieg! Vor unserem Geiste steigen die Schilderungen furchbarster Entar­tung, grauenhafter Versündigungen gegen das sechste Gebot in seiner massivsten ©eftolt wie seinen zarteren Förderungen empor. Wer e in GriinmelhausensSimpl;c;ssimus die Greuel sittlicher Schandtaten während der Zeit des dreißigjährigen Krieges imchgelescn hat der möchte angesichts erschütterndster Blider der Gemeinheit, wie sie jetzt besonders von der russischen Soldateska gemeldet werden, vor Schau; sein Haupt verhüllen, das; ein gut Teil der Menschheit auch im zwanzigsten chnstlichen Jahrhundert noch an nntennenschlichcm Cha- raklcr nichts eingebüßt hat. Turmhoch siebt demgegenüber in sittlicher Bewährung, das darf ohne Selbstüberhebung gesagt werden, unser deutsches Volk und Heer. Aber in die­sem ernsten Zusammenhang darf doch nicht verschwiegen werden, daß selbst bei uns, daheim wie hinter der Front, während dieser größten Prüfungszeit der Menschheitsgeschichte noch Dinge geschehen, die dem Freund wahrer inne­rer und äußerer Volksgesundheit und höherer Zielrichtung dem Göttlich-Reinen entgegen manch ernste Enttäuschung und bittren Schmerz bereiten.

So gewiß es ist, daß das sechste Gebot im Lichte der Auslegung von Jesus und der Er­klärung von Luther der entscheidende Prüfstein höherer Gesittung und echter Erzkhm^sforr- schritte des Menschengeschlechts ist, so gewiß bleibt die Tatsache bestehen, daß auch wir Deut­sche noch viel, unendlich viel vom sechsten Ver-

Settc *

-ngrabcn in die heilige schwarze Erde des trotzen Mutterlandes Rußland. So war das jeben.

Wie scharfe Nadelstiche trafen sie die feinen Rcgcntrosen ins Gesicht. Der Koziol sagte nach einer langen Pause:Weißt du, Dimitri, wie dieser Krieg ift?"

Dimitri schüttelte den Kopf.

Wie der Rebel ist er. Kannst du ihn grei­fen? Rein. Weißt du, woher du kommst und wohin du gehst? Nein. Feucht und kalt und schrecklich ist der Nebel. Dimitri, hast dn auch solchen Hunger iuie ich?"

Dimitri nickte.

Sag, warum führen wir eigentlich diesen

Weil es der iveife Zar befohlen hat."

Der Koziol hockte eine Weile schweigend da. Dann fragte er:Warum führt der Deutsche und der Oesterrcicher diesen Krieg?"

Weil sie sehr böse Menschen sind. Der Sot- uik hat gesagt, daß sie ihren Gefangenen die Nasen und Ohren abschneiden."

Tas glaube ich nicht. Warum hat uns dann der Feldwebel das Esten und den Wodka gebracht?"

Dimitri zuckte die Achseln.

Ter Schimek begann sich zu erholen. Seine Augen bekamen Glanz und die Wangen Farbe. Koziol schüttelte ihn:Auf Schimek. Wir müs­sen die Unsrigen suchen gehen. Tann bekommst du zu essen. Auf, auf!"

Der Mann erhob sich, lallte ein paar Worte und ging mit zitternde;; Knien dem Führer nach, noch eine Stunde, eine zweite, eine dritte.

Dimitri, kennst du diesen Baum?"

Er kannte ihn. Hierher hatte gestern der Feldwebel die Schüssel mit dem Fleisch gestellt. Sie waren im Kreis herumgcgangen, genarrt und geäfft vom Nebel, wie von einem bösen Geist. Alles war gleich geblieben seit gestern, ihre Not, ihr Hunger, ihr Elend. Kein Ende... kein Ende!

Der Schimek warf sein Gewehr hin:Ich will nicht mehr zurück zu den llnsrigen. Ich will nicht sterben um eine Handvoll Fleisch und «inen Schluck Wodka."

Koziol nickte ihm zu:Du hast recht. Di­mitri, komm mit uns. Tort liegen die Oester- reicher. Die llnsrigen sehen uns nicht int Re­vel. Komm!"

Aber Dimitri wollte nichts davon höre». Mit de;; letzten Kräften seines ausgehungerten Körpers hielt er sich aufrecht:Ich gehe nicht. Wir haben Befehl, zu den Unsrigen zu stoßen. Die Oesterrcicher schneiden uns die Ohren ab. Der Sotnik selbst bat es gesagt." Und er um­klammerte mit drohender Miene sein Gewehr.

Sei still," flüsterte der Koziol dem Schimek zu.Laß ihn laufen. Wir gehen allein hin- kiber."

, Ter Schimek jammerte:Er schießt uns nie­der. Er verrät uns, er hetzt uns den Sotnik auf den Hals."

Im Hirn des Führers arbeitete ein Ge­danke. Er neigte sich zum Ohr seines Kame­raden:So nehme;; wir ihn gefangen. Heb dein Gewehr auf. Schnell!"

Es dauerte ein paar Sekunden, bis das aus- tzetrocknete Hirn des andern begriff.

Also gehen wir," sagte Koziol gleichmütig und wandte sich herum.

Sie ließen ihn ein paar Schritte vorauS- gehen. Der Rebel hob sich ein wenig. Sonnen­strahlen drangen wästerig und müde hindurch. Eine lange, dunkelbraune Linie deutete die feindlichen Schützengräben an.

Und plötzlich kam cs durch die Luft wie Brausen des Windes in den Waldkronen der österreichischen Heimat, der alte heilige Sturm- gcsang aus den Türkenkriegen:

Prinz Eugen, der edle Ritter, Wollt dem Kaiser wiedrun; kriegen

/ Stadt und Festung Belgerad..

/Dimitri, du bist unser Gefangener. Hände hoch, ober wir schießen!" schrie der Koziöl.

I Dimitri drehte sich langsam um. Ein Aus- >rud verbissener Wut war auf seinem Gesicht. .Aber er wagte nicht, das Gewehr gegen seine Kameraden zn heben, die auf seine Brust ziel- |m. Er wußte, daß er in ihrer Gewalt war.

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___________________________3Mmmrr 32. bot zu lernen haben. Sind doch in"? aSfelbe z. B. auch alle Erzeugnisse der Schw d- und Schmutzliteratur, alle widerwärtigen Entartun­gen der Frauen- und Fräuleinmode einbegrif- sen! Es gibt Leute, die jetzt mit manch bedenk­lichem Kopfschüttcln immer blos zu unseren Soldaten ins Feld hinschtclen, wenn sie ans sechste Gebot denken. Uns scheint es beinahe noch wichtiger, mit festem Griff die Unkrauk- vanken grober und feiner Unsittlichkeit daheiur auszureißen, gerade jetzt! Dann wird vom Mutterboden der deutschen Familie auch wie­der viel reiner, gesunder und köstlicher Hauch sittlicher Kraft zu den draußen oft in schwerster Versuchung Stehenden hinüberwehen und sie bewahre;;! Deutsches Volk, nimm es ernst mit dem sechsten Gebot! Je ernster du es nimmst, desto nnbcsieglicher wirst du sein und bleiben gegenüber allen Feinden, und desto angench- mer vor Gott! E. K.

An kleiner Trost.

Wie Kriegerfranen sich helfen können.

Wieder war der Briefträger an ihrer Woh­nung vorbeigegangen, ohne zu schellen. Wie oft nun schon in der letzten Zeit. Und wenn er wirklich etwas für sie hatte, bann war es sicherlich nicht der sehnlich erwartete FeldPost- brief. Volle vierzehn Tage bangte sie nun schon nach einer Nachricht, aber nicht einmal eine Karte fand beit Weg in ihre freundliche trauliche Wohnung, die ihr einst so behaglich und gemütlich erschienen, und die nun, ach. so leer war. Vierzehn Tage! Nur, wer das selbst mit erlebt hatte, konnte sich in ihre Stim­mung hinein versetze;;. Warum wohl keine Nachricht kam? Wan'.m? Sie wußte zwar, er hals jetzt mit, die Russen aus Galizien zu verjagen; da war nicht viel Zeit zum Schreibe». Aber eine Karte, nur ein einziges Wort hätte er ihr senden können. Wahrscheinlich hatte er avdi geschrieben, rund die Karte kam nur nicht an; das Regiment hatte keine Gelegenheit, Post zn bcförderi;. Vielleicht war er auch verwun­det oder krank und lag schon im Lazarett, und die Benachrichtigung war auf dem Wege zu ihr. Oder sollte gar ... Es schüttelte sie; sie konnte und wollte diesen Gedanken nicht zu Ende denken

Das Einzige, was sie beruhigte, war dies: Auch die andern ihr bekannten Frauen, die Männer. Verlobte oder Söhne bei diesem Re­giment hatten, warteten auf Nachricht wie sie, einige schon noch längere Zeit. Aber entsetzlich war's doch; tage- m;d nächtelang schon hatte sie keine Ruhe mehr.

Da schellte es. Sollte der Briefträger doch noch etwas bringen? Aber die Zeit war schon vorbei. Oder konnte ihr eine derRegimcnts- famcrabinr.cn", wie sie sich untereiminder scher- zend nannten, Nachricht geben? Sie eilte zur Vorgangstür und öffnete. Eine fremde Fran stand vor ihr. Schnelle Ettttäuschmig malte sich in ihrem Gesicht.

Bin ich hier recht bei Frau Werner?

Jawohl, bitte treten Sie nur ein! Wie kann ich Ihnen dienen?

Ich möchte Jhneit Nachricht bringen von Ihren; Mann. Mein Mann hat aus den; Fel- be geschrieben und der Ihre fügt einen Gruß hinzu. Ein Bries an Sie ist unterwegs."

Gott sei Dank! Ich habe schon seit vier- zehn Tagen keine Nachricht. Wie dankbar bin ich Ihnen: daß sie zu mir konmuen. Aber ich mußte aar nicht, daß wir auch Regimentskame- rabinnen sind."

Seit kurzem wohl erst; mein Mann stand bis dahin bei einem andern Truppenteil."

Da müssen Sie aber gleich auch mit beit andernFrauen vom Regiment" bekannt wer­den: wir. es siitd eine ganze Anzahl in unserer Stadt. Frauen, Mütter und Braute, wir kennen uns alle, und wenn die eine Nachricht hat, so geht sie herum und sagt's den andern, denn in den; Schreiben ist stets der andern gedacht. Da heißt's denn:Wir sind alle munter und gesund. Oder auch, der und jener ist verwrmdet oder krank: aber man bekommt doch indirekte Nach­richt . . . Und diesmal hatten wir alle so lange