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Sie in Reginalds Treue setzten! Diese jelsen- feste Zuveri^l joiberle mich geradezu heraus lieber Gott, ich kannte doch die Männer' Unb rein aus Berechnung lockte Ich ihn, spielte Mit ihm ... bis ... ja, bis ich selbst mich nicht mehr aus dem Netz zu lösen vermochte! Und Reginald ... er ahnte Wohl den Zusammen­hang ... aber er war verliebt, unvernünftig verliebt ... ich hatte ja auch alle meine Künste anfgewandt. ...

Wir heirateten. Reisten ein paar Monate hi der Welt herum, und daun, daheim, -ahm uns die Geselligkeit so vollauf in Anspruch, daß wir gar nicht recht zur Besinnung kamen. Aber das spürte ich doch bald, daß Reginald nicht mehr war wie früher. Er hatte allerhand an mir auszusetzen, nannte meine Lustigkeit kin­disch, rügte meine Interesselosigkeit, meine »mangelnde Tiefe". ... Natürlich wehrte ich mich. Es gab böse, häßliche Worte ... und einmal, im Aerger, entschlüpfte mir auch Ihr Name. Ta wurde Reginald blaß, drehte sich um und ging. Den ganzer. Tag sah ich ihn nicht wieder. Nun wußte ich es also ... er bereute! Tas war eine bittere Erkenntnis für mein eitles Herz .. doppelt bitter, weil er mir Unrecht tat. Ich war nicht mehr das ge­dankenlose, flüchtige Kind ... ich hatte eine Seele bekommen zum Lieben und Leiden ... aber Reginald glaubte es nW! Mr ihn war ich das kokette, oberflächliche Geschöpf, das ihn nur einer andern hatte wegnehmen wollen ... einer andern, die er nicht vergessen konnte!

Was ich gelitten habe in diesen Jahren, Fräulein Wald-ck ... wozu Ihnen das schil­dern! Schließlich wurde ich stumpf und müde, und als der Krieg kam und Reginald fort mußte, da habe ich kaum mehr Tränen gehabt.

Er suchte den Tod ... ich hab' es gefühlt beim Abschied. Und das letzte Wort, das er sprach, ehe das Bewußtsein ihn verließ, war: Elisabet...

Elisabet hatte schweigend zugehört, wie in halber Erstarrung. Jetzt flog ein Schütteln durch ihren ganzen Körper ... sie sank auf «ine Bank nieder, die am Wege stand, und weinte ... tveintc, wie «in Kind weint ... ganz ver­sunken in Schmerz, und doch gläubig, doch voll Hoffnung.

Leben.Sie wohl!" sagte eine leise Stimme an ihrem Ohr. Sie hob den Kops ... eben wollte Leonor- sich zum Gehe» wenden ... sic hielt sie am Kleide fest.

Da neigte die schöne, blasse Frau sich tief über sie.

Wollen Sie versuchen, mir näher zu treten, Elisabet? Ich bin so sehr einsam ... und viel­leicht ... vielleicht können wir einander trösten?"

Elisabet antwortete nicht, aber sie faßte nach Leonorcns Händen und drückte ihr tränenüber­strömtes Gesicht darauf. Und der flatternde schwarze Sckleier hüllte die beiden in «inen ae- meinsamen Trauerflor.

Sonntag-Gedanfen.

Die sechste Seligpreisung.

Goti schauen! Köstlichste Sehnsucht des Le­bens, höchstes Ziel alles persönlichen Seins! Für den Menschen, der je einmal vom Hauche des Göttlichen berührt wurde, kann «s keinen brennenderen Wunsch mehr geben, als diesen. Wie wollten wir barum dem danken, der uns unfehlbar den Wea hierzu weisen könnte! Nun denn in der sechsten Seligpreisung hat es der Meister von Nazareth getan:Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen." Das ist nicht ein Versp.ccheneine noch dunkle Zukunst, für die Zeit ewigen, seligen Lebens nach dem Tode, sondern jetzt schon sott uns dies hohe Gut zuteil werden: wie ja die ganze Bergpredigt gleich- 'am die Bersrssung des Himmelreichs auf Er­sen darstellt, wie es durch Jesus sich in uns gestalten soll. Aber, was heißt denn:Gott chauen?" EL kann nicht das bedeuten, lvas *er Apostel eiimial mit den Worten zum Aus­guck gebracht hat:erkennen, wie Er ist". Dies unaussprechlich Grobe kann in der Tat erst der

Kasseler Neueste Nachrichten.

Nummer 24.

Pollenbunaszeit im Reiche des Ewigen Vorbe­halten bleiben.

Gott schauen heißt: In und hinter allen Din­gen, in und hinter allem Geschehen innerlichst und persönlichst das göttliche Walten erleben. Es kann sich ja überhaupt bei allem, was sich aus Gott bezieht, nur um Borgänge innerlicher Natur handeln. DennGott ist Geist", sagt der Heiland selbst, und so kann sich der Verkehr mit Gott, der seinen vollendeten Ausdruck im Gebet findet, auch nur im Geist und in der Wahrheit vollziehen. Aber dies erleben Gottes, in allem,, ,was immer geschehen und uns be­gegnen mag. diese wunderbar beseligende Ge­wißheit der Ueberzeugung, daß in allem und durch alles Sein Geist weht, daß das große All wie jedes bescheidenste Einzelwesen von Seiner Allmacht getragen wird, das ist in Wahrheit Gott schauen. Und es erfüllt auch in Wirklichkeit alle höchsten Wünsche unseres irdi­schen Seins. Aber freilich, das können nur die, die ihrer ganzen inneren Verfassung nach reinen Herzens sind. Dian kann in diesem Sinne geradezu umgekehrt sagen:Selig sind, die Gott schauen, denn sie sind reinen Herzens".

Und für Menschen fcldjer Art bildet auch Schmerzlichstes und Furchtbarstes, bildet auch der gegenwärtige Wsttkrieg mit seinen unaus­sprechlichen Schrecken nur einen, wenn auch er­schütternden Schritt mehr aus dem Wege, Gott in seiner ganzen Größe, Majestät und Heilig­keit zu schauen. Sie erleben etwas von dem gewaltigen Geheimnis des Weltgerichtes, das in der Weltgeschichte ruht, und durch das hin­durch die großen Wandlungen der Weltentsüh- mma unb Vollendung der Geister im Sinne der Bergpredigt Iefu sich einzig vollziehen kön­nen. Man kann darum in diesem Sinne sogar sagen: Nur wer reines Herzens ist, wird auch mit den tiefsten und geheimsten Problemen al­ler Weltkatastropheu, und es hat noch nie eine gewaltigere gegeben, als den gegenwärtigen Weltkrieg!, sich so auseinanderzusetzen vermö­gen. baß sein Leben an innerer Reife und Weihe estscheiden-d gewinnt. Die sechste Seligpreisung zeigt uns den Wea. wie wir den Sinn des Seins in seiner tiefsten Bedeutung erfassen. Sie ist die Vorstufe, aber auch unerläßliche Vorbe­dingung für die höchste Vollendung unseres eiaenen Seins in der Ewigkeit: Gott zu erken­nen wie Er ist. E- K.

Unsere Jüngsten.

Säuglinge und Sommerhitze.

DasKaiserin Auguste Viktoria- Haus" zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit hat fol­gendes Merkblatt herausgegebm: Die Jahres­zeit naht wieder, in der die Säuglinge von vielfachen Geiahren bedroht werden, und des­halb dürste es notwendig sein, die Mahnworte, die von dieser Stelle aus alljährlich an die Mütter gerichtet worden sind, ihnen von neuem ins Gedächtnis zu rufen. Nicht laut genug kann immer und immer wieder betont werden, daß im Kampfe gegen die Sterblichkeit der Säualing« dasS elb st stillen dieWasfc ist. die denSiea davon trägt und unscrenKindern fast si- cherenSchutz gegen dieGesahreu derHitze gewährt. Unter diesen spielt die gefährlichste und gefürcb- tetste Rolle der Brechdurchfall, dem besonders die Säualinge, die des Segens der Mutter­brust nicht teilhastig werden, ausgesetzt sind. Also Ihr Mütter achtet aus die Kuhmilch, wenn Ihr gezwungen feto, Euere Kinder damit zu ernähren, und erinnert Euch der Schutzmaß- regelu, um sie vor dem Verderben zu bewah­ren, denn verdorbene Milch ist die Hanptursach« des Brechdurchfalls.

Denkt daran, daß die Milch kühl ausbewahrt und aut bedeckt ftn muß. Wenn «in Eisschrank fehlt, stelle man sie in kaltes Wasser, das oft aeweclsselt werden muß. Gebt niemals dem Säugliwg Milch vom vorhergegangeiien Tage, wenn sie nicht auf Eis vor dem Verderben gefchützt war! Haltet an heißen Tagen die Kinder nicht zu warm? Ueberwärmung durch Federbetten, Watte und Steckbetten bringt Schaden. Badet die Kinder täglich und behütet sie vor den Önalen und Gefahren, denen sie

durch die Fliegen ausgesetzt sind. Fraget auch bei geringfügigsten Krankheitsanzeichen beit Arzt und erinnert Euch der Fürsorge- und B«- raratungsstelleii und des Mitstittens von Frau­en aus wohltätigen Einrichtungen, dieon dem Nerztevcrein und der Ortsgruppe des deutschen Vereins für Volkshygiene ins Leben gerufen sind.

Briefe an Kriegsgefangene.

Wie soll man an Gefangene schreiben?

Hebet Feldpostbriefe, wie wir sie schreiben und wie wir sie nicht schreiben sollen, ist. auch an Weser Stelle, - en mehr als ein Kapitel veröffentlicht worden. Ebenso viel Aufmerksamkeit unb Sorgsa.lt aber müssen wir beim Abfasscn der Briefe an Kriegsge­fangene beoba'e-n nur ufern 1 eg- nent nicht unerwünschte Fingerzeige geben, De«n was bei den .«-lvpottb'iek-u nie ganz ausgeschlossen ist, nämlich, daß sie einmal 'N die unrechten Hände, die Hände des Feindes, kommen, das ist bei Briefen an Kriegsgesan-

(mm oewiß. ,>*-scT t*n i**v tt einen Kriegsgefangenen abseudeu, sei es nun nach Rußland, England oder Frankreich, geht tntrd» die Zenkur der be*"'?,ser "^-rver- waltuua. Man braucht keinen besonderen 'Scharfsinn nufzubielen, um sich klar zu ma- chen, daß die Zensoren jedes der in ihre Han- de kommenden Treiben -mn, aber auch ganz genau durchlcsen unb alles, was sie nur irgendwie für ihre Zwecke verwenden können, politisch ausnützen werden. Wir wissen, daß unsere Feinde sämtlich groß im Erfinden falscher Nachrichten sind; keiner gibt dem an- bem darin etwas nach. Ste machen aus Nichts Etwas und aus der Mücke einen Ele­fanten und lassen es üch natürlich ans keinen Fall entgehen, wenn sie die Kriegsgefangenen «triefe a-"en U"s o!'sfchl->-e-t.'n können be­sonders ballen sie sich natürlich an Benierkun- aen militärischer, politischer oder wert schaft- sicher Natur, die sie bann, mit den entspre-

*' "nv-^-en versehen, in ihrer Presse veröffentlichen. .... .

So brachte Ne PariserHumanste", das bekannte französische Sozialistenblast, das noch nicht einmal die schlimmste Svrache gegen uns führt, unter der HeberschriftBriese von Frauen an ihre Männer", eine Sammlung von deutschen Briefen, di« sie mit folgenden Worten eiuleilete:Die Nachrichten, die man sonst lieft, werden übrigens bekräftigt durch die Briese die die deutickren Soldaten emp­fangen. Hier einige von ihnen, mis denen die wahre Auffassung hervor', euckster, bte die deutsche Bevölkerung von der Lage hat, m der sie sich befindet." Es fckließen sich ein« Anzahl Beispiele an, von denen nur die bei­den solgenveu veröffentlicht feien.

«n.. f>~f h»r. t^-wn -'"sgetzoen. :

Hier gibt es nur Greise unb fürs Früh­jahr werden wir ferne Arbeitskräfte haben. Man bosft es täglich zu erleben, dost der Krieg ein Ende nehme. Aber Tage, Wochen, Monate gehen dahm, ohne daß der Wunsch sich verwirklicht.."

Postkarte an den Gekreften Fran, B. E. Man kann nicht mehr das Vieh ernähren: r5 gibt fast kein Futter mehr. Wir sind von L. am 6. August abgereist, ein Transport nur aus Elsässern Wir haben nichts zu essen, selbst wenn wir es bezahlen. Fast alle El­sässer sind hier: ihr erratet warum. In eini­gen Tagen Abfahrt nach Rußland. Jetzt ist die schöne Zeit vorüber. Wir haben nichts zu essen, selbst morgens keinen Ka'ste"

Eine andere Reihe veröffentlichter Kriegs- . gefang«neu-Briese soll hauptsächlich Ausschluß über die wirtschaftliche Lage Deuftch- lands geben. Unter den angeführten Beispie­len seien wiedermn zwei herausgegriflen und zwar die folgenden: , . .

Ketlch: Unfere Lage ist so schlecht, daß man tein Brot mehr, noch Kartoffeln für fein Geld kaufen kann. Ein Pfund Mehl kostet schon 30 Pfg. Ich hab«, mit meinem Kinde Anspruch auf 1 Pfund Mehl Wir ha­ben sogar Kriegsbrot. 1 Pfund Fleisch kostet 1,20 Mark, keiner kann mehr kaufen. Man >n