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lüfte auf den Schlachtfeldern reicht doch nicht entfernt heran an die Qualen einer innerlich schuldzerrissenen Menschenleere! Selbst herbste äußere Schläge können Menschenherren groß, stolz und frei machen, wie wir es gegenwärtig tauicndfach erleben. Aber der herzzerreißende Rus:Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen!" wird in seiner ganzen Tiefe erst da ersaßt, wo wir ihn auch vom Heiland der Welt vernehmen, nämlich: Als er es am Kreuz empfindet, daß er leidet um die Sünden der ganzen Welt! Jedoch gerade in dieser erschütterndsten Krists, in der er sich willenlos Äin den Vaterwillcn Gottes, kommt jen-

mde Wendung, die. obwohl Jesus äußer­lich scheinbar unterliegt, indem er am Kreuze stirbt, ihn dennoch vorher ausjubeln läßt:Es ist vollbracht!" und ihn nach dreien Tagen be­reits zum Fürsten des Lebens macht. Und da­mit ist allein auch der Weg gewiesen, auf dem wir alle die Erhörnng der großen Schlußbitt-: Erlöse uns von dem Uebel!" voll erleben können! Darum allein kam der heilige Beter des Vaterunsers in die Welt und machte uns frei! E. P.

Noch einmal: Die Klagebriese.

Was wir nicht inS Feld schreiben sollen.

Nicht einmal, nein, hundertmal, tausendmal ist an die Kriegerfrauen und Kriegermütter die warnende Bitte ergangen:Schicki Euern Män­nern, Euer» Söhnen keine Klagebriefe ins Feld!" Gewiß ist der Ruf nicht ungchört verhallt. Hunderte, Tausende, Zehntauscnde haben ihn sich zu Herzen gehen lassen... aber nicht alle, trotzdem er immer wieder ertönt. Das beweist in ganz auffälliger Weise der Be­richt eines Lehrers in derVäd. Zeitung". Die­ser Schulmann erzählt, daß er in der fünften Klasse seiner Schule als häusliche Arbeit einen Feldpostbrief habe schreiben lassen, an dem die Angehörigen ein weniges helfen dürsten. Das Resultat war nicht allzu erfreulich. Die Briefe enthielten zahlreiche Klagen über dieses und jenes. Eine Frau jammerte darüber, daß es keinen Kuchen mehr gebe, eine andere klagte über die Brotvertellnng, eine dritte hatte die­ses. eine vierte wieder etwas anderes, was ihr unerträglich schien. Ganz sicherlich darf man daraus schließen, daß solche Briefe nicht nur als Schulaussätze abgcliefert werden, sondern daß sie auch ins Feld, an die Front wandern.

Zugegeben, daß bk große Mehrzahl unse­rer Frauen verständig und tapfer genug ist, den Männern draußen das Leben nicht durch viel- fach unberechtigte Klagen schwerer zu machen, als es ohnehin ist, es gibt doch noch eine Reihe unselbständiger, kleinmütiger und schwacher Gattinnen und Mütter, die bk sicherlich schwere Last dieser Zeit nicht tragen zu können glaub»». Sie waren cs von jeher gewohnt, die schwerste Bürde, die größten Sorgen, die peinlichsten Unannehmlichkeiten dem Manne zu überlassen, da glauben sie nun, ihn auch heute mit allen unerfreulichen Dingen, die der Tag etwa bie­tet, nicht verschonen zu können. Sie denken nicht daran, daß diese Unannehmlichkeiten ge­ring, ja kaum der Rede wert sind im Vergleich zu den Opfern, die draußen im Angesicht des Todes gebracht werden müßen, sie denken nicht daran, saß es ein Unrecht ist, unsere Krieger, die ohnehin ihrer ganzen Nervenkraft in dem furchtbaren Ringen bedürfen, mit zum Teil kleinlichen Alltagssorgen zu quälen, ihnen ein übertrieben hartes und grelles Bild von gar nicht bestehenden Tatsachen zu geben, schwär­zer zu malen, als selbst dem Pessimisten erlaubt.

Es ist ohne weiteres klar, daß derartige Klagebriefe, die natürlich nicht in böser Absicht, sondern nur aus Kleinmut und einem Gefühl der Hilflosigkeit geschrieben sind, bei unseren Kriegern Beunruhigung Hervorrusen, sic nvt unnötigen Sorgen erfülle» müssen, währeno jeder Bries von daheim ihnen vielmehr Kraft und Freudigkeit gebe» sollte, bk Schwere ber Zeit zu ertragen. Niemanb bestreitet, baß bas Los der Dahcimgebliebencn leicht ist, aber cs ist immer noch leichter, als das Los Derer dort draußen; darum sollen wir es mutig und stand­haft tragen und einander Helsen, stark zu blei­ben. Und so ein Klagebries kann schließlich

auch noch mehr anrichten, als Mann oder Sohn draußen beunruhigen und ängstigen. Gesetzt den Fall, er fällt in Feindeshand. Wird er nicht ein willkommenes, wenn auch falsches Beweis­stück dafür sein, wie es in Deutschland (angeb­lich) aussieht? Wird nicht dann mit solchem Klagebrief ein Aufhebens gemacht werden, das uns wenig förderlich sein kann? Also: Welcher Frau die Ruhe des Gatten oder Sohnes, sowie der Sieg des Vaterlandes teuer ist, die über­denke einmal die Sache und schreibe, wenn sie das bis dahin noch getan hat, künftighin keine Klagebriefe mehr ins Feld. in.

Unsere Schulentlassenen.

Was soll mit unfern Mädchen werden?

Der Nationale Franendirnft hat folgende beachtenswerte Mahnworte an unsere HauSfranen gerichtet! Mit dem Austritt aus der Schule wird die Jugend vor die schwere Frage der Berufs­wahl gestellt. Für die Mädchen war die Ent­scheidung bisher verhältnismäßig leicht. Wer nicht im Haufe der Eltern blieb, trat in eine Lehrstelle im Handel, bei einer Schneiderin oder Putzmacherin, oder aber suchte stch eine Stelle als Diensttnädchen. So einfach aber lie­gen die Dinge in diesem Jahre nicht. Lehr­stellen bei Schneiderinnen oder Putzmacherinnen kommen kauni in Betracht, und in vielen Haus­haltungen sind die Dienstmädchen entlassen worden, weil die Hausfrauen gezwungen sind, sich einzuschränken und die Arbeit, die sie sonst ihrem Mädchen überlassen habe», selbst tun. Es wäre mm für imsere schulentlassene Jugend schlimm, wenn sich kein Ausweg finden ließe. Hätten wir die hauswirtschaftliche Fortbildungsschule, so wäre der gan­zen Not leicht abgeholsen. Die Mädchen blie­be» vor Zeitverschwendunq und Müßiggang bewahrt und könnten sich dort die wichtigsten Kenntnisio im Haushalt, im Kochen und Wa­schen, aneignen. Da aber solche Schulen zurzeit noch fehlen, muffen wir den nächsten Weg, der zum Ziel führen kann, ergreifen. Hausfrauen gebildeter Stände, die selbst in ihrem Haushalt mittätiq sind, und die es verstehn, ein junges Mädchen anzuleiten, müssen stch finden, um einen Sanshaltslehrling auszunehmen, und ihm die hauswirtschastliche Erziehung ge­ben, die ihn 'efähigt, nachher im eigenen oder fremden Haushalt die wichtigsten Arbeiten zu verrichten. Gewiß wird damit zunächst ein grobes Opfer von den Hausfrauen gebracht werden müssen.

Ein vierzehnjähriges Mädchen ist ein Kind, dem sich allinählich der Sinn für die Bedeutung der Hausarbeit erschließt; es gehört Geduld und wieder Geduld dazu, die oft ungeschickten Versuche zu überwachen und zu verbessern; Meisterschaft in der Führung der eiaenen Wirt­schaft ist Voraussetzung, wenn der Lehrling et­was lernen soll, und die Arbeit wird nicht im­mer eine dankbare sein. Aber das Opfer muß gebracht werden, wie so viele, die das Vater­land jetzt von uns fordert. Gilt es doch eine ganze Generation tüchtiger junger Mädchen z» erziehen, eine Generation, die gerade jetzt Leitung, Ueberwachnna und richtige Schulung besonders nötig hak, weil der Mutter infolge außerhäuslicher Arbeit mehr denn je die Zeit dazu fehlt, sich der Heranwachsenden, schulent­lassenen Tochter anzunebmen. und der Vater vielleicht draußen im Felde steht und sich nicht um die Erziehung keiner Kinder künnnern kann. Ob das Mädeln» ganz in die Hausgemeinschaft aufzunehmen ist. oder ob e8 im Elternhanse schsaken soll, ob bei befriedigenden Leistungen ein kleiner Lohn gezahlt werden soll, muß von Fall zu Fall entschieden werden. Die Kosten zu dem Unterhalt des Mädchens in dem Alter, in dem, wie alle Eltern wiffen, der Avpctit am krättigsten ist. und der Körper zu seiner Ent­wickelung reichliche, kräftige Nahrung braucht, sind natürlich ganz beträchtliche und können in de» ersten Monaten ein genügendes Entgelt für die zuerst noch recht geringen Leistungen sein. Sind doch in der ietziaen teuren Zeit an vielen Orten manche geschulte Dienstboten damit zu- sriede», gegen freien Unterhalt, ohne Lohnzah­lung, bei ihrer Herrschaft weiter zu dienen, weil

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Eaume bemächtigte sich der Bevölkerung von Vumsville, die in geschloßenen Reihen vor das Bürgermeisteramt zog.

Dort machte man Halt, entblößte bk Köpfe mtb sang bk Marseillaise.

Bis endlich der Bürgermeister auf dem Balkon seines Hauses erschien und an die Menge eine zündende Ansprache hielt, die von lösenden Zurufen immer wieder unterbrochen vurde...

Ter Enthusiasmus hielt genau einen Tag tmb eine Nacht an, nicht länger.

Am andern Morgen nämlich ließ derBote Von Bumsville" ein zweites Extrablatt ver- Irciteit, das folgenden Inhalt hatte:

Wir sind, wie wir leider seststellen müs­sen, gestern das Opfer einer (wir wisse» nicht ob böswilligen oder nur leichtsertigen) Mystifikation geworden. Der von uns ge­meldete Sieg ber Franzosen über die Deut­schen bei Verdun bestätigt sich nämlich nicht. Wir haben die nötigen Sechritte unter­nommen, um die Urheber dieser falschen Nachricht ihrer verdienten Bestrafung zuzu- sühven."

Am gleichen Tage hat der Notar mit seiner Natkin eine längere Reise an.

Am Sonntag Palmarum.

DesVaterunsers" siebente Bitte.

Wie der eigentliche Naturlaut der Mcnschen- ftcle quillt sie über unsere Lippen, diese letzte, große Bitte des Herrengebets:Erlöse uns »» dem Uebel!" Stellt sie uns doch mit­ten in das geheimnisvolle Rätsel des Seins, das durch alle Jahrtausende hindurch immer wieder suchende Menschenkinder zu der bangen Frage führte:Warum ist bas Uebel in der Welt?" Wer hätte sie ganz gelöst! Jesus aber, der größte Menschenfreund und tiefste Gottsin­der, der je über bte Erde geschritten, hat nicht nach dem Warum des Uebels gefragt, sondern einfach und schlicht den Vater im Hinmtel um Erlösung davon gebeten. Und doch hat er uns nicht ohne Hinweis auf die Wurzeln des UebelS gelaßen: Er liegt in dem eng verbindenden . llebergangswortsondern", bas er zwischen die sechste und siebente Bitte setzte.Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von fem Uebel." Die Versuchungen des Herzens jetzt er damit in unmittelbare, innerste Be- uehuug zu dem Uebel! Wir fühlen es heraus: Das Uebel in ber Welt ist nicht etwa Schuld Voltes, sondern hängt Wurzelhaft zusammen »,it unserer Schuld, die letztlich stch als Miß- »rauch der herrlichen Freiheit des Willens »arstellt.

Sie wiederum ist ihretn innersten Wesen »ach ein Funke des göttlichen Wesens selbst, Mr, sobald er zur reinen Flamme angefacht wird, uns deshalb auch zu Kindern (Sof­ies macht, so daß wir ihnVater" nennen dürfe». Um all dieser geheimnisvoll tiefe« Zu­sammenhänge willen ist cs ja auch möglich, daß wir diesen Vater um Erlösung vom Uebel onntfen können mit der Anwartschaft aus Er- börung. Und da führt uns gerade der Ge- »ankeugang, ber unsere Herzen in ber Karwoche bewegen soll, in bte wir heute wieher treten, vor neue Osscnbarungcti, die umso wichtiger kür »ns in diesem weltbewegenden Jahr, dem des großen Weltkriegs, werde». Wie preßt er täglich, stündlich, ach, fast mit jedem Atemzug, bewußt ober unwillkürlich bie Bitte über unsere Lippen: Erlöse uns von bent Uebel! Aber über dem alle» darf doch Eines nicht vcrgeflen werden, was gerade das große Ergebnis der Leidensgeschichte Jesu ist: Die furchtbarste Seite des Uebels in ber Welt ist doch nicht die äußere, selbst die nicht der äußeren Gräßlich­keiten eines Weltkrieges, sondern bie innere, da, wo in uns selbst, in jedem Einzelnen, wie Im Gcsamtkörper ber Völker, bie Scheidewand sich uustut zwischen Gott und Menschheit: Die ber Schuld, der Sünde!

Gerade in dieser ungeheuer großen, doch auch ungeheuer schweren äußere» Zeit, in ber wir jetzt leben, empfinden wir es vielleicht dkutlichcr denn je: Alle tiefste Trauer über bte Wechselnden Ereignisse ober persönlichen Vcr-

Kastelcr Reuepe Nachrichten.

Nummer 17.