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Nummer 11.

Sflffcter Ncucste Nachrichten.

Seite 3.

n«n out vkm Gebiete der Diät bei uns gekannt, -je eine Verbesserung der gesnndheitlicheu wie dcr- ökonomischen Verhältnisse herbeizufiihren »reblen ... alles ohne weitgrersenden Erfolg. Aber in dieser Zeit, wo Deutschland fast zum »geschloffenen Handelsstaat" wird, den einst Fichte als wirtschaftliches Staatsideal aufslcllte, wo wir also fürs erste erst uns hineinarbeitcn iinikscn in die wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Ausland, da eracht doch an Alldenischland der Appell, den von der Obrigkeit gegebenen Por- schristen mit eigenem Nachdenken zu folgen, und es wäre jetzt wohl die beste Gelegenheit und der -ringende Antrieb gegeben, jenen frü­heren, teilweise wenig beachteten diätetischen Resormbestrebnngen etwas Aufmerksamkeit zu schenke»!.Prüfet alles und behaltet das Beste."

Man mag zum Beispiel über die vegetarische Ernährungsweise denken, wie man sonst will, cs ist doch unbestreitbar, daß in weiten Kreisen eilte weit übertriebene direkt schädliche Wert­schätzung der Fleischnahrung seit langem cri- ftiert. Der auch von ärztlicher Seite schon so ost bekämpfte Irrtum, als gäbe das Fleisch allein oder ganz besonders Kraft, wird jetzt wohl ans rein praktische, tatsächliche Weise etwas abgeschwächt werden und man wird er kennen, daß sich auch bet überwiegender Ge­treide- und Gemiisenahrung leben läßt und es schmackhafte Speisezusa>nmenstellnngen in reich­lichem Maße gibt. Natürlich sind es besonders die deutschen Frauen, an die jetzt der Krieg als Lehr- und Zuchtmeister der Diät seinen Appell richtet. Wegen ihres Verhältnisses zur Wisscn- schast vom Essen- und Trinken Hat mal ein gc- wisscr Antifeminist die Frauen scharf angegrts- scn und behauptet, als denkendes Geschöpf hätte die Fran in der Küche die größten Entdeckungen machen müssen, so recht erproben können, welch eilte Bedeutung für den Menschen die Speise habe. Run, jetzt kann sie ihre Leistungsfähigkeit, die sich so rühmlich aus so vielen Gebieten der Kriegssürsorgc bewährt hat, auch bei dieser großen, vom Krieg hcrbeigesührten Aufgabe beweise». Und hier gibt es manches zu bessern.

Tie wohlhabendenDamen" überließen Küche und Wirtschaft gern ihren Dienstboten, die ärmeren Kreise aber vernachläffigten auch die Küchcnchcmie, weil, zu Berufs- und 'Er­werbsarbeit gezwungen, sie einfach keine Zeit zur Ausbildung als Hausfrauen hatten. So wurde ans schnclifertige Speisen Wert gelegt und die Präparate ersetzten die persönliche Kochkunst. Dazu kam noch die Ueberladung mit Speiscmengen-, die durch Würzzusätze angenehm gemacht wurden. An die Stelle des Hungers trat der Appetit, oder anders aUsgedrüat, nicht der Magen sondern die Lüsternheit der Zunge bestimmte die Nahrungsaufnahme. Indessen lehrte schon der alte Sokrates, man solle nur essen, wenn der Hunger dazu aulrcibe. Die ae- lunde Abwechselung zwischen Hunger und Äit- ligung wird aber am besten geregelt durch eine gewisse Mäßigkeit, zu der jetzt auch der Krieg unser Volk nicht nur zwingt, sondern, wie wir aufrichtig wünschen möchten, erzieht. Denn der Organismus ist nun mal so, daß der Mensch nicht etwa vom Brot allein lebt, das heißt bloß bom Essen, sondern auch vom Verdauen, das heißt der nutzbringenden Verwertung der . Speise. Wird nur einigermaßen diätetische Zucht geübt, so kann Deutschlands Ernährung gar nicht in Frage gestellt werden, wie über­haupt eine solche Gefahr für den Menschen dann nicht so leicht hcransbcschwircn Wird. Denn:

Du schaffst, Natur, im llcbcrslussc Brot, Fbr Menschen nur schasst Hungersnot."

Frauen Berufe.

Die Gefängnis Aufseherin.

Ein empfehlenswerter Beruf für Witwen gefallener Krieger ist der einer Gefängnis- Aufseherin. Die einhalbjährige Ausbil­dung ist kostenlos, nur sind 30 Mark als Zu­schuß pnn Unterhalt für das erste Vierteljahr zu zaichen, während im zweiten Vierteftahr gar keine Kosten entstehen, vielmehr eine kleine Besoldung zu erwarten ist. Bewerberin­nen nüiffen mindestens 25 Jahre und dürfen höchstens 32 Jahre alt sein. Weitere Bedin­

gungen sind: Kräftige Gesundheit und volle Rüstigkeit, ein völlig unbescholtener Lebens- wandel, christliche Gesinnung und gute Volks- schulbilonng Gefängnis - Aufseherinnen sind nach der festen Anstellung Staatsbeamte, erhal­len 1100 Mark Anfangsgehalt, steigen bis all­mählich 1300 Mark, wozu außerdem noch durch- fchnittlich 150 Mark Wobnungsgeldzuschuß ge- Ölt wird. Mit vollendetem zehnten Dienst-

r erlangt die Aufseherin mit dem Eintritt der Dicnftunbrauchbarkeit die Penflonsberechti- gung. Die Pension beträgt alsdann ein Vier­tel des pensionssähigen Diensteinkommens und steigt alljährlich nm ein Sechzigstel davon.

Gesuche sind an den Zentral-Ausschutz für Innere Mission in Berlin-Dahlem, Alienstein­straße 5t. Post Groß-Lichterfelde West, zn rich­ten, möglichst gleich mit Hinzufügung folgen­der Schriftstücke: 1. Selbstverfaßter, eigenhändig geschriebener Lebenslauf, worin die Familien- verhältniffe, Lebensgang und die Gründe der Bewerbung erwähnt sein müssen; 2. Geburts- oder Taufschein; 3. ärztliches Attest über den Gesnndheiiszustand, das sich darauf erstrecken muß, ob die Bewerberin von äußerlich wahr­nehmbaren körperlichen Mängeln und Fehlern frei ist, insbesondere, ob Gehör- und Sehschärfe normal sind und in dem die Größe angegeben fein muß; 4. Zeugnis der Polizeibehörde des Ortes des letzten Wohnsitzes; 5. Pfarramtliches Zeugnis, das sich über die innere Neigung zu dem erwähnten Beruf ausspricht; 6. Zeugnisse über ras Verhalten in etwaigen früheren Be- rnfssteüungen (in Urschrift oder beglaubigter Abschrift).

IeMche KriegsmMer.

Die Liebesgaben brr Einsamen.

Im EhriftianiaerMorgcublad" finden wir folgenden Bries aus Berlin: Wer hat nicht von den verständigen Frauen reden hören, die jetzt in allen vom Kriege heimgesuchten Ländern eine kräftige Arbeit ins Leben gerufen haben, um die Rot und das Elend zu vermindern, um den Hunger von Millionen zn stille», um Kranke zu pflegen und Gesunden Arbeit zu verschaffen, wer hat nicht von ihnen gehört und wer hat nicht ihre Wirksamkeit und Einsicht bewundert? Aber nicht von diesen Frauen will ich hier reden. Ich lvill von den e i n f a m c n, den ein­sam verborgenen reden. Von ihnen,'die auf den Bauerngehöftcn, in den Häuslerhütten und in den kleinen Städten zurückgeblieben sind. Von- ihnen, denen der Krieg die große Eins» m - reit gebracht hat. Ich habe gerade eine Reise durch das deutsche Land gemacht, vom Osten nach Westen. An beiden Grenzen steht der Krieg mit flammendem Ichlvert. Aber wie ist es drin im Lande selbst? Ist wirklich Krieg in Deutschland? Der Zug saust davon, der Eilzug, pünktlich wie früher. Tie großen weiten Aecker liegen wohlbestellt und gepflügt für die Wintersaat da, kein Feld liegt unbenutzt, jedes einzelne Stück Erde kann Brot schaffen. Die Fabrikschornsicine senden einen dicken, viel­sagenden Rauch in die Lust empor. Aus dem Milch-wagen, der vom Lande hereinkommt, sitzt ein frisches Baucrnmädel und kutschiert, bei dem Bahnwärterhäuschen grüßt eine Frau stramm irrte ein Mann; aus der Elektrischen, die zwi­schen den Ortschaften aus dem Lande gehen, steht eine Frau in Schaffner-Uniform, ihr Mann ist im Felde.

Ans den Bahnhöfen, durch die wir kommen, stehen ein paar junge Mädchen mit weißen Schürzen mit dampfendem Kaffee. Sie helfen beim Roten Kreuz mit,Eiscnbahndienst" steht auf der Armbinde. Sie laufen den Zug ent­lang und sehen nach, ob Soldaten mit sind, die einer Erfrischung bedürfen. An jeder Halte­stelle auf der ganzen Strecke stehen diese jungen Mädchen bei jedem Wetter, bei jedem Zug, be­reit zu dem gleichen Liebesdienst für Freund wie für Feind. Tas ist das einzige, was an den Krieg erinnert, «ruf der ganzen Reise hin über diese großen, weithin sich erstreckenden Felder, die die Saat des neuen Jahres in ihrer fetten Erde bergen. Ich komme nach einer kleinen hessischen Stadt; gehe weiter zu Fuß von Dorf zn Dorf; sie liegen alle da und leuchten von Ordnuna und Reinlichkeit mit

ihren hübschen, roten, hochgiebeligen Hänserw Ueberall wird gearbeitet. Hier und dort flut sowohl der Mann, der Sohn wie der Knecht inj Krieg; da schasst die Bäuerin das Ganze und behilft sich mit den Allerjüngsten. Sie weiß, daß sie aus einem wichtigen Posten steht, aus ihren Schultern ruht jetzt die ganze Wirtschaft, während die Männer ihre Schultern an das Rad des schweren Kriegswagens stemmen.,, Aber die Einsamen, die niemand, keinen Sodw keinen Mann, feinen Vater oder Bruder iw Kriege haben, die nicht anordnen und wirken können?

Ich weiß nicht, wer den schönen Gedanken zur Wirklichkeit werden ließ. Aber er ist da. Di< Frauen, die daheim saßen, «Infam und abg« schlossen, sie fragten bei den verschiedenen Regst meutern an: Welche Soldaten sind eitern« los und /o h ne Angehörige? Wer zog in den Krieg ohne die Fürsorge und Liebe einet Mutter und ist einsam und verlassen wie wirf Und man nannte ihnen den und den. Einen, den sie niemals kennen lernen werden. Uno jede von ihnen wählte sich einen Soldaten, den Träger ihrer heißen Wünsche für das Vater­land. Sie bekam seinen Namen zu wissen, sie sandte ihm ihre Liebesgaben, sie strickte und nähte für ihn und erhielt znm Entgelt hie und da eine dieser lieben Feldpostkarten mit dem Dank des fremden Adoptivkindes. Ich las da neulich eine derartige Karte an eine unbekannte mütterliche Freundin:Herzlichen Dank für alles, >vas Sie mir geschickt haben, und denken Sie sich, als die Feldpost kam, erhielt keiner ein Paket außer mir ... mir der ich elternlos bin! Von Ihnen bekam ich das erste Paket in mei­nem Leben." Einige Wochen darauf siel er. Ein Kamerad meldete es ihr, und eine einsame Frau beweinte ihn, dctt sie niemals gekannt hatte, und der dennoch das große lebendige Band war, das ihr verborgenes Dasein mit der großen Dache des Vaterlandes verknüpfte. Sie, die nie Mutter gewesen war, sie suchte sich einen Sohn, um opfern zn können.

PrattWe öoitsfrmt.

Ein Vorteil bei Flickarbeit.

Für die Hausfrau, die genötigt ist, Herren« kleidet selbst auszubessern, ist es ost schwer, die Nähte der eingesetzten Stückchen glast zn bringen. Selbst der Bügelstahl tut ost die er­wartete Schuldigkeit nicht. Man schiebe daher unter die Naht ein kleines Brett, lege ein sehr nasses Tuch auf die Naht und bügele mit einem recht Heißen Bügeleisen darauf. Rach dieser Behandlung, wird die Naht unsichtbar fein.

Wie wäscht man Kattune?

Kattune zn waschen, ohne daß sie in der Farbe Nachlasse», ist nicht schwer. Man tut in einen mit Wasser angefüllten Kessel etwas Wei­zenkleie und läßt sie fünf Minuten lang kochen. Ist hierauf das Wasser wieder etwas erkaltetz so wäscht man die Zeuge ohne Seife oder Lauge darin und spült sie zuletzt in kaltem Wasser aus.

Lackierte Gegenstände zu reinigen.

Man gibt ei» wenig Mehl unter Baum» und reibt die lackierten Gegenstände damit ver« mittelst eines wollenen Läppchens ab. All« Urv* reimgkeiten verschwinden auf diese Weise im» beschadet des Lackes und der Vergoldung.

Rot- und Rcinweinslecke.

Rot- und Rheinweinslecke kann man anG Woll- und Seidenkleidern schwer entfernen; de» sonders Roiweinslecke sind schwierig fortzn« bringen. Bei dem weißen Wollkleide kann matt den Versuch machen, die Flecke in siedende Milch cinzittanchen, ein blaues Seidenkleid gibt man am besten zum Entfernen der Flecke, nicht zu» vollständigen Reinigen, in eine chemische Wäscherei.

Maschinenöl-Flecke.

Maschinenöl-Flecke sind ans Kleiderstoffen nicht schwierig zu entfernen. Man legt untel die befleckte Stelle reines, lveiches, weiß«« Löschpapier, taucht ein Läppchen des Kleider» ftosfes in Benzin und reibt die Flecke solang^