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Tritt 2.

Refft!« Reucftc Nachrichten.

Nummer L

Mutter,- hieß der. dann trat er festen Schrit- tce in die tiefdunkle Rächt. Sämtliche 10 hier aaruisonicrtcn ^licarr hatten sich freiwillig für diese Todcssahrt acmcldet. Das Los war ans ibn acfallc». ür fühlte und wußte auch genau, daß ein Lebend znrückkommen fast «us- gcschlossen war. indeb wenn er nur wciug- strns seinen Zweck, den Aufmarsch des feindli­chen Korps ui verhindern, ausführen konnte, wolle er aeru für sein Vaterland fallen, ... bloß der Sturm, der Sturm ....

Viele kräsiiac Soldatcnfäuste hatten Mühe, das Fluazeng m halten; der Motor lief Pro­let die Spanndrähte hatte er selbst soeben nach- neprüst, nun aalt es nur noch, sich von dem sseuerwerksfeldwebcl die Zündvorrichtuna er­klären zu lassen, von jener Sprengladung, die für den Feind bestimmt, dort eben unter dem Sitz aujgestapelt und befestiat Wurde. War vas ein Sturm! An die Fahrt würde er den­ken ... nun mußte er über sich selbst lächeln ... denken? Jawoll, im Jenseits sicher. Es war Mticfl. er würde sterben, aber im Tode noch siegen und mit einemMit Gott fiit Kai­ser und Reich" bcstica er den Eindecker. Die Kameraden und die Soldaten unten schickten ihm ein donnerndes Hurra nach, der Sturm versckläna es. ... Der kleine Artillerist hatte doch wirklich Tränen in den Augen gehabt, tils er ihm die £'nnb zum letzten Mal gab, .. aber er durste nicht denken. ... der Apparat schwankte und schaukelte sicher toller als des Bruders Schiff ... wo das jetzt sein mochte, wo Hans? Wo der Gardist? Doch schade, daß er keinen mehr aesehen. Sein Mütterchen schlief wohl längst ruhig und fest, ihre Jun­gens beschützten ja ihr Vaterland. Er hatte so lange keinen Feldpostbrief aehabt. Ten letz­ten vor vier Tagen von einem blonden fuße» kleine» Ding, er hatte ihn bei sich, niemand sollte ihn finden, mit ihm zugleich sollte er un­tergeben. Er knisterte, wenn et an der Stelle, wo er saß, fest aus das Leder seiner Jacke drückte, ob sie wohl weinen würde die Heute Liselott', wenn ... Er biß die Zähne zusam­men. nicht an das Leben denken, es bot viel Schönes, wenn man noch jung war. jetzt hatte er größere Ziele. Die Pflicht verlangte vner- bittliche Aufmerksamkeit. Der Eindecker stieg und stieg und je höher er kam. je ruhiger wur­de eS in der Luft, aber damit war seine Auf­gabe nicht zu erfüllen. Dort unten war der Rcinb und die Bogenlampen, Scheinwerfer und MagnesiumSsackeln, die er leuchten ließ, galten ihm. Ein Blick auf die Karte. Das klein« hell erleuchtete Gebäude eben, wo war es geblieben? Wie liebenswürdig war der Retitb. ihm den Weg zu zeigen, oder wie un­geschickt mit seinen Scheinwerfern, oder war ihm das Glück noch einmal ... zum letzten Mal... besonders holl)? Es schien, als wollte es ihm seine schwere Ausgabe erleichtern helfen. Jetzt war auf der Erde alles im Dunkeln, aber er wußte nun. wo das Städtchen lag, weiter rechts davon mußte der Tuuneleingang sein, bei» sein Befehl galt. Vorsichtig, um nicht tue Wache zu frühzeitig zu alarmieren, wollte er sich ihm lanasam nähern. Deutlich konnte er sehen, wir sie au« ibrent Zelt hervorgekrochen kam. mit dem Sturm, der auf Erden viel toller war als hier oben, kämpftet Gewehre lud. Schon sausten die ersten Geschosse um ihn, das ntachte nichts mehr, das wurde man allmählich gewöhnt: Himmel wenn nur ketnS den Ver­gaser traf, beim ohne verrichtete Ausgabe um­kommen. nimmermehr. Mit voller Motorkraft hieß es jetzt, gegen den Tunneleingang rennen. § wischen den Zähnen die Reißleine für die prengstoftladung; Hände aus Eisen am Steuer, die Augen starr gerade aus. Er war am Ziel.Mutter, leb wohl!" Er bog den Kopf. ... ein Ruck, ... eS zündete ...

Der Sturm teilte bald die Rauchwolken und da? kommeirde Tageslicht zeigte immer deutlicher die siirchtbare Verwüstung.

Ter Tunnel war gesprengt, mit ihm der Aufmarsch dcr feindlichen Arinee bedeutend verzögert. Unsere Truppen batten derweil Zeit aefnnden. weiter siegreich vorzugehen ... lo war der Opfertod des jungen Fliegerow- »icrS für das ganze deutsche Westheer von größter Bedeutung gewesen.

Daheim im stillen Zimmer slackerte die Lampe in den letzte» Zügen und daS Tages­licht dämmert« im Osten, als die alte Gencra- liu erschrocken erwachte. Sie hätte so schlecht geträumt, ihr Jnnae. der Jüngste, hatte sie ge­rufen und die anderen zwei ihr gewinkt und dann waren drei Briefe gekonunen, alle aus

anderen Himmelsrichtungen, und

Ach. du Herrgoit. laß sie siege» fltr8 Va-

uuuuv. ...

Ja. wo war sie denn? Erst jetzt fühpe sie den Männe in ihrem Schob, sah das Strick­zeug vor sich, schwerfällig, vom Sitzen steif, er­hob sie sich Mit gefalteten Händen stand sie noch «in Weilchen betend vor den Bildern ihrer Sehne. ...

Rach drei Tagen lagen drei Briese vor die- ie» Bildern und ei» weißer Kopf beugte stell immer wieder weinend über sie.

Im Sturm auf das Forr der Festung R. ..."

Rach siegreichem Gefecht auf stürmischer See .. ."

Richt achtend des tobenden Sturmes ... treu seinem Kaiser ... von größter Bedeutung für alle folgenden sieareichen Schlachten .. den Heldentod ... den Heldentod." Tic alten zuk- kcnden Lippen murmelten immer wieder zu­sammenhanglos Stellen aus den Briefen. Gleich alle Drei ... alle Drei ... im Sturm ... in jener Nacht" und ein Sturm an Hesr.g- keit wohl alle anderen übertreffend tobte durch dies Mutterherz, und doch nicht lange, dann trat neben den Schmerz und die Trauer der Stolz, der angeborene wahre Stolz der deut­schen Soldatenfrau.Sie sielen als Sieger" und die vom Weinen roten Augen leuchteten, als Sieger auf dem Feld der Ehre^.

Kriegs-Weihnacht.

Unsere Krieger und wir.

I» einem Feldpostbrief eines wackeren deutsche» Soldaten war kürzlich folgendes zu lesen:Wollen Sie, wenn Sie an uns hier >n Belgien Liebesgaben für Weihnachten senden, nicht vergessen, kleine Geschenke beizu­legen, die wir den armen Kindern hier in Feindesland schenken können. Glauben Sie mir, nichts «lacht uns froher, als Iven» wir in diesen armen, verängstigten Kinder­gesichtern ein Lächeln erwecken können." Das Herz geht einem auf, wenn man die wenigen Zeilen überliest. So viel Liebe, so viel herz­lich« innig« Güte, so viel Mitleid und so viel Erbarmen mit dem Aermeren klingt heraus. Rur «in deutscher Soldat kann so schreiben. Nur in ihm sind alle guten sittlichen Kräfte trotz der Schrecken und Greuel des Krieges so stark, und zu Weihnachten, zum Fest der deut­schen Liebe, werden sie besonders lebendig,und bringen auch in das Blut und den Rauch dieses erbittertsten aller Krieg« einen Hellen, freund­lichen Sckrcin, der uns tröstend sagt:Wenn auch der äußere Weihnachtssriede in diesem Jahre fehlt, die Weihnachtsliebe ist nicht ge- storben. Die eigenen Kinder und Angehörigen kann der deutsche Soldat, unser Feldgrauer, in diesem Jahre nicht um sich haben. Er kann sie nicht glücklich sehen, sich an ihrer Freude nicht freuen, wenn auch die Gedanken von ihm zu uns in der Heimat und von uns zu den Schüt­zengraben und Batterieständen hinüber gerade am Weihnachtsheiligabend am lebhaftesten wandern werden. Da stecht er in der fremden Umgebung Ersatz, sucht jemand, dem er seine Weihnachtsliebe zeigen könnte. Und findet das fremd« Kind in Feindesland, dem die unge­heuren Schrecken res Weltenbrandes noch auf dem verschüchterten bleichen Gesicht geschrieben stehen, findet verhärmte Frauen, die nicht nur den Gatten, die alles dem Krieg« opfern muß­ten, und findet Kameraden, die, weniger glück­lich als er, nicht so reichlich mit Gaben der Liebe bedacht wurden. So fehlt e« unfern Soldaten auch draußen vor dem Feinde nicht an der echten Weihnachtsstimmung...

Wir Volksgenossen sind im Kriege einander näher gekommen als sonst. Heut« heißt es: Dein Leid, mein Leid, deine Freude, mein« Freud«. Nichts mehr von kalter Gleichgültig, feit, Neid und Haß Mischen den einzelnen.

Ter Krieg ist ein großer Versöhner und Gleich­macher gewesen. Tas wird sich auch besonders am Fest der Siebe zeigen, und wir haben nur beit einen Wunsch, daß es auch weiterhin nach Weihnachten und nach dem Kriege so bleiben möge. Gewiß werden wir viele traurige Ge» icher, viele verweinte Augen gerade zu Weih­nachten sehen. Hier gilt es zu trösten, den Trauernde» zu zeigen, daß sie nicht allein stehen in ihrem Schmerz, daß die Liebe und das Mit­gefühl eines ganzen Volkes sie umsorgen, um ihnen über de» schweren Verlust ein wenig hm- wegzuhelfen. Und trotz alledem haben wir immer noch Ursache, frohe, wenn auch ernste Weihnacht zu feiern. Denken wir einmal daran, welches Weihnachtsfest unsere Feinde uns wobl zugedacht hatten? Wäre alles nach ihrem Wunsch geganaen. dann hätten wir geglaubt, der lichte Stern von Bethlehem würde uns nie­mals wieder scheinen. Und nun? Zwar ist es nicht so licht und srenndlich wie sonst, aber aus den dunklen Wetterwolken strahlt er schön wieder, wenn auch noch fern, so doch trostver- f'ünbtnb:Bleibet fest unb stark, der Friede, ein glücklicher Friede, wird kommen!" Das ist Heuer unsere Wcihnachtsbotschast. Leider »och nicht, wie wir es so herzlich gewünscht hatten, das beseliacndcFriede auf Erden". Aber die sichere Hoffnung eines znkiiuftigen Friedens. Und wem haben wir das alles zu danke»? Ta schweifen die Gedanke» hinaus und hinaus an die Front; Täitkgcbetc steigen auf, so in» brünstig wie nie zuvor, und die große Schuld, die wir allen denen abzutrage» haben, die draußen für uns kämpfen und bluten, tvandclt sich i» Gaben des Dankes für sic und ihre Lieben. Möge dieser Dank auch zukünfitg leben­dig bleiben! . M. M.

Weihnachten und der Krieg.

Frühzeitige Weihnachtseinkäufr.

Eine Mahnung, die sich in jedem Jahre wiederholt, ist die, mit den Meihnachtseinkäujcn rechtzeitig zn beginnen. Begründet wurde sonst di« Forderung damit, daß das im eigenen Interesse liege, d>r man früh eine größere Auswahl habe, sorgfältiger bedient werde und bei bestellten Sachen die Gewißheit hab«, daß man sie zur rechten Zeit erhalle. Wetter wurde «in frühzeitiger Kauf von Weihnachts­sachen gefordert, weil er auch im berechtigten Interesse der Verkäufer liege, die durch bett Anbrang tu den letzten Tagen vor dem Fest« in ihrer npiwenbige» Erholung ein­geschränkt und über <olebühr hinaus angestrengt würden. Alle dies« Gründe haben Berechtigung und sie alle sollen auch in diesem Jahre jedem Menschen eindringlich zugernfen werden. Zn ihnen aber tritt noch ein neuer Grund, der so schwerwiegend ist, daß er allein viel« veran­lassen sollte, früh mit den Weihnachtseinkänsen zu beginnen und zeitig die Bestellungen zu machen.

Der Krieg griff mir harter Hand auch n unser Wirtschaftsleben ein. und wenn «s sich jetzt auch zum größten Teile wieder im alten Geleise abspielt, wenn auch manch« Industrie­zweige mit Hochdruck arbeiten und kaum in der Lage sind, alle Aufträge glatt zil erledigen, io find doch andere, beispielsweise die Lnrns- waren-Jndustri«, noch notleidend. Ti« hosfen nnn Weihnachten etwas einzuholen und auch «in kleines Geschäft z» machen. Bei der schlech­ten Lag« dieser Industriezweige und beider llnsicherheit, wie das Geschäft werden tvird, besteht aber nur wenig Neigung zu großen Vorbereitungen. Z«i«t man aber, daß st« auf «in Geschäft rechnen können, fo werden fle selbst auch wieder tätiger sein unb vielen Menschen Brot unb Vcrbienst geben könne» unb gebe». Ein Keil treibt be» anderen: Frühzeitiger Ein­kauf zeitigt Nachbestellungen, fetzt frei« Kräfte in Tätigkeit. Ein erledigtes Geschäft gibt Verdienst; wer verdient, läßt aber auch ander« wieder verdienen.

Dann aber fei noch auf einen Umstand hin­gewiesen, der in diesem Jahre neu in Ersehet, nung tritt. In zahlreichen Geschäften find der Inhaber selbst und der größte Teil der inaitn- liche» Angestellten zur Fahne «Ub«. rufen, aeradc bi« besten Kräfte fmb «s ost, b<«