isctte s.
Mille war cs. Im der Ferne flatterte die Fahne mit dem roten Kreuz der Kroßen Näch- ftcnliebe durch den sengenden Südwind dieses heißen Augusttages.
Noch aber brachen die Augen nicht. Ei» «Flehen stand in den großen, blauen Sternen geschrieben. Der alte General las es richtig.
»Kennst du mich, Weddo?"
Ein Nicke», und wilder strömte das junge Mut. Aber der Mund schwieg.
Da legte der alte Held seine Arme um die jungen, bebenden Schultern: „Wie glücklich wird deine Mutter sein!"
Nun kam ein Lächeln in die Todesschatten. Eine ungeheure Anstrengung ... ein Aufleuchten ... ein kurzer Kamps...: „Vater..."
Und der alte General nickte und nahm den sterbenden Sohn fester in die Arme Und lang- sam verblich der große Tag von Lüttich, der, einer Mutter ihren verlorenen Sohn wiedergab, 'weil er den Heldentod sterben durfte
VuteMMche ßrzichuW.
Wir Frauen und der Krieg.
Zunächst konnte von vaterländischer Erziehung eigentlich nur bei den Knaben gesprochen werden; daheim im Elternhaus und in der Schule ward ihnen die Liebe für das Vaterland »nd das Verständnis für sein Wohlergehen ins Herz gepflanzt, und daher war es nicht verwunderlich, daß echt vaterländischer Geist sic beseelte, vor allen: iir kriegerischen Zeiten, wie de» heutige». Anders bei uns Frauen. Unsere Erziehung wurde früher nach ganz anderen Grundsätzen, von ganz anderen Gesichtspunkten aus geleitet, und wenn unsere Großmütter und Urgroßmutter, ja auch noch unsere Mütter, eines Geschichtsunterrichts teilhaftig wurden, dann geschah es nicht, um sic mit Verständnis für das Werden ihres Vaterlandes, für das wirtschaftliche und kulturelle Leben des Volkes, den: sie angebörten, zu erfülle»; ein Geschichtsunterricht der Mädchen diente ehemals nur dazu, ihren religiösen Sinn zu vertiefen; man suchte in der Geschichte nach Beispielen für die religiösen Wahrheiten. Was wunder, wenn auch in einer so von vaterländischer Begeisterung durchwühlen Zeit wie der der Freiheitskriege das Verständnis für diese Begeisterung den Frauen im allgemeinen abging. Es waren nur verhältnismäßig wenige unter ihnen, die dem hohen Geistesflug der Freiheitskämpfer zu folgen vermochten, und die außer dem Elend und den Schrecken des Krieges, die sie persönlich berührten, noch das sahen, was er an unermeßlichen ideellen Werten schuf. So mußten denn geistig bedeutende Frauen, wie beispielsweise Karolinc von Humboldt, geradezu entsetzt fein, welche Verständnislosigkeit den: Geist der Zeit gegenüber auch unter soge- iiannten gebildeten Frauen herrschte.
Allmählich ist es anders geworden, und wir Frauen von heute, die wir diese große, schick- satschwere Zeit miterleben, wir fühlen wohl ebenso tief wie die Männer, welche gewaltigen Kräfte am Ringen, am Kämpfen find, wie tief das Schicksal unseres Vaterlandes mit unserem eigenen kleinen Lose verbunden ist. Gewiß gibt es auch heute noch Frauen genug, besonders unter der älteren Generation, die mit einer erschreckenden Verständnislosigkeit diesen: gewaltigen Ringen ihres Vaterlandes gegenüber- stehen, die nichts bei diesem Krieg empfinden, als die persönlichen Verluste, Unannehmlichkeiten und Unbeguemlichkciten, die er für sie im Gefolge hat. Aber die große Mehrzahl fühlt doch glücklicherweise schon mehr. Wir sind reifer geworden und haben ein tieferes Verständ- iiis für die politischen Zusammenhänge, und Ivir sind größer geworden und können dem Vaterland heute besser dienen als ehemals, wo ans jedes geschichtliche Verständnis abging. )!obl empfinden wir auch heute noch das unendliche Leid und Weh, das der K^ieg über ein Volk bringt, aber wir fühlen nicht nur unfern eigenen kleinen Schmerz, wir fühlen die Schmerzen aller unserer Brüder und Schwestern, mid wir zerbrechen nicht unter dem, waS wir dulden müssen. Nein, wir tragen es mit starken Schullern still und gelassen, und suchen unfern Trost und unsern Frieden in der Ar
Kasseler Neueste Nachrichten.
beit, die heute mehr denn je ein Segen ist, in der Arbeit zum Wohl des Ganzen, des geliebten, bedrohten Vaterlandes, für das wir auch dann schaffen, wenn wir nur die Pflichten, die uns auferlegt find, treulich erfüllen. Ja, es lebt ein hohes, vaterländisches Empfinden in uns Frauen von heute, und unsere Aufgabe ist es nun, es zu stärken und auch in unseren Kindern zu wecken und lebendig zu erhalten.
M. M.
An die Frauen!
Sieben Gebote für die Kriegszeit.
1. Ihr Frauen, die Ihr helfen wollt, kleidet Euch schlicht! Es wirkt verletzend, wenn Ihr in übermoderner Kleidung sammelt. Es wirkt auch verletzend, wenn Euer Sammeln zum Sport ausartct.
2. Ihr Frauen, und Ihr Männer, die Ihr große Summen öffentlich zeichnet, entlaßt nicht zu gleicher Zeit die Halste Eurer Arbeiter und setzt sie auf halben Lohn und verlängerte Arbeitszeit; das ist unsittlich'
3. Ihr vermögenden Frauen, die Ihr Dienstboten habt, hütet Euch vor jener Gewöhnlichkeit, die schwere Zeit egoistisch auszunutzen, indem Ihr die Dicnftboten nur beköstigt, ihnen aber keinen Lohn zahlt.
4. Ihr Frauen in guter Lebenslage, unterlaßt das Wäschcnähcn; das ist durchaus unsozial. Laßt die Arbeitslosen solche Dinge arbeiten und bezahlt sic.
5. Ihr Frauen, die Ihr Eure Liebe zeigen wollt, unternehmt nichts auf eigene Faust, sondern bringt Eure Mittel und Eure Wunsche in die vorhandenen Organisationen. Da sind Menschen, die sozial geschult sind und Eurer wertvollen Mitarbeit die richtigen Wege zeigen können.
6. Ihr Frauen, tut die Augen aus für Eure allernächste Umgebung, in der Ihr lebt. Manches arme Weib im Quergebäude und Hinterhaus kann Euch und Eure Hilfe besser gebrauchen als die Oesfenrlichkcit.
7. Ihr Frauen, die Ihr jetzt in Schichten des Volkes schaut, die manche unter Euch nicht kannte, knüpft jetzt in Herzens güte Le- bcnsbeziehungen, die weiter reichen als diese Tage des Krieges. Mir müssen bleiben eilt einig Volk von Brüdern.
Pastor Dr. Lutto, Berlin.
Zer Gegen der Frauenbewegung.
Die Fran von beute in ernster Zeit.
In Zeiten, wie die gegenwärtige, deren Schwere durch die Plötzlichkeit ihres Herein- brechens noch an Druck und Wucht gewinnt, wird es sich nun auch erweisen müssen, was für Früchte die Kulturarbeit der vergangenen dreiundvierzig Friedcnsjahrc für die inzwischen herangewachfeuc» Geschlechter getragen. Zu diesen Kulturarbeiten hat auch die Lösung der Ausgaben gehört, die man gewöhnlich unter der Bezeichnung „F r a ii e n - E m a n z i p a t i o »" zusammensaßt. Was immer die Ziele der einzelnen Kämpferinnen auf biefent Felde gewesen sein mögen, ob sie auf das Praktische oder auf rein Geistiges gerichtet waren, darauf kommt es in der Stunde unserer nationalen Rot nicht an. Vielmehr daraus allein kommt es jetzt an, zu erweisen, ob alles das, was die Frauen in ihrem Freiheitsstreben erreicht haben, auch einen realen Wert hat für die in« AngcUblick schon schwierige, vielleicht aber in naher Zukunft sich noch schwieriger gestaltende Lage unseres Volkes. Ich glaube, wir dürfen getrost diese Fragen mit einem „Ja!" beantworten. Es kann und wird nur von großem Nutzen für die Allgemeinheit fein, daß die Frauenbildung von heute eine gegen früher bedeutend höhere, umfasiendere und gründlichere ist; nicht allein in Hinsicht aus das Wissen, viel mehr noch, was das Praktische und Fachliche betrifft.
In viel ausgedehnterem Maße als in früheren Kriegsfällen sind die männlichen Kräfte für die Kriegsarbcit aufgerufen worden, mußten sie abaeruftn werden von ihren Alltagspflichten.
Nummer 40. ;
Aber das kann auch getrost geschehen, ohne daß alle notwendige Amts- und Berufs- und Gc- werbsarbeit deshalb im Inner» gleich brach z„ liegen braucht. Wo Männer fehlen, wird, muß und kann die Frau einspringen! Sie hat wohl auch ehedem, wo es not tat, das Geschäft, das Gewerbe des Gatten oder Vaters während dessen Abwesenheit selbständig weiter geführt, so gut sie eben vermochte. Sie hat wohl auch in vereinzelten Fällen ein verwaistes Amt übernommen, im großen ganze» aber blieb ehedem ihre Hilfe in Kriegsfällen auf Wohltätigkeit und Pflege der 'ßerd wundcten beschränkt. Heutzutage kann sie in ganz anderer Weise in die Lücken eintreten,j die die Kriegerpslicht in die Reihen der berufstätigen Männer reißt. Kaum ein junges Mädchen ist heute noch ohne irgend eine Vorbildung für einen Berus ausgewachsen. Wenn manches bisher diesem Beruf zum Erwerb noch nicht nachzugehen brauchte, so wird es heute Pflicht, wo es not ist, freiwillig und ohne (xnb: gelt frei werdende Äemter zu übernehmen.
Was Kontor upd Bureau verlangen, wird das Mädchei: mit guter Schulbildung rasch begreifen, selbst wenn ihm das rein Fachliche noch mangeln sollte. Wer für irgend einen Lehrberuf sich ausgebildet, kann in noch weit fannigfacherem Maße einspringen. Und selbst zur Krankenpflege wird die durch Sport, durch hygienische Unterweisungen geschulte, in der Bürgerkunde nicht mehr unerfahrene Frau unserer Tage mancherlei fundamentales Wissen und praktisches Geschick mitbringen, das eine Schulung für die beabsichtigte Liebestätigkeit wenn nicht überflüssig macht, so doch erleichtert. Und wenn keine andere Frucht sonst wäre, die die jahrzehntelange» Bestrebungen der Frauenemanzipation hervorgebracht hätten, als diese eine: Das; die Franc» von heute nicht mehr zimperlich sind, daß ihre Augen offen geworden sind für das Leben und seine Anforderungen, daß sie gelernt haben, schneller und selbständiger Entschlüsse zu fassen und handelnd einzugreifen, das allein schon schließt einen Segen in sich, der in diesen Tagen der Not dem ganzen Volke zugute kommen muß.
F, Gebhardt
M Hausapotheke.
Wie richtet man die Hausapotheke ein?
Die plötzliche Erkrankung eines Familienmitgliedes richtet in vielen Familien, selbst in manchem wohlgeordneten Haushalt, die größte Verwirrung an. Man schickt zum Arzt, aber meist vergehen Stunden, namentlich aus den: Lande, bis der ersehnte Helseo ein« trifft. Inzwischen möchte die Hausfrau die Schmerzen des Erkrankten gern erleichtern, ihm wenigstens eine Taffe heißen Fliedertees oder anderes reichen. Nu» beginnt ein hastiges Suchen; ans der Speisekammer, aus den Schubladen des Küchenschrankes werden Tüten hcrausgewühlt und untersucht. Da sie teilte Aufschrift haben, bleibt man über ihren Inhalt im Zweifel, und in der Furcht, durch ein falsches Mittel Unheil anzurichten, verzichtet man lieber darauf, dem Kranken zu helfen. Selbst wenn eine Apotheke in der Nähe ist, vergeht auch noch eine Wetle, bis das gewünschte Mittel hcrbeigeschasst ist, oder es fehlt vielleicht ein Bote.
Deshalb kann es der Hausfrau nicht genug ans Herz gelegt werden, für die Einrichtung einer mit den nötigsten Gebrauchsgegenständen und Arzneimitteln ausgestatteten Hausapotheke Sorge zu tragen. Wenn ihre Mittel beschränkt sind, ist durchaus teilt eigene für diesen Zweck angeschafftes Schränkchen nötig. Ein fauber ausgescheuertes und mit weißem Wachstuch ober Papier ausgelegtes Schubsack eines 'Schrankes oder einer Kommode leistet oie gleichen wertvollen Dienste. Am besten teilt man das Fach durch zwei gucr gestellte Brettchen in drei Teile und bestimmt die erste Ab- tcilunig zur Ausnahme von Instrumenten,, Spritzen und Verbandsstoffen, die zweite für äußere Mittel zur Desinfektion zu 6inrcibut' gen usw„ und die dritte Abteilung für zum Einnehmen und Gurgeln bestimmte. Medikamente. wie Tees, Abführmittel. Natron.