Seife 2.
Safielrt Neueste Nachrichten.
Da toeinte Lene laut auf, legte den Kops an ihre Brust und flehte:
„Mutter, Mutter!"
(Sitte Weile war es still im Raum, nur das Schluchzen des Mädchens zitterte mitunter durch die Dämmerung. Dann streichelte Frau Tirnrnermanu der Tochter zärtlich über's Haar.
„Hast ihn lieb, meine Seite*“
„£> Mutter, so lieb, so furchtbar lieb!“ Noch einmal fühlte die Nettere, wie ihr das Blut warnt durch die Adern rann. Dann ging ein Frösteln durch ihre Glieder, das Herz schlug hoch und laut, aber Hinrich Zimmermann war alt geworden da drüben, und die Zeit war mit ihm gegangen. Und leise rang es sich aus ihrer Kehle:
„Na, Lene, denn laß ihn man kommen!“
Vaterländische Lugenden.
Wir Frauen und der Krieg.
„Geld habe ich nicht, aber diesen Schmuck kann ich Ihnen geben!“ so sprach in diesen schicksalschweren Tagen zu Braunschweig eine edle deutsche Fran und legte ihren kostbaren Schmuck, das Einzige, was sie an Gel- dcs-wcrt besaß, mit freudigem Herzen auf bett Altar des Vaterlandes nieder. Hunderte sind dieser Opfermutigen schon gefolgt; was soll uns auch eitler Flimmertand in diesen Tagen, bereit bitterer Ernst uns die Kleinigkeiten nnd Kleinlichkeiten des Lebens hat vergessen lassen. Die Namen unserer Frauen, die sich frohen Herzens von dem äußern Glanz und Schein des Lebens lossagen, kündet uns keine Zeitung, feine öffentliche Bekanntmachung; aber ihr Andenken wird lebendig bleiben, wie das der Priesterinnen aus den deutschen Befreiungskriegen vor hundert Jahren, die wir noch heute als Zierden des Frauengeschlechts verehren. Oder wer vergäße je derer, die in heiliger Liebe für Heimat und Vaterland auch das letzte dahingaben? Des deutschen Helden- Mädchens, das, weil es nichts anderes zu ver- scheuken hatte, die Fülle seines blonden Haars dem Vaterland zum Opfer brachte? Eine große Zeit gebiert große Herzen. Sie wird auch uns deutsche Frauen von 1914 zu jedem Opfer bereit finden.
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Hunderttausende von deutschen Heldensöhnen sind schon hinausgezogen nach Osten und Westen,' in die Grenzmarken des teuren Vaterlandes, oder zu Schiff auf die See, wo hinterlistiger Feinde Tücke ihnen tausendfältigen Tod droht, mutigen Herzens, mit hellen Augen, ein Lächeln nm den Mund. Innerlich ist es manchem sicherlich nicht so leicht ums Herz gewesen. Mütter und Kinder, Frauen, Bräute und Schwestern galt es zu verlassen, vielleicht auf Nimmerwiedersehen. Aber man nahm sich zusammen, und es ging. Teilen doch viele Tausende dasselbe Geschick. Und wir Znrückbleibenden? Wir Frauen und Mütter, wir Schwestern und Bräute? Gar man« ch«r möchte das Herz zerbrechen, wenn sie den Einzig-Gelicbten, den treusorgenden Sohn, den braven Vater ihrer Kinder lassen muß. Und doch. So hart uuS auch der Abschiedsschmerz ans Herz greift; wir müssen die Zähne zitsam- menbeißen, daß teilte Träne sich ins Auge stiehlt. Mit einem Lächeln sollen wir sie ins Feld ziehen lassen, die uns lieb und teuer sind, mit einem Schimmer der Hoffnung auf frohe Wiederkehr in den Augen. Dann wird ihnen der schwere Weg leichter werden. Mut und Selbstbeherrschung müssen jetzt Frauentugenden sein.
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Schier unübersehbar ist die Zahl der jugendlichen und älteren Helferinnen, die sich in diesen Tagen für die Kriegskraitken- Pflege und für alle sonstigen Hilfsdienste, die Frauenhand im Kriege zu leisten vermag, dem Vaterlande zur Verfügung gestellt haben. Ein schöner Geist der Hingabe und Vaterlandsliebe beseelt sie alle, aus welchem Beruf und Stande sie auch kommen. Und es gibtzsin diesen ernsten Tagen auch so unendlich viel zu helfen, auf allen Gebieten. Ungezählte männliche Arbeits- hafte, die in Friedenstagen in Handel, Jndu- Krie und Landwirtschaft fleißig und tätig wa
ren, stehen im Felde. Es werden manche Ersatzkräfte gebraucht, und hier bietet sich vielen Frauen, die nicht im direkten Dienst der Liebestätigkeit für das Heer mehr Unterkunft finden können, gleichfalls ein Arbeitsfeld. Und wie gut, wenn wir Frauen jetzt Arbeit finden können, eilte Arbeit, die unseren Geist und unsere Kräfte in diesen Tagen voll in Anspruch nimmt. Die Sorge um unsere Sieben im Felde wird uns nicht mehr ganz so schwer bedrücken, wenn wir daheim in fleißiger, ausopferungs voller Tätigkeit stehen, die uns nicht zu unnützem Grübeln kommen läßt. Und die Schwere des Schicksals, das uns auferlegt, wird uns nicht mehr so vernichtend erscheinen, wenn wir neben und um uns viele Tausende von Leidensgefährtinnen ihr Geschick ernst, aber nicht hosf- nungs- und tatenlos tragen sehen. Auch die A r b e i t s f r e n d i g k e i t muß heute mehr wie je zu den Tugenden der deutschen Frauen gehören. M. M.
Frauenarbeit und Frauenlohn.
Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.
Immer und immer wieder wird die Forderung gestellt: „Gleicher Löhn für gleiche Arbeit“, aber das Wort verhallt ungehört, und nach wie vor muß das weibliche Geschlecht es sich gefallen lassen, daß es (fei es, wo es fei) erheblich schlechter entlohnt wird, als das männliche. Warum das? Stichhaltige Gründe hat mau nicht gefunden, man kant vielmehr mit allerlei Ausflüchten wie: Der Mann ist gezwungen, die Familie zu unterhalten, die Frau hat nur nötig, zum gemeinsamen Haushalt eine Kleinigkeit beizutragen; oder es hieß: Die Frau ist ja in allem viel anspruchsloser als der Mann, sie versteht es bester, sich einzuschränken, nnd schließlich meinte man: Das weibliche Geschlecht betrachtet alle Arbeit ja ohnehin nur als Zwischenstufe, um später in den Hafen der Ehe einzugehen, es hat also gar nicht ein so großes Interesse daran, einen höheren Lohn zu erzielen. Alles das ist kein Grund, um die gerechte Forderung „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ aus der Welt zu schaffen. Leider muß ausgesprochen werden, daß die Frauen zum größten Teil selbst schuld an dieser Ungerechtigkeit haben. Für viele von ihnen ist die Hauptsache, nach Ablauf der Schulzeit möglichst bald etwas zu verdienen. Tie weiblichen Familienmitglieder nehmen sich nicht die Zeit, etwas gründlich zu erlernen, wozu auch, später heiratet man ja doch. Es wird also irgend ein Posten angenommen, sei es in einer Fabrik, in einem Kontor; das Gehalt ist zwar lächerlich klein, aber immerhin, etwas ist doch besser als gar nichts.
Der Arbeitgeber kennt seine Leute und bietet dem jungen Mädchen die wenigen Groschen, da er weiß, es liegt ihr nur daran, „einen Zuschuß“ zu haben. Wie anders wäre das, wenn e i n e O rg a n i s a t i o n bestände. Aber alle bisher gemachten Versuche sind jämmerlich gescheitert, in der Hauptsache darau, daß man bald hoffte, einen Manu und Ernährer zu finden und der Arbeit aus dem Grunde auch gar nicht die nötige Aufmerksamkeit und Bedeutung zumaß. Ist dann das junge Mädchen verheiratet, langt dann das Einkommen des Mannes nicht, dann sucht es sich wieder eine „kleine Nebeneinnahme“ und ist mit dem geringen Lohn zufrieden. Aber auch bei den sogenannten besseren Ständen finden sich die gleichen Mißstände. Die Haustöchter suchen sich einen „angenehmen“ Posten, der sie nicht allzusehr anstrengt. Gehalt ist Nebensache, die Eltern sorgen ja für alle Bedürfnisse, die Tochter will nnr ein kleines Taschengeld für Extraausgaben, Näschereien oder kleinen Putzkram und so nimmt man die unwürdigen Gehälter an, nicht bedenkend, wie schwer dadurch alle jene geschädigt werden, die selbst für sich sorgen müssen. Zahlreiche Arbeitgeber sind der Meinung, das weibliche Geschlecht brauche nicht zu trinken, nicht zu rauchen, die Kosten eines Ausganges bezahlt meistens der „Freund“ ober sonst ein anderer Herr; wozu dann also der Frau das gleiche Geheckt geben,
____________________________Rümmer 36, wie dem Mann? Besonders kann man das^ Schauspielerinnen und Sängerinnen beobai ten. Hwr leistet das weibliche Geschlecht do, genau dieselbe Arbeit wie das männliche, „ Gegenteil, die Anforderungen, die an das Ai» Here der Dame gestellt werden, sind erheblig größer als beim Manu und dennoch sind bi, Gagen in zahlreichen Fällen kleiner.
Tie Leiter der Theater äußer» ganz einfa* daß das weibliche Geschlecht so manche heitz! lieft fließende Quelle habe, die dem Manu v«, sagt sei. Aus welchen Gründen ist nun ade, die Lehrerin, die doch ebenfalls die gleiche, Pflichten hat wie ihr männlicher Kollege, in, bezug auf Gehalt benachteiligt? Sind die ch zum Unterricht zuerteilten Kinder wenig,, wert als die, die der Lehrer zu unterrichten hat? Auch auf diese Frage ist keine erschöpfend, Antwort gekommen. Immer und immer wiv der hieß es, der Mann habe eilte Familie z» erhalten, die Fran nicht. Und warum ist dann der unverheiratete Lehrer besser gestellt «Ij die unverheiratete Lehrerin? Hat er Verwandt, zu unterstützen, so hat sie es in zahlreiche« Fällen nicht minder. Wenn das der ganz, Grund ist, warum sind dann auch Witwen, di, durch ihrer Hände Arbeit mühsam ihre Kindet erhalten mtiffen, den Männern gegenüber benachteiligt? Alle Leisiungen sollen entsprechend bezahlt werden. Der eingearbeitete gelernte Arbeiter muß und soll natürlich einen höhere« Lohn erhalten als die ungelernte, ungeübte Arbeiterin. Wo aber die weibliche Arbeitskraft voll nnd ganz der männlichen ebenbürtig zur Seite steht, da darf mit Fug und Recht di, Forderung gestellt werden: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Tie Frauen felbst haben es in der Hand, hier Abhilfe zu schaffen und jebt einzelne sollte sich an diesem großen Werk beteiligen. M. Trott. ■
Weibliche Spione.
Juliette Tod» und Genossinue».
Kaum ist die Kricgsfurie entfesselt, so mehren sich auch die Meldungen über Verhaftung von Spionen, die unser Vaterland durch den Verrat militärischer Geheimnisse an ihre Behörden schwächen wollen. Ware» es bisher iu den letzten Tagen auch nur Männer, die mau glücklicherweise immer noch rechtMlig ergriff, so sind doch auch Frauen nicht selten die willige» Werkzeuge gewesen, wenn es galt, dem Feinde des eigenen Vaterlandes durch Spionage zu schaden. So hat man erst kürzlich in Siebtes, im Departement Seine-et-Oise in Frankreich der Juliette Dodu ein Denkmal gesetzt, das von der Herzogin d'Uzes angefertigt ist und für dessen Errichtung sich ein Komitee gebildet hatte. Juliette Dodu war eine Telegraphistin in Pithiviers, die 1870 die deutschen Depeschen auffina. Sie war mit den Leitungen vertraut und fing nachts die Depeschen auf, die die Deutschen von Pithiviers absandteit.
Siebzehn Nächte hindurch hat das zweiund- zwanzigjährige Mädchen Abscftristeu von Berichten und Antworten gemacht. Der Telegraphendraht ging dicht an ihren Fenstern vorbei und es wurde ihr leicht, die Leitung aufzufan- gen. So verriet sie de» ganzen Gedankenaustausch des Feindes in und um Pithiviers, das von Deutschen besetzt war. Am fünften Januar 1871 wurde sie durch ihr Dienstmädchen verraten. Sofort gefangen genommen, verurteilte sie der deutsche Befehlshaber von Pithiviers 3um Tode. Sie sollte erschossen werden. Dock Prinz Friedrich Karl, der sich im Hauptquartier vou Orleans befand, ließ sie als Gefangene nach Deutschland führen. Nach Frankreich zu.ückge- kehrt, ist sie in Siebtes gestorben. Eine andere, überaus verwegene Spionin war die iunafl blendend schöne Russin Rose Petrov ! tscft, die im russisch-japanischen Kriege ihrem Vater- lande in dessen direktem Auftrag auf dem Wk-^ ae der Spionage wertvolle Dienste zu leiste» hoffte.
Zum Glück wurde ihr verderblicher Ginflui auf einen jungen strebsamen Offizier einem Freunde desselben noch klar, bevor sie ihre Absicht erreichte. Nach dessen Mitteilung an de» Vorgesetzten waren kurz darauf beide, der Of-