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sind in massiven Bruchsteinmauern, die meisten aber in Holzfach­werk aufgeführt, welches bei einzelnen mit hübschen Verzierungen versehen ist. Mehrere Häuser auf der linken Straßenseite haben Vorlauben" oder Vorhallen, unter denen der Fremde bei heftigem Regen Schutz finden sann. Ich muß gestehen, dieses Straßen- bild so einfach und natürlich, und doch wieder so abwechslungs­reich und kunstvoll, gefiel mir außerordentlich.

Schon wollten wir rechts durch das große Einfahrtstor schreiten, um in das Kloster zu gelangen, als unser Führer mit den Worten uns zurückhielt:Das ist ja der neue Schleiffras'sche Hof, wie Sie oben an dem Doppelwappen*) sehen; das Kloster liegt etwas weiter. Hier links, durch das Zwerchgäßchen." Zum Danke reichen wir dem biedern Gänsehirten, der uns ein so vorzüglicher Führer gewesen, die Hand und wünschen hm, daß er sich noch recht lange seiner städtischen Pension erfreuen möge.

Wir ziehen an dem großen hölzernen Kreuz der Schellen- pforte. Bald öffnete sich die Türe und ein alter Franziskaner­bruder in weißem Haar, mit klugen, treuen Augen, heißt uns eintreten.Wir sind zwei reisenve Studenten aus dem Rhein- lande und bitten, uns beim P. Guardian anzumelden." Der Bruder führt uns in ein helles, freundliches Zimmer, ganz schmucklos, aber einladend durch seine Ordnung und Sauberkeit. Es erscheint der P. Guardian, dem wir ein Empfehlungsschreiben überreichen, und der uns als Landsleute herzlich willkommen heißt. Er heiße P. Gratian Dirix, stamme von Lüttich, aber sei im Rheinland, namentlich in Köln, wohlbekannt.Sie sind natürlich unsere Gäste bei Pfarrern und in Klöstern haben Studenten Freiguartier und da es gleich Mittag ist, bitte ich, mit in das Refeetorium zu gehen". Punkt 12 Uhr läutet die Hausglocke, und schweigend treten die braunen Mönche in den kleinen Saal. Man stellt sich in zwei Reihen vor den Tischen auf. Einer der Patres betet das Tischgebet vor, die übrigen antworten, und nachdem der Guardian den Tischsegen gesprochen: Am himmlichen Gastmahle möge uns teilnehmen lassen der König der ewigen Herrlichkeit," nehmen alle geräuschlos ihren Platz ein auf den Bänken hinter den beiden Tischreihen. Der P. Guardian hatte seinen Platz am oberen Tische unter dem großen Kreuze. Zu feiner Rechten und Linken war für uns, die beiden Gäste, gedeckt. Auf einer kleinen Kanzel mit Lesepult fingt ein junger Mönch siebend zuerst einen lateinischen Vers aus der H. Schrift; hiernach gibt der Obere ein Zeichen, worauf alle ihre Serviette auSbreiten, die zugleich als Tischtuch und Serviette für den Einzelnen dient. Ein hölzerner Teller, ein solcher von Steingut nebst Besteck bilden das Tischgerät. Während der TisMeser in deutscher Uebersetzung mit der H. Schrift fortfährt, die Lesung handelt von den Seligkeitspreisungen nach Mattb. V. trägt ein Laienbruder die Suppenschüsseln auf; zuerst dem Oberen, hiernach den Gästen, dann den klebrigen. Der Leser ist mit dem Abschnitt aus der Biblia sacra fertig, worauf er fortfährt: Es folgt die Fortsetzung aus der Ordensregel unseres H. Stifters Franziskus, Kap. VI.: Die Brüder sollen sich nichts aneignen weder Haus noch Platz noch irgend eine Sache, sondern wie Pilger und Fremdlinge in dieser Welt leben, in Armut und Demut dem Herrn dienen und sollen vertrauensvoll um Almosen bitten. Sie sollen sich dessen nicht schämen, weil auch der Herr sich für uns in dieser Welt arm gemacht hat. Dies ist der Gipfel der höchsten Armut, welche euch, meine geliebten Brüder, zu Erben und Königen des Hmimelreiches eingesetzt, an irdischen Dingen arm gemacht, aber an Tugenden erhöht hat. Der Armut o allergeliebteste Brüder, wollet doch gänzlich anhangen, indem ihr nichts anderes im Namen unseres Herrn Jesu Christi unter dem Himmel zu besitzen begehrt." Wiederum gibt der Guardian ein Zeichen und erteilt seinen beiden Gästen zu Ehren die Erlaubnis zur Unterhaltung; sonst wird nämlich während der ganzen Mahl­zeit vorgelesen. Bald entwickelt sich ein lebhaftes, munteres, jedoch nicht zu lautes Tischgespräch. Der Guardian aber, der bereits seit zwanzig Jahren auch Pastor von Salmünster ist, erzählt uns u. a., wie die Franziskaner hierher gekommen seien. In der Barbarossastadt Gelnhausen habe schon vor 1248 ein Kloster ihres Ordens bestanden und zwar bis zum Jahre 1542, Als dann während des 30jährigen Krieges eine Besatzung Kaiserlicher Truppen in die alte Reichsstadt gelegt worden, bei denen zwei Franziskaner als Feldgeistliche die Seelsorge versahen, habe der Kommandant Julius von Burggraf diesen das ehemalige Kloster

*) von Schleiffras und von Bicken 1707.

am Obermarkte wieder eingeräumt. Im Jahre 1649 mußten sie jedoch infolge einer Bestimmung des westfälischen Friedens dasselbe wieder aufgeben. Die Patres fanden zwar bei der kath. Familie von Forstmeister in der Burg zu Gelnhausen bis zum Jahre 1650 Aufnahme, sodann aber verließen sie die Stadt, um nach Fürsprache des Fürstabtes von Fulda, Joachim von Gra- Venegg, beim Kurfürsten von Mainz sich in Salmünster anzu- siedeln. Wegen Mangel an Geistlichen in der damaligen Zeit wurde ihnen einige Jahre später die Seelsorge der ausgedehnten Pfarrei übertragen, zu welcher außer Salmünster, Ahl, Soden mit Salz, Wahlert, Romsthal, Eckardroth, Willenroth, Kerbersdorf, Marborn, Hausen nni^ Alsberg gehörten. Seil 1650 sind also die Franziskaner in «almünster. Während der Mahlzeit kam ein Mönch zu spät. Er kniete vor dem Kreuze nieder und ver­richtete ein Gebet, wonach er den Boden küßte und beim Obern sein Zuspätkommen entschuldigte.Das ist ja ein vorzügliches Mittel," bemerkte mein Freund;das schreibe ich meiner Mutter nach Haus, sie möge diese Franziskanersitte auch einführen, dann würden gewiß alle Pünktlich und rechtzeitig bei Tisch erscheinen." Inzwischen hatte der Guardian ein Zeichen gegeben, daß die Mahlzeit beendet sei, und es wurde, was mir merkwürdig erschien, auch sogleich abgeräumt. Die Anwesenden falteten ihre Ser­vietten und legten sie nebst Teller und Besteck an den Vorder- rand der Tische. Dann traten mehrere Laienbrüder vor, um das Tischgerät wegzunehmen und die Brosamen zu sammeln, sodaß mit einem Male in des Wortes buchstäblicher Bedeutung tabula rafa gemacht war. Unter Stillschweigen erhoben sich alle, ver­richteten abwechselnd das Dankgebet, welches in der Kirche be­endigt mürbe

Am Nachmittage bot der P. Guardian sich an, uns die Sehenswürdigkeiten Salmünsters zu zeigen: Kirche nnd Schule, Rathaus, den alten Huttenhof, Hexenturm usw., allein wir mußten ihm für sein freundliches Anerbieten danken, weil wir heute bereit so vieles gesehen und so mannigfaltige Eindrücke gewonnen hatten. Vielleicht besuchen wir das Städtchen noch einmal. Nachdem wir ihm für die erwiesene Gastfreundschaft herzlichst gedankt, traten wir unsere Weiterreise über Mernes, Marjoß in's Sinntal nach Würzburg an. Im herrlichen Häuserwald aber erschallte bald aus froher Burscheubrust das Lied:

Wohlauf, die Luft geht frisch und rein

Was lange sitzt, muß rosten,

Den allersonnigsten Sonnenschein

Läßt uns der Himmel kosten;

Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid

Des fahrenden Scholaren,

Ich will zur schönen Sommerzeit In's Land der Franken fahren.

Valleri, Vallera in's Land der Franken fahren."

P. Pastor Fuchs, Salmünster.

Was ein Häkchen werden will ... .

Beim Musikantenhenner in Nebelzell haben die Mäuse zum nächsten Ersten das Quartier gekündigt, und Karo, des Hauses wackerer Hüter, sitzt auf der Haustreppe, reckt den Hals, wie Tante Matchen, wenn sie am Klavier singt und die höchsten Töne gerade noch am Rockzipfel erwischt, und heult so herzbrechend, daß alle Hunde im Schallbereich, ergriffen vom tiefsten Mitgefühl, einstimmen. Daß alles aber hat seinen Grund darin, daß Hannes, Henners einziges Söhnlein, in Abwesenheit des Alten auf dessen Trompete die ersten Uebungen vornimmt. Der Junge ist ganz versessen auf alles, wasMusik" macht, wenn auch einstweilen seine Bemühungen, ein Meister zu werden, nur den Erfolg haben, daß milde, nachsichtige Hörer entweichen, mit Busch empfindend, daßMusik ist mit Geräusch verbunden". Daß er nur nochüben" darf, wenn der Vater weg ist, ist auch bitter; doch was ist zu machen? Als er neulichnur" schlief, zeitigte das