Mitteilungen des Heimatbundes, Verein für Heimatkunde n. Heimatpflege im Kreise Ichlüchtern.
Nr. 9. Achtüchtern Zannar 1910.
Blond der Haare, Blau der Augen Macht den Deutschen, wie es heißt; Besser zu Wahrzeichen taugen: Deutscher Herz und deutscher Geist. (Scherr).
Schlächtern zur Zeit der französischen Fremdherrschaft.
(1806 -1813.)
Von Pfarrer E. Freund in Ramholz. (Fortsetzung.)
Weil aber der Plan noch nicht zur Reife gekommen und meine mir anvertraute Bürgerschaft immer weiter an demselben Joch, welches bei der neuen Mi^är- organisation immer drückender wird, ziehen muß, so fordert mich meine Pflicht auf, Ew. Hochwohlgeboren als dem das Wohl des ganzen Departements Hanau in höchsten Gnaden anvertraut ist, davon in Kenntnis zu setzen und ganz untertänig zu bitten, die leidende Menschheit unsrer Stadt auf irgend eine Weise zu unterstützen. Kein Handel, kein volles Handwerk, kein hinreichender Feldbau, kein Gegenstand kann den Bürger befriedigen, sein gehöriges Auskommen zu erreichen. Richtet man das Auge auf, so sieht man tagtäglich das Städtchen mit Exemptanten und Einquartierung angefüllt. Oefters geht der Exemptant mit Bogen voller Testanten in der Hand und der Soldat zur Einquartierung zusammen in die bürgerliche Hütte.
Der Exemptant fordert 12 Kr. Exemptionsgebühren und der Soldat sogleich Essen und Trinken und, Gott weiß es! der Kreuzer ist nicht im Hause. Soll dann ein Städtchen, dem man keine Trägheit, sondern wahre Arbeitsamkeit beimessen kann, das Opfer allein für viele andere sein, und allein sein bißchen Leben in Gram und Herzeleid verzollen? Ich weiß gewiß, wenn Ew. Hochwohlgeboren, unserem innigst geliebten und hochgeschätzten Herrn Präfekten, das widrige Geschick schon vorher bekannt gewesen wäre, so würden wir unsere Bürde nicht mehr so schwer tragen müssen. Dank, ewigen Dank wird der Unterdrückte seinem Erretter mit Frohsinn zuweisen und ihm eine Zähre am Grabe weihen. Diese Ernte wünscht aus reinem Herzen Ew. Hochwohlgeboren gehorsamster Diener der Maire Lotich zu Schlüchtern".
Ob der Maire eine Antwort bekommen hat, weiß ich nicht. Aber das steht fest, daß der Großherzog 1811 den humanen Gedanken faßte, die gesamten Kriegslasten als eine gemeinsame Beschwerde des Groß- Herzogtums anzuerkennen und demgemäß die belasteten Gegenden an der großen Heeresstraße durch das Geld der anderen Untertanen einigermaßen zu entschädigen.
Der Grundsatz, daß der Staat als solcher für die