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wissen. Sie hätten jeder 13 spanische Thaler und 6 kleine Silberstttcker bekommen und daraus wollte er leben und sterben. Er habe aber, das wisse der All- mächtig.e Gott, mehr nicht noch davon als 1 S.pezies- thaler und 6 R. an Batzen, weßen er das übrige schon ausgegeben hätte. Er sei wie bekannt ein armer Mann 5 R. habe er denen aufhebern, welche das Römergeld hebten, dem Glaser 3 R., dem Schreiner 1 Thlr., dem Herrn Pfarrer Richter 1 Speziesthaler, sodann vor Frucht und andere ins Haus nötige Sachen gegeben Soll das noch in Händen habende Geld bei Amt deponieren."
Nunmehr werden die übrigen vernommen, die dabei gewesen sind. Dieselben machen. ähnliche Angaben über den Vorgang.
Einige Wochen später richten die „Untertänigsten Landeskinder" Baltzer Horn jetzo zu Sterbsritz und Margaretha Köchin zu Mottgers ein Geiuch an den Landesherrn - den Grafen zu Hanau. Darin berichten sie, daß ihr Großimter mütterlicherseits, Niklas Rüster, ein wohlhabender Bürger in Schlüchtern gewesen sei, den Aeltesten wohlbekannt. Derselbe habe im 30jährigen Kriege Geld vergraben. Dann sei er und seine Frau rasch nacheinander am Typhus gestorben und habe
, niemünd sagen können, wohin er das Geld vergraben habe. Zu Amtmann drPallis Zeiten sei schon einmal Geld hinter dem Hause ant Graben gefunden worden, davon hätten sie auch ihren Anteil bekommen, darum bitten sie, daß ihnen jetzt auch dieses Geld ausgehän- digt werde. Die Bittsteller erhalten den Bescheid, nachzuweisen, daß sie wirklich Erben des Nicklas Rüster seien und daß Rüster an der fraglichen Stelle gewohnt habe. Daraus hin reichen sie einen schön ausgearbeiteten Stammbaum ein, den Herr Pfarrer Richter ausgestellt hatte, weisen auch nach, daß ihr Großvater in dem Hause nahe an der Fundstelle gewohnt habe, bezeichnen ihn nochmals als einen wohlhabenden Mann, der Vermögen geerbt, aber auch einen fleißigen Handel gestiftet mit Leinen- und Beiderwand, die er selbst verfertigt und womit er fast alle Märkte in Orb, Gelnhausen und Aschaffenburg besucht, er habe aber kein Vermögen hinterlassen. Darum sei es doch anzu- nehmen, daß er fein Geld vergraben habe und daß das gefundene Geld ihnen zustehe. Aber auch diese Bittschrift mit ihren Anlagen hatte nicht den erwünschten Erfolg. Nach einigen Wochen lassen sie sich wohl von einem "Rechtsgelehrten eine neue Eingabe machen, die sehr sorgfältig ausgearbeitet und mit vielen lateinischen Sätzen begründet war.
Auch diese uwhlbegründete Eingabe führt nicht zum Ziel. Aus den vorhandenen Akten ist nicht ersichtlich, was aus dem Geld geworden ist. Studiosus Boländer, bei-bei der Auffindung zugegen war, machte auch ein Bittgesuch an den Grafen zu Hanau, er sei ein armer Student und bitte um eine lintersttttzung aus dem gefundenen Schatz. Er werde dasselbe zur Ehre Gottes und zur Erbauung seines Weiches verwenden. Auch dieses Gesuch scheint vergeblich gewesen zu sein.
Ob Herr Boländer doch seine Studien fortgesetzt und nachher ein wohlverordneter Pfarrer in der oberen Grafschaft geworden ist, darüber kann vielleicht ein
Leser d Bl. Auskunft geben. Auch darüber wäre eine Auskunft erwünscht, was das „Römergeld" zu bedeuten hat, zu dem Velten Bauer 5 R. beisteuern mußte.
Hin Hüsuch in HslmünstM im Jahre 1710.
Goethe hat in seinem bedeutendsten Werke, dem Faust, vom menschlichen Leben den bekannten Ausspruch getan: „Greift nur hinein in’S volle Menschenleben — Und wo ihr'S packt, da ist es interessant". Dieses, unsern Dichterfürsten ebenso bezeichnende als wahre Wort laßt sich auch anwenden auf jene Stätte, die mit dem Menschenleben so enge verwachsen ist, aus die Heimat. „Greift nur hinein", betrachtet nur eure Heimat, sie mag im Tale oder aus dem Berge oder in der Ebene liegen, tut nur eure Augen auf und vor allem euer Herz, richtet euren Blick zurück in die Vergangenheit, „und wo ihr'S packt, da ist es interessant" und, fügen wir gleich hinzu, je mehr ihr schaut, je besser ihr sie kennen lernt, um so teurer web euch die Heimat werden.
Hierfür möchte ich Mnen, verehrte Anwesende, bei der heutigen so stattlichen Generalversammlung unseres Heimatbundes einen Beweis liefern durch die Beschreibung eines an sich unbedeutenden Ortes im südlichen Teile des Kreises Schlüchtern, von Salmünster in der Vergangenheit. Um Ihnen jedoch den geschichtlichen Stoff anschaulicher und ansprechender zu gestalten, erlaube ich mir, denselben in die Form eines persönlichen Besuches in Salmünster im Jahre 1710 zu kleiden.
Zweihundert Jahre ist's schon her. Damals rasselten noch keine Eiseubahuzüge durch das friedliche Kinzigtal, auch wirbelten auf der alten Völkexstraße, welche Main- und Weserländer mit einander verbindet, noch keine Autos menschenärgernde Staub- wolken auf, wohl aber „ließ der Postillon seine Geißel knallen, über Berg und Tal davon frisch sein Horn erschallen", wenn er von Hanau über Salmünster, Steinau und Schlüchtern nach Fulda fuhr.
Anno dazumal zog auch ich mit meinem Freunde Fidelio von Hanau her auf dieser Straße, damals, als wir als fahrende Scholaren auf unserer Wanderschaft zur Alma malet nach Würz. bürg einen Abstecher nach Salmünster machten. *
Es war ein prachtvoller Sommermorgen. Rechts von uns auf sanft ansteigendem Hügelgenände wogende Kornfelder, hier und dort mit Streifen von gelbblühendem Raps durchzogen, links das weite Tal mit saftiggrünein und buntgeblümtem Wiesenteppich, durch den sich in den mannigfachsten Windungen die Kinzig schlangelt, das Ganze zu beiden Seiten umsäumt von den Ausläufern des Spessart und des Bogelsberges mit ihren frischbelaubten Wäldern.
Wir mochten etwa eine halbe Stunde von unserem Reiseziel entfernt sein, da trafen wir mit einem freundlichen, alten Manne zusammen Er redet uns an und stellt sich vor als der siebzigjährige pensionierte Gäusehirr von Salmünster; die Leute nennten ihn nur den „alten Schottes", weil er so viel von vergangenen Zeiten erzählen könne, Der Schottes also ward unser Begleiter und trefflicher Führer.
„Schauen Sie, meine Herren Studenten", sprach er, „meinen Geburtsort „Münster", wie er balicgt nie in einem reichen Obstgarten. Das Kinzigtal ist ja geschützt und warm und eignet sich vorzüglich für den Obstbau. Alle Leute haben darum ihren Baum- garten und befolgen die weise Lehre: „Pflanz' einen Banm; an seinen Früchten werden sich noch deine Enkel laben".
In der Nähe des vierhundert Jahre alten Städtchens*), aus der rechten Seite, sehen Sie in dem schmalen Waldune, das durch „die" Klingbach gebildet wird, den Weiler Hausen liegen. Dort int Schlosse wohnt der Kurmainzische Oberamtmann Georg Anton Freiherr von Riedt, unsere Obrigkeit. Auf der anderen Seite, am Ausgange des breiteren Tales der Salz, erblicken Sie auf der Anhöhe, dem Stolzenberg, eine huttensche Burgruine, das Stammschloß der von Hurten zum Stoltzenberg, und am Fuße desselben das Städtchen Soden ebenfalls mit einem Huttenschloß. Der dort wohnende Johann Philipp von Hütten und Anton Wilhelm in Salmünster bilden unsere andere Obrigkeit."
Aber, unterbrach ich unsern Führer, gehört denn Salmünster nicht zur Herrschaft des Fürstabtes von Fulda ? „Früher allerdings,"
*) Kaiser Ludwig erhob 1320 „Salchenmunster" zur Stadt.