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beraubte der Ritter die Bevölkerung der umliegenden Dörfer, seine Raubzüge erstreckten sich vielmehr meilenweit in’S Sinn- und Kinzigtal. Von dem in die Burg geschleppten Gute gab allerdings die Tochter so viel wie möglich au die Beraubten zurück. Dieserhalb und wegen ihrer Frömmigkeit war sie daher in der dortigen Gegend hochverehrt. Als aber ihr Vater trotz ihrer Ermahnungen von seinem wilden Treiben nicht abließ, war sie eines Tags verschwunden und wurde nicht wieder gesehen. Von diesem Augenblick an verfiel das Schloß und versank schließlich in den Berg, wo die Trümmer noch heute zu finden sind. Alle sieben Jahre in einer bestimmten Nacht erscheint das Burgfräulein auf dem kleinen Nickuskopf, erweckt all die Versunkenen, um mit ihnen eine kurze Zeit zusammen zu sein. Ihr Vater aber kann nicht kommen, da er dazu verdammt ist, allnächtlich auf schnaubendem Rosse die Orte seiner Freveltaten abzureiten. Das Burgfräulein verläßt sodann, nachdem es die Getreuen wiedergesehen hat, den Berg, nimmt ein Bad in der Emersbach und wirst einen Mantel über sich, unter dem es alsdann verschwindet, um erst nach sieben Jahren wieder zurück- zukehren. Der Mantel soll schon häufig, wie Spinn- webe so zart und vom Tau betropft, an den Ufern der Emersbach gefunden worden sein. Als ich einst an einem Sommermorgen früh in Begleitung eines älteren Forstbedienstcten die reich mit Spinnweben überzogenen und von Tautropfen übersäten Grasflächen des Nickus durchschritt, so wie diese der Jagdmale' Kröner, wenn ich nicht irre, der Bruder des hiesigen Dekans Kröner, unübertroffen und kunstvoll auf seinen Bildern wiederzugeben wußte, sagte mein Begleiter, daß heute Nacht wohl das Fräulein wieder dagewesen sei. Aus meine Frage, was dies zu bedeuten habe, wußte er keine ausreichende Antwort zu geben, doch sagte ich mir später, daß diese Redensart wohl mit jener Rickussage in Verbindung gestanden haben könne.
Der Forstort Tiegel, an demselben Höhenzug, doch mehr vom Nickus entfernt gelegen, hat seinen Namen erhalten von einem dort lagernden mächtigen Stein. Von diesem Stein wird folgende Sage erzählt. An einem kleinen Büchlein, welches den Wald durchstießt, habe eine Mühle gestanden, in der eine jähzornige und geizige Müllerin gewohnt habe. Als dieselbe nun eines Tages damit beschäftigt gewesen sei, in einem großen, eisernen Tiegel das Essen zu bereiten, sei ein hungriger Wanderer an sie herangetreten und habe sie um etwas Essen gebeten. Einmal abgewiesen, habe er aber seine Bitten wieder erneuert, bis endlich das geizige Weib in Zorn geraten sei und mit dem eisernen Tiegel den Wanderer erschlagen habe. Alsbald sei die Mühle verschwunden, das Weib aber in jenen Stein verwandelt worden, der dort liegt und welcher noch eine große Aehnlichkeit mit einem Tiegel haben soll. fForts. folgt.]
Dreschmusik.
Als ich heute durch die Straßen ging, Grüßt' mich eine traute Melodie, Die mir schmeichelnd gleich das Ohr umfing. Dreschmusik! Was lieb’ ich so wie sie?
Liebe Bilder sührt' sie mir herauf: ■ Weit geöffnet steht der Scheune Tor, Drinnen klopst's im Takte ab und aus, Und ich Dirnlein lausch' mit Aug' und Ohr.
Hei, wie schnell der Flegel fliegt und schwingt !
Keiner kommt aus seinem Sechsertakt,
Wie das Holz auf harter Tenne klingt, Das des Dreschers Faust so kraftvoll packt! —
Und dann seh' ich mich zur Winternacht, Weich und warm in meinem Winternest, Draußen knirscht und pfeift der Schnee und kracht, Als mich Dreschmusik erwachen läßt.
Und ich schmiege mich in Mutters Arm, Hör' d>'M "Klippllappschlagen schläfrig zu; Draußen kalt — und ich lieg wohligwarm, Drescherschlag singt wieder mich zur Ruh!
Dreschmusik, wie du klingt keine rein, - Klipp und klapp, du kommst nicht aus dem Takt. Könnt' ich gleich der vollen Garbe sein, Wenn des Lebens Drescherfaust mich packt!
Helene Brebm.
Mi^ DusHichtLu.
7. Das Geld im Wasserkrüglein.
„Extrakt AmtS-Pruokötl
actam Steinau, dru 28. August 17 >7.
Nachdem man in Erfarung bracht, daß bei der Ausbesserung des .gemeinen Stadtpftasters in Schlüch- tern etwas Geld zwischen der Bach am Untertor und einen guten Schritt von Kaspar Kolben Haustreppe wäre gefunden worden. Als feind die Pflasterer und diejenigen Leute, welche dabei gewesen benamentlich Velten Bauer, Hauß Henrich Klöber, Konrad Hach, sodann Herr Georg Boländer theolog. sind, und Hauß Kaspar Kolb vor Amt zitiert und scharf des langen befragt worden da dann Velten Bauer Folgendes aussagte:
Sie hätten vor einigen Wochen im Steinaufbrechen Einen starken Schritt von Kaspar Kolben Haustreppe auf der gemeinen Straßen unter dem alten Pflaster' in der Erden ein klein steinern Wasserkrüglein mit altem Geld gefunden. Wie nun dieses Krüglein zum Vorschein kommen wäre, so sei gleich einer über den anderen zugefallen und zugegriffen. Wie nun aber über diesem Lermen Herr Asmus Boländer, sein Bruder Balthaser Boländer, Philipps Boländer, Kaspar Kolb seine Frau und sein Sohn Christian Kolb auch noch dazu gelaufen wären, als sie fünfe es schon weggebracht Hütten, so wären Sie als Er Velten Bauer, Konrad Hc^h, Herr Georg Boländer, Hauß Henrich Klöber und Hanß Kaspar Kolb Eins worden, Es mit einander ordentlich zu teilen, die benannten zugelaufenen Leute aber hätten ein Geschrei davon gemacht und auch von der Beute haben wollen. Als wir sich ihrer nicht ent- wehren können, so hätten sie ihnen auch Geld zuwerfen müssen, wieviel sie aber kriegt, könne er ohnmöglich