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hing zur Andacht durch Absingen-des schönen Gellert'schen Siebes: „Du b:st's, dem Dank und Ruhm gebührt". Hierauf hielt der zweite Prediger, Herr Osius, eine herzergreifende Rede, welche mit einem Gebet schloß, wobei alles die Knie vor dem allmächtigen, unbegreist lichen Gott beugte Dies war ein solch feierlicher Augenblick, der jedem unvergeßlich bleiben wird. Jetzt erhob sich alles und die Schuljugend sang das bekannte von Buri gedichtete Lied: „Heil dir, o Völkerschlacht, die Deutschland frei gemacht" Nun schloß der Kreis sich auf und stellte sich in Linie. Auf ein gegebenes Zeichen wurde der Holzstoß von mehreren Seiten zugleich angezündet. In einer Minute wogte die heilige Flamme in ungeheurem Bogen zum sternenbesäten Himmel. Unter beständigen Gewehrsalven, Jubelgeschrei und Läuten aller Glocken in der Stadt brannte der Holzstoß bis in die späte Nacht hinein. Es war ein majestätischer Anblick. Kaum brannte unser heiliges Feuer, so glänzten von nahen und fernen Bergesgipfeln die leuchtenden Flammen unserer deutschen Brüder. Nachdem der Holzstoß beinahe verbrannt war, zog der Landsturm in der nämlichen Ordnung, wie er ausgezogen war, wieder in die Stadt zurück und ging auseinander. Ein kleiner Ball, wobei deutscher Frohsinn herrschte, beschloß das Fest.
Mit diesem Bericht über die Siegesfeier am 18. Oktober will ich meinen Bericht über Schlüchtern in der Franzosenzeit abschließen Nur eine Frage sei noch kurz beantwortet. Hat die Franzosenzeit unserer Heimat nur Wunden geschlagen, hat sie nicht auch mancherlei Gutes mit sich gebracht? Patriotischer Sinn darf uns nicht ungerecht machen. Die Franzosenzeit hat auch Gutes im Gefolge gehabt. Ich denke an manche bürgerliche Freiheiten, die aber später, als nach den Freiheitskriegen die Reaktion einsetzte, leider wieder verloren gegangen sind Ich denke an das Madrider Edikr vom 12. Dezember 1808, durch welches Napoleon in den okkupierten Ländern namentlich der ländlichen Bevölkerung insofern eine große Erleichterung verschaffte, als die oft so lästigen Fronen aufgehoben wurden (mit Ausnahme der Fronen im Interesse der Landeswohlfahrt, der Gemeinde und Kirche), und die grundherrlichen Rechte wie Zehnten etc. zu geringen Sätzen für ablösbar erklärt wurden. Aber das waren doch nur schwache Lichtpunkte in einem massigen Dunkel. Es läge nahe, einen Vergleich zu ziehen zwischen einst und jetzt, dem Schlüchtern vor 100 Jahren und heute. Ich verzichte darauf. Lasset uns der Vergangenheit gedenken, dann werden wir die Güter der Gegenwart schätzen lernen.
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' Hessenstädte, Euch vor allen —
Meinem Herzen liebvertraut — Grüße ich mit Wohlgefallen, Die in Ehren Ihr ergraut!
0 Die beiden Gedichte in dieser Nr. sind dein prächtigen Büchlein „Von heimischer Scholle" von Helene Brehin entnommen. Wir empfehlen das bei F. Scheel in Kassel erschienene Werkchen aufs beste!
Selbstbewußt schau'n Eure Türme, Friedvoll nun, ins Chattenland,
Stolz auf abgeschlagne Stürme, Ungebroch'nen Widerstand.
Eure Kirchen feh'n vom Hügel
Hütend auf der Dächer Rot
Wie die Henne, deren Flügel
Ihren Küchlein Zuflucht bot.
Eure winkeligen Gassen,
Eures Pflasters Blaugestein,
Eure schiefen Giebel lassen
Traulichkeit hier heimisch sein
Kuhbespannte Ackerwagen
Rasseln laut zum Tor hinaus,
Und an Sonntagnachmittagen
Sitzt man schwatzend vor dem Haus. —
So von Poesie umsponnen
Ich manch' Hessenstädtchen fand,
Frisch wie klarer Waldesbronnen, Eh' er fließt durch staub'ges Land.
Heimatsstädtebild, ich halte Dich mit warmem Herzen fest, Und ich bete^ „Gott erhalte
Jedes traute Hessennest:"
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5 Die Cholera in Schlüchtern
Als noch der breitspurige Frachtwagen die Frankfurt-Leipziger Straße belebte und alles Frachtgut der beiden großen Handelsplätze nur dem Fuhrmann anvertraut werden konnte, herrschte in Schlüchtern ein überaus starker Verkehr. Die hohen, schwerbeladenen Frachtwagen standen häufig die ganze Obergaffe entlang. — Der „rote Löwe", der „Engel", der — nicht das — „Roß" waren die Wirtshäuser — Hotels gab es damals nicht — wo die Fuhrleute einstellten. Auch der Postverkehr war dem entsprechend. Der Postmeister, hielt dazumal — wir sprechen von dem Jache 1842 — 96 Wagenpferde mit 24 fahrenden Postillonen. Der „Reither Stich" und der Distelrasen, die ohne Vorspann nicht passiert werden konnten, warfen viel Geld ab. Wer es nur irgendwie machen konnte, hielt des Vorspannes halber ein, auch zwei Pferde. Bis zum neuen Wirtshaus wurde für ein Pferd 36 Kreuzer und und 3 Kreuzer Reitgcld, für zwei Pferde das Doppelte gezahlt Dieses Vorspann.vesen war seit altersgrauer Zeit geordnet; auch war ein „Heißer" dafür bestellt, der die Pferdebesitzer der Reihe nach einrief. Der letzte war der alte Jost, das Jöstche. Zu Anfang der vierziger Jahre wollten sich die Wirte dieser Ordnung nicht mehr fügen; sie beanspruchten ein Vorrecht. Dies war die Ursache eines langen Prozesses, der alle Instanzen der kurhessischen J.istiz durchlief und mit der Niederlage der Wirte endete. 1842, zwischen den Jahren, zu einer Zeit, als die Wogen des Streites hoch gingen, wurden dem Lepsche - Philipp Leipold zum „roten Löwen" — eine Anzahl Obstbäume in der Hohwiese umgehauen. Es war eine arge Freveltat, die man wohl nicht ohne Recht mit dem Vorspann- prozeß in Verbindung brächte. Die Täter waren unbekannt, aber man steckte nach Neujahr eine Anzahl Bursche Herren gab es in den Bürgerfamilien noch nicht — aus den besten Familien als verdächtig ins Loch. Das war am 4. Januar anno 1843, zwei Tage vor „Heilige 3 König." Das Zunftwesen stand noch in voller Blüte. Die vornehmsten Zünfte in Schlüchtern waren die Bäcker und die Metzger, die beide ihre Herberge