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20. vier Klafter Holz 32 Gl.

21. eine Strohbank mit Messer 10 Gl-

22. zwölf Stück eichene Dielen 15 Schuh lang und 20 Stück tannene Dielen 22 Gl.

23. verschiedene eiserne Ketten 16 ®(."

Während Kosaken und Franzosen ihn beraubten, saß der Bürgermeister auf dem Rathaus, das er in jenen Schreckenstagen weder Tag noch Nacht verlassen hat, da sein Adjunkt Lampert, der später sein Nachfol­ger im Bürgermeisteramt war, an Typhus erkrankt war, und die ganze Arbeit allein auf seinen Schultern lag gewiß ein Beispiel seltener Pflichttreue. Aus dem Verluste eines einzelnen können wir bemessen, wie die Bewohner Schlüchterns in jenen Tagen gelitten haben. Hatten schon die vorhergehenden Jahre den Wohlstand vieler Familien ruiniert, die Retirade brächte vollends manchen au den Bettelstab.

Viele Schlüchteruer hatten sich in die Wälder und in abseits der Heeresstraße gelegene Dörfer geflüchtet. W as für Augen mögen sie gemacht haben, als sie zu- rückkehrten und den Greuel der Verwüstung in ihrer Behausung sahen. Nicht alle trafen's so gut wie jener Bauer Kaufmann von Niederzell. Er war mit seiner Frau auf den Willingshof geflüchtet. Dort starb seine Frau und liegt auch dort begraben. Als er wieder heim kam, stand sein Haus hinten und vorn offen, und drinnen lag alles drunter und drüber. Beim Betreten der Oberstube stolperte er über einen alten Weiberrock, zugleich fühlte er unter seinen Füßen etwas Hartes. Er hob den Rock auf, und da fand er 1<^0 blanke Taler drin. Seine Frau hatte sie in früheren Jah­ren für Obst gelöst und ihren Schatz in einen alten Rock eingenäht. Wo mag man damals überall das Geld und die wertvollsten Hausgeräte verborgen und vergraben haben! Der Stadtrentmeister Kaspar Pauli schleppte seine Taler nach Vollmerz zum Lehrer Kirst, und der verbarg sie in eine Baßpfeife der Ramholzer Kirchenorgel.

Zu dem Verlust an Hab und Gut kam bei vielen Familien noch schweres Herzeleid. Die retirierenden Franzosen brachten in alle Orte, die sie berührten, den Typhus. Wieviel Opfer in unserer Stadt die Typhus­epidemie forderte, geht daraus hervor, daß die Sterbe­ziffer, die für Schlüchtern damals durchschnittlich 25 betrug, im Jahre 1813 auf 119 stieg. Im November 1813 starben 44, im Dezember 46 Personen. Kein Tag verging, ohne daß die Totenglocken läuteten. Schlüchtern hatte nach einer Volkszählung im Jahre 1812 142ö Einwohner; bedenkt man, daß die Typhus­epidemie erst gegen Mitte des Jahres 1814 erlosch, so kann man sagen, daß die Einwohnerschaft unserer Stadt durch die Seuche buchstäblich dezimiert worden ist. Und wie in Schlüchtern, so grassierte der Typhus in fast allen Orten an oer Heeresstraße. In Fulda sank die Bevölkerung von 8015 auf 7368 Seelen. Kein Wunder, daß Handel und Wandel daniederlagen, auch als die Truppenraubzüge aufgehört hatten, die Franzosenzeit zu Ende war und die ehemals kurhessischen Landesteile des Departements Hanau dem Kurfürsten von Hessen zurückgegeben wurden am 2. Dezember

1813. Welch ein Druck damals auf der Stadt lastete, wie so manche gute Ordnung sich aufgelöst hatte, kann man aus den dürren Worten herauslesen, mit denen das Presbyterialprotokoll jener Tage gedenkt. Da heißt es: Vom 28. März 1813 bis zum 10 Juli 1814 ist kein Presbyterium gehalten worden und konnte wegen der lästigen Einquartierung der Franzosen und der Retirade derselben und der Nachfolgung der Alliierten keins gehalten werden, zumal inzwischen der Pfarrer Eberhard und 5 Kirchenälteste gestorben sind.

Das Jahr 1813 hat die Einwohnerzahl Schlüchterns dezimiert, den Wohlstand seiner Bürger auf lange ruiniert, die Schuldenlast der Stadt bedeutend gestei­gert. Noch bis zum Jahre 1812 war die verzinsliche Schuldenlast, auch mit dem Maßstab jener Zeit gemessen, nicht bedeutend. Warf) einer Auszeichnung vom 29. Januar 1813 betrug sie 4 499 Gl. Unter den Gläu­bigern der Stadt waren außer der Großherzogl. Schuldentilgungskommission und Landassistenzkasse ge­nannt der Pfarrer Kreß zu Wallroth, der Klosteramtmann Sauer zu Schlüchtern, der Dr. Wagner zu Steinau. Der größte Teil der Schuldenkapitalien war zur Bestreitung der Kriegskosten ausgenommen worden. Welche Steigerung das städtische Schuldkonto im Jahre 1813 erfahren, konnte ich nicht ermitteln, sicherlich muß sie bedeutend gewesen sein, denn im Jahr 1815 klagt der Bürgermeister, daß es schwer sei, die hohe Zinssumme aus dem städtischen Aerar aufzubringen. Wenn auch die Folgen der Franzosen­zeit sich noch lange für unsere Stadt und ihre Bewoh­ner schmerzlich geltend machten wie atmete man doch auf, mit welchen Freuden begrüßte man die Siege der Alliierten auf französischem Boden, wie war man dankbar für den endlich eingetretenen Frieden.Der Herr hat Großes an uns getan, des sind wir fröhlich". Das was die Grundstimmung, als man, wie allent­halben in Deutschland, auch hier in unserer Stadt die Wiederkehr des Jahrestages der Leipziger Schlacht festlich beging. Ueber diese Feier findet sich ein aus­führlicher Bericht in einem Buche von Karl Hofmann, betiteltDes deutschen Volkes feuriger Dank- und Ehrenspiegel, oder Beschreibung, wie das aus 20jähriger französischer Sklaverei durch Fürsten - Eintracht und Volkeskraft gerettete deutsche Volk die Tage der ent­scheidenden Völker- und Rettungsschlacht bei Leipzig am 18. und 19. Okt. 1814 zum ersten Mal gefeiert hat". Da lesen wir: Der schönste herbstliche Himmel wölbte sich über bem Städtchen, als sich am 18. Okt., nachmittags 2 Uhr, der Landsturm auf der Straße vor dem Rathaus versammelte. Von da marschierte er zur Stadt hinaus auf die Aue, wo der Schutzdeputierte des Landsturms, Herr Lamport, an die Offiziere eine ganz kurze aber zweckmäßige Anrede hielt. Mit klingen­dem Spiel marschierte der Zug wieder durch die Stadt zum entgegengesetzten Tor wieder hinaus auf den Dra- senberg. Hier hatte man einen Cylinder von wenigstens 25 Schuh Dicke, 3540 Schuh Höhe von Scheitholz, dürren Reisern, Stroh und zerschlagenen Oeltonnen aufgebaut. Der Landsturm zog einen Kreis. Der geschätzte Rektor des Gymnasiums, die übrigen Lehrer und alle Gymnasiasten sowie der zweite Prediger be­fanden sich darin. Erstlich stimmte sich die Versamm-