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ein Fensterchen in die Wohnung des Herrn Försters Schneider kamen, um sich dort füttern zu lassen. Die Wildkatze oder Kuder scheint noch hier und da vor- zukommen, denn in einer Waldung bei Schlüchtern wurde von Herrn Maurermeister Beck seiner Zeit ein kräftiger Wildkater erlegt. Luchse gibt es in unsrem Kreis nicht mehr. Die Wildkatze wird, wo sie sich noch zeigen sollte, mit Recht weggeschossen.

Unter den im oberen Kinzigtal vorkommenden Tagraubvögeln sind Mäusebussard und Sperber die häufigsten Der Hühnerhabicht ist nicht gerade häufig und wird bei seinen Streifzügen durch die Hühner von weitem gesichtet und unter Zeichen großer Angst und Aufregung geflohen. Daß ein Hahn sich jemals dem Hühnerhabicht zum Schutz seiner Hennen entgegengestellt habe, ist nicht bekannt, aber durch einen mutigen Gänserich ist der verwegene Räuber nicht nur schon abgewehrt, sondern auch einmal getötet worden Auf­fallen muß übrigens, daß noch nie über Einbruch des Marders in einen Gänsestall Klag? geführt worden ist. Wahrscheinlich wagt sich der Marder nicht an einen so starken, wehrhaften Vogel heran. Verschiedene Falkenarten wie Baum­falke und Wanderfalke werden auf ihrer Durchreise hin und wieder er­beutet. 3m vorigen Jahr flog ein Wanderfalke so heftig gegen die Tc- legrapheudrähte am Ebersberg, daß er von einem Lokomotivführer lebend gefangen werben konnte Mit dem NamenWeihe" scheint unser Land­bewohner nicht nur den Habicht, sondern anch den ziemlich harmlosen Mäusebussard, ja überhaupt alle grö­ßeren Tagraubvögel, zu bezeichnen. Der Uhu kommt bei uns nicht vor. In Ramholz wird ein großer Uhu zur Jagd auf Raubvögel von der Vogelschießhütte aus gehalten. Der Baumkauz ist in unsren Wäldern häufig. Ein bei Schwarzenfels in

C. G. Hafner, Schlüchtern von der Dämmerung

Bürgermeister in 1846 1882

für eine Schnepfe angesehener und aus Versehen ge­schossener Waldkauz wuroe von dem klugen Jagdhund nicht apportiert, sondern als unbrauchbar liegen ge­lassen. Nicht so häufig wie in der Wetterau, aber immerhin in allen größeren Baumstücken bei Dörfern vorkommend ist das Steinkäuzchen oder der Toten­vogel, dessen Ruf nur abergläubischen Leute unheimlich klingen kann. Weshalb die Käuzchen gerade im Sep­tember auffallend schreien, konnte Verfasser noch von keinem Naturforscher ermitteln. Der Paarungsruf ist es nicht, denn der müßte im Frühjahr erfolgen, ebenso scheint diese Erklärung, das Rufen sei ein Ausdruck der Freude über die Menge der im Herbst dem Vogel zur Verfügung stehenden Mäuse, wenig einleuchtend. Ein Versuch, ein bei hohem Schnee auf dem Haus- boden zugeflogenes Käuzchen längere Zeit am Leben zu erhalten, ist trotz sorgfältiger Fütterung des Tier­chens mit rohem Fleisch nicht gelungen. Welche Art von Eulen der Oberländer mitUhrhäuvel" bezeichnet, wäre interessant zu ermitteln. Pfr. Seyb.

(Fortsetzung folgt.)

Schlüchtern zur Zeit der französischen Fremdherrschaft.

(1806 -1813.)

Von Pfarrer E. Freund in Ramholz. (Schluß.)

Was die Franzosen übrig gelassen, das nahmen die Kosaken fort Alles Zug- und Melkvieh wurde ge­raubt; Lebensmittel aller Art, Mäntel, Röcke, Hosen, Wäsche, Schuhe wurden unter dem Vorwurf, den Franzosen sei ja alles auf der Stelle bewilligt worden, in Masse requiriert. In den Häusern wurden die Türen und Fenster zerschlagen, vieles mutwillig demo­liert, kurz die Allierten hausten schlimmer als die Fran­zosen, denen mein Gewährsmann das Zeugnis aus- stellt, daß sie nichts mutwillig zerstört hätten. Der Bürgermeister Lotich berechnet den während der Reti- rade durch Franzosen und Kosacken seinem Eigentuni zugefügten Schaden auf 2576 Gulden Er hat ein Ver­zeichnis ausgestellt von dem, mag ihm entwendet worden ist. Da es illu­striert, wie damals von Freund und Feind in Schlüchtern gehaust worden ist, will ich es mitteilen:

Es ist mir", so schreibt er,ent­wendet worden A durch die Ko­saken: 1. zwei Pferde 264 Gl. 2. ein ganz neuer Sattel und Zaum 15 Gl. 3. drei Geschock Leinwand 72 Gl. 4. bares Geld (darunter 55 Gl. Kassengeld) 500 Gl. 5. ein Schwein 24 Gl. 6. 20 neue Hem­den 60 Gl. 7. zwei Stamm-Stiefel 12 Gl. 8. zwei Paar Schuhe 4 Gl. 9. ein neuer dunkelbrauner Oberrock 15 Gl. 10. zwei Pistolen 6 Gl. 11. drei Schränke, eine Kommode, und eine Tür zerschlagen kostet die

Reparatur 10 Gl.

B durch die Franzosen:

1. ein vollständiges Bett 409 Gl.

2. drei Paar Beinkleider 15 Gl

3. ein brauner Oberrock 15 Gl.

4. ein ganz neuer Hut 11 Gl.

5 25 Weiberhemdcn 40 Gl.

7. 30 Säcke 30 Gl.

8 12 Servietten 8 Gl.

9. 10 Maß gedörrtes Obst 30 Gl.

10. 50 Aepfel 50 Gl.

11. 3 Ohm Apfelwein 24 Gl.

12. 8 Fuder Gerste 266 Gl.

13. 9 Hafer 282 Gl.

14. 6 Korn 190 Gl.

15. 3 Weizen 110 Gl.

16. 150 Centner Heu 300 Gl.

17. auf der Scheuer die Wittbrctter abgerissen kostet die Reparatur 20 Gl.

18. den Stacketenzaun um den Hausgartcn ver­brannt kostet wiederhcrgestellt 30 Gl.

19. ein ganz neuer Pflug verbrannt 15 Gl.