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die Welt hinein, und froh vereint sich mit brausendem Orgclklang der heiße Dank aus der Menschenbrust dafür, daß der Ewige den Bann brach, der auf allem Lebendigen lastete, und sich zwischen den Gräbern zum Menschen die größte Kraft in der Welt gesellte: Der Osterglaube.-

Hier bei uns kann der Frühling auf Bergen und in Tälern ungehindert sein Siegesfest feiern und seine volle Pracht entfalten; nur wenige Schritte, und wir stehen mitten darin. Nicht selten klopft er mit blühenden Zweigen an die Fenster. Anders bei denen, die in den engen, dumpfen Gassen großer Städte, zwischen qualmenden Schornsteinen hausen und an stöh­nenden, fauchenden Maschinen arbeiten müssen. Wenn's bei uns aus jedem Busche singt und klingt und das große Blühen beginnt, wenn die Buben die Weidenpfeifen schneiden und man den Siechen und Genesenden den Lehnstuhl an's offene Fenster rückt, dann ist bei uns die Freude auf allen Wegen daheim; denn Frühling und Freude gehören zusammen. Wer im Lenz das Lachen nicht lernt, lernt es nimmer. Es fei denn, daß abgestumpfte oder kranke Nerven raffi­niertere Genüsse alsFreudenquelle" brauchen. Zuviel Freuden sind der Tod der Freude. Freilich gibt's auch bei uns Menschen, deretwegen brauchte überhaupt nichts zu blühen und zu singen. Die fangen vor einem blühenden Apfelbaum an zu rechnen Das sind die klugen Jünger des Nutzens, deren Weihrauch nur dann eine andere Richtung einschlägt als ihr Wille, wenn der Idealismus anderer ihnen Zinsen bringt. Gewiß, sie freuen sich auch, wenn der Tauwind ein- setzt, aber nur deshalb, weil ein Teil des Schnee­wassers auf dem Scheunendach gegenüber unbemerkt durch eine zerbrochene Ziegel dem Nacybar auf den Heuboden läuft Daß doch bei denen die Sonne über das Eis Herr würde! Freilich gibt's noch andere, die freudlos in den Frühling hinaussehen. Kranke, die um ein bißchen Lebenslust mit dem Tode ringen müssen, während ringsum tausendfach quellfrische Kraft sich betätigen kann. Herz und Sinn liegen in Trost­losigkeit und Schwermut gefangen; sie sehen nur Nebel und Nacht und Nichts vor sich. Aber auch sie können Frieden finden und still und fröhlich werden, wenn sie durchdringen zu der Erkenntnis der Wahrheit, die der Ewige alljährlich zum Greifen deutlich in das Buch der Natur hineinschreibt:Das Leben ist mächtiger als der Tod!" Sollte aber im oberen Kinzigtal jemand sein, der ein Herz hat für jenes blasse Groß­stadtkind, das die welke Wange an das Kellerfenster drückt und dessen Augen sehnsüchtig an dem dürftigen Strauch hängen, der in der Hofecke der Mietskaserne ein paar armselige Blätter und Blüten treibt, der soll wissen, daß das Kindesauge bettelt:Laßt mich den Frühling sehen!" Und wenn jemand einem solchen Kind vier Wochen lang in seinem Hause eine Heimat bereiten will, der soll es sagen! Hinaus mit dem Winter aus den Winkeln im Land! Hinein mit der Sonne, dem Frühling! Flg.

Mi^v Hausrat.

Die braune Truhe von Eichenholz

Im roten Stübchen, die ist unser Stolz! Ihr Alter? Wohl an die dreihundert Jahr! Als Väterchen noch ein Knabe war Und zog aus Heimat und Vaterhaus, Da ging sie mit ihm in die Welt hinaus. Sie war sein Heiligtum, war sein Schatz. Nun steht sie bei uns auf dem Ehrenplatz.

Und dort im Eck der altmodische Schränk, Metallbeschlagen, mit Scheiben so blank! Er birgt manches Stück aus Glas und Porz'llan, Schon Mütterchen hatt' seine Freude dran.

Und jenes Stück von Erinnerungen

An ferne Tage umwebt und umsungen, Da uns noch umfaßten mit Lieb' ohne Ende Die treuesten Herzen, die treuesten Hände.

Und Mütterchens mächtiges Eichenspind! Großmutter schenkte es einst ihrem Kind Gefüllt mit Linnen, das selbst sie spann Als die Tochter gefolgt dem geliebten Mann. Und tun sich des Spindes Türen auf So steigt auch aus ihm Erinnerung herauf An Kindheitstage im Elternhaus Die Insel des Glückes im Weltgebraus!

Die Tierwelt unserer Heimat.

Von Naturschutz hört man heute viel reden. Un­längst soll auf einer Kreislehrerkonferenz in Steinau ein interessanter Vortrag über Naturschutz gehalten worden sein.

Auch fand sich kürzlich in einer vielgelesenen Zei­tung eine Notiz, welche lebhaft an die Bestrebungen unsres Heimatbundes erinnert. Sie hat folgenden Inhalt:Ein VereinNaturschutzpark" hat sich in München unter zahlreicher Beteiligung angesehener Vereine, Gelehrter und Naturfreunde mit Sitz und Geschäftsstelle in Stuttgart gebildet. Zweck des Vereins ist die Anlage von urwüchsigen Naturschutzparks für die so schwer bedrohte Tier- und Pflanzenwelt." Un­willkürlich drängt sich dem Heimat- und Naturfreund beim Lesen dieser Zeilen die Frage aus, ob auch in unsrer engeren Heimat, im Kreise Schlüchtern, Tier- und Pflanzenwelt schwer bedroht seien. Selbstver­ständlich handelt es sich nicht "Haustiere, sondern um wild lebende Tiere und nicht um Kulturgewächse, sondern um wild wachsende Pflanzen. Zunächst wendet sich die Aufmerksamkeit des Naturfreundes dem Tier­reich zu. So fragen wir:Sind denn auch bei uns wildlebende Tiere in ihrer Existenz bedroht und wenn ja inwiefern soll darin eine Gefahr be­stehen? Müssen die Bewohner des Habertshofs oder des idyllisch gelegenen Willingshofs sich nicht