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Altdeutsche Sprüche für Handwerker.

Klempner

Wo Fleiß und Treu geh'n ein und aus, Springt Gold selbst aus dem Blech heraus".

Maler und Lackierer

Die Kunst ist lang, die Erde rund, Das Glück ist blind, das Leben bunt".

Perückenmacher nnd Friseure.

Den Absolom ein Eichenast

An seinen Locken hielt gefaßt,

Hätt' er sie lassen stutzen beizeiten, So konnt er munter von bannen reiten".

Schlosser.

Wenn an jedes lose Maul Ein Schloß gelegt müßt werden, Dann wär' die edle Schlosserkunst Die erst' auf der Erden".

Schneider-

Reiches Kleid

Ist oft gefüttert mit Herzeleid".

Schornsteinfeger.

Rauch und Husten, Lieb und Sorgen Halten sich nicht lang verborgen".

Schuhmacher.

Schuster sind was derb, doch ehrlich, Und der Menschheit unentbehrlich, Müssen auf den Lauf stets halten So die Jungen, wie die Alten".

Tapezierer.

Sitzest du weich, so sitze feste!

Alter Sitz, der ist der beste".

Tischler.

Was prahlst du stolz und dünkst dich reich?

Das Schicksal hobelt alles gleich",

Mt^ bespieltest.

4. DerKalte Markt" anno 1808.

Nachdem Napoleon 1806 und 1807 Preußen niedergeworfen hatte, gründete er aus den preußisch-polnischen Landesteilen daS Großherzogtum Warschau, das er dem zum Könige erhobenen Kurfürsten von Täcksen unterstellte. Sofort schritt er zur Er­richtung einer polnischen Legion, die bei dein kriegerischen Geiste der Polen großen Anklang und Beifall fand, zumal sie die Wiederherstellung eines großen Polenreiches durch den siegreichen Franzosenkaiser erhofften. Um ihnen noch mehr zu schmeicheln, errichtete er, für die Franzosen etwas ganz Neues, eine polnisch­nationale Reiterei, Lanzenreiter. Aus allen französsichen Schlacht­feldern von Moskau bis Madrid ist von da ab Polenblut geflossen. Diese Lanzenreiter Les ulans - waren in der Folge von den deutschen Truppen sehr gefürchtet, und die Bayern haben in der Schlacht bei Hanau, wo sie keinen Pardon gaben, viel von ihnen zu leiden gehabt. Die Regimenter wurden in Polen errichtet; nach Frankreich geführt, erhielten sie erst hier ihre vollständige Arma­tur, namentlich die Lanzen, und wurden ausgebildet. Im Herbste des Jahres 1808 befand sich solch ein polnisches Reiterregiment auf dem Marsche nach Frankreich und wurde eskadronweise in den Ortschaften an der Heerstraße einquartiert, so lag mit einem Rasttage eine Eskradon in Schlächtern, eine andere in Steinau. Und es warKalter Markt", die Oberländer Messe. Um die Bedeutung dieses Marktes von ehemals zu begreifen, als noch kein Dainpsroß das Land durchquerte und noch der breitspurige Fuhrmannswagen Tag und Nacht die Frankfurt-Leipziger Straße belebte, muß man in Schlächtern geboren sein und die glorreiche Zeit noch teilweise mit erlebt haben. Tausende eilten damals aus der Umgegend der alten Kreisstadt zu. Von dem Markt selbst

wollen wir nicht berichten, sondern von dem Nachmarkt, dein da­rauf folgenden Dienstag. Die Polacken hatten schon am Abend vorher bei der Tanzmusik keine angenehmen Erfahrungen mit den Burschen gemacht, namentlich hatte es in der May'schen Wirtschaft in der Krämergasse das Krein'sche Haus in der Bräckenauer Straße - sogar einige blutige Köpfe abgesetzt. Jetzt rückten sie truppweise die Gasse herauf in die Wirtschaft, es war auf den Wirt, den Mayes Klaas, abgesehen, der ihnen am Abend vorher entgegengetreten war. 92ad)bar Frischkorn das Denhard'sche Haus (Ecke der Schmiedsgasse und der Bräckenauer Straße) hatte auch am heutigen Morgen für seine Gäste jene kostbaren Knobelinen bereit sie sind ausgestorben und eben den ersten Kessel geleert, da erscholl plötzlich der bürgerliche Notruf:Bürger­recht!" Flemmigs Philipp, ein Jungbursche von riesiger Körperkraft, riß das Fenster auf und rief:Was ist los?" Da erscholl der Ruf aufs neue. Nun war kein Halten mehr, aus allen Gassen strömten die Bürger hülfsbereit und kampfesmutig herbei, bewaffnet mit dem, was ihnen im Augenblick in die Hand kam, der Urbach mit einer Wagenrunge, der Kohlenbusch, von dem man erzählte, daß er bei der Artillerie in seiner Riesenstärke ein l2 Pfünder-Geschütz ganz allein herumhob, mit einem Pumpen- schwengel, den er im Vorüberrennen abgerissen hatte, der Schneider Greulich vom Heideküppel mit einem großen Bügelholz ; Flemmig blieb bei dem Handwerk, er faßte einen hohen Stiefelblock von einem Suwarowstiefel, eine furchtbare Waffe in der Faust eines starken Mannes. Vor bem May'schen Hause ballte sich die Menge. Die Frauen waren geflüchtet; den Klaas, fürchterlich verhauen, wollten die Polacken zum Fenster hinauswerfen. Da sauste das letzte Aufgebot, die Bürgerschaft heran, vorn weg Flemmig, und nun entwickelte sich unter furchtbarem Lärm ein erbitterter Kampf. Die Sturmglocke heulte,Bürgerrecht!" undBürger heraus!" ertönte es in allen Gassen; die Kämpfenden schrien, dazwischen schmetterten die Trompeten zum Sammeln. Es war ein Höllen­lärm. Vor allem galt es, den Bedrängten zu helfen und die Polen aus dem Hause zu treiben. Flemmig mit seinem Stiesel- block eilte der hohen Treppe zu, die dicht gedrängt voll Polacken stand. Nach vorn vorgebeugt, fing er an, nach rechts und links zu mähen. Wer nicht den Stiefelblock und die furchtbare Kraft seines Armes fühlen wollte, mußte abspringen Mit ihm ar­beiteten zunächst Urbach und Hannes Kohlenbusch, der sich mit Prügeln nicht aufhielt, sondern die Kerle in einem großen Bogen über die Treppeneinfassung auf die Gasse unter die mütenbe Menge warf. In kurzer Zeit war die Treppe leer, und Flemmig drang in das Haus und in die Wirtsstube. Da diese nur einen Ausgang hatte, so blieb den Polen die Wahl: entweder furchtbare Prügel oder Sprung zum Fenster hinaus; ein Teil derselben rettete sich durch die Hintertüre und entkam in die Gärten. Was n ch übrig war, retirierte verfolgt und geprügelt die Krämergasse hinauf. Flemmig mit seinem Stiefelblock immer an der Spitze. Ueber den Graben flüchteten die Polen nach der Obergasse Fuldaer Straße. Der Kommandeur war verständig genug und ließ zum Sammeln blasen. Die Reiter warfen sich auf die Pferde und jagten zum Untertor hinaus. Die ganze Stadt war im Aufruhr; man traute dem Abmärsche nicht.Gebt acht, sie hole die Steinauer und komine wieder". Und so war es; doch die Bürger hatten sich vorgesehen und waren bereit, sie zu em­pfangen. Das Untertor - es stand damals noch wurde ver­barrikadiert; die ganze Maner an den Gärten bis hinunter an die Mauerwiese wurde voll Steine getragen, an deren Herbei­schaffen sich Frauen und Jungfrauen beteiligten, von welchen manche kampfbereit die Mauer bestiegen. Auf und vor der Mauer stand, teilweise sogar mit Schußwaffen versehen, die Bürgerschaft. Flemmig auf dem Gartenhäuschen an der Ecke der Mauerwiese schwenkte seinen Stiefelblock und rief;Hurrah! Sie komme!" Die Polen brachten richtig die Steinauer mit, schwenkten an der Richtstädter Mühle auf die Auwiese ein und nahmen Stellung. Ein Signal ertönte; in sausendem Galopp sprengte Johannes Heinbuch auf einem gesattelten Polackenpferd über die Barrikaden zum Tor heraus über die Brücke, erklomm das Weidenufer der Elmbach, jagte die Front der Reiter entlang und nahm Stellung im letzten Glied. Alles, selbst die Polenbrachen in lautes Gelächter aus. Hannes Heinbuch erklärte dem Major, das Pferd sei stehen geblieben, und er habe es dem Regiment zuführen wollen. Es gab allerdings auch viele, die dies nicht für wahrscheinlich hielten, aber er wurde dafür gelobt. Der Reiter dazu lag arg verhauen im Hospital Der Bürgermeister erschien, brächte durch den Stadt-