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Traufe. Den Franzosen wollte er entgehen, und er fiel den Kosacken in die Hände. Er wurde zusammen mit dem Ramholzer Amtmann Hildenbrand, als sie tagS darauf vom Kinzjgberg »us die von Sterbfritz kommenden Kofacken beobachten wollten, von einigen umherschweifenden Kosacken ausgeplündert und um seine goldene Uhr erleichtert.
Den 28. und 29. Okt. zogen Tag und Nacht die Franzosen durch unsere Stadt, die Arrieregarde in voller Auflösung. Nun kam's zu Plünderungen. An 3 Stellen brach in der Stadt Feuer aus, am Obertor, in der Klosterscheune und im Auditorium. Letzteres diente als Lazaret. Von den darin liegenden kranken und verwundeten Soldaten konnten nur wenige gerettet werden. Die meisten erstickten. Es war ein Wunder, daß das. Feuer nicht weiter um sich griff, vor allem, daß das Kloster kein Raub der Flammen wurde. Der Wagenpark der französ. Arrieregarde geriet in der Stadt in's Stocken, viele Wagen mit Kranken und Verwundeten wurden zurückgelassen, nachdem man die Pferde abgespannt hatte. Alles drängte vorwärts, um nicht den auf dem Fuße folgenden Truppen der Alliierten in die Hände zu fallen. In den Straßen lagen tote Pferde, zerbrochene Wagen, kranke, sterbende Soldaten (der Typhus grassierte furchtbar unter den Franzosen) — ein schauerliches Kriegsbild. In der Nacht vom 29. auf den 30. Okt. kamen schon die Vortruppen der Alliierten. Ein Bataillon ungarischer Grenadiere rückte vor das Rathaus. Da standen noch zwei mit Stroh bedeckte Wagen voll kranker Franzosen. Die Ungarn meinten, es sei Brot auf den Wagen und fielen darüber her. Als sie sich enttäuscht sahen, ließen sie ihre Wut an den kranken Franzosen aus, an den „verfluchten Canaillen" und machten sie schonungslos nieder. Aus Mangel an Pferden mußten die Wagen mit den Toten von den Bürgern eigenhändig aus der Stadt gezogen werden. Dabei bewiesen sich zwei Brüder, Peter u. Johs. Heil, als kannibalische Totengräber. An Strohseilen um den Hals geschlungen — so schleiften sie die Toten aus der Stadt. Und nicht nur tote, auch noch Lebenszeichen von sich gebende, im Sterben begriffene Franzosen wurden von ihnen in die aufgeworfenen Gräber geworfen. Eine französ. Marketenderin streckte noch die Hand aus, als sie in die Grube mußte.
Und wie in Schlüchtern selbst, so sah es allenthalben auf der Straße nach Gelnhauien aus. Ueberall Verwüstung und Schrecknisse, Jammergestalten um kleine Feuer gelagert, tote, blessierte Soldaten, tote Pferde. Ein Augenzeuge schreibt: Es konnte nichts Unangenehmeres und Ekelhafteres geben, als der französischen Armee auf dem Fuße zu folgen.
Längs der großen Straße lagen Leichen oder sterbende Menschen. Die Gefangenen, die man ein- brachte, trugen den Tod in den Gesichtern. Man konnte nicht ohne Ekel daran denken, daß man vielleicht aus demselben Strohe schlafen sollte, als diese Nervenfieberarmee, welche noch überdies auf der Straße, welche sie marschierte, die Einwohner angesteckt und alles, was an Lebensrnitteln vorhanden war, aufgezehrt hatte. (Schluß folgt.)
Mas ist ^aterlanb?
Ein Denkmal für gefall'ne Krieger hat Sonntags stets sein Publikum, man liest die Namen der gestorbenen Sieger, und sieht sich auch nach einer Inschrift um; die lautet auf ,des Sockels Rand: „ Gefallen Euer Das Vaterland . , .“ Hat man entziffert diese Schrift, geht man vorbei, als wenn's Gott wen, doch nur den Leser nicht betrifft ....
Denn Vaterland? .... Das ist der Kaiser, Thron und Altar, das große deutsche Reich, empfindet man in einer Reihe leiser Anklänge an die Scyülerzeit sogleich; doch daß der liebe, traute Flecken mit seinen Wiesen, Gärten, Hecken, mit jedem alten Bauernhaus ein Stück des Vaterlands macht aus, fällt den Beschauern gar nicht ein, denn „Vaterland", das muß was Großes sein. —
Ries einer doch den dummen Stoffeln zu: „Das Vaterland? .... Das bist ja Du! Für Dich nur, daß im Heimatfrieden Du still durch Deine Felder streifst, sind sie in Schmerzen hingeschieden — erst wenn Du das voll Ernst begreifst, lehrt Dich das Vaterland verstehn tief durch Dein Herz ein warmens Wehn, dann lüftest Du vor ihrem Blut in Dankbarkeit auch Deinen Hut!"
Max Bcwcr.
Das Teuselsloch bei Steinau.
In der Nummer vom 3. Mai 1862 des damals in Schlüchtern erschienenen Bezirksboten ist eine von 16 jungen Männern am 27. April 1862 ausgeführte Reise von Schlüchtern nach dem Teuselsloch beschrieben, der ich folgendes wörtlich entnehme:
„Den Führer P. M. an der Spitze, ging es wieder vorwärts, und bald, nachdem die Brücken des Buchwassers passiert und die jenseitige Anhöhe erstiegen war, gingen sie einer steinigen Schlucht entlang und erreichten kurz daraus wohlbehalten das Teufelsloch. Eben kamen sie, äußerst überrascht, dem Loche näher, und husch, kaum einige Schritte von dieser äußerst merkmürdigen Naturerscheinung entfernt, flog auch schon, nicht der Teufel selbst, wohl aber ein Wesen der Nacht heraus, dqs man eine Eule nennt; ein Zeichen, daß dieses Schattenreich mit seiner grauen schieferfelsigen und ziemlich hohen und breiten Pforte nur Nachttiere birgt.
Als die Eule fort war, betrachtete man nun näher die Großartigkeit dieses Naturbildes und, hingerissen von Bewunderung, brächte man dem wackeren Führer einen schmetternden und feurigen Toast aus, worauf das Schoppenboutellchen, das kurz zuvor so hoch dem Himmelslichte zuflog, zum letzten Mal das Licht der