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Nr. «03.
Morgen - Ausgabe.
1. Matt. ___
..Unhaltbar."
Man ist leicht geneigt, und es läßt sich das aus der Ungeduld, die menschlich so gut begreiflich ist, besten^ erklären, einen unbehaglichen und schwierigen Zustand „unhaltbar" zu nennen. Das Wort spielt in der Tage»" Politik seine Rolle; unhaltbar wird vieles genannt, was, wie die Erfahrung zeigt, gleichwohl leider haltbar genug ist. Die Beispiele bieten sich so zahlreich dar. daß wir sie der ergänzenden Betrachtung _ der Oe>er ruhig überlassen können. Hier möchten wir frrr diesmal nur eine der vermeintlichen Unhaltbarteiten m der Politik in§ Auge fassen, und zwar unser Verhältnis zu den W e st m ä ch t e n. Nichts dünkt einem großen ieil der Öffentlichkeit sicherer und außerhalo jede:. Zweifelsfrage stehend, als die Meinung, es könne so wie bisher zwischen uns und England, zwischen _ uns und Frankreich nicht bleiben; das Verhältnis sei, wre ge' sagt, „unhaltbar". Also müsse es sich so cuer so, und zwar sehr bald, ändern. Ist das nun wahr? Was wirtlich zutrifft, das ist, daß der Zustand unerfreulich ist, daß er Gefahren in sich schließt, daß er zu Explosionen fuhren kann. Was aber falsch ist, das ist die Behauptung, er müsse unvermeidlich zu Explosionen führen. Wir haben nunmehr vierzig Jahre des Friedens hinter uns. ‘ Wer zurückdenkt, der weiß doch, daß das deutsch- franzefische Verhältnis in dieser langen Zeit wiederholt unvergleichlich viel schwieriger als heute gewesen ist, daß oft genug der Kriegsausbruch drohte, daß die Leidenschaften jenseits der Vogesen wiederholt jedes Ventil der Besonnenheit zu sprengen drohten. Aber es blieb bei der Gewitterbildung, eine Entladung erfolgte nicht. Was sodann unsere Beziehungen zil England betrifft, so ist freilich zuzugeben, daß sie sich erst seit etwa zehn Jahren so kritisch wie nie zuvor gestaltet haben, aber selbst innerhalb dieses Zeitraums waren sie mehr als einmal weit verwickelter als gegenwärtig. Und trotzdem ging die Gefahr unschädlich vorüber. Wir sind der Meinung, daß psychologisch wie materiell viel darauf ankommt, ob man die Tinge mit der Gelassenheit betrachtet, die sich durch unmittelbare Drohunge ii nicht e i n s ch ü ch t e r n lassen wiu. oder ob in einer Stimmung der Verzweiflung das b!n- - heil erst recht bis zirm Ausbruch gebracht wird. Man sollte sich mit dem philosophischen Wmcymut lenes Betrachters wappiien, der aus langen Erpah-ungeir den beruhigenden Schluß zog: „Meistens kommt es anders.
Gewiß unangenehm genug ist der gegenwärtige Zustand. aber warum sollen wir ihn durchaus „unhaltoar nennen? Er ist für uns nicht unairgenehmer als snr Frankreich und England, und wenn diese Staaten und Völker ihn aushalten, so können wir das;erst recht.
Ans Kunst und Leben.
Verband deutscher Orchester- und Chorlmter. Der verband deutscher Orchester- und Chorleiter, besten Ghrem orfitz der K. Geueralmusildiroktsr vr. Max Schilling Stuttgart) führt, tagte kürzlich im Foyer des Stuttgarter wstheaters und im Hotel „Silber*. Aus allen -^er-cn leutschlarids Und aus der Schweiz waren Ver.reter er- Hienen: unter den -Ehrengästen befand sich auch tz>er>eral- nteudant Exzellenz v. P u t l i tz. Die Berhaudlungon, tue om Vorsitzenden, Hcstapellrneistor Ferdinand Meister m lürnberg, geleitet wurden, drehten sich vorwregeUd «m -inge wirtschaftlicher Natur durch Oxsanstatzons-, Vertrags- und Kaffenschutz. Die Grundlage der BesaMse rar Schutz des Schwachen durch den stärkeren. Um den Schwachbcfold-eten -den Bert.rtt u erleichtern, wurde der Jahresbeitrag strr diese aus mt Uertel (5 M.) des eigentlichen Beitrags herabgesetzt, asür stehen 'biete Mitglieder rechtlich m ^banh den ollzahlenden Mitgliedern vollkommen gleich. Die romplr- ierte Frage der Kontraktbrüche nahm «men breiten Raum n den Beratungen -ei-n. Als einzrges .üttttel Zu ihrer Beseitigung wurde gleichmäßige J-Hetzung des Tpiöl- hüisses >der Kurorchester mit dcnr Beginn der Wmtersaison rächtet. Der Borbandstag beschloß, M deswegen mit cm Schntzvevbaüd 'deutscher Kurorte und Bader und dem ^eutstS-en mZ Ben^hmeu zu setzen, samt--
ichen deutschen Tageslzeitungen soll vor dem Ergreifen des lhcaterkapclkmeisterberuses gewarnt weroen. Bon den be- drochenen Verträgen ist 'die Einführung erner- Mmrmal- ariscs für alle Verba-ndsMitglieder von Interestc. Der litt dem deutschen OrMterbund vereinbarte Vertrag soll sie wirtschaftliche Konkurrenz auswärtiger (reifender)
Freitag LB. Dezember LN 11.
SS. JahrgsNg.
Wir gedeihen ja nicht übel dabest Wir verhehlen uns die Fehler unserer Diplomatie nicht, aber das Kapital, mit dem bei uns gewirtschaftet wird, die nationalen, die wirtschaftlichen, die moralischen Machtmittel des deutschen Volkes, werden selbst durch eine gelegentlich mangelhafte Geschäftsführung nicht im Kern erschüttert. Jedenfalls kann sich unsere Bilanz neben derjenigen der Westmächte immer noch sehen lassen. Das sind Wahrheiten, mit denen wir niemand etwas Neues lagen, und es liegt uns sehr fern, sie als eine Entdeckung auszugeben. Aber worauf wir den Ton legen möchten, das ist, daß wir nicht im geringsten nötig haben, von einem unhaltbaren Zustand mit dem unausgesprochenen Bestreben, zu sprechen, ihn durch verhängnisvolle Entschlüsse oder dadurch zu ändern, daß unsere freundlichen Nachbarn in die Lage versetzt werden, solche Entschlüsse zu fassen. Warten wir vielmehr ruhig die weitere Entwickelung ab! Jedes Jahr der F rie-denserhaltun g kommt u n s zugute. Wir können immer nur stärker, niemals schwächer werden. Wir wachsen an Volkszahl, während Frankreich st«g- niert, und die Volkszahl ist schließlich auch bestimmend für das Kräfteverhältnis zwischen uns und England. So sehr arbeitet die Zeit für uns, daß wir hoffen dürfen, es werde ein Tag kommen, wo den Feinden der Atem ausgeht, so daß die Sicherung des Weltfriedens zum zwingenden Ergebnis einer Gesamtlage werden wird, die alsdann jede ihr heute allerdings noch anhaftende Bedrohlichkeit verloren haben wird. Ist der Zustand heute noch haltbar, und das ist er, so nötigt nichts zu dem Pessimismus, daß er morgen oder übermorgen durchaus unhaltbar wird sein müssen.
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Uo-Msche Me v fti $i.
Meter! übtv das f'earnösrfche Here.
Die Jahrbücher für die deutsche Armee und Marin? bringen folgendes sehr zu beachtende Urteil eines höheren deutschen Offiziers, der den letzten französischen Manövern beigewohnt hat:
„Ganz hervorragend war auch in diesem Jahre wieder das dauernde Zusammenwirken der Infanterie und Artillerie.. Ohne Artillerie vormarschierende Infanterie haben wir nicht bemerkt. Ein Zurückhalten, der Artillerie war meist Regel. Ter Trab und Galopp sind wesentlich kürzer als bei uns. Bei einzelnen Batterien waren Beobachtungswagen zu bemerken. Tie Flieger haben auch bei längeren Flügen sowohl in der Erkundung wie im photographischen Aufnehmen im allgemeinen sehr gute Erfolge gehabt. Tie Reseda- Feldbekleiduna hat sich als praktisch bewährt.
Bei der Infanterie fielen wiederum fehr viele kleine, scheinbar nicht allzustarke Leute auf, ein Beweis für die von Jahr zu Jahr schlechter werdenden Rekrutenverhältnisse. Tie Marschdisziplin machte in die- !
fern Jahre keinen besonderen Eindruck. Maschinen- gewehr-Abteilungen waren verschiedentlich zu beobachten. Bei der gesamten Infanterie machte sich wieder „der Drang nach Vorwärts" bemerkbar. Der einzelne Mann erweist sich im Gefecht findig und bedarf kaum einer Einwirkung der Unteroffiziere. Die gern benutzten Deckungen wurden fachgemäß aufgesucht. Der Zustand der Pferde der Kavallerie war ein guter, nur den geringsten Anforderungen genügte aber der Putz derselben. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß man bei den Armeekorps und den Ju- fanteriefDivisionen die Kavallerie-Einheiten zu sehr auf Kosten der selbständigen Kavalleriedivision herabgesetzt hatte. Die Aufklärung muß darunter leiden, da das Flugzeugwesen die Kavallerre bei dem Aufklärungsdienst nicht _ jederzeit entlasten kann. Tie Artillerie zeigte sich in ihrem Auftreten als sehr gut zu beurteilen. Das Einsetzen der Abteilungen und Batterien war sachgemäß. Ihr Pferdematerial ist zu loben."
Nach diesen! Urteil wäre es ein großer Fehler, die französische Armee gering zu schätzen. Dieselbe hat wenigstens hinsichtlich der Ausbildung sehr beachtenswerte Fortschritts gemacht. Wie es freilich mit der Disziplin beschaffen ist, das ist eine andere Frage. Tie bekannt gewordenen Vorgänge in den letzten Jahren lassen Zweifel an der Disziplin der französischen Truppen wohl gerechtfertigt erscheinen. Hüten wir uns aber davor, die Franzosen zu unterschätzen, und sehen wir sie lieber als völlig ebenbürtige Gegner an.
Die KviegsireeMschaft dev 'englische« Flotte im Sommer 1811.
Sehr interessante Mitteilungen über die Kriegs- bereitschaft .der englischen Flotte irn Sommer 1911 bringt der im Wiesbadener Flottenverein gehaltene Vortrag des Grafen Alexander v. Ge r s d o r f f (Wiesbaden), der in diesen Tagen in Ecksteins Biographischem Verlag (Berlin) als Broschüre erscheint. Nach den Zusammenstellungen des Verfassers ist die Kriegsbereit- schaft der englischen Flotte nicht, wie man noch vielfach anzunehmen geneigt ist. eine fehr problematische gewesen, sondern hat in vollem Umfange bestanden. Aus den Mitteilungen des Verfassers geht folgendes hervor:
Im Juli, also während des ersten Höhepunktes der Krisis, gruppierte sich die ganze englrsche Flotts, wie sie angeblich planmäßig für die Manöver hergestellt war — verstärkt durch die dritte und vierte Division der Heimatflotte und das dritte Kreuzergeschwader, deren Besatzungen auf volle stärken aufgefüllt waren —, an der Südküste von England und Irland. Nur die Atlantische Flotte mit dem vierten und fünften Kreuzergeschwader lagen in Moray girth (Nord- Schottland). Nehmen wir an, daß diese Hauptslotte l zentral die deutsche Flotte und die deutsche Küste an-
Orchester verhindern. Aus einigen SHMeispielen des letzten Jahres ging die enerMche Tätigkeit 'dos Verbandes aus diesem Gebiete hervor. Zu. der best-chenden 'Wffwen- und WaiseiÄass-e wurde eins Kranken- und UnterstützuWZ- kaffe gebildet. Für den nächsten VerbaudZiag wurde Mittel- und Norddöutfchlarrd vorgeschlagen, doch wird schon im Lause des nächsten Sommers zur Erledigung einiger dringender Geschäfte eine außerordentliche Versammlung ftattfinden. — Am Vorabend fand im H,ch- theater eine Festvorstellung statt mit der „Entführung aus dem Serail" in der Schillingschen Bearbeitung.
0. K. Die Zola-Manuskripte der Pariser NKttonsl- bibliothek, die die WiÄve dos Dichters kurz nach seinem Tode dom Staat überwiesen hat, sind jetzt der allgemeinen Benutzung zugänglich gemacht worden. Die 69 Bä-nde Manuskript, die die Entwürfe und Rie'dsrschrifton vom Zolas Romanen enthalten, und die 30 Bände mit Fahnen- drucken, die die eigen>HÄn>dig-on Korrekturen Zolas umfassen, bieten ein gewaltiges Material znm Studium und zur tieferen Erkenntnis der SchaffonKveis«, Ne der Führer des Naturalismus bei all seinen.Werken beobachtet hat. Die berühmte „Methode", auf der er den experimentellen Roman ausbaute, unterschied sich letzten Endes nicht viel von der Art, in der ganz anders geartete Dichter — man denke an Schiller — schufen. Zola entwarf zuerst ein Szenarium, sammelte dann Dokumente aller Art, wählte aus dieser Fülle des Materials aus, verwarf in mühsamer Überlegung und stellte 'die großen Linien der Handlung fest. Nach diesen komplizierten Vorarbeiten schrieb er dann den Text seiner Romane fast ohne jede Verbesserung nieder und feilte bei der Drucklegung.
C. K. DesinfeMonslrast der Höhensonne. Ter alte Glaube an die Heilkraft der Sonne hat, wie neuere Untersuchungen immer deutlicher zeigen, Kveisellos viel Berechtigung. Die strahlende Energie, die. von ihr ausgeht, hat einen starken Einfluß auf die Organismen. Sie wirkt ent
weder tötend oder belebend und stärkend. Das erste tritt ein bei insektionserregenden Mikroorganismen, deren Ent- wicTung aufgehoben e4>ei stark gehemmt wird, das zweite bei dem menschlich.en und tierischen Organismus, der sich der Infektion leichter erwehren kann. Dabei spielt die Intensität 'bet Sonnenstrahlung, der Unterschied zwischen TieflaNdsonne und Höhensonne eine große Rolle. Dies konnten Stabsarzt Flemming und Dr. Crusius, wie sie in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" mitteilten, aus Ballonfahrten beobachten, die sie in Regionen zwischen 5606 und 6000 Meter anSführtön. Die bakteroide, d. h. bakierientötenide Wirkung der Sonnenstrahlung in dieser Höbe war auf Tuberkelbazillen dreimal so groß als in der Tiefe. Ja,^es gelang sogar, den Ausbruch einer experimentell erzeugten Kvancheit aus diese Weise vollkommen zu verhindern, so daß man geradeM von einer deKinsizieren- den Wirkung der Höhensomre sprechen kann.
K Eine berühmte Landschaft bedroht. Eine der Herr-, lichsten Landschaften im Süden des französischen Departe- mmts L'Jndre, die durch die Meisterwerke großer Maler auch wert über Frankreichs Grenzen berühmt gewordenen Felsen von der Creuse, sind davon bedroht, den Forderungen der neuen Zeit zum Opfer zu fallen. Jene „Keine Schweiz", die sranzöstsche Dichter besungen haben, die Felsen und Hügel mit den prachtvollen Granitablagernngen, die einst Maler wie Delacroix, Corot und Rousseau zu Meisterwerken ihrer Kunst begeisterten, sollen jetzt in ihren schönsten. Teilten verrvichtet werden; die Ingenieure hnb-err bereits die Linie traciert, die -eine neue elektrische Bahn nehmen soll, und bei der Ausführung dieses Planes müssen gerade ke schönsten Felsen gesprengt und durchbrochen werden. Erst kürzlich sind die Felsen in der Nähe der Roche-Bat-lAigne vernichtet worden, um Raum für die Errichtung einer großen elektrischen Fabrik zu geben, und nun soll der Rost jener romantischen Landschaft einer elektrischen Bahn zum Opfer fallen. In Frankreich macht sich bereits eine hestiae Protestbewegung aeaen die Aus-
