Wiesbadener WM
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Ar. SSI.
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Dienstag, 18. Dezember L»1I.
28 . Jahrgang.
Morgen - klusgabe.
1. Matt.
Öönölögttation - UmiWesetz - WhleMßelr.
... Die amtliche Bekanntgabe des Wahltermins hat für die Wahlagitation deshalb besondere Bedeutung, !^il damit die in der Gewerbeordnung und vor allein ^ im Reichsvereinsgesetz vom 19. April 1908, der süchtigsten Errungenschaft dieses nunmehr aufgelösten -Reichstags, vorgesehenen Erleichterungen in Kraft weten. Von emschneidenster Bedeutung ist die Be- mrnniung, wonach die sonst übliche Anzeige bei der wolizeibehörde für die Wahlversaminlungen entfällt. « 6 Abs. 2 des Reichsvereinsgesetzes bestimmt darüber:
„Einer Anzeige bedarf es ferner nicht für Versammlungen der Wahlberechtigten zum Betriebe der Wahlen öu den auf Gesetz oder Anordnung von Behörden beruhenden öffentlichen Körperschaften vom Tage der Gütlichen Bekanntmachung des Wahltags bis zur Ve- ^bdigung der Wahlhandlung."
Obwohl in diesem Paragraphen ausdrücklich voll '.Versammlungen der Wahlberechtigten" die Rede ist, >o genügt es doch nach den Kommentaren zum Reichs- °ereinsgesetz, wenn eine im Verhältnis zu der Zahl Nichtwahlberechtigten hinreichend große Anzahl Wahlberechtigter in der Versammlung anwesend ist. Eine Auflösung darf also deshalb nicht erfolgen, weil M unter den Teilnehmern an der Versammlung auch Vichtwahlberechtigte befinden. Nicht unter den Z 6 Ms. 2 fallen die Versammlungen unter freiem Himmel, übrigen aber kann nunmehr jede Partei an jedem und zu jeder Stunde Wahlversammlungen abhal- : e ft, ohne Laß davon der Polizeibehörde eine Mit- Ostung gemacht zu werden braucht.
Eine wesentliche Erleichterung gewährt das Reichs- ^reinsgesetz auch für die Bildung der Wahlausschüsse uder Wahlkomitees. Term während sonst laut 8 3 des Eeichsvereinsgesetzes der Vorstand eines politischen Vereins ein Verzeichnis- der Satzungen und der Mit- Aieder einreichen muß, kommt jetzt § 4 in Betracht, Reicher bestimmt:
„Personemuehrheiten, die vorübergehend zusam» Antreten, um im Aufträge von Wahlberechtigten Vorbereitungen für bestimmte Wahlen zu den auf ^ßsetz und Anordnung von Behörden beruhenden Öffentlichen Körperschaften zu treffen, gelten vom. Tage Ar amtlichen Bekanntmachung des Wahltags bis zur L^ndigung der Wahlhandlungen nicht als politische Vereine."
Tie Wahlausschüsse oder wie sie sich sonst, nennen, ^lten also danach bis zu den Stichwahlen nicht als politische Vereine und unterliegen nicht den für diese geltenden polizeilichen Vorschriften. Endlich komm!
die Verteilung von Stimmzetteln und Flugblättern Uvch der 8 43 der Reichsgewerbeordnung in Betracht, 'er wie folgt lautet:
.. „Zur Verteilung von Stimmzetteln und Druck- Triften zu Wahlzwecken bei der Wahl von gesetzgeben-
Feuilleton.
MaLdvvck oerbotenJ
3nt Urnmlfe n Paraguay»
„ „Rafael, eru caä-y!" — „Ahamä, tehe patrön!" 'Bring Mate, Rafael. — Ich komme schon, Herr.) tönte fs durch die nächtliche Stille unseres Lagers im paraguay- Wt Urwald in einer mondhellen schönen Nacht, und gleich "llrauf erschien mein getreuer „tzei-bftlave Rafael" mit jenem ^ornEsche-w erfrischenden Getränk, welches in Brasilien, Varaguay und Argentinien die Rolle unseres Tees und Kaffees vertritt. Mate, oder in der Ursprache des Landes Guarani, „caä-y" genannt, ist in Deutschland unter dem Vanren „Paraguay-Tee" bekannt uNd wird drüben ans seinen trockenen ausgähöhllten M-Msschaken durch ein 'Wernes Röhrchen getrunken.
Wir hatten einen bedeutungsvollen Tag vor uns, denn ^ hieß, nach vierwöchigem Genuß von getrocknetem Fleisch Ws ein Stück Schlachtvieh zu fangen und somit wieder Wt zwei Tage den lang entbehrten und ersehnten Genuß von frischem Fleisch zu haben. Deshalb kürzten,wir Unser Frühstück ab und gingen ans Satteln unserer nhou am Abend vorher eingetriebenen Pferde. Von meinen Jjel Reittieren Hatte ich mir das schnellste, einen großen Vraunen, ein ehemaliges Rennpferd, das ich nach einein von Mw verlorenen Rennen in der ersten Wut des Besitzers «t 65 Pesos Papier = 30 Mark erstanden hatte, ausge- wöihlt. Dieser Gelegenheitskauf hat. mich nie gereut, bw» |, 6 8Ctt seinen Besitzer sehr, denn er wollte das Tier nachher iur 250 Pesos, einen sür paraguayische Verhältnisse formen Preis, wieder zurückkausen; ich ließ mich aber dicht darauf «in. Weine Wühl fiel deshalb auf den
den Körperschaften ist eine polizeiliche Erlaubnis in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung des Wahltages bis zur Beendigung des Wahlaktes nicht erforderlich. Dasselbe gilt auch bezüglich der nichtgewerbs- mäßigen Verteilung von Stimmzetteln und Druckschriften zu Wahlzwecken."
Nicht minder bedeutsam als die amtliche Bekanntgabe des Wahltermins ist für die Wahleir die Auslegung der Wählerlisten, denn an dem entscheidungs- schweren Tage, am 12. Januar 1912, darf nur derjenige seinen Stimmzettel in die Urne werfen, dessen Zu- und Vorname, Alter, Gewerbe und Wohnort in die Wählerlisten eingetragen ist. Diese sind laut § 8 des Reichswahlgesetzes „spätestens vier Wochen vor dem zur Wahl bestimmten Tage zu jedermanns Einsicht auszulegen". Tie Auslegung der Listen begann diesmal in Preußen wie in den meisten anderen Bundesstaaten am 14., in einigen erst am 15. Dezember, also an dem spätest zulässigen Termin. Die Listen müssen mindestens 8 Tage ausliegen. Einsprachen gegen dieselben sind binnen 8 Tagen nach Beginn der Auslegung bei der Behörde, welche die Wählerlisten führt, anzubringen und innerhalb der nächsten 14 Tage zu erledigen, worauf die Listen geschlossen werden. Die Reklamationsfrist läuft mithin, soweit die Listen vonr 14. Dezember ab ausliegen, am 21. Dezember und in den Bundesstaaten, wo sie vom 16. Dezember ab ausliegen, an- 22. Dezember ab. Reklamationen, die nach diesem Termin eingehen, werden nicht mehr berück- , sichtigt.
Von Bedeutung ist hierbei noch die Frage, wo derjenige wählt, der nach dem 21. (bezw. 22.) Dezember verzieht. Die Wahlprüfungskommission des Reichstags hat hierüber entschieden, daß, wenn ein Wähler nach der Anfftellung der Wählerlisten den Wohnort wechselt, er in dem Ort, in dessen Wahlbezirk er eingetragen ist, bis zur Stichwahl wahlberechtigt ist. Wer also bis zum 21. Dezember seinen Wohnort wechselt, hat Fürsorge zu treffen, daß er mach an seinem neuen Wohnort iir die Wählerlisten eingetragen wird; verzieht er nach dem 21. Dezember, so bleibt er in seinem alte!: Wohnort wahlberechtigt.
Wer nicht in die Wählerlisten eingetragen ist, Jann am 12. Januar nicht mitwählen. Es ist also Sache und Pflicht sedes Wählers, sich davon zu überzeugen, daß er ordnungsgemäß eingetragen ist. An _ manchen Orten haben die städtischen Behörden die _ nachahmenswerte Einrichtung getroffen, au alle in den Listen verzeichneien Wähler schon vor Beginn der öffentlichen Auslegung Reichswählerkarten zu versenden, um die Kontrolle zu erleichtern. Im übrigen ist es aber Pflicht jedes Wählers, die Kontrolle selbst auszuüben und, falls er in den Listen fehlt, möglichst bald nach der Auslegung, jedenfalls aber innerhalb der achttägigen Einspruchsfrist, seine nachträgliche Ein- lragung, bezw. die Abänderung der etwa fehlerhaften Eintragung zu veranlassen. Tenn anderenfalls ist er am 12. Januar nicht in der Lage, das erste Ehrenrecht des deutschen Staatsbürgers, das zugleich eine Ehrenpflicht bedeutet, sein Wahlrecht, auszuüben.
Braunen, weil ich mich nach beinahe einjährigem Aufenthalt unter den Eingeborenen bas erstemal' aktiv am Ein- lassieren des Viches beteiligen- und- die bisher an toten Objekten erlernte Kunst in -der Praxis anweNd-en wollte.
Um 1 Uhr waren wir bereit und trabten durch den nächtlichen Wald mit seinem für Iden Beobachter interessanten Leben; ab und zu tönte aus weiter Ferne das Brüllen eines Tigers oder -eines Pumas an unser Ohr, oder unsere fünf Mann starke Kavalkade schreckte Schwärme kleiner grüner Papageien auf, die dann schreiend weiter im Innern des Waldes wieder einfielen. Die sogenannten Eis-enbahn- grillen ließen ihren dem Pfeifen einer Lokomotive durchaus ähnlichen Pfiff bald hier, baAd -dort -ertönen und weckten in mir die Empfindung, als ob ich mich in zivilisierter Gegend befände, bis ich durch den dreimaligen, -etwas klagenden Pfiff eines Tapirs in die Wirklichkeit zurückversetzt wurde, wozu übrigens die Moskitos auch ihr gut Teil beitrugen, überhaupt,^ wenn das greuliche fliegende und kriechende Ungeziefer nicht wäre, das einem Dag und Nacht leine Ruhe gönnt, wären die Unbilden des Urwaldes besser zu ertragen; das noch unverdorbene Mut eines „frischen" Europäers -scheint diesen Quälgeistern aber ganz besonders zuzusagen, denn mit konstanter -Bosheit setzen sie sich auf die ihnen exponierten Hände und- ins Gesicht; nur fortgesetztes Rauchen der aromatischen, selbst angefertigten Zigarren gewährt momentanen -Schutz.
Schon einige Tage vorher -hatte einer meiner Leute eine Stelle -auSgekundschaftet — ca. 25 Kilometer von unserem Vager entfernt —, an welcher nachts wildes Vieh zum Weiden heraustrat, und unser Ritt -galt -einem besonders fetten und großen fchwarzweiß-en Bullen, der sich angeblich unter dem gemeDeten Trupp befinden sollte. Es handelte sich um Vieh. welches von den großen, von Bra- > silien kommenden -Herden abirrt und- sich in den Wäldern
Politische Kbersrch!.
„Knrtnr'-oiitttr."
Deutschland ist das Land der großen Revuen geworden. Brs zum Kriege von 1870/71 gab es kein? Monatsschrift, die sich mit den periodischen Zeitschriften Englands und Frankreichs hätte vergleichen können, heute dürfen wir auf eine ganze Reche deutscher Revuen blicken, die mit Genugtuung als Gradmesser hochgespannter Kulturbestrebungen angesehen werden können. Zu ihnen gehört auch die von Paul Lindau vor sechs- und-dreißig Jahren begründete Zeitschrift „Nord und Süd", über die man gegenwärtig zu berichten darum Anlaß hat, weil sie wieder in den Verlag von -S. Schottländer übergegang-en ist, aus dem sie vor mehr als einem Menschenalter hervorgeg-angen war, und weil die Redaktion von einer namhaften Persönlichkeit übernommen worden ist, an die man hohe Ansprüche zu stellen hat. Vom 1. Januar ab wird „Nord und Süd" als Hauptmonatsschrift von dem Professor der Philosophie D-r. Ludwig 'stein geleitet werden. Was uns über den Inhalt das ersten Januarhefts mitgeterlt ivorden ist, spannt die Neugier hoch. Neben einem Aufsatz vom Herausgeber unter dem Titel „Kulturpolitik" wird sich in -diesem Heft finden -ein Artikel vom Fürsten Karl v. Lichnowsky, dem bekannten Mitglied des Herrenhauses, „Zur bevorstehenden Reichstagswahl", ferner ein Beitrag von Geheimrat Rießer „Zur inneren Politik". U. a. sodann werden schreiben der frühere Staatssekretär Dr. Dernburg über „Aufgaben des Reichs int neuen Kongogebiet", der bekannte ungarische Geograph und Weltreisende Professor Hermann Vambäry über Persien, Professor L>r. Wilhelm Ostwald über „Das Gehirn der Welt", der frühere ungarische Kultusminister Graf Albert Apponyi über „Internationale Rechtsbildungen". In tvelchem Geiste „Nord und Süd" fortair geleitet werden soll, darüber orien- tiert schön und eindrucksvoll der grundlegende Aufsatz von Professor Ludwig Stein, aus dem ein heller, anfeuernder, durchweg auf dem sicheren Boden eines starken Lebensgefühls beruhender Optimismus spricht. „Wir haben", so sagt der Verfasser, „uns feit Humanismus, Renaissance und Reformation beinahe zu Tode gezweifelt. Es gilt wieder aufzubauen. Der herrschende Individualismus hat diese trennenden Momente unter den Menschen bis zur Atomisierung allzu sichtbar herausgestellt. Wir wollen fortan Kulturpolitik treiben d. h. das Zusammenhaltende unter den Menschen, Ständen, Klassen, Berufen, Parteien, Rassen, Konfessionen, Völkern und Nationen herausheben uad die ewigen Interessen der menschliche!: Gattung fördern. Wir känrpfen gegei: alle anarchistische Selbstheit und wilde egoistische Eigenbrödelei. Jakob Grimm hat uns das stechende Merkwort hinterlassen: Bei den Deutschen hat stets das Bedeutungsvolle, nicht das Gefällige am höchsten gegolten. So wird man denn sehen- ob „Nord und Süd" durch Tater: und nicht bloß durch Programme zeigen wird, wohin die Reife gehen soll. Die ersten Mitarbeiter, die sich der neuen Leitung zur
versteckt HM; mit der Zeit nimmt -es die Gewohnheiten des Hochwildes -an, tritt am M-end zum Weiden heraus, um ein- vis zwei -Stunden nach Sonnena-usgang sich wieder in. sein Lager im W-ald-e znr-ückznziehen.
Nach beinahe vierstün-dig-öm schaffen Ritt kamen wir kurz vor lSonnenaUfgang -am Wakdausgang an, saßen Hort ab, satteAen nach und prüften nttsere Lassos, von 'denen der Effol-g des Tages in !der Hauptsache -albhing, zum letzten Male. Dann ging es weiter urid nach kaum fünf Minuten scharfen Trabes -hatten wir die Genngtu-ung, -das erwartete Vi-eih ungöfähr 800 Meter vom Waldvand entfernt weiden zu sehen. Run begann die eigentliche J-agd. D-en- wuffbereiten Lasso schwingend — die Eingeborenen mit wüstem Geschrei —, galoppierten wir, ^ uns strahlenförm-ig ansbreitend, auf!die -kleine Herde zu, die erschreckt zn-erst in den Wald 'flüchten wollte, dann aber, als sie sich von allen Seiten verfolgt sah, nach dem offenen Kamp hin flüchtig wurde. Die Führung hatte jener schon vorher erwähnte schw-arzweiHe Bulle übernommen, und unser Bestreben war, ihn von den übrigen Rindern zu trennen und einzu- kr-eisen. Die Schnelligkeit meines Renners gab mir rasch einen Vorsprung vor meinen Begleitern, und ich befand mich bald in Wurfnähe. Das Jagdfi-eber erfaßte -mich derart, -daß ich, che ich mir dessen bewußt war, mein Lasso durch die Luft sausen ließ, das sich alÄbakd als -Schlinge um beide Hörner des Bullen legte. Trotz d-e-s frenetischen Jnbek- goschreis meiner Knechte und des eigenen Triumphgesühls blieb ich mir bewußt, daß ich mein Tempo jetzt noch verschärfen Mußte, um den kassierten Bullen zu übethol-en. Es besteht sonst die Geisahr, -daß, wenn Rotz oder Reiter versagen, das rechte Bein des Reiters durch den straff gespannten, an dem Sattelgurt befestigten Lasso glatt abge- schnitten werden kann; das ist schon häufiger vorgekommen. Es -gelang mir, dank der Ausdauer -meines -Braunen, auch
