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Wiesbadener Tanblstt.

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eme^fXt^mmmcn» Wöchentlich 12 Ausgaben. Gegründet 1852. s-n?uh"m^7nl^7;E°'°Ls.

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Nr. 378.

Montag, 11. Dezember 1S1I.

59. Jahrgang.

Kbend-Ausgabe.

1, Matt.

Deutschland und England.

Die Flottenfrage.

Es kann in der Welt letzt nichts geschehen, woraus lucht in gewissen Blättern gefolgert wird, daß der Aus­bau unserer Kriegsflotte nicht schnell und nicht um­fangreich genug vorsichgehen kann. Jede Gelegenheit wird benutzt um dies Ceterum censeo sowohl der Regierung wie der öffentlichen Meinung einzuhäm- Mern. Nachdem die halbamtliche „Marine-Rundschau" die Notwendigkeit einer Verstärkung unseres ostasiatt- schen Geschwaders betont hat, wird denn auch von den Vorkämpfern des Flottenvereins unverzüglich ver­sichert, daß sich somit die Notwendigkeit eines beschleu­nigten Ausbaus der Kriegsflotte abermals erweise. Tenn wenn zu dem jetzt in Ostasien stationierten Ge­schwader noch weitere Kreuzer von der Heimatslotte ausgesendet werden müßten, so würde der Kreuzer- wangel in der heimischen Schlachtflotte um so bedenk­licher. Oie Tätigkeit der Personen und der Blätter, die beinahe Tag 'für Tag die Vergrößerung unserer Flotte sehr laut und mit wenig angenehm wirkender nervöser Gereiztheit fordern, verdient nun aber ein ernstes Wort. Es kann doch keine Frage sein, daß die Regierung es an diesem Punkte nicht fehlen lassen wird, wofern sie die Notwendigkeit erkennen sollte, unsere Seerüstung über den Rahmen des Flottengesetzes , hin­aus zu kräftigen. Es kann aber auch kein Zweifel daran bestehen, daß die wachsame öffentliche Meinung in allen Schichten unseres Volkes, auch in allen politischen Parteien (sogar die Sozialdemokratie möchten wir nicht völlig ausnehmen) keineswegs nötig hat, sich durch unberufene Leute mit aufgeregten Umgangssormen erst noch über unsere Bedürfnisse auf diesem Gebiet be­lehren zu lassen. Man darf ruhig sagen: Wenn es erforderlich ist, wird das Erforderliche eben auch ge- scheben, und es wird darüber keine Kämpfe geben, weder in der Öffentlichkeit noch auch in: Reichstag. Wir haben längst nicht mehr den Eindruck, daß die verantwortlichen Stellen erheblichen Wert auf eine Pressetätigkeit legen, die im Anfang allerdings dazu dienen konnte, die starke Strömung hervorzurufen, ohne welche die Flotten frage vielleicht nicht flott ge­worden wäre. Heute aber mag manches als Verlegen­heit empfunden werden, was früher allerdings nütz­lich sein mochte. Auch darüber ist kein Streit und kann keiner sein, daß eine unauffällige Behandlung

FZrMeLou.

Die Vühnenparlamente.

Von Erich Köhwr.

Man hatte den häßlichen Klang noch nicht ganz aus den Ohren verloren, der von der vorjährigen Telegrerien-Ver- sammlung der Deutschen Bühmngenossenschast als letztes Resultat hasten geblieben war, man empfand noch ein ge­wisses Unbehagen,. wenn man sich all des Krakeels jener Tage erinnerte, als man in dieser Woche zum erstenmal den Saal betrat, in dem das Schauspiclerparlcmient sich zu seiner diesjährigen Tagung zusammengesunden hatte. Aber man hoffte vielleicht, daß die segnende Kraft der Zeit auch hier nicht ohne Geltung geblieben sei, daß die Gemüter sich beruhigt hätten, und daß man diesmal statt persönlichen Gezänkes sachliche Erörterungen hören werde. Doch schon 5 Minuten nach dem ersten Klingelzeichen tobte der erste Lärm durch den Saal, Als es sich um den schließlich doch selbstverständlichen Wunsch handelt, daß der Präsident Nissen bei Verhandlungen, die seine Person betreffen, den Vorsitz üiederlogen soll, kam es zu erhitzten Debatten.. Herr Nissen wünschte zwar sehr schön, „mau möge keine persönlichen Knüppel zwischen die sachlichen Beine werfen", allein es zeigte sich, daß es sich nicht mehr um einzelne Knüppel, sondern um ein richtiges, wild wucherndes Gestrüpp handelt.

Es ist auch in dieser Versammlung wieder verschiedent­lich betont worden, welch schwere Opfer die einzelnen Schau­spieler „im Reich" („in der Provinz" ist nicht fein!) bringen, Um sich eine Vertretung auf der Berliner Tagung zu schaffen. Und trotzdem wurden von den drei Tagen zwei in Schimpfen und Zanken blöde vertan. Die große, .jeder Förderung würdige Bewegung der Genossenschaft wird durch das Treiben auf diesen Delegiertcn-Versammlungen in einer Weis« diskreditiert, daß kein noch so tüchtiger Präsident, und sei es selbst ein Rissen, dieses Lärms wert ist, diesen Schaden gntmachen kann. Wenn schließlich gar das Mit­glied eines Hostheaters, der Schauspieler Heinrich Schroth vom Berliner Schauspielhaus, einem Redner, der durchaus sachlich Herrn Riffen bekämpft, das Wort „Frechheit" wi­ll egenschleudert, ohne daß dieser Ausdruck einen Ordrmngs-

dieser Probleme schon wegen der Wirkung nach außen hin vorzuziehen sein müßte. Man kann nur wünschen, daß diese Ein!sicht auch dem Flottenverein aufgehen möge.

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Eiire dorrlsch-sMisse Arrslassimg.

Die „Nordd. Mg. Ztg." schreibt in ihrem WochenWer- Mck: „Die Mitteilungen, die in der Schlußsitzung des Reichstags vom Reichskanzler Wer die deutsch-englische Auseinandersetzung während der Marökkoverhandlungen gemacht wurden, wirkten im nationalen Sinne -einigend. Das T r u g b i l ö der schwachmütigen Haltung unserer Diplomatie mußte angesichts der öffentlich bekannt gewordenen Einzelheiten der diplomatischen Vorgänge zer­fließen. Bei dem einmütigen Wünsch nach F r i -e d e n und Freundschaft werden wir nach den Worten des Reichs­kanzlers abzuwaiten haben, ob England bereit ist, das Be­dürfnis nach besseren Beziehungen in seiner Politik in positiver Weise zum Ausdruck zu bringen. Die Ersahrun- gen dieses Sommers tragen hoffentlich dazu bei, die Leicht­gläubigkeit zu vermindern, mit der ausländische Behaup­tungen über deutsch-englische Vorkommnisse bei uns weiter­verbreitet werden. Mit mehreren solchen Fabeln haben die in der Budget-Kommission und im Plenum erteilten Auskünfte bereits aufgeräumt, andere möchten wir hier nachträglich znrückweisen, weil sie die Stellung des kaiser­lichen Botschafters in London berühren. In den Be­ratungen der Büdgetkommiffion stellte der Abgeordnete Bebel die Anfrage, ob es wahr sei, daß Sir Edward Grey in einer Unterredung über die Bankettrede des Schatz- kanzlers Lloyd George dem Botschafter gssagt habe: Gehen Sie nach Hause und beruhigen Sie sich! Selbstverständlich bewegten sich die Gespräche der beiden Diplomaten nicht in den Formen, wie sozialdemokratische Gemüter sie sich aus- malen. Eine Äußerung des angegebenen Inhalts ist im Verkehr zwischen dem Botschafter Graf Wolfs-Metternich und Sir Edward Grey weder den Worten noch dem, Sinne nach gefallen."

Englands Stellung zu einem Verkaufe von Spanisch- Guinca.

Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt weiter: Ans spanischen und französischen Blättern war eine Meldung in die deutsche Presse übergegangen, wonach England eine Abtretung Spanisch-Guineas. oder der Insel Fernando Po an eine dritte Macht nicht dulden wolle. Das englische Kabinett hätte Madrid in diesem Sinne verständigt. Die englische Regierung trat in einem durch Reuter veröffentlichten Dementi dieser irreführenden Nachricht entgegen: Routers Agentur — so lautet das Communigus — ist von hoher Seite ermächtigt, mitzn- teilen, daß die Nachricht erfunden ist, die englische Regie­rung hätte der fpanrschen mitgeteilt, daß sie der Zession von Spanisch-Guinea oder Fernando Po an eine dritte Macht

ruf nach sich zieht, wenn selbst ein so prächtiger Rissen- Fanatiker wie Rickelt sagt, daß man die Rahe des Zoolo­gischen Gartens merkt, wenn unter Johlen und Schreien minutenlang die Versammlung unterbrochen wird, so ge­winnt man daraus Eindrücke, die dem Ansehen der Schau­spieler in der Öffentlichkeit wahrhaftig nicht nützen können. Das ist um so bedauerlicher, als der gute Wille der einzelnen Delegierten nicht.zu bezweifeln ist.

Wenn man aus die drei Tage zurückblickt, so fragt man sich vergeblich, über welche positiven Resultate man referieren kann. Es gibt keine. Doch, der Spätnachmittag des dritten Tages brachte in letzter Stunde wenigstens noch einen ernst­haften Beschluß. Rickelt, der eben noch selbst festgestellt hatte, daß die Tagung bisher durchaus ergebnislos verlanferc sei, begründete mit Stentorstimme und viel Humor einen An­trag, der eine straffere Organisation der Genossenschaft unter genauer Darlegung der Prinzipien forderte, und. drang damit selbstverständlich durch, übrigens munkelt man in erngeweihten Kreisen, daß nicht Herr Barnowsky das Lessingtheater erhalten Werde, sondern eine Sozietät der dortigen Schauspieler unter der Leitung von Rickelt. Es wäre gewiß interessant zu beobachten, wieweit Herr Rickelt als Direktor die sozialpolitischen Ideen verwirklichen wirb, die er als Schauspieler oft mit einer Schroffheit vertritt, die nur durch seine freiwillige Komik gemildert wird. Von den sachlicken Verhandlungett kann man noch die Einrich­tung eines' Ehrenrates sowie die Bestallung einiger neuer Angestellter und endlich die Referate über die Position der Genossenschaft nach Annahme dos neuen Privatbeamten- Versichertrngsgesetzes erwähnen. Um gcz Ersatzkasse zu gelten, wird die Pensionsrasse eine völlige Umgestaltung muffen.

Und sonst war alles Riffen. Rissen vorne und Riffen hinten. Selbst eine so sachliche Frage, wie die Kartellie­rung aller deutschen und österreichischen Künstler und BÄHnenmitglieder. wird rasch ins Persönliche verzerrt. Denn der Rechtsanwalt Dr. Spelig. wenn ich nicht irre, der Syndikus des Eborsanaerverbandes, besaß die für einen Gast recht grobe Taktlosigkeit, aus seinem Referat über die W'cktigkeit"der Kartellierung eine Wahlrede für Nissen zu machen. Während von hüben und drüben der Boden für eine im beiderseitigen Interesse liegende Verständigung zwischen dem Büünenvercin und der Genossenschaft bcar-

sich widersetzen werde. Die englische Regierung habe in dieser Frage keiner anderen eine Mitteilung irgendwelcher Art gemacht.

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Das englische Kpiormgrnetz in Deutschland.

Durch den augenblicklich vor dem Reichsgericht in Leipzig verhandelten Spionageprozeß ist man, wie schon -gemeldet, einer über ganz Deutschland verzweigten, in englischen Diensten stehenden Spionag-eüande auf die -Spur gekommen. Die Spur zeigte nach Wilhelms­haven, wo, wie sich jetzt herausgestellt hat, eine ganze Spionagöbande zentralisiert ist. Bekanntlich ist dort der Schutzmann Clanß mit mehreren Komplizen unter dem Verdacht der Spionage verhaftet worden. Die sofort vor­genommene eingehende Untersuchung ergab die Rotwen-d-ig- teit, noch weitere Personen zu verhaften, die in einem Garten-Hause unangemeldet wohnten. Man wollte in der Nacht von Samstag auf -Sonntag >das Nest ansheben. Als man jedoch in das von Beamten umzingelte Hans- ein- drang, fand man keine Spur von dm-Spionen mehr. Sie waren auf unaufgeklärte Weise entflohen. .Gleichzeitig ent­deckte man im M i l i t ä r g e s ä n g n i s, daß auch der ver­haftete Schutzmann Elauß entflohen war, vermutlich mit Hilfe der bereits aus dem Garten-Hause entwichenen: Helfersh-eTser, die, wie sich später -h-eransstellte, durch einen unterirdischen Gang nach einer nahegelegenen Villa entflohen waren. Alle Spuren der Flüchtigen weisen nach Hamburg hin. Clanß wird von den Behörden als Leiter der Bande angesehen. Er hat das dicht vergitterte Oberl-ichtsenster im Militärgefängnis durchbrochen, ist dann mittels einer 4 Meter langen Stange, -die ihm seine Helfers- Helfer reichten, «ns dem Fenster in -den Ho-f gesprungen, wo er die Mauer überkletterte und daun ins Freie gelangte. -Man vermutet, -daß er nach Holland geflüchtet ist. Der Regierungspräsident hat auf die Ergreifung des Flüchtigen 5M M. BÄochnung ausgesetzt.

Im Spionageprozrtz Schultz finden Samstagabend in nichtöffentlicher Sitzung die Pl-aido-yers statt. Die Fort­setzung der Verhandlung wurde auf . nächsten Mittwoch- Vormittag ang-efetzt.

Neue englische Unterseeboote.

Obwohl der englische Marinchanshalt für 1912 noch nicht veröffentlicht ist, wird doch -bekannt, daß die englische Regierung den Bau von 29 bis 24 Unterseebooten gegen­über fünf im Haushältsausischuß für 1919 und 10 im Haushalt von 1811 vorgesehen hat. Der Grund für diese Vermehrung -sei darin zu suchen, daß das Deutsche Reich seiner Unterseebootflotte große Aufmerksamkeit widme.

Eine neue deutschfreundliche Rede Haldsnes.

Der englische Kriegs-Minister Haldane hielt am D-ams- tag in Accringion eine Rede, in der er aussüHrte, daß er

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beitet wird, besaß Dr. -Seelig die Kühnheit, Krieg bis aufs Messer gegen den Bnhnenvere-in zu sordern, was für ihn ja schließlich nur eine leichthin gesagte Phrase ist, da er selbst kein Künstler ist. Der Sturm der Opposition, der gegen ihn losbricht und fordert, daß Dt. Seelig das Wort entzogen werde, vereinigt zweifellos die taktvollsten und gescheitesten Köpfe. Schließlich Xä^t sich Herr Dr. Seelig sogar dazu hinreißend von einer einseitigen Verblendung zu sprechen, was Winds, der maßvollste und besonnenste Führer der Opposition, energisch als eine Beschimpfung -der Ver­sammlung zurückweist. Als Dr. Seelig trotzdem sortsahreN will, entsteht ein fürchterlicher Tohuwabohu. Die Opposi­tion, eine sehr starke Minorität, verläßt den Saal. Stür­misches Händetbatschen und Heulen und Johlen klingt -durch­einander. Der Operettenkomiker Max Marx schleudert, vor dem Präsidententisch stehend, kindliche, witzlose Zwischenrufs in den Lärm, ein sonst recht unwesentliches Mitglied- des Berliner Th-eaters, Artur Bergen, macht sich durch unnnter- brochenes „Raus-Geheul" bemerkbar, der österreichische Ver­treter Bolz-Feigl hüpft wie ein Clown in wilden Gestiku­lationen umher, die Tribüne« werden von der -Erregung mit- gerissen und mischen sich mit Beifalls- und Mißfallskünd- gebungen ein. Ein paar vernünftige Köpfe suchen- dis Gegensätze zu Überdrücken, und schließlich kehrt die Sezession zurück. Aber danrt kam bald die Präsidentenwahl. Albert Paul überninmit den Vorsitz, den er nach dem Muster des berühmten Greisen führt, der -aus dem Dach, resp. aus dem Prästdenteustuhl sitzt und sich nicht zu Helsen weiß. Erst kommt ein Antrag Dresden zur Debatte.'der einen nnbe- soldeten Präsidenten verlangt. Ans Gesprächen mit Mit­gliedern der Oppostt-iön erfährt man, welche goldene Brücke man der Niffenpartei bauen will. Es soll wieder ein unbe­soldeter Präsident gewählt werden, aber Rissen soll dis Stelle eines Generakdi-rektors mit gutem Gehakt vLkommem Doch Herr Nissen hängt am Amt des Präsidenten, solange auch nur noch ein einziger für ihn ist. Letzten Endes muß man die eiserne Stirn dieses Mannes bewundern. Dem Gegner, der ihn angreift, sagt er, daß er eine Verteidigung ablehne, weil der Gegner ihm persönlich WM ruhmvoll ge­nug sei. Einen änderen bezeichnet er als nicht wertvoll j-enug, jede Kritik seiner Geschäftsführung verbittet er sich auf das entschiedenste. Der Antrag Dresden wird ab gelehnt. Aber als dann ein Antrag des Schleswiger Stadttheaters