Seite 2* Morgen-Ausgabe, 1. Blatt.
ist es, das gegenwärtige Verfahren gegen Traub in Parallele mit -demjenigen gegen J'atho zu stellen, wie es in einem Blatte geschieht. Dieses dem Jatho- verfahren parallele wird erst kommen, wenn Traub vor Das Sp r u ch ko l l e g i u m zu treten hat. Vielleicht st>ird es auch gar nicht kommen. Wenn nämlich das Disziplinarverfahren mit der Absetzung enden sollte, Hann wäre die Verfolgung wegen Irrlehre überflüssig geworden und müßte eingestellt werden.
Deutsches Reich»
* Hof- und Personal-Nachrichten. ReickMeriKtsrat, vr.
E iilling, Mitglied des fünften Strafsenats, ist in Leipzig estorben.
* Eine neue FLottenvorlage? Auch der „Weserztg." wird aus Berlin schrieben: Daß bem nächsten Reichstag ^eine neue -Flottenvorl-age zuge-hen wird-, darf als ziemlich sicher gelten, fvaMch dürfte nur sein, ob dies -schon in der ersten Session, also unmittelbar nach den Wahlen geschehen wird. Es -handelt sich um zweierlei. Während wir bisher jährlich vier Kriegsschiffe ans Stapel legten und nun bei der Durchführung -unseres -Flottenba-npragva-inms -an idem Punkte angelangt sind, wo wir nur noch zwei aus Stapel zu legen bvauchen, möchte die M-arineverw-a-ltung die gesetzliche Ermächtigung erhalten, jährlich drei aus Stapel zu legen. Damit würde die Vollendung des Ban- programrms wesentlich beischl-eu-nig-t uNd- ein Ersatz der älteren Schiffe zeitiger h-erbeigeDhrt werden können, ja, wenn man damit 'vis zum Ende 1916 — dem Endtermin des jetzigen Bauprogvantms — fortführe, würden wir »Über einige Schisse mehr als die -bisher vorgesehene Höchstza-Hl verfügen. Das Hauptgewicht würde man wohl auf den Mehrbau -großer Kreuzer legen. Zweitens ist eine vermehrte JndienstHaltung verlangt. Statt der bisherigen zwei vollbesetzten -G-sschwäder, die immer kriegsbereit sind, sollen in Zukunft drei Göschwader in Dienst -gehalten werden und Nur noch ein Geschwader in -der Reserve bleiben. Alle Diese uNd andere Erwägungen sind natürlich noch nicht abgeschlossen,'überhaupt wird man sich gegenwärtig halten müssen, daß -die Vorbereitung der neuen Flottenvorlage sich erst im Anfangs st a-diu m befindet. Darüber hinaus wird — allerdings vorwiegend in -der Presse — -der Göd-anke erwogen, ab es Nicht möglich sein würde, mit England -einen gewissen Beharrungszustand in den -gegenseitigen Rüstungen herbeiznMhren — soweit Linienschiffe, große und kleine Kreuzer in Betracht kommen. Der Mehrbau eines großen Kreuzers und die geplante JNdiensthaltung -eines der beiden Reserv-e- Mchwaider würde sicherlich jährlich mindestens 50 Millionen Mark kosten. — Da ähnliche Behauptungen auch durch andere Matter gehen, wäre es wohl Zeit, daß die Reichsregierun-g einmal zu diesen Nachrichten Stellung nimmt.
* Holland und die Schiffahrtsabgaben. Von bestunterrichteter Stelle Wird der „Fr-ants. Ztg." aus dem Haag mitgetei-lt, daß die holländische Regierung auch chach der Annahme des Schiff-ahrtsäbAäbengss-eHes durch den deutschen Reichstag nach wie vor -durch kein Mittel dazu bewogen werden könne, die -SchiWhrtsakte von 1868, die die Einführung der Rhei-Nschrffahrtsäbgaben verbietet, auf- zugeben. Nach in Holland vorkiogenden Informationen steht auch die österreichische Regierung noch, genau so scharf aus diesem Standpunkt.
* Die sogenannte kleine Strafgesetznovelle -gilt im Reichstag nunmehr als endgültig gescheitert und wird nicht mehr auf die Tagesordnung kommen. Die Konservativen und die -Wirtschaftliche Vereinigung Haben dem vorgeschla-genen -Kompromiß- lebhaften Widerspruch entgegengesetzt, wonach die Regierung aus Vereinfachung der Strafen wegen Beleidigung durch die Presse (Lex Wagner), der Reichstag dagegen aus die von der Kommission neu in fote Vorlage gebrachte -Bestimmung, daß Schächtnngen von den Strafen wegen Tierquälerei ausdrücklich ausgenommen werden sollen, drang. Die noch geplanten weiteren Kompromitzverhandlung-en sind ldes- halb gar nicht wieder ausgenommen worden.
* über die Mitwirkung der Geistlichen bei Feuerbestattungen hat jetzt der Evangelische Oberkirchen- ra t im Hinblick aus die durch das Sta-atsgesetz vorn 14. September 1911 geschaffene veränderte Rechtslage eine anÄer- werte Regelung getroffen. Der Evangelische Oberkirchenrat hält -darnach im Einverständnis mit den Bekundungen der Geueralsynode nach wie vor daran fest, 'daß es Pflicht
und war nach Jahren, immer in Erwartung der reumütigen Rückkehr seines Ältesten, dem er innerlich längst verziehen hatte, sanft entschlafen.
Erst nach Jahren ließ Friedrich etwas von sich hören. Eines Tages brachte der Postbote einen Brief, der eine ausländische Marke trug.
Emil, der gerade allein im Laden tätig war, nahm den Brief entgegen, und da er die Handschrift des Bruders kannte, öffnete er ihn. _
Ein Brief voll Heimatssehnsucht, Sohnesliebe und der Bitte um Verzeihung war cs, und zum Schluß kam der Wunsch um ein paar versöhnende Zeilen, die ihn zurückrufeu sollten ins Vaterhaus.
Emil Naujok sah aber nicht ein, weshalb er mit dem älteren Bruder teilen sollte, was er allein genießen konnte. Kurzerhand zerriß er den Brief, und die alte Frau, die heute morgen den letzten, langen -Schlaf angetreten hatte, fraß den Grarn über den ungeratenen Sohn,'der nichts von sich hören ließ und im Kampfe des JÄ>ens der Eltern vergaß, immer tiefer in sich.
Seit Jahren war der Name des Ungeratenen, den sie dennoch als Mutter liebte, nicht mehr über ihre Lippen gekommen: sie harte ja auch so recht niemand, dem sie ihr Innerstes enthüllen konnte.
Nur gestern nacht, kurz vor ihrem Tode, hatte sie noch in liebevoll verzeihenden Worten des Fernen gedacht, den sie so gern noch einmal in ihre Arme geschlossen hätte.
Dies alles tauchte jäl, vor Emils Auge auf, als er sich dem Heimgekehrten so plötzlich gegenüber sah.
Von unten herauf musterte er den Bruder, dessen Züge scharf vom kalten Gaslicht beleuchtet wurden,
Wiesdadenes TagvlKZr._
und Aufgabe per Kirche Mn muß, den durch -die christliche Sitte geheMg-ten und mit «dem christlichen Gefühl -unseres Volkes eng zufem-menhäng-enden Bra-uch der Erdb e- st-attün-g zu bewähren und zu pflegen. Es wird den Geistlichen anheimgestellt, -da, wo ihre amtliche Teilnahme an einer Feuerbestattung begehrt wird- und nicht sonstige kirchliche -Gründe die Ablöhnung zur Pflicht machen, ihre Mitwirkung in Amtstracht zu -gewähren. Me Feier wird sich in -den auch sonst üblichen Formen von Rede, Liturgie und Gebet zu vollziehen Haben, wobei nur aus Vermeidung der ausschließlich für die Erdbestattung paffenden Wendungen und- Formeln Rücksicht zu nehmen sein wird. Unter allen Umständen aber mutz die amtliche Tätigkeit des Geistlichen vor der Überführung des Sarges in -den Verbrennungsapparat -ihr Ende erreichen. Eine Verpflichtung des Geistlichen zur amtlichen Mitwirkung -bei einer Feuerbestattung besteht nicht. GlaNbt der -darum angegangene Geistliche der betreffenden Gemeinde, mit Rücksicht auf die gewählte Best-attungsform seine Mitwirkung bei der Feier ablehnen zu sollen, so steht es -den Beteiligten frei, sich- an einen anderen Geistlichen der Landeskirche zu wenden, der i'm Falle seiner Bereitwilligkeit,-alsdann die Handlung zu vollziehen berechtigt ist.
* Zum Schutz des Wahlgeheimnisses. Zur zweiten Beratung des Entwurfs -eines -Mrsicherungsgosetzes für Angestellte hat die Fortschrittliche VoNsPartei _ folgende Resolution beantragt: Der Reichstag wolle beschließen: den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, beim Erlasse der Wahlordnungen aus -Grund der §§ 111, 135, 150, 162, 165 des V-ersicheruNgsgösetzes für Angestellte tunlichst die geheime Abstimmung -und die Sicherung des Wahlgeheimnisses anzuordnen.
MschtspArg§ rmd Ns»'M-rItntta.
Justiz-Personalien. Den Amtsgerichtsräten Wert» von L i m o n t in Niederlahnstein, Wolfs in Diez und Dr. Deh- wal,d in Mainz wurde der Rote Aülerorden 4. Klasse verlieben.
Herr- imS- Flotts.
Fliegerkorps. Die Stadt Eöln wird voraussichtlich neben dem Luftschifferbataillon auch ein -Fliegerkorps erhalten, das ita nächsten -Frühjahr gebildet werden dürfte. Außer CAn werden, der „Rhein.->Wosts. Ztg" zusolge, auch andere Garnisonen -Flieg-erkorps erhalten, und- zwar vornehmlich diejenigen, die als Grenzorte erhöhte Bedeutung Haben-
Schluß der Autzerdienststellungen 1911. Ans der -Mil- hölmAhavener Marinewerft stellte -man das Linienschiff „Schwabe n" außer Dienst, um nach siebenjähriger Jn- diensthaltung einer -Gmndreparatur unterzogen zu werden. Stoib und Besatzung siNd nach Kiel WbergeKhrt, um dort auf den Panzer ff,Wettin" überzug-öhen. Damit -hüben die Autzerdtenststellungen im Jahre 1911 ihr Ende erreicht.
Vier Schulkrcuzer in Westindien. Mit dem Eintreffen des -großen Kreuzers „Hansa" in PeNsacola auf Florida sind jetzt für die nächsten Wochen die vier -Scekädetten- und Schiffsjungenschulschiffe in den westindischen Gewässern ver-öint, in -denen -die vier großen Kreuzer das Wcihnachts- unid Neujahrsfest begehen werden.
AAs!mrd.
Zstsrvetch-Nttgav«.
Weitere Demission eines hohen MilitürS. Wie verlautet, dürste auch der Souschef des Generalstabes Feldmar- schalleutnant Langer seines Posten enthoben und mit einem Korps-komma-ndo betraut werden.
Zwei neue Universitäten in Ungarn. Der Unterrichts- Minister Graf Zichy unterbreitete den gesetzgebenden Körperschaften eine Vorlage, betreffend die Gründung von Universitäten in Preßburg und Debreczin. In Preßburg wird eine medizinische, eine juristische und eine mathematisch- naturwiffenschastliche Fakultät, in Debreczin eine reformierte theologische, juristisch und philosophisch-philologische Fakultät errichtet.
FvankNerch.
Debattelose Am,ahme oder nicht? Die demokratische und die radikale Linke sprachen sich zuguusten der Anregung Huberts aus, wonach über das deutsch-fran-zösische Abkommen ohne Debatte abgestimmt werden soll. - Jaurtzs schreibt dagegen in der „H u m a n i t e": Es würde Frankreichs nicht würdig sein, seine Ansichten über die Ereignisse, die den Vertrag vorbereitet haben, sowie über den Vertrag -Mb st und über die Zukunft zu verschweigen, ob es
mit verstohlen taxierendem Blick. Sehr gut schien es dem in der Fremde nicht gegangen zu sein, denn sein schlechtsitzender Anzug, war schadhaft, verschlissen, und das bleiche, abgehärmte Gesicht, die schlaffen Säcke unter den dunrelgeränderten Augen zeugten von einem an Sorgen und Entbehrungen reichen Leben._
Emil Naujok kam sich in seiner selbstgefälligen, ge- ruhigen Wohlhabenheit so unendlich viel besser als der ältere Bruder vor, daß er es nicht einmal für nötig hielt, ihm die Hand zu bieten.
Der schien einen freundlichen Empfang auch gar - nicht erwartet zu haben. Seine Augen irrten suchend in dem kleinen Raum umher und blieben dann in stummer, banger Frage an dem schwarzen Flor um des Brtlders Arm hängen. „Emil, wo sind die Eltern?"
Seine Stimme klang heiser, beklommen, und seine groben, verarbeiteten Hände zitterten leickft-
„Vater ist schon neun Jahre tot", entgegnete der Jüngere kühl.
„Und Mutter?"
„Sie, starb heute nacht."
Ganz still wurde es in dem kleinen Laden. Nur ein paar Fliegen stießen ihre Köpfe mit leichtem Plumps gegen die Glaswände des Ladenschrank-es. Tie Brust des Bruders hob und senkte sich keuchend und stoßweise.
„Ist sie sanft eingeschlafen?" preßte er nach einer Weile tonlos hervor.
„Sie verschied in meinen Armen."
Emil Naujok legte eine besondere Betonung ans diese Worte. Seine Linke spielte lässia mit dem großen Ausschnittmesser.
Sonntag, 3. Dezember 191 1. Nr. 568.
nun vor oder nach der Abstimmung über den Vertrag geschieht. Eine umfassende und weit über die ministerielle Frag e hinaus gehende Gewissensprüfung ist notwendig.
Polizeipräsident Lepinc als Kritiker der Regierung. Es heißt, der Ministervat werde sich mit dem Briefe des Polizeipräsekten Löpine beschäftigen, -da namentlich die darin an die Senatswähler des Departements Loire gcrich- tete Frage: „Fühlen Sie, daß Sie hinreichend
regiert werden?" in Regierungskreisen lebhaftes Befremden hervorgcrnsen habe. Der „SiLcle" hält es für möglich, daß der Mmisterrat diese Frage mit einer entsprechenden Maßnahme beantworten werde.
Neue Fähnriche. Kriegsminister Messimy hat soeben Zeinen Plan zur Durchführung gebracht, den er schon als Bcrichterstatter des Kriegs-Haushalts hegte. Es wird ein neuer Rang, der „Ensei-gne", zu deutsch Fähnrich, in der Armee eingeführt. Die neuen Fähnriche sollen aus -den Reihe« der älteren Unteroffiziere, Sergeanten und Feldwebel genommen werden. Auf -diese Werse will man der Krisis des Avancements einerseits steuern,, andererseits dem Leutnantmangel bei der Infanterie abhelfen. Für die Infanterie sollen 1630 Fähnrichstellen geschaffen werden, von denen anfangs 1912 bereits eine große Anzahl besetzt werden würde. Die Kavallerie erhält 180 und die Gebirgs- und algerische Artillerie zusammen 40 Stellen. Diese Fähnriche können -dann aber nur bis zum Haupt-mann einschließlich avaneieren und erhalten ein Gehalt, das zwischen -dem der alten Feldwebel und dem der Unterleutnants die Mitte hält.
Unregelmäßigkeiten bei der Versteigerung der Kostbarkeiten Abd ul Hamids. Bei der Versteigerung der Kostbarkeiten Abd ul Hamids in Paris sollen große Mißstände entdeckt worden sein. Der türkische Konsul in Paris soll, wie die „Nowoje Wremja" meldet, dabei stark konrpromitttert sein.
Gnglmrd.
Nachklänge zu Greys Rede. Der Minister Runciman nahm in seiner Rede zu Bolton auf Greys Rede Bezug und erklärte, disser habe den Frieden gewahrt. Grey sei ein Freund des Friedens, und es gäbe keinen Mensch tn England und Europa, der nicht zngebe, daß Grey auch Englmrds Stätte und Prestige gewahrt habe.
Zurückstellung der Seeprisenbill. Wie der „Daily Telegraph" erfährt, wird das Oberhaus die Seeprisenbill, welche die Grundsätze der Londoner T-oklaratiou enthält, znnick- weisen, und zwar mit der Begründung, daß eine so einschneidende, für das Reich so bedeutungsvolle Maßnahme nicht in aller Eile am -Ende der Tagung durchgepeitscht werden dürfe.
Dfinemavlr.
Ein neuer Schiedsgerichts-Vertrag. Der Reichstag nahm end^gültig- den Mnis-ch-soanzösischcn S-chiedIglerichtsver- trag an.
Schtvcdett.
-Ein neuer Landesvertcidigungsplan. Die Regierung beschloß, vier Komnrissione-n zu ernennen, um über dir finanzielle Leistungsfähi-gkeit des Landes und einem ihr angepaßtm wirksamen Landesverteidigungsplan zu beraten. Bürgerliche und militärische Sachverständige werden, vor den Kommissionen ihr Gutachten abzu- geben haben.
Die neuen Kardinale. Das geheime Konsistorium, das -die neuen Kardinale gewählt hat, hat, wie -mitgeteilt, statt- -gcsnn-dcn. Unter Pins X. sind überhaupt nur vier Konsistorien berufen worden, das letzte für den 16. Dezember 1907. Durch diese lange Panse erklärt cs sich, daß eine so große Anzahl von Kardinälen em-annt ist. nämlich 18, von denen 6 Italiener, 4 Franzosen, je 2 Österreicher, Spanier und Amerikaner, 1 Engländer und Holländer sind. Das Konklave besteht nunmehr aus 64 Würdenträgern und d-a darrmter sich 34 Italiener befinden, haben diese bei -einer Papstwahl die absolute Majorität. Daun kommt Frankreich mit 7, Österreich und Spanien mit je 6, Amerika mit 3. Deutschland und England mit je 2 und die restlichen Staaten mit je einem.
Kvrta.
Nutzlose Vorstellung^. Die von den S-chutzmächien der krctisch-en Regierung überreichte Note, tn welcher erklärt wind, daß die Schutzmächte eine Abänderung des Statas quo auf Kreta unter keinen Umständen zulassen werden, und worin es weiter heißt, daß der Versuch, kretische Abgeordnete in -das Parlament von Athen zu entsenden, nicht nur
„Hat sie nicht --Ter Bruder stockte einen Mo
ment und fuhr dann zögernd fort: „Hat sie nicht von mir gesprochen?"
Der Telikatesienhänd-ler richtete sich steif empor und entgegnete mit erhobener Stimme:
„Du warst tot für die Eltern und bist es auch bis zuletzt geblieben."
Der Kops des Bruders sank schwer auf die Brust, in seinen Zügen arbeitete es heftig. Wieder entstand eine Pause.
„Habt ihr nreinen Brief damals nicht erhalten?" nahm Friedrich unvermittelt wieder das Wort.
Emil Naujok zuckte zusammen, legte dann aber seine Stirn in sinnende Falten.
„Ach ja —- einen Brief. Ja, den haben wir bekommen: aber du weißt ja selbst, wie Vater und Mutter dachten: sie wollten mit dir nichts mehr zu sawssen haben."
Der Ältere schluckte ein paarmal, als ivollte er etwas zurückdräp-gen, was ihm würgend in die Kehle stieg.
„Ja, ich weiß, ich bin ein verdorbener Mensch, ein Spieler und Trinker; aber — Gott ist mein Zeuge — ich wurde es erst, als damals mein Brief unbeantwortet blieb. Da sagte ich mir: wenn keiner mehr etwas von dir wisien will, was liegt dann daran, ob du ein anständiger Kerl bleibst?! Vorher h-ab' ich meine Pflicht schlecht und recht getan, als ich noch in der amerikanischen Marine -diente und den Krieg mitmachte. — Bei Manila war ich auch dabei."
Die Augen des Mannes wandelten sinnend zur Decke, und vor seinem Geists tauchte ein Bild auf —
