Wiesbadener Tsgblstt.
Stflihl 21 wlür^} c l -i nr „Tagblatt -Haus" Nr. 6650-53.
Wöchentlich 12 Ausgaben. ^ Gegründet 1852.
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Wöchklltlich 12 Ausgaieu.
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Samen- Ganze, halbe, drittel und viertel Seiten, durchlaufend« nach besonderer Berechnung. , Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entiprechender vta
Morgen - Kusgabe.
L. Nkatt.
, Angriffe des Bundes der Landwirte gegen den deutschen Gewerbestand.
Vom Hansa -Bund wird uns geschrieben:
Bereits vor einiger Zeit hat der Bund der Laird- wrrte in einem tendenziösen Flugblatt, welches er nicht nur in seinen Kreisen, sondern auch bei den Behörden verbreitet hat, die Behauptung ausgestellt, datz die Landwirtschaft gegen 12 Milliarden Werte produziere, während die gesamte deutsche Industrie nur 10 Milliarden hervorbringe. Schon damals war vom Hansa- Bund auf die Unrichtigkeit und Ungerechtigkeit derartiger entstellender und verhetzender Angriffe hinge- wiesen worden. Nun setzt aber der Bund der Landwirte sein Treiben in noch anfechtbarerer Weise fort. Wie in Hannover auf der Hansatagung der Provinz Hannover mitgeteilt wurde, hat nämlich der Bund der Landwirte gegen 17 Millionen Ansichtspostkarten Herstellen lassen, aus denen er zur Stützung seiner Theorie über die völkerwirtschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft und die geringere Bedeutung von Gewerbe, Handel und Industrie in bunteii Bilderii ferne irreführenden Behauptungen wiederholt. Man braucht sich zwar über die Agitation des Buiides der Landwrrre nicht zu wundern, immerhin ist es aber bezeichnend, daß noch kurz vor den Wahlen seitens des Bundes der Landwirte in dieser Schärfe und dieser verhetzeiiden Form gegen die produktive Bedeutung des deutschen Gewerbestandes skrupellos vorgegangen wird. Wie immer verbindet der Bund der Landwirte natürlich mit seinem Vorgehen auch hier wiederum ein Geschäft. Er teilt nämlich öffentlich mit, daß er jedem Mitglied des Bundes 60 Karten zusenden und dafür 3 M. erheben
Die Absicht dieses eigenartigen Manövers ist natür tich, wiederum für die Wahlzwecke des Bundes der Landwirte mobil zu machen, und dieser Verein, der sich niemals genug tun kann, den Handel herabzusetzen und seine nationale Bedeutung zu schmähen, treibt hier m rücksichtslosester Weise mit der Ehre und dem Ansehen der nationalen Bedeutung von Gewerbe, Handel und Industrie einen verwerflichen Handel. Der Hansa- Bund weist die unberechtigten Angriffe auf die nafto- nale und produktive Bedeutung des deutschen Ge- werbestandes zurück. Er macht es der Landwrrtschaft durchaus nicht zum Vorwurf, daß sie gegenüber der industriellen Entwicklung des Deutschen Reiches zurllckgeb'lieben ist. Er hat aber eine von Sachverständigen nachgeprüfte Broschüre herausgegeben, überschrieben: „Deutschlands Industrie", aus welcher her vorgeht, daß die Statistik des Bundes der Landwirts nach keiner Richtung hin .aufrechtzuerhalten ist: vrel- mchr geht daraus klar hervor, daß die industrielle
Samstag, 8. Dezember 1911,
Produktion die landwirtschaftliche weit übertrifft. Ter Hansa-Bund lehnt aber eine Ausschlachtung dieser Tatsachen zu Wahlzwecken als unwürdig und den gemeinsamen Interessen der deutschen vroduktiven Stände widersprechend ab. Wer sich über die statistische Methode des Bundes der Landwirte und über me wahre Bedeutung von Deutschlands Gewerbe, Handel und Industrie informieren will, dein sei Me averi- erwähnte vom Hansa-Bund herausgegebene Broschüre empfohlen. Diese ist in kurzen Stichworten auf zwölf Seiten zusammengestellt und bei der Zentrale Hansa-Bundes, Berlin NW. 7. Torotheenstraße 36. erhältlich. ___.
gät die Ausnahme von Anzeigen nn »orgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
SK. Jahrgang.
Deutsches Deich.
Feuilleton.
(Nachdruck verboten.)
Zimmelserscheinimyen im Dezember 1911.
Monat der dunklen Tage und langen Nächte, im dszember, erreicht die Sonne den tiefsten Stand in ihrer cheiNbaren Jahresdahn, die uns natürlich nur durch dre ■Kröte Bewegung und schräge Achsenstellung der Erde vor- U'täuscht Wird, während die wahre Bewegung der S-mne rm Welträume auf die Gvenzgegend zwilchen „Herkules und .Leier", auf den Apex, zu gerichtet ist. Die D okl in ati on kt Sonne beträgt nämlich am 1. Dezember 21 30 19."8 und um Mitternacht 12 Uhr zwischen dem 22. und »3. Dezember, an welchem Zeitpunkte sie ihren Sfoßten suv- ichon Wert (Äquatorneigung der Ende gegen die EMptik) xrreicht: — 23° 27' 10."2. Da es für den ungenau Beobachtenden den Anschein hat, als verharrte die 'L>onne eine Weile in ihrem südlichsten Stande, hat man diese Zeit das Solstitinm (Sonnenstillstand) genannt und das Wrnter- sölstittum dem Sommevsolstitinm (21. oder 22. Jum) aeaenübergestellt. In Wirklichkeit wendet die Sonne nur ™ daher ist es richtiger zu sagen Wrntersonnenwende, ihre südliche Deklination nimmt wieder ab, nm lick am 20./21. März 1912, diesmal ebenfalls gerade zu Mitternacht, in nördliche Deklination zu verwandeln und als solche am 21. Juni nm 8 Uhr nachm., ihren größten SÄert (4- 23° 27' 10."6) zu erlangen. Bis zum Monats- Jahresende ist die Abnahme der südlichen Deklination weilich nur gering: 25' 55", wogegen sie im Januar schon 5° 8'3 im Februar 9° 41' und im März 11° 44 betragt. U«, Wendepunkte der Sonne, den der Kalender nach ver- -i^«n Bvauch auf ihren Übertritt aus dem Zeichen des ^Wdeittindas -des „Steinbocks" verlegt, obwohl ihr laafoet Stand noch rm westlichen Teile des „Schützen" ist.
- Hof- und Personal-Nachrichten. Der Stuttgarter Gemeinderat hat den bisherigen Rechtsrat Dr. Doll t"6 er an Stelle des zurückgetretenen Dr. Rettich zum ersten besoldeten Gemeinderat gewählt. „
* Austritt Italiens aus dem Dreibund? Die Wiener „Reichspost" (das dem Thronfolger nahestehende chnMch- soziale Organ) läßt sich aus Rom melden, es hätten dort in den letzten Tagen Besprechungen stattgesunden, die sich auf den Ablauf des DreibuNdvertrags bezogen. Diese Besprechungen feien vorn französischen Botschafter am Quirinal, Barriss, eingeleitet worden. Die Grundlage der Verhandlungen bildete der Vorschlag, Italien solle den Dreibund verlassen und sich Frankreich, dem Zwei- vund uNd dem Dreimächteverband anschließen. Bei Italien hätten diese Pläne eine sympathische Ausnahme gefunden unid es sei Nicht unwahrscheinlich, daß Italien den Dreibund.verlassen und sich dem Zweibund aNschließen
w erde. -,,
1,0. über die Preissteigerung größerer Güter und gleichzeitig .über den außerordentlich raschen Wechsel des Be sttzes wird uns aus dem Kreise Oflpnegnitz ein bezeichnen der Fall als verbürgt mitgeteilt: Hier befindet sich ein Gut, das innerhalb 6 Jahren nicht weniger als 9 Besitzer gehabt hat. Vor drei Jahren wurde es für 320000 M. verkauft, man ließ alsdann daraus ein schönes Schloß bauen, deffen Wert Es 150 000 M. eiNgeschätzt wurde; und jetzt ist das Gut für — 618 000 M. weiterverkaust worden, also mit einem Aufschlag von 148000 M. über den früheren Preis plus Schlotznöubau! Selbstverständlich wird der neue Besitzer sehr bald über die mangelhafte Höhe des — Zoll- schutzes klagen!
* Die Grenzen des Wahlkampfes. Der Abg. Grz- v er g er erklärte in einer ZentMmsvcrsamMlung in Dresden: „Der Wahlkampf muß Mit aller Schärfe geführt werden. Aber in allen diesen scharfen Auseinandersetzungen wollen wir nicht vergessen, daß wir Glieder und Bruder der deutschen Nation sind. Das soll das Ausland wissen, daß das .deutsche Volk im Falle der Gefahr wie ein Mann geeint eine unüberwindliche Mauer bilden wird. (Beifall.) Niemand soll auf die Spekulation eingchen, daß der Wahlkampf etwa .der Zeitpunkt sei, einen Krieg mit uns vom Zaune zu brechen. An einem Tage würden alle Waffen der Parteien ruhen, um deutsche Ehre und deutschen Herd mit aller .Entschiedenheit gegen den äußer en Feind zu vernimmt der Winter auf der nördlichen Halbkugel seinen
Anfangs Mittagshöhe der Sonne erfährt im Sinne ihrer Deklination zunächst noch eine Verringerung bis zum kürzesten Tage, dem 21./22. Dezember, im letzten Teile des Monats aber wieder eine kleine Zunahme, ^hre Werte sind für den Parallel von 54° (das nördliche Deutschland) 14° 29' am 1. und 12° 33' am 21. Dezember, für den Parallel von 51° (Mitteldeutschland) 17° 29' am 1. und 15° 33' am 21., endlich für den Parallel von 48° (Süddeutschland und Nordösterreich, etwa die Polhöhe von Wien) 20° 29' am 1 und 18° 33' am 21. Dezember; die dieser Abnahme bis zum Monatsschluffe folgende Zunahme beläuft sich aus 26' Mit der Ab- und Zunahme der Mittagshöhe verkleinern und vergrößern sich die Tagbogen der Sonne, die wieder die Tageslänge bestimmen. Die Tagesdauer nimmt daher im nördlichen Gebiet von 7% Stunden am 1- auf 714 Stunden am 21./22. Dezember, im mittleren Gebret von 8 Stunden am 1. aus 72/3 Stunden am 21./22. und im südlichen Gebiet von 8(4 Stunden am 1. arrf 8(4 Stunden am 21 /22. Dezember ab. Die geringe Zunahme der Tages« dauer bis zum Monatsschluß bettägt im Norden nur 5, im Süden nur 4 Minuten, die ganz auf den Nachmittag ent-
^^Der Mond zeigt im Dezember folgenden Phasen- weckülel: Vollmond am 6.. um 3 Uhr 52 Min. vormittags, Leütes Viertel am 12., um 6 Uhr 46 Min. nachm., Neumond am At um 4 Uhr 40 Min. nachm., und Erstes Viertel am 28 um 7 Uhr 48 Min. nachm. In Erdnähe steht der Mond am 7. um 2 Uhr vorm., bei einem Abstande von 56.1 Erd- balbmeffern und in Erdferne am 22., um 3 Uhr vorm., bei einem Abstande von 63 8 Erdradien ä 6378 Kilometer. — °xn der Frühe des 5. Dezember wird der nahezu volle Mond den Planeten Mars bedecken, ein interessanter Vor- aana der in unserer Gegend (Mitteleuropa) in seinem vollen Verlanke beobachtet werden kann. Der Eintritt er-
teidigen." Mit diesen Worten wird auch der schärfste parteipolitische Gegner des Herrn Erzberger durchaus einverfanden sein.
* Zum Feuerbestattungsgesetz. Unter den vexatortzchcn Bestimmungen, welche die gesetzlich angenommene Feuerbestattung in Preußen erschweren sollen, befindet sich eme, die der Nation die Schamröte ins Gesicht treiben muß. Der preußische Minister des Innern hat angeordnet, daß tote Mädchen, bevor sie der Feuerbestattung übergeben werden, ärztlich ans dm Besitz ihrer Mrginität untersucht werden. Dies« Bestimmung ist so ungeheuerlich, daß man an ihrer Wahrheit zweifeln müßte, wenn Mau nicht an derartige Dinge bei uns gewöhnt wäre. Ist es nicht eine un- geiheu erliche Belordigung .für die Tode, für die F«ami1re,für die ganze Nation, daß keine preußische Jungfrau letztwrarg ihren Leichnam .der Feuerbestattung überantworten kann, ohne daß die Tote polizeilich untersucht wird, ob sie ihre jungfräuliche Ehre noch -besitzt? Jeder weitere Kommentar ist überflüssig. Hoffentlich lassen sich alle liberalen Parteien im Wahlkampf auch dies Moment nicht entgehen, um der Wählerschaft dm rückständigen Geist in Prmßen deutt
lich zu machen. ^ .. _ r . „„
— Die drahtlosen Versuche aus dem neuen „Berliner Eiffelturm". Wie uns mitgeteilt wird, werden die Versuche mit dem neuen, wie mitgeteilt, um das Doppelte erhöhten FmÄenturm in Nauen, der jetzt eine Hohe von 200 Meter hat, Anfang des nächsten Jahres besinnen. Man hofft, daß der Aktionsradius der drahtlosen Station, der bisher 5000 Kilometer weit reichte, eine Vergrößerung auf 7500 vis 8000 Kilometer durch die Verdoppelung der Turmhöhe erlangen wird.
DM. Für Blumenau. In seiner Sitzung vom 21 November hat der Vorstand der Deutschen Kolonial- gesellschast für die durch Hochwasser .geschAdigtm Schulgemeinden in Wumeüau (SüdbraMm) 1000 M. bewilligt und öbenfoviel hat der Herzog Johann Mbrecht zu Mecklenburg, der Präsident der Gesellschaft, aus seinem Drspo- sttionsfoNds zur Verfügung gestellt, so daß aus telegraphischem Wege den NotldideNd-n die Summe von 2000 M. übermittÄt werden konnte.
* Ausrüstung der Magdeburger Polizei mit Schuß- »vaffen. Infolge der Mrzlichen schweren Ausschreitungeir gegen Polizeibeamte in den Vorstädten Magdeburgs, N-m- stndt uNd Buckau, wurde .die Straßenpolizei mit Schußwaffen ausgerüstet.
* Stiftung. Die Firma Gebrüder Nebel in Plauen Meie anläßlich ihres 50jährigen Bestehens ein 5tapital von 50 IM M. für ihr Personal.
* Neue Verhandlungen im Berliner Metallarbeiter- gewerbe. Die Metallindustriellen sowohl wie die Leiter des Metallarbeiterverbandes traten Freitagnachmittag zu Beratungen über die weiter zu ergreifeNdm Maßnahmen zusammen. Auf beiden Seiten ist man zu neuen Einigungs-Verhandlungen berert.
* Die jüdische Bevölkerung der Welt., Einen statistischen ÜbeLbttck über die Zahl der Inden, sawevt KrDerlaisrge amtt Ache Anvaben gu orlanyerr waoem,, gM dre »Nature . Nach dieser Aufstellung bozifsert sich Ä:.e Gesamtzahl L«r
auf 11817 783, wovon wettaus der größte Teck, 0 94^266. ln I'übe'n An AnvernEa Z'ahlde 4N<rni, 1 894 4\)9, _m Eliten ‘ 522 635, in Aftitkä 341 867 un.d in AustrMen 17 106 Bonner
folgt für Berlinum 5 Uhr 36 Min., der Austritt um 6 Uhr
4 ^ll^deobachtrmg der großen Planeten bietet sich im Dezember viel günstige Gelegenheit, soweit die m diesem Monat am meisten zur Trübung neigende Atmosphäre es gestattet. Mars und Saturn beherrschen wahrend der ganzen Nacht den Himmel, Venus glänzt als schönstes Gestirn am frühen Morgen im Osten und Sudosten, und auch Jupiter erscheint wieder vor der Sonne. Merkur bleibt für das bloße Auge unsichtbar, obgleich er am 7., um 8 Uhr abends, seine größte östliche Ausweichung, 20° 58', erreicht. Ilm 25. Dezember, 5 Uhr nachm., durchläuft er seine untere Sormenkonjunktion. — Venus bewegt sich gegen Monatsende aus dem Sternbilde der „Jungfrau" in das der „Wage" und erregt als Morgenstern die Bewnnderun.g des Frühaufstehers. Während sich der Planet im Osten erhebt, was anfänglich noch vor 4, zuletzt nach 4 Uhr geschieht, neigen sich Saturn und Mars im Westen dem Horizonte zu, ein schönes Pendant zu dem grell funkelnden Morgenstern. Seine Entfernung von der Erde nimmt von 0.72 arrf 0.94 Erdbahnhalbmeffer L 149.48 Millionen Kilometer zu, sein scheinbarer Durchmesser daher von 23."3 auf 17."8 ab. Am Nachmittage des 16. Dezember, um 4 Uhr, hat der Mond mit Venus Konjunktion, er steht deshalb am vorangehenden Morgen noch westlich (rechts), am folgenden Morgen schon östlich (links) vom Morgensterne. — Mars bleibt int Sternbilde des „Stiers" die ganze Nacht hindurch sichtbar, er kulminiert im Süden zuerst um 11 Uhr, zuletzt kurz nach 8% Uhr abends, noch immer höchst auffallend durch sein seurigrotes Licht, den Widerschein seiner großen Wüsten. Nachdem er am 17. November in Erdnähe (0.51 Erdbahn- radien) und am 25. November in Opposition gestanden hat, entfernt er sich wieder von uns, und zwar wächst sein Erdabstand im Dezember von 0.53 auf 0.69 Erdbahnhalbmeffer. Damit verkleinert sich sein scheinbarer Durchmesser, der am i 17. November auf 18."3 angewachsen war. von 17."7 auj
