Verlag Langgaffe 81
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Nr. 52».
Dienstag, V. November »NI».
5N. Jahrgang.
Morgen - KuZgabe.
1. matt.
Nor kr Schlacht.
L. Berlin, 6. November.
Kn der bevorstehenden Marokkodevatte im Reichstag werden es der Reichskanzler und der Staatssekretär v. Kiderlen - Wächter als eine ihrer dringend- neir Aufgaben betrachten, jene Anschauungen und Darstellungen zu widerlegen, welche die Rolle Englands m den deutsch-französischen Verhandlungen und somit auch unsere Stellung zu England und infolge davon zu beiden Westmächten vielfach in eine falsche Beleuchtung gerückt haben. Wie wichtig Herr v. Kiderlen - Wächter gerade Liese Aufgabe nimmt. hat bereits das lleuliche Entrefilet der „N. A. Z." gezeigt, worin es hieß, dem Reichskanzler werde sich die Gelegenheit bieten, bei der Besprechung der Vorgeschichte des Marokkovertrages die Haltlosigkeit der Behauptung nackzuweisen. daß Joii bei der Einleitung oder während des Verlaufs der Verhandlungen vor einem Einspruch von dritter 'Seite zurückgewichen seien. Deutschland, so fuhr Las Re- gierungsblait fort, habe von Anfang au den Wunsch ausgesprochen, mit Frankreich allein zu verhandeln, und dabei ist es geblieben. Diese Worte bedeuten für jeden Unterrichteten also, daß es in London allerdings an Bemühungen nicht gefehlt haben mag, sich in die Verhandlungen einzumischen, daß es aber eben beim Versuch geblieben ist,, und daß die Vereitelung des Versuchs nicht einmal schwer gewesen ist, einfach weil in Paris der hier geäußerte Wunsch alsbald gewürdigt und als berechtigt anerkannt und befolgt wurde. Überhaupt kann prinzipiell bemerkt werden, und auch darüber wird von den amtlichen Stellen. im Reichstag voraussichtlich eine Aufklärung gegeben werden, daß die Verhandlungen mit Frankreich, so schwierig sie , oft genug waren, doch stets wieder durch den Willen der Pariser Machthaber, zu einer Verständigung zu gelangen, über alle zeitweiligen Stockungen hinwegge- leitet werden konnten. Die beiden Kontrahenten stanken sich mit der Hartnäckigkeit von Geschäftsmännern gegenüber, von denen jeder den ihm anvertrauten Pflichtenkreis bis zum Äußersten zu wahren und zu behaupten suchte, aber stets wurde mit ehrlichen Waffen gekämpft, und das Ziel war der Friede und nicht die Herbeiführung eines Konflikts. Voranssichtlich wird man aus den Darlegungen des Staatssekretärs auch erfahren. daß der erste Anstoß zu den Verhandlungen von Paris ausging, daß er, wenn auch in wenig bestimmter Form, bereits Ende Mai erfolgte, wo Herr d. Kiderlen-Wächter in Kissrngen den Besuch des Herrn Jules Cambon empfing, und daß die Entsendung des „Panther" und der „Berlin" nach Agadir
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wohl das Tempo beschleunigte, nicht aber der Ausgangspunkt der Verhandlungen war. Die Besprechungen hatten eben schon früher begonnen. Man weiß ferner, daß die Anregung, im französischen Kvngo- gebiete Kompensationen für die Überlassung Marokkos an den alleinigen politischen Einfluß Frankreichs zu gewähren, gleichfalls französischen Ursprungs ist, und man kann zusammenfassend sagen, daß die Grundlagen der deutsch-französischen Verhandlungen schon in dem Augenblick gegeben waren, wo diese Verhändlün- gen einsetzten. Für eine englische Aktion wäre im Rahmen dieser Sachlage eigentlich im Grunde genommen kein Platz zu beschaffen gewesen. Auch ließe sich an mehr als einen: Punkte der langwierigen Verhandlungen zwischen Berlin und Pavis Nachweisen, daß gewisse britische Bestrebungen, nun doch als dritter Kontrahent mitzuwirken, an der Seine als eine Unbequemlichkeit empfunden wurden. Wenn sich trotzdem der Eindruck ergebeir konnte, als hätten die vielbe- rufenen scharfen Äußerungen der Herren Lloyd George und Lord Asquith die Wirkung gehabt, daß die deutsche Politik von ihrem zuerst eingeschlagenen Wege abwich und angebliche Absichten ans das Susgebiet aufzugeben gezwungen war, so wird man setzt vom Reichskanzler oder vom Staatssekretär oder von beiden Rednern zu Horen bekommen, daß dieser Eindruck falsch ist, und daß eine Festsetzung in Südmarokko niemals im Plane gelegen hat. Der Unmut, den die drohende Sprache der britischen Staatsmänner hier erregte, mußte uni so lebhafter sein, je mehr man überzeugt sein konnte, daß Lloyd George und Lord Asquith wußten, wie überflüssig ihre Warnungen waren und daß sie nur offene Türen einstießen. So gut wie in Paris war es selbstverständlich auch in London bekannt, daß es keine deutschen Absichten auf Agadir und das Susgebiet gab. Vielleicht wären die Verhandlungen zwischen Kiderlen und Cambon schneller und glatter verlaufen, wenn sich nicht der Zwischenfall dieser englischen Miniisterreden ereignet hätte. Und vielleicht wird auch diese 'Seite der Sache durch die Auskünfte des Reichskanzlers und des Staatssekretärs im Reichstag angemessen beleuchtet werden. Aber schwer werden es die Vertreter 'der Regierung unter allen Umständen haben, noch schwerer jetzt, wo der Rücktritt des Herrn v. Lindequist wie ein grelles Signal wirkt. Was man über den Entschluß des Kolonialstaatssekretärs auch sagen und wie man ihn Vvni Standpunkt der „Disziplin" auch beurteilen mag, so wird jeder unbefangene Beurteiler anerkennen müssen, daß sich Herr v. Lindequist in einem Gewissenskonflikt befand, den er als ehrlicher Mann nicht anders lösen konnte, als- indem er die Amtstür hinter sich zuwarf. Denn wie hätte er im Reichstag einen Vertrag beschönigen können, der ihm so sehr doch mißfällt, daß er es eben nicht länger auf seinem Posten aushalten kann!
PMtifche Merstcht.
DeN vsüksmmsrr «rmichkmgrge Reichskanzlei.
_ Der Reichskanzler will es nicht wahr haben, daß eh „seine Stellung von der Majorität des Reichstags abhängig machen könne". Der Vorsitzende des Bundes der Landwirte hatte, wie bekannt, kürzlich zu Geldbeiträgen für die Wahlen aufgefordert und dabei bemerkt, „bei der ganzen Natur des jetzigen Herrn Reichskanzlers" müsse man befürchten, daß er seine Stellung von der Mehrheit abhängig mache. Diese Behauptung also läßt Herr v. Bethmann-Hollweg in der „Nordd. Allg. Ztg." „unter Hinweis auf seine bisherige Amtsführung" entschieden zurückweisen. Seiner Natur entspreche vielmehr eine Auffassung seines Amts, die ihni seine Überzeugung zur Richtschnur seines Handelns mache, und hieran werde auch der Wahlausfall nichts ändern. Eine merkwürdige Abwehr! Aber sie ist bemerkenswert, weil sie die Psyche des verantwortlichen Staatsmanns bis in ihre feinsten Verzweigungen bloßlegt. Man glaubt es dem Reichskanzler durchaus, daß er sich so beurteilt und im 'Innersten so enipfindet, wie er es hier mit Worten erklären läßt, die etwas unangenehm Ruhmrediges hätten, wenn sie wicht durch eine ganz eigentümliche Naivität entschuldigt würden. Herr v. Bethmann- Hollweg muß in der Tat meinenß daß seine Amtsführung auch durch einen Wahlausfall, der die Konservativen und das Zentrum beträchtlich schwächen würde,: nicht aus der Bahn gelenkt werden könnte. Wenn er nicht dieser Meinung wäre, so würde er es nicht sagen, und indem er es sagt, merkt er gar nicht erst, wie vollkommen u n m ö g l i ch das Gesagte nach den innersten Bedingungen der Verhältnisse ewig ist und bleiben muß. Wir mögen noch so weit von konstitutionellen Zuständen, wie sie sein sollen, entfernt sein, so ist es doch ausgeschlossen, daß ein Reichskanzler seine Amtsführung nicht in ein Verhältnis zum Reichstag und den verschiedenen Möglichkeiten einer Mehrheitsbil» düng zu bringen hätte. Selbst ein russischer Ministerpräsident muß auf die Duma Rücksicht nehmen« Was wird aus der Regierungsmaxime des Herrn von Bethmann-Hollweg, wenn im neuen Reichstag Recht« und Zentrum nebst den verwandten Anhängseln nur etwa 150 Mitglieder zählen und wenn trotzdem das w i r t sch a f t s p o.l i t i s ch e Programm durchgesetzt werden soll, zu dem sich der Kanzler jüngst öffentlich bekannte? Nichts wird alsdann aus diesem Maxime. Sie bliebe ein Monolog, ein Versprechen, handeln zu wollen, aber mit dein niederziehenden Gewicht des Nichthandelnkönne.ns. Herr v. Bethmcuin-Holl-i wog ist gewiß ein kluger Mann, nur gerade dies Einfachste und Selbstverständlichste will er nicht einsehen. Seine Versicherungen in der „N. A. Z." sind nun aber
FemüeLon.
(Nachdruck verdaten.)
Himmelserschemimyen im November 1911.
Im Jause des.Monats November .nähert sich die südliche DeMnaKon der Sonne schon stärk ihren! größten Werte — die Schiefe der EWihtik beträgt ,nach Newcomb für 19 M 23°27' 8."26 —, sie nimmt von — 14" 9' 20."4 am 1. bis auf — 21 » 30' 49."8 zu. Um die gleichen Wert«' verkleinern sich auch die Daigeskreife der. Sonne, und mit diesen nimmt ihre M itta> g shöh e ab. Legen wir, wie dies bisher .immer geschehen ist, die drei Parallelkreiie von 48", 51° und 54° .zugrunde, die das Gebiet zwischen Donau und Ostsee in zwei gleiche Zonen teilen, so erhalten wir folgende Mittagshöhen der Sonne: für den Parallel von 48° (SWdöutschland,unld Österreich, etwa die Polhöhe von Wien) 27° öl' -am 1. und 20" 29' am 30. November, für den PavallÄ von 51° (Mitteldeutschland) 24° 51' am 1. .und 17° 29' am 30. November, endlich für den Parallel van 54° (Nariddeutschland) 21° 51' am 1. und 14° 29' am 30. November. Me Tageslänge nimmt demgemäß ab in Süd- deutschland, der Schweiz und Österreich von 10 auf 8% Stunden, in Mitteldeutschland von 9% auf 814 und in Nwddeutschland von 914 auf s Stunden.
Unser M ond zeigt im November folgenden Phasenwechsel: Vollmond am 6., um 4 Uhr 48 .Min. nachmittags, Letztes Viertel am 13., um 8 Uhr 20 Min. vormittags, Reumortd am 20., um 9 Uhr 49 Min. nachmittags, unid Erstes Viertel am 29., um 2 Uhr 42 Min. vormittags. .Der Mond befindet sich in seiner Erdnähe am 8. November, um 7 Uhr uachnttttags, bei einem Abstande van 56,8 Erd- radien und in feiner Erdferne am 24. November, nur 6 Uhr nachmittags, bei einem Abstande von 63,7 Erdhalb- ueesiern ä 6378 Kilometer. Zwei im November stattfindende Sterrtbüdeckungen betreffen nur sehr lichtschwache
Sterne; bei dieser Gelegenheit fei aber schon jetzt darauf hiugewief.en, daß am Morgen des 5. Dezember der Mars vom Monde bdeckt werden wird, ein hochinteressantes Phänomen, :das in gaits Mitteleuropa, beobachtet werden kaun-
Am Nachmittag des 6. November wird sich die letzte und einzige sichtbare der vier F inst e rniff e des Jahres 1911 ereignen, doch ist auch dieser Vorgang nur in seinem Endverlaufe sichtbar und dazu noch recht unbedeuteod. Der Mortd Wird nämlich nur in den Halbschatten (die PäUttmbva) der Erde eintreten, .also eine pänumbrale Finsternis darbieten. Die erste Berührung des Mönches mit Den: Halbschatten findet um 2 Uhr 39 Min., die Mitte des Durchgangs mn 4 Uhr 37 Min. und rie letzte Berührung um 6 Uhr 34 Min. statt. Der Mono geht erst gegen 414 Uhr verfinstett auf.
Von den Hauptplaneten treten im November besonders Venus, Mars und Saturn kräftig hervor, in dm frühen Morgenstunden, vor 6 Uhr, sind sogar alle drei gleichzeitig über dem Horizont, der Morgenstern im Osten, Mars und Saturn im Westen. Merkur, dessen stark südliche Deklination noch fortwährend zunimmt, um am 1. Dezember ihren größten Wert, — 25° 21/5, zu erreichen, bleibt unsichtbar. Leider kann deshalb auch eine ganze Reihe von Annäherungen dieses Planeten an andere Gestirne mit unbewaffnetem Auge nicht beobachtet werden. Merkur steht nämlich am 7. November, 8 Uhr abends, 1° 50' südlich von Jupiter, am 13. November, 1 Uhr vormittags, 29' nöMich von Delta des „Skorpions", am gleichen Tage, abends 9 Uhr, 2° 39' südlich von Beta des „Skorpions", und am 17. November, 2 Uhr nachmittags, 2° 43' nördlich von Alpha des „Skorpions". Ter Planet nähert sich der Erde von 1.44 ans 1.14 Erldbahnhalbmesser ä 149.48 Millionen Kilometer. — Venus, die gegen Monatsfchluß aus dem Sternbilde der „Jungfrau" in das der „Wage" übergeht, strahlt als Morgenstern etwa vier Stunden lang am östlichen Himmel, mit ihrem herrlichen Wanze alle anderen Sterne übertreffend. Am 26. November, um 9 Uür vormittags, er
reicht sie ihre größte westliche Ausweichung von der Sonne, 46° 45'. Da feer Planet im September seine untere Konjunktion durchlaufen hat, entfernt er sich bis auf weiteres von der Erde, und zwar vergrößert sich sein Erdabstand im November von 0.50 auf 0.72 Erdbahnradien, während fein scheinbarer Durchmesser von 33."6 auf 23."3 abnimmt. Slm 16. November, 8 Uhr abends, kommt der Mond mit Venus in sehr nahe Konjunktion (Mond nöMich), am vorangohen- den Morgen sieht man daher die abnehmende Mondsichel noch westlich (rechts), am folgenden Morgen schon östlich (links) von dem grell.funkelnden Planeten, der im Fernrohr jetzt eine Mwhmsttde Phase zeigt. — Mars, im Bilde des „Stiers", südöstlich vom Siebengestirn, bleibt fast während der .ganzen Nacht über dein Horizonte und erregt durch fernen ungewöhnlich hellen, rötlichen Glanz allgemettw Aufmerksamkeit. Infolge feiner stark nördlichen DeMnatton, die bis zum 10. November noch zunimmt (bis auf + 21° 58'), erreicht er im Meridian einen sehr hohen Stand. Mm 17. November kommt er in Erdnähe, 0.5112 Erdbahnradien oder 76 414 200 Kilometer, mtd am 25. November in Opposition. Auf seiner Oberfläche sind zu dieser Zeit, wie auch schon während der letzten Wochen, durch kräftige Instrumente zahlreiche Flecke und Limen zu beobachten; deutlich ttitt der Polarfchnee durch seine Helligkeit hervor. Am 8. November, um 10 Uhr vormittags, hat der Mond mit Mars Konjunktion (Mond nördlich), darum sieht man seine noch boinahe volle Scherbe in der vorangehenden Nacht noch westlich, in der folgenden schon östlich vom Mars. — Jupiter, der am 18. November um 5 Uhr nachmittags in Son-nen- konjunktion steht, bleibt in diesem Monat unsichtbar. Sein Erdabstand ist zur angegebenen Zeit am größten, nämlich 6.37 Erdbahnhalbmesser. — Saturn bewegt sich aus dem Bilde des „Stiers" in das des „Widders", kommt am 10. November, um 7 Uhr vomnttags, in Opposition und ist die ganze Nacht hindurch als Stern 1. Größe westlich (rechts) vom Siebengestiru zu beobachten. Sein Erdabstand beträgt am 1. November 8.17, am 10. 8.16 und am 30. November 8.23 Erdbahnhalbmesser; sein scheinbarer Durchmesser ist 20."2, die große Achse seiner Ringellipse Mißt 4ö."9 und die
