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Tagblrtt-Hrus".

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Gegründet 1852.

Tagblatt.Haus" Nr. KKSO-h«. Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags,

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Nr. 5«8.

Montag 3®. Oktober 1911.

Kbend »Ausgabe.

1. Matt,

Der Reichstag und die deutsche französischen Abmachungen.

Me Frage, ob die Verträge mit Frankreich oem Reichstag zur Genehmigung oder nur zur Kenntnis­nahme vorzulegen seien, ist ersichtlich auch runerhato ber Regierung verschieden beantwortet worden, und bat offenbare Schwankungen in der Behandlung dreier Angelegenheit gegeben. Nachdem man sich anfangs dahin entschieden hatte, die Verträge lediglich zur Kenntnisnahme zu unterbreiten, entstanden Zweifel, ab nicht der Marokkovertrag wegen der Änderung der Konsulargerichtsbarkeit der Zustimmung des Reichs­tags bedürfe. So wurde die Absicht verlautbart, diesen Teil der Vereinbarungen mit Frankreich dem Reichstag Zur Genehmigung vorzulegen. Inzwischen hat mau

sich aber wieder anders entschlossen. Man hat herauv- gefunden, dasi die Bestimmungen über die Konsular- ßerichtsbarkeit in Marokko so ausgelegt, werden können, baß sie nicht als Änderungen der Gerichtsbarkeit auf- Lefaßt werden müssen» Um aller: Zweifeln zu begeg­nen, forderte der Reichskanzler ein Gutachten oes Reichsjustizamts ein, das ebenfalls zu , bem Ergebnis

sarn, die Genehmigung des Reichstags sei für beide ü> träge nicht erforderlich. Der Entschluß, den Reichstag gewissermaßen auszuschalten, während dre stayzogsch Deputiertenkammer über Annahme oder Ablehnung der beiden Verträge zu entscheiden hat,, wird oer den Parteien der Linken sehr bittere Empfindungen er­regen, und die Kritik an den Verträgen wird in der am 8.,, November beginnenden Debatte unter solchen Um­ständen nicht gerade glimpflich aussallen. Mit, beion- derem Interesse wird man übrigens den Aufklärungen über die Gebietsveränderungen aus dem Munde, des Staatssekretärs v. Lindequist entgegensehen dürfen. Selbstverständlich wird es die Ausgabe dieses Resiorn- chess sein, die mit Frankreich getroffenen Vereinbarun­gen int einzelnen zu erläutern, zu rechtfertigen, ihren Ruhen für uns auseinanderzusetzen. Namentlich wffh Herr v. Lindequist zu erklären haben, daß die, angeblich geringfügigen Greuzverschiebungen im Hmtertanb,. bon Togo und in: Itordeii von Kamerun nichts auf N 1 haben, und er wird ferner auseinandersetzen, welche - deutung für die Entwicklung unserer wirtschaftlichen Stellung in Afrika die Ausdehnung unseres Kolon a- desihes bis an den belgischen Kongostaat wird gewrn - müssen. Nun ist es aber fein Geheimnis, daß Herr !?. Lindequist im Juli und August Widerstand gegen ledc deutsche Landabtretung geleistet batte, und ^ 1 sprach damals nicht ohne innere Berechtigung von Möglichkeit seines Rücktritts. Freilich war zu ,emr Zeit die Rede nicht bloß von Korrekturen an den Gren Jeu der deutschen und der französischen Koloiiialgemele,

sondern sogar von der Möglichkeit eine ^retung der ganzen Kolonie - o fljo. Verzicht auf diesen Gedanken mag denn wohl ^kndequisikrise beglichen haben, jedoch icnci n v < ^ -; l

59. Jahrgang.

Samstag, den 28. Oktober:Die Spiele Jh« lenz". Drei Akte vorc Zoö I e k e l s rmd

das Residenz-Theater brachte am

hvung für Deutschland!Die Spiele,otrer T., - »

ett diesen Sommer zum erstenmal ^nut gr.ß-.

sterreich aufgeführt, acht Tage nach i« 4 " jj "

s, die daher nicht mehr die Erfolge S !

iS erleben durfte. Das Stück bchandelt die obersamen

Herr Zustände und läßt durch nntieneaste S />

! rundliche persönliche Beobachtungen^ 'f"

lpunkt des Interesses siebt die schone stwole Exzellenz

Agnes Hammer vollendet gesprelt. J«e Blut und Leben, welche die Mnstlenn .ftluem iiöden nachzeichnete, der sie psychologrjch n >iP - .

n kleinsten Nerv. Das ganze Stuck hat -was q-nervöfes; eine heimlich aufreizende SP .

Ä Die schöne Exzellenz spielt mit allem:, mit d-n ste benden Personen, nrit dem Feuer natnrli }(.), Sorten. Nichts ist ihr heilig oder auch nur e.nst. ff- über die Besorgnisse ihres Mannes, der - ^ ^ Situatimr vomusahnt, und prophezeit rh , gimmel komme, wem: er erst ermordet («, g g Geliebte spielt sie an, mit erner Ungeme.chen, di- ^ an Eindentigkeit zu wünschen übrig lapt, und spricht offen über ihre eigenen Vechaltnrjse , Der 'lästerte

Alerinsiv, einer ihrer Tlnbcter, freut sich dt.zer

getretene Verstinunung noch nicht ganz beseitigt zu sein. Wenigstens wird erneut das Gerücht verbreitet, Herr v. Lindequist fühle sich in seinem Amte nicht rnehr behaglich. Tie Besprechung der Marokko-Interpellation kann also, wie gesagt, gerade mit Rücksicht auf die Auskünfte, die der Kolonialstaatssekretär zu geben haben wird, mit einer gewissen Spannung erwartet werden.

Unter allen Umständen aber wird es ein eigentüm­licher Zustand sein, daß eine Angelegenheit, die vier Monate hindurch die Regierungen zweier Großmächte beschäftigte, die in zwei Ländern die öffentliche Mei- nun bis aufs äußerste erregte, die vorübergehend so­gar die Gefahr eines Weltkrieges nahe rückte, im Reichs­tag nur gewissermaßen zufällig uird nicht kraft ver­fassungsmäßiger Notwendigkeiten , besprochen werdeir soll. Denn rnan kann sich theoretisch vorstellen, daß feine Interpellationen eingebracht worden seien, und die Besprechung von Regierungsmitteilungen, die lediglich zur Kenntnisnahme erfolgen, braucht nach der Geschäftsordnung durchaus nicht stattsinden. Sie k a u n stattsinden, aber sie m u ß es nicht. Ter Reichstag empfängt viele Mitteilungenzur Kenntnis- nah m e", ohne daß sie auf die Tagesordnung gesetzt werden. Praktisch steht es ja selbstverständlich so, daß die Verträge mit Frankreich nicht mit stummer Gleich­gültigkeit passieren konnten, aber ein verfassungs­mäßiger oder auch nur ordnungsmäßiger Zwang be­stand und besteht nicht. Dieser Zwang wäre vielmehr einzig vorhanden, wenn die Verträge zur Ge­nehmigung vorgelegt würden, und daß dies nicht ge­schehen soll, ist und bleibt ein , Fehler, der sich noch rächen wird. Tie Angelegenheit erschöpft sich nicht in einer formal staatsrechtlichen Behandlung. Die Un­entschiedenheit, mit der die Reichsleitnng ini Beginn diesem gewiß schwierigen Fallh gegenüberstand, beweist ja auch, daß ursprünglich höhere Erwägungen den Sieg über den bloßen Formalismus davontragen sollten oder doch konnten. Wäre die Sachlage ganz klar, so hätte es nicht eines Gutachtens des Reichsjustizamts be­durft, und sie mag durch dies Gutachten zwar juristisch geklärt werden, bleibt darum aber doch ein Gegenstand, über den man sich so oder so hätte entschließen können.

Es gibt moralische Pflichten, die höher stehen müssen als staatsrechtliche Spintisierereien. Der Reichskanzler und Herr v, Kiderlen haben ihre ohnehin nicht leichte Stellung durch ihren verhängnisvollen Entschluß nur noch weiter verschlechtert.

s-

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Frage,, ob ein Staatsvertrag über die Abtretung oder den Erwerb von Kolonialbesitz zu seiner staatsrechtlichen Gültigkeit der Zustimmung .des BwNdesmtS und der Ge­nehmigung des Reichstags bedarf, ist, wie wir hören, von den zuständigen Reichsämtern geprüft und in verneinendem Sinne beantwortet worden. Das. deutsch-französische Abkom­men geht nach allen vorliegenden Nachrichten seinem Ab­schluß" entgegen, und es ist zu hoffen, daß, werru erst einmal die Leidenschaften sich gelegt haben, die Nützlichkeit dieser Abmachungen für beide Teile Anerkennung finden wird, über die Vorgeschichte und den Verlauf der Verhandlungen zu sprechen, wird sich bei der Erörterung des Abkommens

inrpertincnten Frau, und fast unter den Augen des Gatten macht er ihr eine Liebeserklärung. Der Gatte revanchiert sich, er hat seine Geliebte eingeladen, eine Sängerin, die Mit der Miene einer Königin ein Lied verschenkt, ein einziges. Von demStern" der ruffischen Oper dürste man wohl mehr erwarten wie ein nettes, kleines Sümmchen, das- das Lied derAsra" hinter der Bühne für Stella Richter sang, die das Singen übrigens recht gewandt markierte. In diese korrumpierte Atmosphäre, die aus ; Seichtheit, Oberflächlichkeit, Flirt und sogenannter Liebe zusammcnaesctzt ist, Platzt ein? Bombe. Sie platzt in dem Äugenblick, als der Gouverneur sich sortbegibt, einen Minister von der Bahn abzuholen ein von der revolu- tionärcn Partei fingiertes Telegramm ruft ihn ab. Und Pera, die schöne Exzellenz, die kurz vorher noch den Tod verlachte, die es sich sehnlichst wünschte, mit einem Revolu­tionär zum Zeitvertreib zu flirten, die sich furchtlos stellte, bricht im entscheidenden Moment feige und kraftlos zu­sammen. Sie will, sie kann den verstümmelten Leichnam des Gatten nicht sehen, nur so weit sammelt sie noch einmal die Gedanken in dem Vogelhirnchen. um der Zofe den Auf­trag zu geben Trauerkleider und dito Hüte zu bestellen.

" Im zweiten Akte sieht sich Vera fast am Ziele ihrer Wünsche. Sie steht.einem Revolutionär, da,zu noch dem Mörder ihres Mannes, gegenüber. Ihre sensationslüsterne Natur kostet die Situation des Moments voll aus. Der Mörder ihres Gatten! Ihre Blicke bohren sich in sein Ge­sicht und sofort läßt sie alle Reize springen, um den Mann zu erobern; sie zieht alle Register: die gebrochene, trauernde Witwe, die frivole neugierige Weltdame, stolz und unnah­bar, als sie sich abgewiesen sieht, und schließlich beinah auf­richtig, van der Ruhe und Zuversicht des fanatischen Partei­führers bezwungen. Das imponiert ihr. dieser Mut, diese

Anlaß bielvn. Dies ist um so erwünschter, um Nicht zu sagen notwendiger, als noch immer .die merkwürdigsten Mythen darüber verbreitet werden. Insbesondere wird die Rolle Englands und feine Einwirkung auf dis Haltung Deutschlands noch immer falsch dargestellt ES wird sich weiterhin zeigen, wie haltlos die Behauptung ist daß Deutschland bei der Einleitung oder während des Ver­laufs der Verhandlungen mit Frankreich vor dem Einspruch von dritter Seite zurückgewichen sei. Deutschland sprach van Anfang an den Wunsch aus, mit Frankreich allein zu unter, handeln, und ist dabei geblieben.

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In Pariser amtlichen Kreisen nimmt man an, daß die Unterzeichnung des deuffch-französiijschen Vertrages di« m keinem Falle ,durch irgendwelche Meinungsverschiäden- Herten mdhr verzögert wird, spätestens Dienstag erfolgen durfte. Die Verständigung ist seit Donnerstag schon voll- bctreffen c m Soffen, welche die Gebietsabtretung

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Aus Marokko.

Schwerer UnfM französischer Soldaten.

Rach einem Funkentelegramm aus Sefru wurden d Cm Steinbruch arbeiteten, von dem verwundet^verschüttet. 16 wurden getötet und 2 schwer

Die französisch-spanischen Beziehungen.

In.betreff der ErAärungen spanischer Mütter und StaaMnanner, daß dre von Frankreich geforderte Räumuna von Elffar und Larrafch als undurchführbar augesch^n werde, scyretbt derTemps": Die Spanier dürfen sich keinen Hoifnungen auf Beistand der englischen Regierung bin,

82 «»,. «-N» Em'm-d sich

yergebeu zollte, so wurde dies niemals in einem für Frank- reich unangcnchmen Sinne geschehen. Die Spanier müßten sich deshalb urs UnvermeMiche schicken, und dieses Unver- meidüche stelle für sie noch einen ganz beachtenswerten Ge-s wrnn dar. - TieLrbertö" schreibt über die von dem Petrt Paristen" veröffentlichten Erklärungen des Minister- praiHenten Ganalejas: Keine französische Regierung könnte sich Dazu herberlaffen, dre Städte Elkfar und Larrasche den Spanrern Prerszugeben, welche von ihnen unter Verletzuna ihrer gcheimen und össentlichen VerMich.nngen befltzk worden seren.

Der iLNUeuilch-Lurkische Krieg.

Türkische Kerichtr.

DerJkdam" veröffentlicht die sensationelle Nachricht, daß vre rtälienische Flotte die Reede von Tripolis infolge hohen Seegairges verlassen mußte und sich auf die heb» See zurückgezogen hat. Die Türken und Araber benutzten dre;e Geregenlhsit,^ um nach einem 'heiftigen Kampf einige Forts von Tripolis zu erstürmen. Nach anderen Meldun­gen sollen die Türken und Araber nach blutigen Kämpfen ber^ denen mehrere tausend Italiener in Gchangenschast geneten, Tripolis und Benghasi wieder genommen haben Wieder andere Gerüchte besagen, die Türken hätten die Jtalrener nach siegreichem Gefecht aufge'sordert, die beiden Ltädte zu räumen. Diese Meldungen werden von verschie­denen Ministern dahin modifiziert, daß die Italiener einer Depesche aus Malta zufolge südlich von Tripolis ent-

Selbstlos!gleit. Sie will ihn befreien, er aber weistH Hilfe zurück und bittet nur für die anderen Mitgefangenen Im Vera erwacht der glühende Wunsch, zu werden wie dieser Mann. Auch sie will Großes vollbringen, will etwas erleben. Die revolutionäre Partei nimmt natürlich ihre Dienste an, und ihr, der Minister und Fürsten zu Fußen liegen, ist es leicht, den anderen die Pläne der Gegner zil entdccren, sie zu warnen, wenn ihnen Ge-kabr droht. . Aber noch ist sie nicht befriedigt. Ihre Sucht nach Sensation, laßt ihr keine Ruhe, und. als die revolutionäre Partei sie anffondert, ihr den Grafen Alexinslh anszuliefern da er, um seiner Verschwendungssucht zu genügen, die Löhne ferner Gutsleute auf ein Minimum herabdrückte und dort der der Gnrpörmlg etwa dreißig Männer nichev-eschossen wurden, da bettet und fleht sie, daß man ihr erlaube den Grafen mrt eigener Hand zu. erschießen. Doch die beiden Abgesandten der revolntronüren Partei machen ihr klar daß sie alle nur ein Glied in einer Kette sind, daß'sie als Werkzeuge dienen und jeder nur eine bestimmte Ausgabe zu cisullcn hat Vera mutz sich fügen, aber die Hoffnung den Grapen doch erschießen zu können, hält sie fest Und beinah so« es rhr gelingen. Schon hat sie den Revolver iw der Hand und will mrt tragischer Rede und tragischer G-ste losdrucken, da entwaffnet sie der Graf - durch seinen Kmsmus und seine überlegene Ruhe. Und Widder sinkt sie kraftlos und ferg zusammen. Ter Gras, dem geaenüber sie sich verraten hat. hält strenges Gericht über sie; zur Strafe muß sie noch am selben Abend, mit ihm rrach Monte Carlo rerson und rhm die Schäserstunde dort gewähren d e der Tod des Galten so jäh zunichte machte. Und 'das Luxusweibchem tm Grunde genommen froh, aus der Sphäre der Revolutionäre heransziikommen, in die nirr eine momentane Laune sie hinemtrieb. legt sirchrnd ihre