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«r. soi.
Donnerstag, 26. Oktober 1911.
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Pas Plitpje Proirßii KZ Grksts Zeppelin.
Zu der Reichstagskan-didatur des Grafen ^Zeppelin kn Ulm wird uns von parlamentarischer Seile ge- schrisven: Bei einer Kandidatur des Grafen Zeppelin ist in erster Reihe seine politische Stellung von Interesse. Man hat zwar mit Recht gesagt, daß die Bedeutung des Grasen Zeppelin für den Reichstag weniger darin bestehen wird, daß eine Partei eine Stimme mehr zählen kann, als vielmehr darin, daß e:n so hervorragendes Mitglied der Vertretung des. ganzen deutschen Volkes zur Ehre gereichen muß. Dieser Anschauung wird man beipflichten müssen. XSir haben im Reichstag hervorragende Parteipolitiker, die^ gezwungenermaßen alle politischen Fragen vom Standpunkt ihrer Partei aus betrachten. Was uns aber fehlt, das sind Reichstagsmitglieder, die von der hohen nationalen Warte aus ohne Rücksicht aus Parteisragen und Parteiparole den Lauf unserer inneren und äußeren Politik verfolgen. Man hat bereits ähnliche Hoffnungen einmal auf eine Kandidatur des Grasen Poja- dowsky -gesetzt. Wenn also Graf Zeppelin in den Reichstag einziehen wird, dann wird es sich darum handeln, die Stimme eines Mannes zu vernehmen, zu dem der größte Teil des deutschen Volkes in Liebe und Verehrung ausschaut, der im deutschen Volke eine ganz besondere Stellung einnimmt und von Anhängern aller Parteien gleicherweise hochgeachtet wird. Er wird darum -ein Vertreter des gesamten deutschen Volkes sein, wie ja auch seine Stimme in großen Fragen der Politik bei dem gesamten Auslände sicherlich eine ungewöhnliche Beachtung finden wird. Wenn man auch nach alledem nicht erwarten und hoffen wird, daß Graf Zeppelin von dem Varteistrudel mitgerissen werden wird, so läßt -es sich bei einem Mitglied des Reichstags hoch niemals umgehen, daß es auch parteipolitisch Farbe bekennt. Bei Abstimmungen sowie bei.tausend anderen Fragen der inneren Politik muß ein Reichstags» Mitglied unter -allen Umständen. Stellung nehmen. Darum muß auch Graf Zeppelin in den Reichstag ein politisches Programm rnitbringen. Graf Zeppelin
Fe uilleto n.
Weinbau rrnü Weinernte in alter Jeit.
Von Dr. Friedrich Spreen.
Karl der Große gab bei der Umwandlung der lateinischen Monatsnamen in deutsche dem Oktober den Namen -Wintmmemanoth": Weinleso-Monat, und auch heute yeitz er noch manchmal Weinmonat, weil zu dieser Zeit der grotz- Augenblick der Lese gekommen ist, -da das glühende Somren- gold seine köstliche, der Rebe gespendete G-abe aus der neuen Lut der Traube -entläßt und nur noch im Abglanz oes Weines wetterleuchtet durch die Geister der Zecher und o langen Winternachte. Auch Heuer ist wieder der Monat Weins und der Weinernte gekommen- und wir Huven, wenn nicht alles- trügt, nach diesem Sommer unseres Ntrtzver- gnügens, nach der schlimmen Hitze und der bösen Mißernte, wenigstens den kleinen Trost, einen guten Tropfen vom Herbst zu erhalten, wenn auch nicht so herrlich, wie den l e- rühmten, von Goethe besungenen „Eilser" vor 109 ^a-hren, so doch einen feurigen, süßen, gehaltvollen Jahrgang. Do ernten wir dann wieder -einmal dankbar, was Jahrhunderte vor uns gepflanzt, gepflegt, veredelt, und gedenken oer uralten Kulturbedeutung, die diesem edelsten Naß m der Geschichte der Völker zugefallen, der segnenden und fittlgenven Wirkung des Weins, die die Griechen in dem tiefsinnigen Mythos vom Dionysos symbolisierten und- der der alte Voltaire einmal -in einem Brief an d'Alembert mrk den Worten Ausdruck verliehen hat: „Ich kenne nichts Ernsteres hinieden als die Kultur der Rebe."
Die Urgeschichte dieses „Himmelgesche-nkes ist trotz vielfacher Forschungen noch nicht vollkommen aufgeklärt. Die Vitft« vinifera L., der edle Weinstock, der wild-wachsend auch sir Teilen des südlichen und mittleren Europa verbreitet ist, gehört einem uralten Pflanzengefchlecht an, das schon in der Miocänzeit die Braunko-hlenwAder d-urchranUe, und kommt durch seine üppige Entfaltung in den Ländern südlich
nimmt — die Reichstagsmitglieder haben es beim Besuch der Zeppelin-Werft in Friedrichshafen erfahren — an allen Fragen der deutschen Politik einen warmen Anteil und persönliche Stellung. Man wird sein Programm, nachdem, was bisher von ihm bekannt geworden ist, folgendermaßen umschreiben: In einer der wichtigsten Fragen des Landes, nämlich der Landesver- leidigungsfra-ge, hat er bereits mehrfachst seine Ansicht dahin geäußert, daß er ein starkes Heer und eine starke Flotte für unbedingt erforderlich halte. Auch Ferner- stehende wissen weiterhin, daß er nicht nur als Offizier, sondern auch aus innerster Überzeugung der treueste Anhänger des monarchischen Prinzips Ist und dem angestammten Herrscherhause ’ in Ergebenheit anhängt. Zu dem politischen Programm des Grafen Zeppelin gehört naturgemäß fernerhin die Frage der Aus-gestal- tung der Luftflotte des deutschen Heeres, da er ja schon vor 12 Jahren aus die Bedeutung der Luftschiffe für Heereszwecke hingewiesen hat. Ja, er hat sein starres Luftschiff in erster Reihe für Zwecke des Heeres gebaut und damals noch nicht an Passagierzwecke gedacht. Darum hat er ja stets seine Luftschiffe zuerst den militärischen Vertretern des Kriegsministerrums vor-gesührt.^ Da Graf Zeppelin auf diesem Gebiete ein Fachmann ersten Ranges ist, und da das Luftsch-ifswesen inr Heere zu immer größerer Bedeutung gelangt, so ist es von größtem Werte, bei den Beratungen im Reichstag auf diesem Gebiete einen Fachmann zu h-aben, der in der Lage ist, schwebende Fragen mit Sachkenntnis zu klären. Das Programm des Grasen Zeppelin läßt sich demgemäß als -ein nationales Programm ohne Sonderinteressen bestimmter Berufszweige bezeichnen. Er war seinerzeit ein großer Anhänger der Blockpartei. Wenn er jetzt auch kaum auf das politische Programm irgend einer Reichstagspartei eing-eschworen ist, so ist doch sicher, daß er, wie auch aus seiner Kandidatur hervorgeht, mit seinen Sympathien auf dem rechten Flügel der .nationalliberaleil Partei steht. Alles in allem genommen wird man sich freuen dürfen, daß ein Mann von der internationalen Stellung des Grafen Zeppelin Gelegenheit haben wird, die großen politischen Tagessragen im Reichstag auch von seinem Standpunkt aus zu behandeln.
Deutsches Reich.
g. Neue benzol-elektrische Wagen für die Eisenbahn. Die preußisch-hessische Eisenbahn-Verwaltung beabsichtigt, eine größere Anzahl von benzol-olekirischen EiseNbahnbe-- iriöbswag-en erbauen zn -lassen, -dg durch sie eine Verbilligung und Vereinfachung -des Betriebes- gegenüber der Verwendung von Wkumulatorenwa-gen herbeigeführt werden wird. Vor -einigen Tagen wurden mit derartigen Triebwagen Probefahrten gemacht, denen Regierungs- und Ba-urat Loch vom Königl. Eifenbahnzenimlamt sowie die Präsidenten Rüdlin und Hoff beiwohnten. Die neuen
des -Schwarzen Meeres und- des Kaspischen Sees -der Pflege des Menschen -am meisten -entgegen. So sucht man denn in den Wäldern am Fuße des Kaukasus die Urheimat des Weinstocks, ohne -daß sich aber dafür eine bestimmte natur- geschichtliche Tatsache angeben ließe, und- ebensowenig verrät uns -die Geschichte den Namen des Volkes, -das zuerst die wilde Rebe aus dem Wald in den Garten holte, sie durch kluge -Erziehung veredelte, ihren Saft auspreßte, die Garung abwartete und dann den jungen Wein in den tönernen Krug oder -den LSderschla-uch füllte. Viktor Hehn will den Semiten den Ruhm der frühesten Wein-kultur retten. S-chrader schließt «Ns der sprachlichen Form auf indogermanischen Ursprung, Ferdinand Cohn möchte die Einführung des Weinstocks unter die Kulturgewächse einem noch älte- rm Volke -aus jener grauen Vorzeit -des Menschengeschlechtes zuschreiben, da Noah lebte, der biblische Vater des Weinbaus. Im alten Babylonien, im alten» Ägypten war jedenfalls die Weinkuliur schon voll entwickelt, Palästina -und Syrien galten -lange als die besten Weinländer, und die Seefahrer des Altertums, die Phönizier, waren cs dann, -die die Kenntnis der wunderbaren Erfindung weithin nach dem Westen trugen und den Anbau der zahmen Rebe vermittelten. Den Griechen -der homerischen Zeit ist der Wein schon etwas so Aliverir-autes, daß sie seinen Ursprung, wie alles Gute im Leben, einem lehrenden und schassenden Gott zuschrreben.
Unermeßlich reich war -die Bedeutung, die des Dionysos Gabe im Leben- der Hellenen -errang. Von ihrem heitern, feurig erregenden Geiste ist gleichsam die- ganze griechische Kultur du-rchdrnnigen und- Lob und Preis des Weines tönen uns in Dichtung und Prc-sa, treten uns in den Denkmälern der Kunst überall entgegen. Aus ihren- frühesten Seefahrten nach Westen müssen die Griechen den dämonischen Trank auch an die Küsten Italiens getragen haben, denn bereits die Gesetze Num-äs bestimmten, daß man nur Wein von beschnittenen Reben den Göttern opfern dürfe. Aber erst nach den punischen Kriegen wurde der WeirMu in ganz Italien allgemein; der alte Cato, Der nach *tt
59. Jahrgang.
Triebwagen, die das Laden der Akkumulatoren unnötig machen, sehen Wagen 3. und 4. Klasse vor. -Sie find mit Luftdruckbremsen und einer von jedem Gührerstandc aus zu bedienenden Hand-spindelbremse a-usgestattet. Der Verbrennungsmotor mit vier hintereinander angeoröneteü Zylindern hat 120 PS. Besonders praktisch ist die Anordnung der Heizung, die durch -den Motor zugleich besorgt wird.
tz. Die Besetzung der Nord- und Ostseeküste mit drahtlosen Stationen, über die Besetzung der Nord- und- Ostseeküste mit drahtlosen Te-legraphenstationen wird auf eine Anfrage an zuständiger Stelle -auf Grund der Meldung, daß die Reichspostverwaltung jetzt die -Errichtung von Funken-- stationen in Königsberg und auf der Insel Sylt beabsichtige, folgendes mitgeteilt: Die Meldung, daß in Königsberg und aus der Insel Sylt Funkenstationen- jetzt errichtet werden, -entspricht nicht den Tatsachen. Es ist nicht unmöglich, daß in Zukunft an die Errichtung dieser Funkenstationen gedacht wird. Unsere Nord- und Ostseeküste ist augenblicklich mit 16,Stationen drahtloser Telegraphie besetzt. Von -diesen 16 Stationen befinden sich 7 auf F-eu-erschiffen; die anderen 9 sind feste Stationen und- zum Teil auf Leuchttürmm-, zum Teil auf -dem Lande angelegt.
* über die Vorbildung der Fortbildungsschüler sini Erhebungen ange-stellt worden, durch die festgestellt wurde; daß sie im allgemeinen genügt. 17 Prozent aller Schälet, hatten eine nicht genügende Vorbildung anfzuweisen. ZN dieser Anzahl von insgesamt rund 1209 Schülern stellte die einklassige VcMsschnle die Hälfte der ungenügend Vorgebildeten, die zweiklassige Volksschule stellte 34 Prozent, die dreWassige 33 Prozent, die vierWassige 30 Prozent, M«, fünMassige 29 Prozent und die achMassi-ge 13 Prozent. Jntoreff-ant ist, daß die Schüler der -Mittelschule besser vorbereitet waren als die der höheren Lehranstalten; denn die Schüler der MittelschulM betrugen nur 11 Prozent der ungenügend Vorgebild-eten, tvährend die -Schüler -der höheren Lehranstalten 14 Prozent betrugen. Allerdinlgs wurde nicht zugleich die Anzahl der die, Mittelschule und die höheren Lehranstalten besuchenden -Schüler festgestellt.
* Die Weltausstellung in Gent 1913. Im Hinblick auf di-e -Weltausstellung -Gent 1913 gM der Vorstand der „Stärtd-igen Ausstellnugskommission für die -deutsche Industrie" belannt: 1. In Anbetracht -dessen, daß die d-eutsche Industrie efft i-m Jähre 1910 auf der Weliausftellung in Brüssel sich in hervorragendem Maße beierligt -und vor allem auch der belgischen Nation den Beweis hoher Leistungsfähigkeit erbracht -hat, sieht ibie Ständige Aus- stellungsLommission keine wirtschaftlichen Gründe dafür, bereits im Jahre 1913 wiederum geschlossen -an einer Weltausstellung in Belgien teilzunehmen. 2. -Sollte über wider Erwarten eine beträchtliche Zahl deutscher Firmen -ansstellen wollen, so entsteht die Frage, ob es — trotzdem ein Reichszüischnß nach Benehmen mit den Mständig-en Reichs- ämtern nicht zu erwarten ist — im Interesse der heimischen Industrie liegt, diese Beteiligung zu organisieren, damit sie in einer Weise erfolgt, die dem deutschen Ansehen Rechnung trägt. Um feststellen zu können, ob und inwieweit deutsche Firmen sich an der Ausstellung zu beteiligen
schönen Worte des Horaz „feine Tugend oft am Weine an- gswävmt", erklärte den Weinbau für die vorteilhafteste Art der Bodenbenntzung und förderte die Veredlung der Reben. Unterdessen hatte jedoch -die Weinkuftur längst begonnen, über die Grenzen Italiens vorzud-ringen. Den efftcn Weinstock auf gallischem Boden pflanzte ohne Zweifel ein Maffiliote, denn die Weine von M-asftlia werden schon früh genannt und waren lange Zeit die berühmtesten. Im ersten Jahrhundert der römischen Kaiser-zeit ist das heutig« Frankreich bereits ein bedeutendes Weinland- mit eigenen Trauben- und Weinsorten, mit Ausfuhr und Verpflanzung nach Italien. Die Konkurrenz war damals sogar so groß, daß Domitian, um dem Mutterland das Monopol des Wernhandels zu erhalten, befahl, die Weinberge in -den Provinzen zur Hälfte anzuroden. Dies Edikt hob im Jahre 280 Kaiser Probus wieder auf, ein geborener Ungar, der als der Schöpfer dös To-kayers und ein großer Gönne« -des edlen Rebensaftes zu einem wahren Weinheiligen geworden ist. Auch an den Usern des Rheins und der Mosel grünten nun schon -die Reben und die schwellende Traube spiegelte sich im kristallklaren Wasser der deutschen Ströme, wie Ausonins in seinem lieblichen Moselgedicht singt.
Di-e Germanen hatten sich -gegen die Einfuhr des berauschenden Getränks durch römische und gallische Händler nicht -lange gesträubt. Das Beispiel der Sueben-, die nach dem Bericht Cäsars d-en Weinimport verboten, weil dadurch die Männer weichlich und weibisch würden, fand wenig Nachahmung. Bei Tacitns erscheinen -die Stämme Germaniens als eifrige Abnehmer der Hausierer (caupones), obwohl sie nicht immer -den besten Tropfen bekommen haben mögen, denn „caupo" bedeutet nach lateinischen Glossen „einer, de« Wein mit Wasser mischt, aus Wein Wasser macht." Mit dem Segen des Weines haben wir also gleich zuerst auch den Unsegen -des „Weinpantschens" kennen gelernt. Im zweiten christlichen Jahrhundert widmete sich dann dev Germane selbst der Pflege des Rebenbaues und seine herrlichen Weinberge, die sich allmählich über einen -großen Teil von Deutschland verbreiteten, überstan-den die Stürme der
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