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Taeilatt-HauS".

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Gegründet 1852.

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SN. Jahrgang.

Morgen»Ausgabe.

1. Matt.

Politische Übersicht.

Eine rreur Partei in Bayern.

Man schreibt uns aus Bayerit: Kürzlich wurde in München ein politisches Kind mit dem schonen Namen »Bayerische Reichspartei" aus der Taufe gehoben, und der freikonservative Reichstagsabgeordnete Dr. Arendt vertrat die Patenstelle. Es ist dies der Mann, der als Führer der norddeutschen Bimetallisten bei leder passen- den Gelegenheit gegen die Goldwährung des x-eutschen Reiches zu Felde zieht. Wahrlich ein netter Pate für ein Kind, als dessen Erzeuger in erster Linie der Direktor der Bayerischen Handelsbank, Freiherr von Pechmann in München, anzusehen ist. Ein gold- währungsfeindlicher konservativer Bimetalllst und der Direktor eines großen deutschen Handelsinstituts, ju- das die Aufrechterhaltung dieser Währung eine wirl- schriftliche Notwendigkeit ist, zusammengespannt zur Leitung dieser neuenReichspartei" ba§ tfi fern übles Bild. Unter den sonstigen Vätern des Kindlem» figurieren zwei ehemalige Vorsitzende der nationallibe­ralen Landespartei rechts des Rheines, Fabrikdirektor Tafel-Nürnberg und Universitatsprofessor lw.G-rger- Erlangen. Alle Achtung! Die Landespartei kann sich gratulieren, daß sie solche Herren schon früher recht­zeitig losgeworden ist. Jetzt haben stch diese mit denen zusammengefunden, zu denen sie schon immer gehör hatten, mit Herrn Arendt und Herrn v. .Pechmann, die jeder in seinem Wirkungskreis als eifrige Bekainpfer der im Hansabund organisierten bürgerlichen Erwerbs­kreise auftreten. .....

Die neue Partei redet viel von ihrem monarchisti­schen und deutschen Patriotismus. Wir glauben nicht, daß sie mit diesem Speck viele Leute einfangen wird. Gerade die Kyerischen Liberalen sind von leher die energischsten Träger der Rerchsidee und des deutsch nationalen Gedankens gewesen. Und wer sind beute die tatfrrif Hatten Pfleger des nationalen Gedankens m Bayern, wenn nicht die liberalen Organisationen und Vereins Wer die Verfechter des Rerchsgedankens gegenüber dem ultramontanen Partikularismus und der antinationalen Konfessionspolitik des Zentrums - Darauf mögen sich die Macher der neuen Pmtel einmal

ehrliche Rechenschaft geben. Freilich, daß diese Hmmn den Liberalen in patriotischen Diner- und Hurrareden über sind, das wird man ihnen neidlos zugestehen.

Um was kann es sich bei der neuen Gründung hau deln? Wir wollen es rückhaltlos sagen: «re ist Nichts

als eine Filiale der Konservativen und kehrt chre

Spitze in erster Linie gegen den Liberalismus ^chm sollen insbesondere mit dem 'Schreckgespenst des Groß­blocks Anhänger abwendig gemacht werden um ste den Konservativen und dem Zentrum zuzufuhren. Ter Liberalismus wird ein wachsames Auge auf die sicher

kommenden Quertreibereien der neuen konservativen Gruppe werfen müssen. Diese verfügt über grobe Gew- mittel, auch wird sie manches Kuckucksei m liberale Nester zu legen versuchen. Tenn sie will sich m erster Linie auf Kosten des Liberalismus bereichern, um die ältere konservative Gruppe uiid das Zentrum zu Freunden und Helfern bei den Wahleii zu gewinnen. Also aufgepaßt auf dieses neue Element der Zerspntte- rung der bürgerlich-liberalen Parteien!

Mstnngen portngrest scher Moyalisten.

1. Brüssel, 16. Oktober.

Trotzdem das Waffenglück dem jungen König Manuel bis jetzt nicht gelächelt hat, scheint es doch nicht, daß er, wie man es in Lissabon hinzustellen be­liebt, die Flinte bereits ins Korn wirft. Tie Rustun­gen werden im Gegenteil und in umfangreicher Werse fortgesetzt. So hat dieser Tage ein Schiff den Hafen von Antwerpen verlassen, nachdem es Kanonen, Ge­wehre und andere Kriegsmunition an Bord genommen haben soll. Tie Ladung ist alsWaren verschiedener Art" deklariert worden und das Fahrzeug begibt stch angeblich nach den Falklandsinseln. Es hat bereits ein Abenteuer hinter sich, das auch etwas mysteriös er­scheint. VormalsArizona" geheißen und unter eng- lischer Flagge fahrend, war es als verdächtig von den englischen Behörden im Hafen von Narrow angehalte-e worden. Später ging es in den Besitz einer belgischen Firma über, die esZeebrugge" taufte Eine enorme Menge Lebensmittel ist von dem Schiff ebenfalls an Bord genommen worden und riesige Kisten, ,me rranstw aus dem Auslande gekommen sind, so daß die belgischen Zollbehörden sich um ihren Inhalt nicht kümmern konn­ten. Ter Dampfer ist mit einer Einrichtung für draht- lose Telegraphie versehen worden uiid die Bemannung wurde für 6 Monate engagiert und unter ganz beson­deren Bedingungen. Man ist nun hier überzeugt, daß das Schiff keine so weite Reise vorhat, wie angegeben wird sondern die Absicht hegt, einen portugiesischen Hafen gnzulaufeii. Eine Firma kümmerte sich, um die Ladung, deren Vertreter mit einem solchen des Ex­königs in steter Beziehung stehen soll. Wenn die ziem lich begründet erscheinende Vermutung sich bestätigen sollte, wird man von dem geheimnisvollen Fahrzeug wohl bald etwas Näheres vernehmen.

Gin sozialistischer Ssttsatiatrsproxrß.

lc. N e w Jork, 12. Oktober.

In den nächsten Tagen beginnen die Verhandlungen zur Sühne eines Verbrechens wie wenigstens die Anklage lautet das ein Jahr zurückliegt und 20 Personen das Leben gekostet hat. Am 1. Oktober 1910 sind nämlich in Kalifornien die Gebäude der Los Angeles Times" in die Luft geflogen, vom Per­sonal 20 Mitglieder getötet und eine Anzahl verwundet wordeii. Tie Behörden hatten einen Preis von IM 000 Mark für die Entdeckung der Urheber der schrecklichen Tat ausgesetzt und.mehr als das Doppelte wurde von den verschiedenen Arbeitgebervereinen verprochen, da tte die Überzeugung hegten, daß es sich um ein sozialasti-

sches Attentat handle. Ter Besitzer derLos Augeles Times" ist liämlich ein ausgesprochener Feind der Ar- beitersyndikate und führte fern Blatt m diesem Sinne. Es war natürlich, daß die ausgesetzten ttroßen mummen eine ganze Anzahl von Detektives aus die Beine braa>° ten und schließlich gelang es einem derselben, me b^- den Brüder Mac Namara und emen gewissen Ja. Maniqal zu verhaften. Alle leugneten anfänglich, Hüter gestand Mac Manigal, durch uiiansgennn- iundenlange Verhöre müde gemacht, aber em, daß er und die beiden Genannten das Verbrechen verübt hattet.. Gegen dieses angebliche Geständnis protestieren jedoch die Trade-Unions der Vereinigten Staaten, die Wie die Arbeitgeber einerseits die Sache andererseits zu der ihrigen gemacht haben. Sie behaupten, daß es sich um ein Kvinplott der Polizei und des Stahltrusts handÄt., die damit einen vernichtenden Schlag gegen die Ar­beiterorganisationen zu führen hoffen, daß alle ^iw- sagen gefälscht seien und di- Explosion der Gebäude, die beiläufig gesagt, einen Schaden von 18 Millionen Mark verursachte, durch Gasausstrom Verursacht wor­den wäre. Arbeiterversammlungen haben stattgesun­den, auf denen in flammenden Reden, gegen die Be­schuldigungen protestiert wurde. Zugleich veranstaltete man Sammlungen, um für die Verteidigung der Ange­klagten zu wirken. Zirka 800 000 Mark lchd zusam­mengekommen, doch ist dies bei weitem nicht aus­reichend. Im Jahre 1907 wurde gegen den Führer de» Bergarbeitersyndikats, William Heywood die Beschul­digung erhoben, den Gouverneur von vchaho erschossen zu haben. Es kam zu einer Freisprechung,, aber, der Prozeß hatte die Trade-Unions weit über eine Million Mark gekostet. Gegen 1000 Personen sind berufen worden, aus denen die Geschworenen gewählt werden sollen. Die Anklage gedenkt nämlich ledes Mitglied einer Arbeitervereinigung zurückzuweisen, die Verteidi- guiig jeden Arbeitgeber. Leicht wird es unter diesen Umständen nicht sein, die Jury zusainmenzustellen. Man ist auf den Ausgang des Prozesses schr gesvannt. Tie Sozialisten erklären, daß, wenn die Bruder Mac Namara auf die erlogenen Behauptungen Mac Mam- qals Bin verurteilt würden, zehn Millionen amerika­nischer Arbeiter Rechenschaft dafür fordern werden.

Deutsches Reich.

X Reichspostamt und Luftschlffahrt. Mer die Stellung des Reichsp ostamte s zur Luftschisfahrt wird uns aus An­laß der Ausstellung zweier neuer Modelle von Flugzeugen im Rerchspostmusenm an unterrichteter Stelle folgendes mtt- geteilt: Im Reichspostmuseum sind soeben Zwei neue Modelle von Flugzeugen, nämlich der beiden im Deutschen Rundslug 1911 siegreichen MN-rate des Zwsrdeckers der Albatros-Werke und des Etrlch-Rumpler-Eindeckers »Taube (Bauart Rumpler) ausgestellt worden. Damit ist das Museum jetzt im Besitz von 6 Modellen moderner Flugzeuge, denn es beisaß vorher bereits VeMeinerungen Der Eindecker von Grade Blsriot, Antoinette und des Zweideckers der Gübrüder Wtight. Die LnMhrtabteilung des Museums

(Nachdruck verdat^».)

heimisches Naturleben.

Skizzen von Walther Schulte vom Brühl.

XIX.

Herbstsrruber.

Ich habe mir für den Herbst noch acht Ferientage reser­viert, denn ich liebe den Herbst, liebe diese kurzen Tage, in die sich so viel Schönheit zusammendrangl. Als ich Mig war, schätzte ich den Herbst sogar mehr als den ^Frühling, vielleicht aus Opposition, weil ich selber im Frühling stand. Ich bedurfte dieser bunten Fülle, durch die es doch hnlztehi wie ein leiser Wehmutsakkord, als Gegeühalt gegen all das jubelnde Quellen und Knospen und Treiben, und wähnte, die Zeit des Blättersalls sei poetischer, bedeutsamer, säst Möchte ich sagen geistiger, als die, wo sich der Schmuck der Bäume entwickelt. Und Musik war es mir, wenn die dürren Blätter zu meinen Füßen raschelten, und wie ein Rausch, wenn ich den herben prickelnden Geruch des sich zersetzenden Laubes verspürte. Seither bin ich dem Frühling gerechter geworden, ohne daß dem Herbst in meiner Neigung Ab­bruch geschähe, und ich freue mich der kommenden Tage und schmecke ste vorher schon in all ihrem Reiz, gleichviel ob sie heiter oder trübe sein werden. Vielleicht breten sie von

beidem die rechte Mischung. ~

Da wäre so ein mild-warmer, lichter Tag. Die Sonne hat die leichten Morgennebel zerstreut und der Hrmmm lacht in strahlender Bläue, so blau, so dunstlos, so klar, wie nimmer im Lenz oder Sommer. Scharf, hart fast, zeichnen sich die Umriffe der Bäume und der Berge vor dreiem Azur,

und scharf treten die Forme« der Tannen und Kiefern aus der fast verwirrenden Buntheit der Laubhölzer hervor. Mariengarn fliegt hie und da noch durch die Lust, oft mit denen besetzt, die es spannen, kleinen Spinnlein, die eene lustige Lustreise unternehmen. Sie wissen gewiß nicht wes­halb, vielleicht nur aus lauter Lust am Reisen und um, selbst flügellos, doch dahingleiten zu können durch die laue Lust. Smaragden leuchtet Mischen dem bunten Laubteppich bisweilen ein Moospolster; fast ist es, als spotte es rn seiner lebensvollen Frische über den Verfall rmgs umher, als kichere es heimlich über jedes Blatt, das müde von dem beneideten Banmriesen zu ihm, dem Zwerglein, herab­taumelt. Aber das Moos ist niederen Wesens und be­schränkten Verstandes. Es denkt vielleicht wie mancher un­erfahrene Mensch an ein Sterben der Natur, während ste sich doch nur zu einem kMichen Schlummer anschickt, zu einem wohltätigen Schlafe, aus dem es ein herrliches, ein schaffendes, treibendes, daseinsberauschtes Erwachen geben

Nichts verlieren die Bäume, als schnell zu ersetzenden Zellstoff indem ste ihre Blätter abwerfen. Wenn die Bodeu- wärme mit dem niedriger werdenden Halbbogenpsad der Sonne nachließ, wenn die Wurzeln ihre Saugpumpentatig- keit verringern, der Wurzeldruck, der unter einer ungewöhn­lich aroßen Kraftentwicklnng das mit Mineralsalzen ge­schwängerte Wasser, den Saft, bis in die äußersten Spitzen trieb, schwächer wird, dann fängt der Baum an "fast als aeschebe es mit MeÄeFUNg und nicht nach mechanischen uüd chemischen Gesetzen - seine Nahrungsstoste aus den Blättern zurückzuziehen. Er will, als ein guter Haus- kalter die Kapitalien nicht verlieren, die er freundlich an sein Laub ausgeliehen hat. Und so läßt «: aus dm Blättern, deren Tage gezählt sind, nach und nach die Lebens­und Nährstoffe, Eiweiß, Zucker, Stärke, in sich hinernwan- i

bertt um ste einer neuen Blätter-, Blüten-, ^zritchte- aencration zu verborgen, die sich schon verstohlen heran- bildct In allen Blattwinkeln sitzen ja bereits als winzige, feffqewickelte und gegen Wintersnot mit starken Hüllblättern umgebene Blattbabys neue Knösplein und lassen stch mit dem Protoplasma ihrer Vorgänger nähren. Der Baum aber will von jenen nichts mehr wissen; er zieht nach und nach eine korkige Scheidewand zwischen sich und den alten Blättern.Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen." So ist es in der Natur wie im Men­schenleben. Und nun sind diese Blätter nicht viel mehr als leergewotdene chemische Werkstätten, verlassene Laborato­rien die sich als niedere Gemächer zwischen der Oberhaut der Ober- und der Unterseite der Blätter wölben. Es ist im Sommerhalbjahr fleißig in diesen Werkstätten gearbeitet worden Vom Stamm her und aus der Luft wurden die Materialien geliefert. Billionen, Trillionen von kleinen MüNdchen, Spaltöffnungen, verteilt auf den ganzen Baum, vernehmlich aus die untere Blattseite, wo ihrer oft 500 und mehr auf einem Quadratmillimeter beieinander sind, haben die Kohlensäure aus der Lust eingeatmct und das belebende Ozon ausgeatmet, haben den Gasaustausch vermittelt. Nun sind sie außer Aktion gesetzt. Die Waflerzufnhr vom Baum­körper her hört auf. Die Blätter mit starrem Gefüge lassen es nicht merken, wie durstig sie sind, und täuschen noch ein gewisses Wohlbehagen vor, weichere aber, Mie zum Beispiel die der Eberesche und die des Holunders, hängen schlaff und traurig herab. Was sind sie ohne das Wasser, das ihre Gewebe straffte? Wasser zu trinken und Wasser auszuatmen, das ist ja der Pflanze stärkste Tätigkeit. Verdunstet doch ein einziger Morgen Kohl in seiner viermonatigen Wachstumszeit die Kleruig- keit von einer halben Million Kilogramm des belebenden Stosses. Nun ist diese Freude gestört. Und auch die Sonne,