Einzelbild herunterladen
 

Wiesbadener

Berla« Sang gaffe 21

Tagblatt-Haus".

SKalter-Halle geöffnet von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends.

Mtzentlsth 12 Ausgaben.

Anzrigeu-Annahme: Für die Abend-Ausgabe bis IS Uhr mittags; sür die Morgen-Ausgabe bl» S Uhr naSmittags.

Gegründet 1852.

Fernsprecher-Rufr

Tagbtatt-Haus" -lv. 6050-53. Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.

An

n f jv*viw I***,*** 'o v rr ,

anjeigen;

S^ I S;rh ü u a e n C ä auft l 6me ;nmänb«t« anä® 3 en in luLn

Für die Aufnahme von

Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.

Nr. 479.

Freitag, 13. Oktober 1911.

59. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

L. Matt. _

Das preußische Herrenhaus.

Der Abg. D. Friedrich Naumann hat unter dem StitelFreiheitskämpfe" eine Sammlung vdn Auf- fätzen (iin Buchverlag derHilfe") erscheinen. Mm die er bei verschiedenen Gelegenheiten und an verschiedenen Stellen über das Thema der Liberalisierung Deutlest lands geschrieben hat. Diese Sammlung sei auen zur Lektüre empfohlen, die über die Fragen der Geschichte des Liberalismus und seiner Prinzipien, des Wesens des Staates, der Reichsverfassung, des Königtums usw. feinsinnige und kluge Betrachtungen lesen wollen. Wir wollen heute nur einige Stellen ans der Studie über das preußische Herrenhaus wredergeben, m der -Naumanns schriftstellerische Art und seme Kunst dm politischen Beobachtung so recht zur Geltung kommr.

Naumann schreibt: . ' T .i.

Gegenüber dem Wertheimerichen Warenhaus uegr ein Palast des Friedens mitten im Gewimmel, eme Burg der alten Sitte zwischen allem Getriebe der Neu­zeit/ Hunderttausende eilen vorüber, ohne überhaupt recht zu wissen, ioas das ist: einHerrenhaus ? Nennt man doch heutzutage jeden einen Herrn! ^uben le. Wertheim wird man als Herr angeredet, wenn man für 10 Pfennige Zahnpulver kauft, hier aber hat dm, Wort Herr seinen alten . Klang: Herr ist Herrscher! Herr ist Patron' Herr ist etwas ganz Besonderes, was ange­boren sein muß! Dieses Haus hat seine eigene Sprache schon im Namen. In das Abgeordnetenhaus aus der anderen Seite des Landtagsgrundstückes komme man hinein als Knecht des Stimmzettels, als Beauftragter der Parteien und Wähler, wer aber tu , dieses Haus emtritt. der tut es als ein Herr, der keinem veEt' wörtlich ist als sich, es sei denn, er gehöre zu den zehn Universitätsabgeordneten oder zu ben7MUnundvrersrg Städtevertretern. Auch diese sind langfristig beaus tragt und werden kaum l- von lemand verantwortllch gemacht, aber immerhin besteht bei ihnen em. Rest vom Abqeordnetenwesen, die anderen aber vertreten NW selbst Ein Abgeordneter ist sozusagen nur aus Zeit aus der Masse der Beherrschten herausgehoben und sinkt wieder in ihr unter, wenn seme Zeit um ist. die Herren" aber kennen keine GotterdanErung. w.r waren, wir sind, wir werden sem! Die Minister haben ihren Hut stets in der Hand, denn keiner weiß, wann ihm seine Würde und Bürde verloren geht, das Herren­haus aber hat unseres Wissens bisher nur em M - glied ausgeschlossen und dieies war durchaus daran schuld. Selbst der König kann gegen das Herrenhaus nicht viel machen, denn es steht ztvarmm Ar.ikel 61 i er Verfassung der Satz:Er kann dre Kammern entweder beide zugleich oder auch nur eine anflosei , aber dieser Satz ist nichts als ein aus Versehen steyengeblrebenes Stück einer früheren Ordnung, dis sechzig ^ahre zurnck- liegt. Auflösen kann man gewählte Parlamente, aber

ein Herrenhaus kann höchstens vertagt werden, denn wer will einen Herrn hindern, Herr zu fern- ^er König kann neue Männer in dieses Haus hinem- schicken, hat er sie aber eimnal entsendet, dann entglei­ten sie seiner Hand. . . . Wie viele aber mutzte er be­rufen, wenn er wirklich einmal mit der Mehrheit des Hauies in Streit sein sollte! Jetzt sind von 361 Platzen etwas über 70 durch besonderes Allerhöchstes Vertrauen besetzt, also ein Fünftel der Gesamtzahl. ....

, Die Kleinstaaten sind ihrer Natur nach immer etwas mißtrauisch gegen den Großadel gewesen, aber Pveu« ßen konnte es sich leisten, eine Zucht von Rasse- existenzen sich zu erhalten. Ter König von Preu­ßen beugte sie unter sich, dann aber stellte er sie zur Erhöhung seines Glanzes neben seinen Thron. . . * Der alte Adel lagerte um den König herum wie die gezähmten Löwen um ihren Bändiger. Dieser geht an ihnen vorbei und streichelt sie und sagt: ^.eo, du bist mein Freund. Leo weiß ganz genau, daß er gar nichts anderes mehr sein kann, denn die Zeiten, wo er sem eigenes Gefilde beherrschte, sind vergangen. Er braucht den König, denn er selber tst waffenlos. Seine Burg hat nur noch dekorativen ^oert. . . Er heißt Herzog oder Fürst oder Graf, aber kommandieren darf er doch nur, wenn der König ^ ihn zum Eversten macht. Und die gutsherrliche Polizei hat er im Auf­trag des Staates, den der König vertritt. Er ist m seinen Wäldern an das Wald- und Jagdgesetz geonnden, überall begegnet auch ihm das öffentliche Recht, und die Einnahmen seines Rentamtes hängen von den Zöllen ab, die vom Staate beschlossen werden, -Za selbst seine Steuerfreiheit und sein Fideikommißrecht ruht auf schwachen Grundlagen, wenn einmal der König über diese Dinge anders denken sollte. Deshalb rst er der Freund des Königs, nicht immer der Herzens­freund, aber der politische Freund aus ^.od und Leben,

solange der König ihn schützt. ... . a

Die Forderung des Reichstagswahlrechtes für das preußische.Abgeordnetenhaus ist im Herrenhause eine Undenkbarkeit. . . . Unerbittlich sind sie m F i d e i k ö m m i ß- und R i t t e r g u k s r e ch t e n und im Widerstand gegen die Temokratisteruna der Staatsgewalt. Ans dreien Gebieten Hilst auch em Päirsschnb nach Art dessen vom 29 . septembeo 1860 nichts mehr. Wenn einmal ern preußischer Minister- Sttat mit den, Unfug *» M-ikl»nw»»-S für das Abgeordnetenhaus ausräumen will, Sayn. erst beginnt der große Tanz, dann wird es auch vom Herrenhause heißen:Biegen oder brechen!

Deutsches Deich.

* Der Kronprinz bei Kardinal KoPP. Der Kronprinz trifft :ber Voss. Ztg." znfclge im Lause der nächsten Woche als Gast ''des Kardinals KoPP ans Schloß Johannesberg (Lsterreich'sch-Schlesien) ein, um einer Einladung zur ^agd

* Prinz Heinrich über das Flugwesen. DerMatin verbreitet über eine Denkschrift des Prinzen Heinrich an

den Kaiser eine MitteMmg, die wir wiedergeben, ^ ohne ihre Richtigkeit prüfen zu können.Watm erfahrt aus einer Quelle, die er als die denkbar beste kennzeichnet, daß Prinz Heinrich dem Kaiser Wilhelm eine lange Denhchrtft vorgelegt hat, in der er die Ergebnisse lpes FluKvefens em- gehettd prüft und seine Überzeugung ausdruckt, daß der Lenkballon abgetan und das Flugzeug das einzige Luftfahrzeug ist, das ernste Dienste zu leisten vermag. Ter Prinz zeigte, in welchem Nachteil sich Heere befinden, denen Flugzeuge fehlen, und beklagte es, daß dre deutsche Industrie sich auf diesem Gebiete nicht betätigt hat, so daß zur Stunde Deutschland in der Beschaffung von Flug­zeugen vom Muslaud abhänge. Die Denkschrist schließt nnt der Empfehlung, daß der Kaiser im nächsten Jahr die Be­willigung von 30 Millionen Mark für !den An­kauf von Flugzeugen und die Errichtung der Geb Lude ver­anlasse, die zu ihrer Unterbringung und Handhabung notig

£ Cn * Fürsorgegesetz. Die Vorbereitungen zu einer Novelle zum Fürsorgegesetz sind soweit gMehen. daß w- kommiffarische Beratung der beteiligten Refforts beginnen kann. Es handelt sich darum, es zu ermöglichen, alle noch nicht verwahrlosten KiNder unter 14 Zähren D. Fürsorgeerziehung zu überweisen. Die ' Recht­

sprechung steht dem entgegen; sie gestattet nur die Über­weisung bereits verwahrloster Jugendlicher.

* Die Herrenhausersatzwahl für den verstmbencn BolenWhrer v. Koscielski im Wahlkreis Samll» findet am 23. Oktober in BroiNberg statt. Deutscher Kan­didat ist Oberst a. D. v. HeYdebreck. M Stimmenverhältnis stellt sich auf 30 Deutsche uttd 17 Polen.

* Grundstückscmkimse des Fürsten Bülow in Hamburg. Fürst Bülow will Hamburgs Nachbar werden. Der rMM, der mit seiner Gemahlin vor acht Tagen vom^Kuransenll halt aus Norderney in 5 -amburg euftras, hat hMWen, sich bei Hamburg anzustedeln und sich einen Teil des >)ahre^ in seinem Geburtsort, Kleinftottbek, niederzu-affen. ^-er Fürst hat einen Teil des Freiherrlich Rmker-^emfMcyen Parkes erworben und wird sich dort eme Villa bauen lassen. Die umfangreiche Bibliothek, von der sich der Fürst nur ungern trennt, ist größtenteils bereits nach Klem- flottbek verbracht.

- Staatliche Beihilfen sür die handwerksmäßige Aus­bildung der Frauen. Wie uns mitgeteilt wird-, werden die Handwerkskammern aus ihrer nächsten Tagung die Be­dürfnisse sestsetzen, die durch die berufliche Ausbildung der Frauen in Ben Bezirken der einzelnen Handwerkskammern notwendig werden. Es kommen in erster Reche da-fm ge­eignete Kurse in Betracht, die von den Handelskammern veranstaltet werden. Außerdem werden sich die Handels­kammern auch mit der Älusdehnung der Lchrstellenver- mittlung aus weibliche Personen zu beschäftigen hüben. Der Handelsminister hat sür die vermehrten Ausgaben, dre den Handwerkskammern usw. dadurch entstehen, staatliche Reibilien in Aussicht gestellt, deren Höhe bis letzt noch nicht S !S S sie sich nach den Bedürfnissen der einzelnen Handwerkskammern, die ganz verschieden sind, richten

"S"ünmögliche Zumutungen. Wie die Steuerveran- kagungsböhörden Unmögliches von emzelnen Zensiten vc^ langen, geht ans nachstehendem, derKöln. Ztg. üericyteten

FemUetoNg

«albdruck verbolena

Ins Fand der schwarzen Kern-.

Von M. Holzer, Prag.

Ein wundervoller Tag, als wir uns des, Morgens in Fiume eiuschrfsen. Die See ruhig und Das

Schiff gleitet au unzähligen großen ttemen ^,«m vorbei Weiße Möwen umkreisen m großen Schwärmen nut

ein Ri°ImMch o«ä d-m »

amue Felsen vorbei, daun wieder einmal eure Iparuas oe

«tauen Steinen ab und zu eine ärmliche Fu^'^une. ^ Ber eimeltc Dörfer. Erst am Spätnachmittag legt das Ochiss in ffara an Tie Abendsonne beleuchtet dre freundliche Häuserreihe die ans einer breiten Landzunge ms M^r ge­baut ist In d-r Rächt Spalato. Mau hört den schrillen Psiss in der Kajüte, denn von Schlafen ist keine Rede^ Cs ist Htm Ersticken heiß und die Ture offen lassen nein nein ich mutz an alle die dunkeläugigen Männer denken "die' nachmittags in der dritten Klasse eng beiein­ander wie ans Stellagen in dem dumpfen, schwulen Remme lagen, während uns dicht daneben m emern rassmiert luxuriös einacrichteten Sp-isesaal em Diner mit acht Gangm serviert wurde. Daun des Morgens in Gravosa und end-

gegnet uns ein Schiss, dre Fahne wird gesenkt, ^in paar Leute wehen mit den Tüchern und dann wisder Waffer nur Wafler Wasscrgischt, schaumende Wellen, die/ich lang­sam, langsam beruhigen und sich lachend im Kreise drehen; spielen und rändeln. . .

Dann Plötzlich grüne Berge, die uns nahe kommen, di ück» lan hohe Felsen schmiegen Orte am Bergeshaug, frenno- liche Häusergruppcn mit ziegelroten Dächern und dazwischen überall ein hoher Karnpänile. Eine Insel, ein Blumen­garten und da erzählt man. daß vor kaum Dreißig -oah^n ein polnischer Graf ein Felsenriff -gekauft imd in dies Paradies verwandelt habe, in dem buchstäblich M'.nh und

^^Eastelnuovo. Das Schiff bleibt mitten im Meere sichen und Boote holen die Post und besördern die PE^g'-r- an Bord und au Land. Und dann sind wir m der Bocche. wie in einem stillen, wundervoll friedlichen See. Freundliche grüne Hügelgelände und hinten hohe kahle Berge^ Da steht ein Felsenriff mitten im Meere, und dort lehnt eme stumme Sphinx an grünem moosbewachsenen Stein tief in die See hinein An allen Borgspitzen Schießscharten und graue, s^oßarti^qe Forts, die sich hinter Felsklchpen verbergen. An einer Brandstätte fahren wir vorüber, einem namen- loson, zerstörten, ausgestorbenen Dorf mit,halbversalleuen Häusern blinden Fenstern, armseligen Rumen, me der Krieg verheert hat und die nun weder abgeraumt, noch auf- gebaut werden dürfen, die eine stumme und doch beredte Sprache sprechen, ein Mahnzeichen, eine DuukÄ erschuiterude

Eattaro legen wir an, die hohen Montenegriner Berae die nur zur Hälfte uns gehören, denn mitten rm Hang 'ist die Grenze, sind unheimlich nah. Zwei amercka- itjiMje Fachten und ein griechischer Segler liegen im Hase«. Im AnsMuß an das Schiff verkehrt ein geschlossenes Auto­mobil nach Cettinje, aber alle Plätze sind vergeben.

Mir fahren des Morgens im offenen Wagen dre schon gebaute Straße hinan, die sich in unzähligen -DerpeMnen den steilen Berg hinanschlängelt. Und unter uns lugt der Golf von Cattaro dunkelblau, opalfarben schillernd wre cii , wundervoller See. Umsäumt von kleinen, heimlichen Orten

ISS Ä

iSifei« bm Leben zunicken . . . Glühende Grauat- ävsc-l ' Vielhundertjährige Platanen, dunkle Pinien und hohe schwarz Zypressen, die rings um die Frwdhosmauern

^"^Nnner höher geht es und höher. Schon flöht man die -veite Adria und die Schisse wie winzig kleine Punkte. Der '°ovz'mpaß jetzt, und wir sind auf montenegrmrschem Boden. Ein Paar quer über die Straße in die 'Erde gemaue^e Steine zeigen die Grenze an. Und nun em Dorf dort, erste Aast Anderthalbdutzend kleiner Häuser, dicht beieinander mit roten Dächern. Es ist Markttag. Im Wirtshaus sitzen ein Paar Montenegriner beim schwarzen Kaffee. Ein Paar Schweine. Lämmer und Ziegen werden zum Verkauf ange- boten. Die Frauen handeln und stricken daber. Sie Männer stehen herum und plaudern, polttisieren heißt es; Ein oder der andere steht vor der Haustür, es ist der Haus­herr: Gospodar. Er tragt über die Schulter geworfen erneu blauen Mantel mit stlberum Knöpfen nnd schaut mit Jmpe» xatoreuwürde um sich, soviel Selbstbewutztfein liegt in ledev Geste, als ob er der Nikita selbst wäre. Das Selbztgefuhk nehmen sie offenbar aus dem stolzen Bewußtsein ihres Herrentums, ihres Herrenglaubens, ihrer mrantastvaren Herreuwürde. , .

Wir bitten um die Erlaubnis, ein Jn.crreur anzchauerr zu dürfen, man führt uns in das Haus eines Hanptma,ins, eine freundliche, saubere Bauernstube, und sie lassen uns nicht fort, ehe wir als Zeichen ihrer Gastfreundschaft eme Taffe schwarzen Kaffee mit dem Hausherm getrunken, die , Frau steht bescheiden im HintersriMd.