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Verlag Langgaffe 2r (i%7% _ ,. , , . „ „ ~ „T-gblatt-H-us" Nr.665o-S3.
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«*. 467.
gteitag, 6 Oktober 1911.
SS. Jahrgang.
Morgen-Ausgabe.
1. Matt.
Sie felirtn der Ittten Miner FliWche.
Mit der am letzten Sonntag geschlossenen „Nationalen Flugwoche" hat das zweite Entwicklungsjahr des deutschen Flugwesens sein Ende erreicht. Aus diesem Grunde erscheint es angebracht, die Ergebnisse dieser Veranstaltung. näher zu betrachten, um festzustellen, welche Wege die Entwicklung gegangen und an welchem Punkte sie augenblicklich gelangt ist. Eines der wichtigsten Momente, das nur allzu häufig vergessen wird,
.. wgleich in den Vordergrund geschoben: es sind tatsächlich erst zwei Jahre vergangen, seitdem durch Orville Wright die ersten wirklichen Flüge in Deutschland ausgeführt wurden! Und heute haben wir bereits in unserem Daterlande über 50 Flug- 8 e u g f a b r i k e n, von denen etwa 15 als großzügige industrielle Werke bezeichnet werden dürfen. Im Sep- lNnber 1909 wurde der „fliegende" Amerikaner wie ein Welüvunder angestaunt und zwei Jahre später gehen zu einer nationalen Flugwoche, zu der also Ausländern die Teilnahme verwehrt war, 42 Meldungen ein!! Diese Gegenüberstellung zeugt von einer so ungeheuerlich schnellen Entwicklung, wie sie keine aiidere Industrie erstrebt hat. Auf diese Tatsache muß immer wieder verwiesen werden, wenn wie so oft — die „Unvollkommenheit" der Flugzeuge betont wird. Keine pudere der Maschinen, die für einen Vergleich in Betracht kommen, also B. Lokomotive, Automobil, Dampfschiff usw., hat in den ersten zwei Jahren ihrer Existenz so erhebliche grundlegende Vervollkommnungen erfahren wie die Flugmaschine. Tie Resultate der Berliner Flugwoche sprechen in dieser Beziehung eine beredte Sprache. An sieben Flugtagen war eine Gesamtzeit .von 14 Stunden 65 Minuten für Flüge frei- gegeben. Hiervon hat der Sieger 13 Stunden 66 Minuten durchflogen, der Zweite mehr als 12 Stunden, der Tritte auch noch 11 Stunden usw. Das heißt mit anderen Worten, daß es an sämtlichen sieben Tagen zusammen während der offiziellen Flugzeit nur 69 Minuten gegeben hat, an denen keine Maschine in der Luft war." Und dieses Resultat angesichts des ungünstigen, kühlwindigen Herbstwetters! Noch im vorigen Jahre wagte sich kein Flieger in die Luft, ehe es nicht fast völlig windstill war. Heute kann man bereits sagen, daß bei jedem Wetter geflogen werden kann mit Ausnahme schwerer Sturmtage.
Es drängt sich nun natürlich die Frage auf, worauf diese grundlegende Umwälzung zurückzuführen ist. ^nd^e^MaMnen^besi er^geworde^ade^di^^iloten^
Feuilleton.
(Nachdruck verboten.)
Durchs „Mainzer Decken".
Wanderskizze von Walther Schulte vom Brühl.
(2. Fortsetzung.)
Bei Trebur gewinnt die Gegend einigen bescheidenen Reiz. Da unterbricht gleich ein Wäldchen von mächtigen Schwarzpappeln in einer kleinen Senkung sehr angenehm das Einerlei der Felder. Die Riesen stehen auf einem schwarzen, fetten, moorigen Grunde. Sie spiegeln sich in einem dunklen trägen Gewässer, aus dem sich Weiße Gänse und Enten tummeln: das alte Neckarbett. Auch der Neckar hat wie der Main in Urzeiten einen anderen Weg durch die Ebene genommen. Er ist am Odenwald entlang gelaufen und hat sich in dieser Gegend, etwa 50 Kilometer von seiner heutigen Mündung, in den Rhein ergossen, nachdem er wahrscheinlich die Gegend gründlich versumpfte. Die Geologen können seinen früheren Laus noch ziemlich genau feststellen, und hier vor Trebur hat er ein besonders deutliches Andenken zurückgelassen. Der Schwarzbach hat es sich meist in seinem alten Bette bequem gemacht. Doch noch ein anderes Gewässer zieht sich hier lang und faul, seerosenbedeckt und von Schwerteln umstanden durch die Ebene, der Landgraben, von Landgraf Georg I. mit großen Kosten angelegt, um die Gegend zu entfumpfen und aus dem Ried fruchtbares Land zu gewinnen. So wurde das weite Gebiet der Landwiese, durch die mich nun der Weg hinWhrt, der Kultur erobert. Die dunkle Färbung des Bodens spricht von seiner einstigen Beschaffenheit. Ganz hat sich die alte Natur trotzdem nicht verleugnen können. Vermooste Wiesen, in die der Fuß bis über die Knöchel einsinkt, Riedgräser und Kropfwerden, die oft einen sehr starken Stammumsang zeigen, beweise^, daß sich hier noch alles wohl suhlt, was Bodenfenchte liebt, und bic breite, schöne Chaussee, die von Großgerau durch dieses Gebiet zum Rhein führt, muß sich als ein Darum durch das Gelände ziehen. Mer im allgemeinen scheint es recht fruchtbar zu sein.
Die Antwort hierauf kann nur lauten, daß beide Faktoren zusammengewirkt baben. Die heutigen „Führer" stellen zum größten Teile schon die dritte Generation dar und verfügen deshalb neben ihren eigenen Kenntnissen auch zugleich über die ihnen übermittelten Erfahrungen ihrer Vordermänner. Dazu kommt natürlich, daß die jetzt in Gebrauch befindlichen Apparate mit den primitiv und ungewandt zusammengefügten Versuchsobjekten von ehedem nur noch wenig gemein haben. Tüchtige, solide Konstrukteure sind inzwischen an der Arbeit gewesen und haben dafür Sorge getragen, daß die aus anderen Gebieten erprobten und erkannten Prinzipien auch für den Luftfahrzeugbau Verwendung finden. — Fragt man nun, auf die, Ern- zelheiten eingehend, wie sich die alte Rivalität zwischen Zweideckern und Eindeckern jetzt gestaltet hat, so muß man darauf Hinweisen, daß der E r n- decker entschieden immer mehr Terrain gewinnt. Seine wesentlichsten Vorzüge vor dem Zweidecker dürften in folgenden Punkten gekennzeichnet sein. Zunächst entfällt bei ihm die Möglichkeit, daß die nur sehr leicht miteinander verbundenen Flächen durch Reißen von Drähten oder dergleichen ihren Halt verlieren und wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Ferner können beim Eindecker durch das Abspringen des Propellers niemals Steuerorgane, Spanndrähte usw. verletzt werden, was bei Zweideckern häufig genug eingetreten ist. Und schließlich birgt der letztere noch die Gefahr in sich, daß bei einem Sturze in vielen Fällen der schwere Motor auf den unglücklichen Führer fällt und ihn zermalmt. — So lehrt z. B. ein Blick in die deutsche Unfall-Statistik, daß von den 10 Piloten, die Todesstürze getan haben, nicht weniger als 9 mit Zweideckern verunglückt sind! Wenngleich derartige Zahlen auch keine bündigen Schlüsse zulassen, so dürften sie doch andererseits nicht ganz beiseite gelassen werden.
Hält man 'nun unter den deutschen Eindeckern Umschau nach dem erfolgreichsten, so muß der Blick nnbe- dino,t auf die „Rumplersche Taube" fallen, die gerade in der letzten Zeit eine unvergleichlich- imposante Reihe von Erfolgen errungen hat. Hirth, Vollmöller, Fräulein Beese (unser erster weiblicher Flugzeugführer!), ferner der zweite Sieger des eben zu Ende gegangenen Turniers, Suvelack, sie alle bedienen sich dieser Maschine, die wegen der höchst geschickten vagelartigen Ausbildung der Flügel und des Schwanzes den Namen der „Taube" führt, dem sie auch alle Ehre macht.. Was dem Beschauer an ihr zuerst auffällt, ist ihre große Eleganz und Sicherheit, die auf der Verlängerung der Flügel beruhen, die in ihrer Urform eigentlich dem Zanonia-Samen entsprechen, dann aber in" konstruktiv und ästhetisch einwandfreier Neubildung dem Bogelflügel angenähert worden sind. In diesen nach aufwärts gebogenen Flächen liegt das ganze Ge-
Die Hackfrüchte stehen besser als anderswo nach der Dürre, und es lachte mich gar ein stattlicher Rübendrilling an, eine Dickwurz, die drei Blätterbüschel statt des normalen einen zeigte — der reine Übermut. Auch die Beschaffenheit der Gespanne im Felde redete von guten Verhältnissen. Meist ist es ja so: ärmliche Gegend, ärmliches Vieh, und umgekehrt. Ein Knecht saß am Wege und schlug mit Gelassenheit einen halben Laib Brot in seinen Erdcnleib. Das stattliche Doppelgespann vor seinem Pfluge ließ die Köpfe hängen und schnaufte behaglich. Es siel mir ans, daß beiden Pferden starke Tücher unter die Weichteile des Bauches gezogen waren. Wie ein großer Verband sah es aus Ich hatte dergleichen noch nirgends gesehen und erkundigte mich teilnehmend, ob den armen Tieren vielleicht etwas fehle und sie an Bauchweh oder Erkältung litten. Aber der Mann erklärte mir, die Tücher seien nur ein Schutzmittel gegen das stechende Ungeziefer, gegen Fliegen und Bremsen. "Das Aaszeug könne so nicht an die Pferde heran und diese brauchten sich nicht mit den Husen gegen den Bauch zu treten und zu verletzen, wie sie es ungeschützten Leibes bei der Fliegenplage täten. Sie ständen ruhig und friedlich und gediehen. Wenn die Tiere aus den Wiesen zu tun hätten, wo das Geschmeiß noch frecher sei wie auf dem freien Felde, wsirden sie auch auf der Oberseite mit Decken verhangen. Als ich diese kluge und viehfreundliche Maßregel sehr lobte, sagte er mii Selbstbewußtsein nicht alle Bauern der Gegend täten dergleichen. Manche ließen lieber ihr Vieh zerstechen und ordentlich matt von aller Unruhe und denr ewigen Abwehren werden, ehe sie die Paar Mark für das grobe Leinentuch hergäben.
Nun so mögen sie einst am Tage des Gerichts mit den Böcken zur Linken kommen", sprach ich feierlich und wanderie mit dem stillen Wunsche weiter, daß diesem Gerechten sein frugales Mahl stets gut schmecken und durch eine gute Verdauung gesegnet sein möge, inzwischen wurde ich weidlich gestochen, aber nur von der sich dem sienit nähernden Sonne. Eine Feldflasche hatte ich nicht bei mir. In den verklungenen Zeiten, da ich als deutscher Jüngling renommisttsch harmlosen Kumpanen gewaltige Bierjungen anflzubrumMen Pflegte, hielt mir mein alter
heimnis der seitlichen Stabilität, die jenes viel bewunderte ruhige „Liegen" der „Taube" im Gefolge hat. — Zur Bedienung des Apparates sind drei Steuerorgane vorgesehen, nämlich das Höhensteuer, das Seitensteuer und die „Verwindung" der Flächen. Alle drei sind — und das ist sehr charakteristisch — so angeordnet, daß ihre Bedienung den natürlichen Reflexbewegungen des Körpers entspricht. Um nur ein Beispiel zu geben: neigt sich der Apparat seitlich nach rechts, wird sich der Führer unwillkürlich nach links biegen. Führt er aber diese Bewegung am Steuerrad aus, so gibt er der Maschine damit ihr seitliches Gleichgewicht wieder. — Aus dieser sehr geschickten Anordnung erklärt es sich, daß die Flieger der „Rumpler- Taube" sehr wenig körperlich angestrengt werden und deshalb so außerordentliche Leistungen zu vollbringen vermögen. Sind doch die drei in der Berliner Flugwoche neu ausgestellten Rekorde alle nur mit der „Taube" erreicht worden! — —
Der Sommer ist zu Ende und auf . den Flugplätzen wird es allmählich still werden. In den Werkstätten aber und an den Zeichentischen beginnt dafür dre Arbeit um so eifriger. Mögen dort die Erfahrungen, dre uns die nun beendete Flugzeit gebracht hat, richtig gewertet und in dem Sinne erkannt werden, daß es nrcht so sehr daraus ankommt, neue und großartige „Erfm- dungen" zu machen, als vielmehr das reiche ideelle Be- sitztum, das schon unser Eigen ist, treu zu verwalten und in stetiger, sorgsamer Arbeit zu vermehren.
UolMsche Mersicht.
Bismarck imd das preußische Wahlrecht.
Im neuesten Heft der „Preußischen Jahrbücher" ver- ösfentlicht Prof. O n ck e n - Heidelberg einen Aussatz über „Bismarck, Lasalle unddieOkttoyierung des gleichen, direkten Wahlrechts in Preußen während des Verfassungskonflikts", Aus den Darstellungen Onckens ergibt sich, daß Bismarck in Verbindung mit Lasalle auch nach dessen Tode durch einen Staatsstreich das Dreiklasseuwahlrccht ab- schasfen und an seine Stelle das gleiche, direkte Stimmrecht setzen wollte, um die ihm unbequeme fortschrittliche Mehrheit im Abgeordnetenhause yu vernichten. Oncken stellt das folgendermaßen dar: Ministerpräsident
v. Bismarck beabsichtigte während des Streits um die Armeeorganisation den Widerstand des Abgeordnetenhauses dadurch zu brechen, daß er durch königliche Verordnung das Dreiklasscnwah lr echt abschaffte und das gleiche, direkte Stimmrecht in Kraft setzte. Bismarck erwartete von diesem Staatsstreich den Vorteil, daß die teils konservative, teils von den konservativen Grundherren abhängige Landbevölkerung die fortschrittlichen Städter niöder- stimmen würde. Das Wahlrecht sollte öffentlich sein, so daß
Herr einmal eine sehr eindringliche Standpauke, die in der Mahnung gipfelte: „Ein junger Mensch muß nicht meinen, er muffe den Schnabel immer im Nassen haben". In der Tat hat mich die Erfahrung gelehrt, daß der Deutsche im allgemeinen nicht allein viel zu viel ißt, sondern erst recht viel zu viel trinkt, und ich handle dieser Erkenntnis gemäß und „wandle auf den Pfaden des Gegenteils", Wie sich ein Pädagoge einmal hübsch ansdrückte. Nun aber wäre mir ein kühler Dropsen von den Edelgewächsen, die dort fern links an der Bergstraße oder rechts in Rhein- heffen wachsen, doch sehr erwünscht gewesen. Da lachte mir, als ich gerade eine Straße querte, von einem Baum ein besonders schöner Apfel entgegen. Er verfiel meiner Logik: der preußische Fiskus hat dich so oft durch seine Steuern gekränkt, warum sollst du den ihm im Wesen verwandten hessischen Fiskus nicht um einen Apfel kränken? Meine Kelter, mein Kauwerkzeug, war ja im besten Zustand. Und so kaute ich mit Genuß die Gabe des „Wirtes wundermild", schluckte den köstlichen süßen Apfelmost frisch von der Quelle, spuckte die Treber aus und freute mich der Tat, bis ich die Beobachtung machte, daß die Schleimhäute meines Mundes von der Apfelsäure gründlich ver- ätzt ivaren. Ich hatte ein Gefühl, als hätte ich mit starkem Alaunwasser gegurgelt, und so wurde der hessische Fiskus gerächt. Mein lechzendes Hündlein hatte das bessere Teil erwählt, als ich ihm aus dein Ziehbrunnen bei einer Viehweide einen Eimer kühlen, wenn auch etwas schlammigen Wassers kredenzen konnte. Weiter wandernd, entdeckte ich, daß mich meine Generalstabskarte schmählich im Stich gelassen hatte. Ich wollte nach Leeheim, aber es war, als ob alle Wege östlich nach Geinsheim oder westlich nach Wallerstädten ftrhrten. Den Turm meines Zieles aber sah ich in weiter Ferne vor mir liegen. So beschloß ich denn, pfadlos daraus los zu marschieren. In normalen Zeiten wäre dies wohl unmöglich gewesen, denn viele Wielen sind morastig und das Land ist von tiefen und ziemlich breiten Gräben durchzogen. Jetzt lagen sie vollkommen ausgetrocknet, so trocken, daß der Schlamm des Grundes von lauter Rissen durchzogen war. Well, gelb, zerknickt starrte das hohe Riedgras ans ihnen hervor, aber dre
