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Nr. 428

Donnerstag, 14. September 1911

Wiesbadener Tagblatt.

Morgen-Ausgäbe, 1. Blatt.

Sette 6,

leicht worden sind, durch eine Schilderung der Gescllschasts- at&eit auf den verschiedensten Gebieten mit einem herzlichen und freudigen Ja. Sie erfreue sich deswegen auch der Wert­schätzung der Besten im Reich. Möge sie in den nächsten ^Jahren ebenso wirken und die gleichen Erfolge erzielen!

schließen sich Geheimrat Professor Dr. Böhmerl UNd Redakteur Klein (Danzig) an. Der Tätigkeits­bericht der Gesellschaft Wer das Jahr 1910, der im Druck dorliegt, wird genehmigt. Die Verhandlungen über den uuf der Tagesordnung stehenden Gegenstand:

Die Zusammenfassung der freiwilligen Volksbildungs- bestrcbungen

begannen mtt einem Vortrag von Univerfitätsprofessor Dr. Eugen Wolfs (Kiel) Wer die Notwendigkeit der Zusam­menfassung der Volksbildungsarbett. Der Redner trat ent­schieden für einen Zusammenschluß aller auf diesem Gebiete Wirksamen Kräfte ein. Ein Zusammenschluß der deutschen VoUAbiidungsbestrehungen führe Wer dte Verbreitung von bloßem Wissen hinaus, Las vielfach zusammenhanglos bleibt, zu Lern zielbewußten Streben nach einer innerlich zusammenhängenden Bildung für alle Schichten des Volkes, M einer organisierten Arbeit am Volks- charakter. Eine solche Höherbildung aller Bevölkerungs- schichen zu selbständiger Urteilsfähigkeit bildet die not- ivendige Ergänzung des allgemeinen Wahlrechts. Mit vereinter Kraft werde es möglich sein, neben der geistigen Hebung der breiten Volksschichten die wisssnschasklichen und künstlerischen Bestrebungen aller gebildeten Kreise systema- üsch zu fördern, sowie durch organische Zusammenfassung Eer Kulturmittel eine in aufsteigender Lime geschlossene Einheit in der Bildung des deutschen Volkes zu begründen. Der Mitreferent Generalsekretär Lews (Berlin) beleuchtet die Notwendigkeit einer Zusammenfassung aller freiwilli­gen Bildungsbestrebungen aus dem Boden der tatsächlichen Verhältnisse. ü-ber

bic Gemeinden als Träger der freiwilligen Volksbildung (brach sodann Bürgermeister Dr. Weinreich (Rixdorf). Redner führte aus: Der Berus der Gemeinden Kr die VolksbiDnugspflege ist begründet auf der ihnen zufallen- den Sorge für das VolkSschul- und Erziehungswesen über­haupt. Uber den jetzigen Stand der kommunalen Volks- bildungsarheit, insbesondere die Aufwendungen der deut­schen Gemeinden für ihre Theater, Orchester und ihr Vor­tragswesen, gab der Voriragende an der Hand eines neuer- biugs gesammelten statistischen Materials näheren Ausschluß und gab der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß die Volksbildungspflege in einer nicht zu fernen Zukunft über­all einen Ehrenplatz im Arbeitsprogramm der deusschen Ge­meinden einnehmen werde. Direktor Dt. I äschke (Elberfeld) sprach Wer

die Zusammenfassung der freiwilligen Volksbildungsarbett durch staatliche Organe und durch zentrale Gesellschaften. Nach Schluß der Versammlung fand ein Festmahl statt, bei dem der Vorsitzende, Prinz Carolath, den Toast ouf den Kaiser und den König von Sachsen ausbrachte. Albert Träger hat der gastgebenden Stadt Dresden ein von der Tafelrunde mit Jubel aufgenommenes Gedicht ge­widmet.

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In der zweiten Hauptversammlung sprach Univerfltäts- brofessor Dt. Eugen Wolfs (Kiel) Wer die Zusammenfassung der freiwilligen Bolksbildungsarbeit in einer Gemeinde durch Zusammengehen der Vereine. Redner teilte die praktischen Erfahrungen mit, die vorherr­schend im Kieler Ausschuß für Volksbildung gesammelt wurden. Rach eingehender Debatte wurde nachstehende Resolution angenommen:Die Hauptversammlung der Ge­sellschaft Kr Verbreitung von Volksbildung bezeichnet die Errichtung von Volksbildungsh cimen, in denen alle VoMsbissungsbestrebungen eine Stätte und einen Stützpunkt finden, als notwendig und richtet an die Ge­meinden die Bitte, mit der Errichtung von Volksheimen selbst vorzugehen oder die in Betracht kommenden Faktoren dazu anzuregen." Über

die gemeinsame Veranstaltung von Vortragsreihen und Unterrichtskursen

sprach Dr. Fritz Coerper (Berlin). Der Referent hält ~~ vor aller weiteren organisatorischen Förderung von Vor­tagsreihen durch gemeinsame Veranstaltung eine Reform des volkstümlichen Vortragswesens selbst Kr unerläßlich und sucht diese Notwendigkeit eingehender zu begründen. In der Aussprache dazu bezweifelt der Vorsitzende Prinz Carolath, daß die Bereitwilligkeit des preußischen Kultusministeriums, freiwillige Bildungsbestre- bungen zu unterstützen, besonders groß sei. Es habe den Anschein, als ob der Staat seine Unterstützungen n u r den don ihm direkt beeinflußten Einrichtungen zuwenden wolle. Am so dringender tritt an alle Freunde der freiwilligen Vildungsarbeit dft Anforderung heran, die Gesellschaft für Volksbildung zu unterstützen, damit sie die ihr erwach­senden neuen Ausgaben lösen könne. £ Gesellschaft habe gezeigt, daß sie aus eigener Kraft zu arbeiten vermöge. Bei den Verhandlungen über

Wandrrbüchercien für größere Bezirke und Kreise vertritt Generalsekretär I. Lews (Berlin) folgende For­derungen:

1. Um die in einer Gemeinde vorhandenen Bücherschätze doll auszunutzen und Verwaltungskosten zu ersparen, ist an­zustreben, daß alle Vereine, die Bibliotheken für allgrmeine Belehrung und Unterhaltung besitzen, dies: an dre Orts­

bibliothek (Stadtbibliothek, Bibliothek des Bolksbrldungs- dereins) abtreten. Anderseits ist die Einrichtung zu treffen, daß Vereine aus der Orisbibliothek Kollektionen von Büchern behufs Ausleihung an ihre Mitglieder entnehmen können (Wanderbibliotheken im Orte). 2. Zur fortlaufenden Ver­sorgung kleiner Ortschaften (unter 2000 Einwohnern) mit ausreichendem Lesestoff ist die Errichtung von Kruswander- büchereien notw'ndig. Die aus den Kreiswanderbuchereirn entnommenen Bücherbestände sollen in den größeren dieser Gemeinden die eigenen Büchereien ergänzen und in Ge­meinden, di: noch ohne Büchereien sind, das Interesse für die Errichtung derselben wachrufen. In den kleinsten Ge­meinden können nute WanderbüÄereien da? Lesebedurfnis vollständig befriedigen. 3. Die Wanderbüchereien sind so einzurichten, daß den Gemeinden frei: Bücherwahf ermoglrcht wird. 4. Die Wanderbüchereien der Gesellschaft, me m Tausenden von Gemeinden sich befinden, sollen dieser Ent­wickelung des ländlichen Vibliothekwrsens Vorarbeiten und sie fördern. ~

Über das

Wandertheater

berichtete Direktor Dr. Geyer (Berlin).Herr Jansen, Sekretär der Gesellschaft Kr Verbreitung von Volksbildung, sprach Wer

Leihanstalten für Apparate und Bilder und das Wanderkino. Nachdem der Rechnungsbericht der Gesellschaft erstattet, dem Zentralcnisschuß Entlastung erteilt lvar, schloß der Vor­sitzende die Verhandlungen mit herzlichem Dank an die Stadt Dresden und alle an der Vorber-eituna und Durch­führung der Versammlung Beteiligten.

Ins Stadt rmd Land.

Wiesbadener Nachrichten.

Vom deutschen Turntag in Dresden.

Turnwart Fritz Engel hielt in der Turnhalle des Männer-Turnvereins" einen Vortrag Wer die Verhand­lungen des Deutschen Tnrntags in Dresden, der wegen seines allgemeinen Interesses und bei der bekannten Rede­gewandtheit des Herrn Engel die Aufmerksamkeit der gro­ßen Versammlung fesselte. Alle Einzelheiten hier aufzu- Khren, würde der Raum nicht gestatten. Es seien nur ein­zelne wichtige Punkte erwähnt. Der vom Vorsitzenden der deutschen Turnerschast erstattete Jahresbericht wurde mit dem Motto eingeleitet:

Und freier schwebt und deutscher schwebt und licht hernieder

Der hehre Geist der neuerwachten Zettl"

Die Einnahmen betragen nach dem von Herrn Rech­nungsrat Atzrott vorgetragenen Kassenbericht 207 643 M. 97 Pf., die Ausgaben 189153 M. 19 Pf. Die Dr.--Goetz- Siiftung Kr Errichtung densscher Turnstätten hatte 105217 M. 76 Pf. Einnahmen und 105181 M. 35 Pf. Aus­gaben. Aus ihr wurden in den Jahren 1906 bis 1911 im ganzen 40 530 M. Unterstützungen gewährt. Der Antrag des Mittelrheinkreises:Kreise mit mehr als 100000 steuernden Mitgliedern stellen einen zweiten Vertreter Kr den Aus­schuß der deusschen Turnerschast und Kr die Versammlung der Kreisturnwarte" wurde nach kurzer Begründung durch unseren Kreisvertreter Schmuck und Befüwortung durch den GeschästsKhrer Do. Rühl angenommen. Für alle Ehrenmitglieder, auch die auswärts wohnenden, müssen die Steuern an die Kasse der deutschen Turnerschast gezahlt werden. Alle Vereine sind verpflichtet, dieDeussche Turn- zeiiung" M halten. Die Steuer wird von 1912 ab um 1 Ps. erhöht. Die Einsetzung eines Spielausschusses, der die Ausgabe hat, Erfahrungen bei der weiteren Vervollkomm­nung der Spiele zu sammeln und nutzbringend zu verwer­ten, auch Wettspiele zwischen Mannschaften verschiedener Kreise zu vermitteln, überhaupt die Spiessache nach allen Richtungen hin zu fördern, wurde angenommen mit dem Zusatz, daß er als Unterausschuß des Turnausschusses zu wirken habe. Nach den Anträgen des Turnausschusses wird der Hochsprung in Zukunft ohne Brett (115 bis 165 Zenti­meter) ausgesührt. Die eingehend vorberatene neue Wett- fechtordmmg ivurde angenommen, ebenso die Einführung des Wettschwimmens in Form eines Fünflompfes und von Kürsprmgen. Die Veranstaltung von Sondervorführungen in einzelnen volkstümlichen Übungen ohne Kränze und Ur­kunden, nur mit Nennung der Besten, und von Mannschafts- kämpfen, sowie die Einrichtung zur Ermittelung der besten Spielmanuschasten wurden zur vorläufigen Einführung ge­nehmigt. Die endgültige Beschlußfassung hierüber wird, nachdem bei dem Deusschen Turnfest in Leipzig Erfahrun­gen gesammelt sind, dem nächsten deusschen Turntag Vorbe­halten. Alle Fechter, Spieler usw. aber sind verpflichtet, an den allgemeinen Freiübungen und dem Turnen ihrer Kresse teilzunehmen. Der Antrag von Dr. Goetz:Die Aufnahme selbständiger Frauenvereine in die deutsche Tur- nevschast mit gleichen Rechten und Pflichten Wie Männer- Turnvereine ist zulässig", wurde fast einstimmig angenom­men. Es bekundete sich daran das große Interesse, das dem Frauenturnen entgegengebracht wird. Auch der Antrag des Märkischen Gaues:Diejenigen Münner-Turnvereine der deutschen Turnerschast, denen sich Frauen- und Mädchenab­teilungen angegliedert haben, sind berechtigt, aber nicht ver­pflichtet, durch Zahlung der vollen Gau-, Kreis- und Tur- nerschaftsflener Kr ihre Turnerinnen über 17 Jahre die Zahl ihrer steuernden Mitglieder, bezw. ihrer Stimmen zu erhöhen", fand Annahme. Ebenso wurde beschlossen, daß die Beteiligung von Frauenabteilungen an den Festzügeu und an dem Wetturnen der deutschen Turnfeste nicht ge­stattet ist. Bei Kreis- und Gausesten unterliegt das Auf­treten der Genehmigung der Kreis- und Gauleitnngen. Vorbedingung ist aber einheitliche Turnkleidung. Der An­trag zur Errichtung einer Unfallversicherung Kr die ganze deutsche Turnerschast ivurde aus gewichtigen Ursachen, ins­besondere, da zurzeit noch nicht genügende statistische Un­terlagen vorhanden seien, abgclehnt, dagegen der­jenige des Kreises 13, die Ansammlung eines besonderen Grundstocks, der bei schweren Fällen (Invalidität oder Todesfall) einzutreten hat, während die Unterstützungssasse selbst Sache der Kresse und Gaue bleibt, angenommen. Bei den Wählen wurden alle Mitglieder des geschäftsfüh­renden Ausschusses durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. Der Antrag des Kreises 4, Schritte zu tun zur Verbilligung der Eisenbahnfahrten bei turnerischen Veranstaltungen, wurde dem Ausschuß als Material überwiesen. Kreisturn- wart Bolze (Frankfurt) dankte dem Ausschuß, insbesondere dem unermüdlichen Leiter Dr. Goetz, der trotz Hitze und Arbeit seinen unverwüstlichen Humor nicht verlor und die Versammlung durch manchen schlagenden Witz erfreute. Dieser schloß die Versammlung mtt einemGut Heil" aus das Vaterland. __

Aus dem tollen Jahr. Zu dem schon erwähnte« Vorfall, der sich im März 1848 in der alten Jnfanterie- kaserne abspielte, ist noch folgendes mitzuteilen. Als aus Darmstadt, Hanau, Franssurt usw. die Nachrichten hierher kamen, daß dort das Militär die Erhebung mitmachc, gärte es ganz bedenklich in den nassauischen Regimentern. Um die Unruhen zu vermeiden, glaubte der Herzog, es sei am jjfiku. wenn man eine Anzahl Unter offirftre m Offiziere«

mache, da sie selbst aus dem A»lk stammten und daher wohl am besten in der Lage seien, ihre Kameraden zu beruhigen. Oberst Ahlfeld hielt eine Rede an die Unteroffiziere, in der er sagte, daß er und die Offiziere die Disziplin nicht mehr ausrecht erhalten könnten, die ganzen Hoffnungen des Her­zogs seien auf die Unteroffiziere gerichtet. Diese Rede was von dem Obersten ein taktischer Fehler, wie sich Kater her­ausstellte. Als man die Unteroffiziere zu Offizieren macht«, ließen diese eine Eingabe an den Herzog abgehen, worin sie -baten, doch die Kadettsergeantcn zu Offizieren zu machein Fm Februar hatte General v. Precn (eine seiner Töchter ist heute noch Hofdame bei der Grotzherzogin Adelheid) de« Kadetssergeanten. die in Diez ihr Offiziersexamen bestanden hatten, gesagt, daß die Ernennung zu Leutnants in Kürze erfolgen werde. Run machte man die Unteroffiziere zum Teil zu Offizieren, wodurch sich jene ncttürlich zurückgesetzt fühlten. Schließlich wurden die Unteroffiziere in den gro­ßen Saal der Kaserne befohlen, und Rogierungsdirektor Werren behandelte sie mit Glacehandschuhen, wie mau zu sagen pflegt. Als er aber sagte, daß die Forderung der Unteroffiziere, man möge die Kadettsergeantm unverzüglich zu Offizieren machen, unverständlich sei, weil die jungen Offiziere doch den Unteroffizieren, die avancieren sollten, das Brot wegnähmen, da ertönten stürmssche RuseRaus", und der Regierungsdirektor geriet in solche Bedrängnis, daß er flüchten mußte. Die Ernennung von 10 Unteroffi­zieren zu Offizieren blieb bestehen, aber der Herzog er­nannte auch die Kadettsergeanten zu Offizieren. Damit war die Sache erledigt, vier Wochen Käter standen die Nassauer zusammen mit Hessen und Badensern bei Freiburg i. Br. im Kampf gegen die Freischärler und blieben Sieger, Der neue Oberst Gerau besaß allseitige Sympathien, und so war die Gefahr aufrührerischer Ideen im naffausschen Hee-' vorbei.

Die Verpachtung desRatskellers" steht aus der Tagesordnung der morgigen Stadtverordnetensitzung. Wie wir bereits vor einigen Tagen mitteilten, sst Pächterin eine Münchener Großbrauerei, und zwar derPschorr". Die Pachtzeit ist auf 12 Fahre festgesetzt, die jährliche Pacht auf 12 500 M. Der bisherige Pächter bezahlte 22000 M. Zum Direktor des Ratskellers ist Herr H. Beck» der jetzige Pächter des Hotels Kaiferhof in Biebrich, ein früherer Ober­kellner des Hotels Nassauer Hof in Wiesbaden in Aussicht genommen.

Handwerkersekretariat. Die Handwerkskammer hat die durch den Jnmmgsausschuß vollzogene Wahl des Bnreau- vorstshers des Rechtsanwalts Grafen Zech, Otto P o s e r, bestätigt. Das Sekretariat tritt am 15. Oktober d. I. ins Leben, und zwar wird ein selbständiges Bureau Kr das­selbe eingerichtet.

Straßenbahn. Seit einigen Tagen hat der neue Direktor Herr Karl Martin aus Wiesbaden, bisher in Mannheim, sein Amt an getr eten. In d er Zwischenzeit hatte Ingenieur Peter Frenz die Leitung des hiesigen Stra­ßenbahnbetriebs in Händen, welcher der Direktton lange gehört hatte. Er ist jetzt nach Mannheim berufen als Ver­kehrsinspektor der dortigen Straßenbahn und beretts dort­hin verzogen. Herr Frenz genoß hier allgemeine Beliebt­heit infolge seines verbindlichen Wesens und wird deshalb zahlreiche Sympathien in Wiesbaden hinterlassen.

DasHeidelberger Faß", das etwa 40 Jahre be­stehende Biervestauvant in der Hellmundstraße, ist vom 1. Oktober 1911 ab verpachtet an dieGerrnania-Bmuerei", die dm bisherigen Oberkellner Uvmes vom Walhalla- restaurant mit der Forssührung betraut. DasHeidelberger Faß" wurde sz. begründet von Herrn Ph. Schlott, dem Vater des jetzigen Besitzers Jakob Schloit und war von je­her das besuchteste Lokal des Westends.

Reichsversicherungsordnung und Handlungsgehilfen. Die bevorstehende Einführung der Reichsverstcherungsord» nung sst naturgemäß Gegenstand lebhafter Erörterungen in den Kressen der Kaufleute und kaufmännischen Angestellte«. Es herrscht vielfach noch Unklarheit darüber, ob der Über­tritt verflcherungspflichtiger Angestellter aus der zuständi­gen Zwangskrankenkasse in eine der kaufmännischen Ver- barrdskrankerrkafsen vor Inkrafttreten des neuen Gesetzes noch möglich ist. Demgegenüber muß daraus hingewiese« werden, daß am 1. Januar 1912 nur die Bestimmungen über die Invaliden- und HinterAiebenenverstcherung in Kraft treten. Die Bestimmungen Wer die Krankenversiche­rung hingegen werden voraussichtlich nicht vor dem 1. Juli 1912 Gesetzeskraft erlangen. Versicherungspflichttge Hand­lungsgehilfen können also die Mitgliedschaft in der Zwangskrankenkasse noch bis zum 30. September kündigen» wenn sie am Schluß dieses Jahres in eine kaufmännische Krankenkasse übertreten wollen. Zu diesen kaufmännischen Krankenkassen, von denen aus dem kürzlich in Stuttgart ab­gehaltenen Ärztetag wieder festgestelli wurde, daß sie alle Forderungen der organisierten Ärzteschaft erfüllen, gehört auch die Krankenkasse des Deutschnationalen Handlungsge- hilfenverbands, Sitz Hamburg. Diese wird auch unter dem neuen Gesetz als Ersatzkasse zugelassen sein.'

Falsches Geld. Gegenwärtig sind falsche Einmark­stücke im Verkehr. Sie zeichnen sich dadurch aus, daß sie etwa 1 Millimeter größer sind als die echten Stücke; im übrigen haben sie ein gutes Aussehen und einen guten, nur etwas zu hellen Klang. Sie tragen die Jahreszahl IM und das Münzzeichcn D. Die Prägung ist ans der Vorder­seite sehr täuschend, die Rückseite dagegen etwas flach.

Der Frankfurter Ballon auf französischem Boden. Zu dieser in der gestrigenAbend-Ausgabe gebrachten Nach­richt kann dieFranks. Zeitung" mitteilen, daß der Ballon, dem das Mißgeschick widerfuhr, auf französischem Gebiet niederzugehen, der bekannte Frankfurter BallonHaissea" ist, der am Sonntagabend von Griesheim aus eine Nacht­fahrt angetteten hatte. Der Ballon wurde von Referendar Landmann aus Frankfurt geKhrt, ein Forstmeister ans Wiesbaden fuhr als Passagier mit.Harssca* wurde nach einer Zwischenlandung bei Trier über die Grenze getrieben und ging zwischen Sedan und Verdun nieder. Die Lustschiffcr des BallonsHansea" mutzten die üblichen Unannehmlichkeiten und- Verzögerungen Wer sich ergehen lassen. Zunächst wurden ihre photographischen Apparats beschlagnamt und die Platten entwickelt. Außer­dem mußten sie 600 Mark Zoll zahlen ode- vielmehr hinter- legw, deM diese Summe wird ihnen vermutlich zurückev-