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Rr. 423.
Sonntag, 10- September 1911,
m^?Ech"gtc dnett Teil des Schlosses seiner Ahnen, rannen- und Fahnenschmuck prangte,
r Abend brachte der hiesige Gesangverein dem hohen ^aste ein Ständchen. Der Dirigent des Vereins nutete an Se, Erlaucht warMc Worte der Begrüßung.,,.
Der Herr Graf dankte herzlich.dann lud er den Ver-
-tn m eurer hiesigen Wirtschaft zu Gaste, Am folgenden Morgen setzte der Herr Graf seine Reise fort." Wir zitieren -Mer einen Zeitungsbericht, der uns dieser Tage vor die ^tgen kam. . Es handelt sich ja hier wohl nur um vcrein-- Mle Entgleisungen, aber unangenehm fallest sie trotzdem «Us. „Seme Erlaucht" wird dagegen sehr erbaut gewesen 1«n von dem Empfang, und man könnte es begreifen, wenn r «,ne Träne des Bedauerns, daß es sich nicht um die §ml- ^5.U"S^wirklicher Untertanen handelte, aus den Äugende- wrscht hätte, als er am folgenden Morgen seine Reise fort- k«tzte Wir haben gar keine Ursache, an seinen menschlichen Qualitäten zu zweifeln, aber die etwaige berufliche Tüch- ngkert und guten persönlichen Eigenschaften des Grasen er- wrdern andere Anerkennungen als untertänigste Bücklinge we«r Bürger. Mannesstolz wird selbst vor Königsthronen verlangt!
Mehr Mannesstolz, als ihm gut ist, hat der Königl. «trafanstalts- und Lazarcttauffcher der Strafanstalt «trkegau, dessen an eine Zeitung gerichteter Brief vor wenigen Tagen durch die Presse lief. Der Mann verwahrt mH darin, daß von einem Gefängniswärter gesprochen worden war, während es doch Gefängniswärter überhaupt nicht gebe, sondern nur Gefängnis a u f s c h e r oder Beamte. Er legte „ein ganz energisches Veto ein" gegen die Herabsetzung seiner Beamtenwürde. Der von aufgeblähtem «tolze diktierte Brief erregte allgemeine Heiterkeit, aber: wenn schon überall die Titelsucht herrlich ins Kraut schießt und -die seltsamsten Blüten treibt, warum soll da ein Königl Ttrasanstaltsaufseher nicht darauf bedacht sein, daß ihm mcht Freude an dein Recht aus eine Titefführung durch me bedauernswerte UMenntnis der bösen Zeftungslente verdorben wird. ...
Wiesbadener TagdLaLL.
Der Krauzplatz.
Vor kurzem war im „Wiesbadener Tagblatt" vom ^ranzpwtz und seiner Reformbedürftigkeit die Rede. Dieser -platz gehört zu den ältesten Stadtteilen und zeigte dafür bis rA W ^ tc,t Viertel des vorigen Jahrhunderts charakteristi- icye Merkmale. Diese sind inzwischen verschwunden und Mm Teil traten imponierende Neubauten an ihre Stelle, Zum Teil sind die alten Häuser mit neuzeitlichem Gewand ver,ehen worden. Was unversehrt blieb, ist das Hhgieia- mnkmal, eine Schenkung des gewesenen Bildhauers Karl yosfmann, eines damals in Rom lebenden Wiesbadeners, mr das Werk vor 69 Jahren seiner Vaterstadt zum Ge- Iwenk machte. Früher hatte der Kranzvlatz ein äußerst einfaches Aussehen, er war mit zwei Reihen Mazien und emtgen Sitzbüm'en versehen und im übrigen nichts weiter ms eine Droschkenhaltestelle. Späterhin wurde noch eine Art artesischer Brunnen dort errichtet, der seine Strahlen doch in die Lüfte warf, so zwar, daß er eine Belästigung «er Nachbarschaft wurde und deshalb bald wieder abge- ichafft wurde. Das Monstrum soll noch heute in der stadti- Wen Rumpelkammer liegen, wo ihm eine Zeitlang unser erstes DchillerdenkMal, das jetzt in einer Schule eine hoffent- Uch bleibende Stätte gefunden. Gesellschaft leistete. Erst in mn 70er Jahren erhielt der „Kranz", wie der Platz im abgekürzten Verfahren von den Wiesbadenern allgemein genannt wurde, ein hübscheres Aussehen. Die Anwohner, an wrer Spitze der damalige Schneidermeister, nunmehrige Privatier Karl Rieß, ein jetzt 85jähriger Greis, der indessen rvnner noch ein lebhaftes Interesse an öffentlichen Angelegenheiten nimmt, hatten zusammenaelegt und konnten Häher die Kosten mit 3920 M. zur Verfügung stellen, die die Anlatze eines Schmuckgärtchens aus dem Kranzplatz verur- Mte Die Stadt hatte die Kosten auf 4800 M. veran- l«&tagt, da aber die erwähnte private Sammlung nicht aus- mrchte, blieb es bei dieser; ein städtischer Zuschuß wurde verweigert. Auf diese gärtnerische Anlage, die von Frenr- mn und Einheimischen immer gerne gesehen wurde und insbesondere in ihrer jetzigen hübschen Gestalt und sorgfäl-
trgen Pflege sehr beliebt ist, erhoben nun die Anwohner
und Hauseigentümer gewissermaßen einen Rechtsan- Ipruch, und sie würden einer Veränderung oder gar Be seit'gung derselben bei einer Umgestaltung des Kranwlar.es sicherlich entschieden widersprechen. Sie wollen die dama- %e Geldspende nur zuwege gebracht und der Stadtbr- Horde übermittelt haben auf Grund des behördliche,! ssu- geftän'dnisses, daß die damit ins Leben zu rufende Verschönerung des Kranzplatzes eine solche von „ewiger" Dauer feilt solle. Sie vertraten diesen anscheinend ganz' gerechten Standpunkt schon 1859, als die Absicht einer Ver- llememug des Ziergartens auftauchte, um Raum für eine Haltestelle für weitere 6 Droschken zu schaffen. Man erhob hiergegen einen geharnischten Protest und betonte, daß dann dincwen Mißstände wie vor 1876, in welchem Jahre der Garten angelegt wurde, eintrcten würden. Gerade im Interesse der möglichsten Freihaltung des Kranzplatzes von nvtenvkm ^Straßenverkehr hatte man ja ein immerhin beträchtliches Opfer an Zeit und Geld gebracht. Schon damals war auf die Gefährlichkeit des Straßenbahnverkehrs auf dem Kranzplatz hingewiesen worden, die denn auch durch den jüngst gemeldeten schweren Unglücksfall wieder erwiesen worden ist. Man muß sich übrigens Wundern, daß bei der. nahen Bekanntschaft zwischen Droschkenhalteplatz und Haltestelle der „Elektrischen" nicht mehr Unfälle an Menschen auf dem Kranzplatz Vorkommen. Beim Einsteigen in die „Elektrische" mit den Pferden in unliebsame Berührung zu kommen, ist dort sehr leicht. Nun, die „Stifter" des „Kranzgärtchens" iverden Wohl sich trösten dürfen, denn die zweifelsohne sehr notwendige anderweite Gestaltung des Kranzplatzes kann und wird auch ohne Antastung desselben sich vollziehen lassen. Soll aber mit den dortigen Verkehrsverhaltnissen sich eine gründliche Wandlung vollziehen. dann kann das wohl nur unter Beseitigung der alten „Rose" geschehen, deren Schicksal übrigens längst besiegelt ist. Nur -dadurch kann die freie Bahn geschaffen werden, welche ja auch im Interesse einer vermehrten Luftzufuhr in die Altstadt so dringend erwünscht ist. Ob die Stadtbehörde an ihren, Standpunkt, von den bei der Mederlegung der alten „Rose" zumeist interessierten Anwohnern eine entsprechende pekuniäre Entschädigung für den Ausfall an Einnahmen für den Stadtsäckel zu fordern, festhält, wissen wir nicht, jedenfalls aber muß bei der Entscheidung in erster Linie die Erhöhung und Vervollkommnung der Verkehrssicherheit maßgebend sein, für die keine Aufwendung aus öffentlichen Mitteln zu hoch sein darf. - .
Morgen-AuSgabe, 1 . Blatt.
Sette 3.
. Gedenket der armen erholungsbedürftigen Kinder!
'Der „Wiesbadener Verein für Sommerpflege armer Kinder" Hat infolge der überaus günstigen Jahreszeit beschlossen, die Sommerpflege bis IS. Oktober auszudehnen. Von den Herren Ärzten sind deshalb eine große Anzahl schwächlicher Kinder für einen vierwöchigen Landaufenthalt bezw. eine Soolbadkur dem Verein zur Pflege empfohlen Worden. Leider reichen die zur Verfügung stebendeu Mittel nicht aus, um allen bedürftigen Kindern die Wohltat einer Sommerpflege angedeihen lassen zu können, und aus diesem Grunde müssen manche berechtigte Gesuche abgewiesen werden, wenn nicht noch reichliche Spenden dem Verein zu- fließen. _ Der „Wiesbadener Verein für Sommerpslege armer Kinder" wendet sich daher an die Bürgerschaft Wiesbadens und Umgegend mit der dringenden Bitte, unter gefl. Benutzung beiliegender ANmeldckarre mit Angabe des Beitrags und Namensunterschrift dem Verein Spenden zuweisen zu wollen.
— Zum Neubau der Wilhelmstraße, der sich allerdings über die Maßen in die Länge zieht, schreibt man uns: Ein unwürdiger Zustand herrscht seit Wochen auf der Wilhelno- straße. Unwürdig um deswillen, weil der UMbau der Straße kein Ende nehmen will. Die Erklärung des Herrn Oberbürgermeisters in der -Stadtverordnetensitzung, daß an der Terminüberschreitung die verspätete SchieneNlieserung Schuld sei, hat in keiner Weise befriedigt. Ein unverzeihlicher Fehler ist es. daß man mit dem Umbau begonnen hat, bevor die Schienen am Platze waren. Ich kann mich erinnern. daß bei dem Bau der Moritz- und Nikolasstraße die
Fertigstellung ebenfalls durch die mangelhafte Schienen- lreferung hinausgeschoben worden ist, und daraus hätte nmn Lehre ziehen müssen. Man kann eben nicht auf prompte Lieferung bei den Hüttenwerken rechnen. Was die Arbeit selbst anlangt, so kann man hier ein Schneckentempo beobachten, wie es nicht schlimmer gedacht werden kann. Die doppelte und dreifache Anzahl von Arbeitern hätte bei diesem Umbau beschäftigt werden können, um ihn zu beschleunigen. -Fachleute behaupten, daß man die ganze Arbeit in 3 bis 4 Wochen hätte fertigstcllen können, wenn alles Hand in Hand gegangen wäre. Ich wünsche nur, der Herr Oberbürgermeister nebst seinem Stadtbauamt würde einmal die Stimmung des Publikums hören, das empört ist über die Art und Weise,_ wie hier gearbeitet wird. Allerdings ist der trostlose Zustand auch auf den famosen Vertrag zurückzuführen, den unsere Stadt mit der „Süddeutschen" hat. Man muß nur sehen, wie in anderen Städten gearbeitet wird. Wo käme man auch hin, wenn Hauptstraßen monatelang dem Verkehr entzogen werden, wie es hier der Fall ist.
Militärisches. Das Infanterie-Regiment Nr. 118 ift zum zweitenmal hier eingetroffen, um Quartier zu beziehen. Außer diesem Regiment ist auch die 2. Kompagnie des 25. Pionierbataillons hier einquartiert. Auf dem Durchmarsch passierten auch hessische Dragoner und hessische Artillerie unsere Stadt. Gestern trafen die 117er ein. Die Truppenteile verbleiben bis zum Montag. Monlagmorgen rücken die Truppen wieder ab.
— Kirchliches. Dem heutigen Militärgottesdienst in der Bon'.satiuskirche werden etwa 500 Militärpersonen beiwohnen. Sämtliche Bänke, außer denen der höheren Schulen, sind deshalb vormittags 8 Uhr für das Militär reserviert. Fünf Minuten vor VS Uhr findet noch eine Messe statt.
- Erntcdanffest der Heilsarmee. Die guten Bestrebungen der Heilsarmee wurden mehrfach auch in den Zeitungen hervorgehoben. Auch in unserer Stadt hat sie manches Gute gestiftet und unsere wohlwollende Bürgerschaft dsirfte ihrem Ausruf für Gaben zur Erhaltung und Ausbreitung ihres Werkes eine gute Antwort zuteil werden lassen. Die Aufmerksamkeit unserer Leser sei inzwischen auf die Bekanntmachung der Erntedankfestswoche der Heilsarmee vom 9. bis 16. Septeniber gelenkt.
Ein erquickender Gewitterregen von v'erteMndk-ger 'auer ging gestern nachnrittag zwischen 4 und 5 Uhr nach mehr als 14tägiger Panse wieder einmal über unserer Stadt nieder. Leider war damit ein Hagelschlag von beträchtlicher Stärke verbunden, der ' nicht unerheblichen Schaden an den Obstbäumen angerichtet haben -dürfte. Ob mit dem Regen die erwünschte längere Abkühlung von der herrschenden schwülen Witterung eintrcten wird, muß abtgewartet werden.
- Interessante Zahlen. Wir haben im diesjährigen Fwhiahr^ einmal aus den Zahlenreihen der amtlichen Statistik -einiges heoausgegriffen, aus -dem hervorging, daß die Gegend um Frankfurt o. M.-Wiesbaden-Mainz zu den gesündesten im ganzen Reiche gereckmet werden muß. Es kann heute nun -mitgcteilt werden, daß die günstigen Sterblichkeitsziffern in dcni -genannten Gebiet sich auch durch die Zeit der großen Hitze gehalten haben. Da auch bei normaler Witterung das Durchschnittsverhältnis zu den ubrrgen GroHstädten Deutschlands sich immer gleich blieb, kann -gesagt werden, daß bei jeder Art Witterung normal oder anormal, die gesündeste Gegend die um Frankfurt, Wiesbaden und Mainz ist. Und zwar ge-ftihrt Wiesbaden der Vorrang unter den- -dreien. Es -kamen hier in der britischen Zeit der Hitze auf 1000 Einwohner und auf ein Jahr ausgeschlagen nur 12,4 Sterbefälle, in Franffmt 14,6, in Mainz schon 19,3. Dagegen vergleiche man die Ziffern von Hamborn, der -Stadt, die stets tick Durchschnitt die höchsten Sterbeziffern aufweist, einerseits und einiger Städte, die sich bereits rühmen können, in der „gesunden Zone" zu liegen. In Hamborn lauten die Vergleichszahlen 64,4, in Posen, einer gewiß ländlichen Umgebung, noch 24,2, in Straßiburg i. Elf. 23,3, in Cassel 19,4. Die meisten aufge- führten Städte haben Ziffern, die zwischen denen von Cassel und Hamborn liegen. Die niedrigste Ziffer hat Dt.-
Kläger reiste am anderen Tage ab, natürlich ohne °re Hälfte der Einnahme. Er beanspruchte sie auch 8ar nicht.
Uriei Acosta haben wir in Empelbnrg nicht wiederholt, aber ein anderer Theaterdirektor, der einige Jahre water in das Städtchen kam, liest sich, da er so viel von M Stück gehört, berleitdn, das Trauerspiel zur Auf suhrung zu bringen, hätte aber von den empörten Zn- nhauern fast die schönsten Prügel bekommen, weil man behauptete, er habe nicht das richtige Stück aufgeführt, oenn bei ihm wurde der Held des Stückes ordnunqs- siemäst dargestellt.
Ans Kunst und Leben.
Friedrich der Große im Lager von Bunzelwitz.
Der 9. September bringt uns hie 150. Wiederkehr eines <ages, an dem Friedrich der Große in der kritischsten Zeit ms Siebenjährigen Krieges aus einer schwievigen Situa- Nrm befreit wurde: in der Nacht dieses 9. September verließen die Russen ihre Stellung, die sie zusammen mit den Österreichern unter Laudon dem bei Bunzelwitz verschanzten Fviodr-ich gegenüber inne gehabt hatten. Am Morgen des ln August 1761 war die von dem Preußenkönig so sehr ge- wrchtete, von den verbündeten Heeren so manches Jahr vergeblich erstrebte Vereinigung von Russen und Ostcr- ^ichern endlich wirklich vollzogen. Die Russen unter dem Aldmarschall Butnrlin, über 60000 Mann stark, und die Österreicher Unter Laudon, gegen 72 000 Mann stark, ftaw Tfü NUN Friedrich gegenüber, der mir etiva 50 000 Mann den entgegen stellen konnte. Für den König kam es in meser höchst gefährlichen Situation vor allem darauf an, ®»e Verbindung mit Schweidnitz und seinen dort aufge- wercherten Vorratsschätzen aufrecht zu erhalten. Er bezr«g vaher ein festes Lager bei Bunzelwitz, in einem sehr Mnstigen Terrain, wo er schon einmal nach der Schlacht
Liegnitz seine Stellung genommen hatte. Er inußie vut Bestimmtheit darauf rechnen, angegriffen zu werden, «enn wie hätte der Gegner diele vielleicht nie wieder»
kehrende günstige^ Gstleigenheit unbenutzt lassen können? Ware er dem Feind in offener Schlacht entgegengetreten, wie es sonst seine Art war. -dann mußte er einen sicheren Untergang vor-aussehen. Er griff daher zu einer in seiner Kriegführung außerordentlichen Maßregel und ließ durch eifrig betriebene Schanzarbeiten das air sich starke Laaer schnell in eine Art Festung mit breiten, von Batterien geschützten Grüben, mit Pallisaden, Bastionen, Minen und mit dem Würbenberg als Zitadelle Verivandeln. Bewunderung sw i.rdig war es, wie diese gewaltige und höchst mannigfaltige Arbeit, in der die Soldaten Friedrichs nur wenig erfahren waren, in dem kurzen Zeitraum von drei Tagen und Nächten ausgesührt wurde. Die Hälfte der Armee arbeitete immer, und die andere -ruhte. In einer poetischen Beschreibung des Lagers, der die eigenartige Mischung von antikem Heldengeist und- preziöser Ro-koko- poosie einen feinen künstlerischen Dust verleiht, schildert der König dem Marquis d'Argms dies Bunzeiwitzer Lager. „Ein Berg, von Schanzen rings umfaßt, / Ward unser prunkender Palast, / Wo unter hohem Himmelszelt / Ein Bündel Stroh vom nahen Feld / Auf nacktem Boden aus- gestreut / Gar sanftes Bett dem Leibe beut." Friedrich erzählt dann weiter, wie die Wachsamkeit jeden Abend von den Augenlidern, die schon bereits im Sinken waren, des Schlafes Schlummerkörner ive-gjagte und Mars, der „sich nach seiner Art nichts aus Katarrh und Schnupfen macht", die Grenadiere in Reih und Glied trieb. Der König war wirklich während der MNzen drei Wochen jede Stunde zum Kampfe bereit. Bei Tage durften die Truppen in ihren Zelten rasten, da man im Licht alle Bewegungen der Feinde wahrnehmen konnte; aber so bald es 'dunkel war, wurden die Zelte abgebrochen, die ganze Bagaae der Armee unter dc-n Schutz der Kanonen zurückgeschickt, und die Regimcnter traten hinter ihren Verschanzungen in Schlachtordnung an. Der König war dann bei der Hauptbatterie in der großen Schanze auf dem Psasfenberg bei Jauernick und beobachtete unter freiem Himmel, auf seinem Stroh- la-ger ansgestreckt, die Haltung des Feindes. So sah er jeden Morgen früh, wie er es in seinem Gedicht ausdrückt, Äluroren an ihrem Putztisch beschüttiat. den bleichen Teint
durch Rot zu beleben und sich mit Diamanten und Rubinen zu schmücken, „so wie die Mode es befiehlt, die von Paris nach Deutschland kommt". Des Nachts erfreut er sich an dem bleichen Ste-rnenkranz. Seine Soldaten aber hatten für solche Schauspiele keinen Sinn, sondern sie liiten schivcr unter der furchtbaren Hitze dieses Herbstes, unter dem immer dringender weldcMen Bedürfnis nach Schlaf, das sie nicht befriedigen durften. Krankheiten brachen aus. und das Mißvergnügen wuchs immer mehr. Die Feinde hielten in einen: Halbmond das Lager umzingelt und wagten nicht anzugreifcn. Butnrlin, der den Oberbefehl über beide Heere übernommen hatte, lag mit Laudon in beständigen Streitigkeiten und Eifersüchwleicn. Der österreichische Feldherr wollte durchaus den Angriff, aber der Russe zögerte, weil er dem anderen den Triumph nicht göimen wollte. Am 3. September hatte Laudon bereits in den Frühstunden der Nacht den Befehl zum Überfall gegeben, aber um Mitternacht wurden die bereitstehenden Truppen wieder zurückgezogen, weil die Russen ihre Unterstützung versagten. Die Not, die sich im preußischen Lager bemerkbar machte, trat bei den Feinden noch viel stärker ansi während es Friedrich nur an Fleisch und Gemüse fehlt-, Brot und Fonrage in Schweidnitz reichlich vorhanden waren, litten die Gegner an allem den bittersten Mangel. Die unerträgliche Spammng in beständiger Erwartung des Angriffs, die ans der perußischen Armee lastete, wurde endlich am 9. September gelöst. Die österreichischen Vorposten riescn den preußischest zu, daß die Russen ab. marschieren wüstdcn, und wirklich erfolgte zu Beginn der Nacht der Abmarsch. Ein großer Jubel brach daraufhin rm Lager Friedrichs los; man frohlockte, als lsiitte man einen Sreg erfochten. Und diese ausgelassene Sttmmung lebt auch in dem Gedicht des Königs, der schildert, wie in einem kürzest Augenblick „der Bataillone dicker Dampf" sich verzogen habe, wie sich die russischen Barbaren wieder in ihren Höhlen bei den wilden Tieren verkrochen und er ans einmal — keine Feinde mÄr fah: „Da denk ich an den Berg bei Lafontaine, / Der henkte fürchterlich, o Graus! / Und schrie gar laut in keinen Weh'n: / Zu-let-t aebar er — eine Maus." " ~
