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Wiesba-kmr Tsgblstt.

«wfJKtfi«. Wöchentlich 12 AusgÄm. ^ K^, Gegründet 1852. ÄÄYSÄ,

Li» 8 Uhr abends.

Wöchentlich 12 Ansgaden.

«»zngs-Preis für beide Ausgaben: 70 Psg. monatlich, M. 2.- vierteljährlich durch den Mrlaa Langgc>.sse Li, ohne Bringerlohn. M- 3. vierteljährlich durch alle deutschen Postanstalten, ausswheßlich Bestellgeld- Bezugs-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Brs- marckring 29, sowie die 112 Ausgavestellen in allen Teilen der Stadt; in Biebrich: di: dortigen 33 Aus­gabestellen und in den benachbarten Landorten und im Rheingau die betreffenden Tagblatt"-Träger.

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,Tar)blatt.Hans" Nr. 6650-53. Von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.

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Nr. 4vS.

Mittwoch, Sv. August 1SII.

SK. Jahrgang.

Morgen - Ausgabe.

1. WCatt. _

§?ür ösn Monat September:

auf dar

Wiesbadener Tagblatt"

l» abonnieren, findet sich Gelegenheit

i:n UrriagTagblatt-Ka»s" Lau Masse 31, rn der Zweigstelle Krsmneckrrng 29, in de» Ausgabestellen der Ktadt »nd Uachbarorle, und bei sämtlichen deutschen Keichspostanftaite».

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Konservative ..Wahrheitsliebe".

Je näher die Wahlen heranrücken, um so nervöser wird man in den konservativen Kreisen. Man sängt dort an, Gespenster zu sehen, und man glaubt offenbar an die unwahrscheinlichsten Märchen, die man sich und anderen aufgebunden hat. TieKreuzzeitung" leistet sich beispielsweise in ihrer letzten Wochenschau eine Menge derartiges ungereimtes Zeug. Sie behauptet allen Ernstes, ' die liberalen Blätter hätten über die Englischen Arbeiterunruhen nichts Kritisches bringen dürfen, um diebefreundete" Sozialdemokratie nicht vor den Kopf zu stoßen. Und der Hansabund sorge auch dafür, daß die maßgebenden Personen in den Vereinen und in der Presse nicht nach links anstoßen. Diese Be­hauptungen sind ebenso unwahr wie böswillig. Die liberale Presse hat selbstverständlich vor einer kritischen Würdigung der englischen Unruhen nicht zurückge­schreckt, dabei allerdings auch Gelegenheit genommen, die verständige Haltung der englischen. Regierung an- zuerkennen, die dazu beigetragen hat, daß Ausstände und Tumulte verhältnismäßig rasch und ohne un­nützes Blutvergießen Vorbeigehen konnten. Ferner wissen die Konservativen ganz genau, daß von einem Bündnis zwischen Liberalismus und Sozialdemokratie in Deutschland schlechterdings nicht die Rede sein kann, und es ist geradezu lächerlich, wenn man es so darstellt, als ob die einen auf den andern in der Agitatron Rück­sicht nehmen müßten. Fast alle Tage haben liberale Redner und Blätter sozialdemokratische Anschuldlgun- gen. zurückznweisen. und auch scharfe Kritiken an der sozialdemokratischen Politik sind nach wie vor etwas Alltägliches. Mit der ewig wiederholten Behauptung, daß die Liberalen mit den Sozialdemokraten handels­eins seien, sa sich ihnenunterworfen" hätten, wollen die Konservativen noch immer Stimmung machen für ihre Stichwahlparole, sich bei den liberal-sozialdemo­kratischen Stichwahlen der Stimme zu enthalten. Uns das Publikum werden aber diese unwahrhaftrgen Dar­stellungen kaum einen Eindruck machen,. im Gegenteil, der Pfeil dürfte auf den Schützen zirrückprallen, man ivird bei der Wählerschaft Abscheu empfinden vor einer Bolitik, die mit solchen Mitteln niedriger Demagogie kämpft. .. . ^

Äußerst charakteristisch ist auch die Haltung, me das konservative Hauptorgaii zur Frage der bevor stehenden

(Nachdruck Vorboten.)

§0KRenbilöer aN§ ö§m Miöi.

Von Liga Wohlbrück.

Schon in Mx-les-Bains wurde es mir klar, daß cs ein heroisches Unterfangen ist in diesem Jahre, nach dem Midi, dem Süden Frankreichs, zu reisen. Und wem ich davon sprach, der sah mich an, als hatte sich KM hf* den Sonnenstich, den ich mir augenscheinlich m M- ) >. wollte. Denn selbst in Aix, diesem dwaa«^len und amüsantesten aller Bäder, war von nichts andrem die Rede als von der ungewöhnlichen Hitze.

Tagsüber war es beinahe leer ^ prächtigen Kasmorännien, die Croupiers hvaten ^

fliegen auf ihren hohen Stühlen und der Gumnuballlel.st löste sich nur lanasam aus' dem dicken, P« ^ndschuh desTourneurs", hüpft- trage über di.

sanften Mulden d--r wetits chevaux. D.e vee!>icr.rn Musikfreunde schlummerten während der smnt so reizvollen äs nursiaris" in ihren tiefen Kote! wem, und selbst bi- Kinder fanden kaum ihr herzhaftes^Lachen bw den Gdaßen ihres geliebtentlniAnol. Man sah wenige

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->»d bi sS. Jm i-ffmm SNIc %, » d« '#««« Cercle Yolney ein ganz exguiptec, Srestanrant e.osftn. hat, ging rs zu wie in den Logen eines^ italienischen Opernhauses. Niemand kümmerte sich viel um die

Lebensmittelteuerung einnimmt. Ter Schreckensruf Hungersnot!" werde, so sagt das Blatt der groß­agrarischen Notleidenden kaltlächelnd, in den Städten kauin Anklang finden, die Not werde zumeist auf dem Lande herrschen, wo der Bauer, wie man schätzungsweise ausgerechnet habe, auf etwa dreiviertel seines durch­schnittlichen Jahresverdienstes werde verzichten müssen. Welche Herzenshärtigkeit spricht aus diesen Worten! Von liberaler Seite wird, wie aus den verschiedenen Anregungen zur Beseitigung der Futtermittel­not deutlich hervorgeht, die Notlage des Bauern­standes wahrhaftig nicht auf die leichte Achsel genom­men; aber die Not der Großstädter, die wahrscheinlich unausbleibliche Folge der Dürre und des Fnttermittel- mangels, ist eines der schwersten sozialen Probleme, das uns für den Winter bevorsteht. Es gehört die ganze feudale Unbekümmertheit um die Nöte des Volkes dazu, um die für die Städte drohende Lebens- mittelteuerung mit einem ironischen'Achselzucken abtun zu wollen.. Der Unwille des Volkes wird sich aber bei den Wahlen mit voller Wucht gegen diejenigen kehren, die für seine geistige und für seine leibliche Not nur Hohn und Mißachtung haben.

Französische Taktlosigkeiten.

8. & H. München, 28. August.

In dem belgischen Seebade Wendnyne haben be­kanntlich vor einigen Lagen Demonstrationen einiger Schreier gegen die deutschen Besucher stattgefunden, obwohl diese unter den Gästen zu 80 Prozent vertreten sind. Die Deutschen haben ja nun durch Zusammen­halten und durch die Drohung mit einem gemeinsamen Abzug den Demonstrationen ein Ende bereitet. Immer­hin wirft der ganze Vorgang ein bezeichnendes Licht auf dieGastfreundschaft" fremder Nationen gegen­über den Deutschen. Als ein Seitenstück zu den Vor­gängen in Wendnyne kann das Verhalten eines deutschen Thcaterpnblikums gelten, das unter obiger Überschrift in derAugsburger Abendzeitung" wie folgt geschil­dert wird:Kaum ein anderes Publikum dürfte natio­nal so wenig befangen sein wie unser deutsches. Selbst in den gegenwärtigen Zeitläuften, wo sich doch immer­hin eine gewisse Erregung zeigt und auch begreiflich ist, wird es in seinem nüchternen Sinn vor ähnlichen Tor­heiten bewahrt, wie sie aus Frankreich berichtet wer­den. Am allerwenigsten ist der Anblick einer ausländi­schen Fahne geeignet, eine Gleichgewichtsstörung in der deutschen Gemütsverfassung zu verursachen. Und ein Fremder müßte in seinem Verhalten schon eine recht derbe Provokation zur Schau tragen, ehe sich das deut­sche .Publikum zu einer Aktion gegen ihn veranlaßt sehen würde. Recht nahe an diese Grenze scheint nun allerdings ein französischer Artist zu gehen, der zurzeit im Deutschen Theater in München auftritt und sich da­bei in Takt- und Geschmacklosigkeiten gefällt, die in gegenwärtiger Zeit zum mindesten unvorsichtig sind und bei einem Teil des Publikums schon ernsten Unwillen hervorgerufen haben. Aus unserem Leserkreise wird uns darüber geschrieben: Im Deutschen Theater zu

München tritt gegenwärtig ein französischer Knnst-

schütze auf, der mit überlegenem Lächeln dem ob seiner tatsächlich interessanten Künste gespannten Publikum zeigt, wieman" in Frankreich schießt. Soweit wäre die Sache gut. Aber man höre und denke dabei an Air» les-Bains (wo bekanntlich eine deutsche Fahne von einem Hotel heruntergerissen wurde. Tie Red.). Ter Mann tritt in französischer Offizicrs- uniform auf, während seine Famuli bald als prä­sentierende, bald als stillstehende französische Soldaten figurieren. Tie nötigen Effekten befinden sich aus mehreren Etageren, die Bühne wird links und rechts mit den Flaggen der Entente cordjale* (Rußlands, Frankreichs und Englands) und. der amerikanischen, flankiert. Tie schwarz-weitz-roten Farben Deutschlands fehlen; sie werden absichtlich geschnitten. Diese ganze Art der Auffassung wie überhaupt das ganze Gebaren ist eine deutliche Verhöhnung deutschen Empfindens. Denn die Kinderei, daß der Schütze das angebliche Porträt des Prinzregenten an die Wand schießt oder angeblich diebayerische Königshymne" schießt, die für ihn doch nur die englische HymneGod save the King" bedeutet, kann niemand täuschen. Man sah es dem Manne an, er machte sich lustig über das jeden natio­nalen Ehrgeizes bare Publikum. Und zum Schluß quittierte dann dasselbe Publikum über die Beleidi­gung unserer Reichsfarben mit frenetischem Beifall. Nur ein paar weiße Raben stimmten mit in lautes Zischen ein. Man stelle sich einen Deutschen vor, der in den Folies Bergäres als deutscher Oberst mit zwei Infanteristen, umgeben von, den Treibnndsflaggen, anf- träte und dazu noch die französische Trikolore absichtlich schneiden würde. Man braucht wirklich kein politischer Heißsporn zu sein, um sich zu empören, wie auf die ge­schilderte Weise in der gegenwärtigen Zeit ein Gast und Feind unseres Landes hier vor zahlendem bei­fälligem Publikum sich ungestraft ausfnhren darf.

Deutsches Deich»

sh.Nur nicht in Schweiß kommen!" Recht bemerkens­werte Auslassungen, die, gerade in der gegenwärtigen Zeit an Wert gewinnen, richtet ein Grohkaufmann in Dortmund an den dortigenGeneral-Anzeiger". Die Zuschrift, lautet:Sie halben darin recht, daß die Überfüllung der Gclehrtenberufe ein gräulicher Krebsschaden für Deutsch­land ist. Mancher Vater wird allerdings sagen: Ja, was soll mein Sohn denn nun eigentlich werden? Darauf mutz man immer wieder antworten: Kaufmann muß er werden und ins Ausland muß er gehen, um mitznwirken an der Vergrößerung des deutschen Handels. Wir reden und schreiben jetzt so viel von Marokko und der deutschen Kolonialmission. Ja, w'r reden und schreiben, aber die Englänider gehen wirklich hinaus und erobern die Welt. Abgesehen von unseren großen Seestädten hat das deutsche Völk ein ganz anderes Ku-lturidcal. Es möchte Staatspen­sionär weiden, einen stolzen Titel erstreben, womöglich emen Degen tragen und mit sechzig Jahren in den wohl­verdienten Ruhestand treten. Für den richtig gehenden Deutschen tritt der stolzeste Augenblick seines Lebens ein, wenn er als Reserveoffizier seine Verlobung mit einem Mädel anzeigen kann, -dessen Vater ihn standesgemäß er­nährt, so daß er seinen Aüettdschoppen im Kasino trinken

virtuosen Pirouetten und Spitzentänze der Prima Balle­rina der Mailänder Skala oder um, die Schmerzensarien des MafsenetschenWerther"; man dinierte, lachte, plau­derte und vertilgte Eisberge. Dann begab man sich zur Falls de. Baccarat" wie ich glaube, in den meisten Fällen das Hauptziel des Mixer Aufenthalts und be­schloß den Abend mit einem kalten Getränk auf der Terrasse des Kasinos bei Zigeunermnfik. Die Mäßigung, die einem ta-asübcr die unmäßige Temperatur in ToÄettensragen ausörlegte, verwandelte sich abends 'in orMstische Ans- schweifuna. Und bei dieser verwirrenden Toilettenpracht, die von Poiret, Paquin, Worth -ans Paris, Nizza und London hierher entsendet wurde, siel es mir auf, daß die Engländerin und Amerikanerin am kostbarsten, die Pariserin -am apartesten uu-d die Spanierin am ge­schmackvollsten -an-gezogen war. Von der Deutschen kann ich nichts sagen: sie war kaum vertreten.

In Chamonix versuchte ich meine vom Sehen erhitzten Annen und mein von der Sonne verdorrtes Gehirn abzu­kühlen. Aber mir die Angen fanden ihre Rechnung dabei; selbst der Schnee des Montblanc schien im Licht der nnter- gehenden Sonne ein rotes Glntenmcer. Doch was war -das alles gegen die Schrecknisse, die mir für später bevor­standen .

Die erste Station auf dem Passionswege ist Grenoble. Das städtische Leben konzentriert sich vor unserem Hotel Moderne. Als ich, abgeschreckt durch die Kleinheit der Zimmer, mein Glück in den hochtönenden Hotels d'Europe und d'Analeterre versuchen wollte, machte ich schleunigst Kehrt; denn was an Staub und undefinierbaren Finger­abdrücken auf den dunklen Tapeten ein solches altes, fran­zösisches Hotelzimmer mit weißem Marmorkamin und

großem goldgerahmten Spiegel aufweisen kann, davon vermag sich ein an mitteleuropäische Sauberkeit gewöhnter Mensch keine Vorstellung zu machen. Man tut in Frank­reich gut, alle Entdcckungsgelüste bei Hotels zu unter­drücken und die Wahnidee, man könnte stch's irgendwo billig einrichten, ein für alle Mal; auszuschalten; nur ge­dankenloses Befolgen der Baedekersch-en Anweisungen er­leichtert uns den Kampf mit -den unsichtbaren und sicht- baren Feinden.

Grenoble ist ein Durchgangspunkt für viele autobe­sitzende Engländer, die von da aus weiter ins Gebirg» hineinsahren. Denn an sich bietet die Stadt, außer einem wundervollen Panorama von der Brücke der Jsärr aus, wenig Interessantes. Bay-ard, derRitter ohne Furcht und Tadel", und Jouvin, der große Ha-ndschuh-fab-rikant, haben hier ihre Denkmäler, ebenso wie die Vorläufer der großen französischen Revolution im Staate und in der Musik; die Vertreter der drei Stände, die von hier aus zuerst Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verlangten, und Berliio-z, -der Wagner haßte, weil er in ihm, vielleicht unbewußt, den machtvo-llcren Gestalter seiner eigenen Ideen erkannte.

Trostlos starren die grauen, verwilterten Häuser mit ihren offenen Fettstem, schwarzen Löch-em, unheimlich wie erloschene Augen. In keiner Stadt habe ich je wieder diese unheimlichen schwarzen, großen Löcher gesehen. Gierig schienen sie die von einem kurzen Gewitter leicht -adgekühlte Abendluft in sich cinzusaugen; denn auch da wie überall Dürre seit Wochen und Wochen. Herrlich war es, wie der Regen plötzlich in Bächen aus die glühenden Steine der Straßen und den sandl!gen Kies der Plätze hernieder­prasselte, und seltsam aufreizend wirkte das 'vom Gebirg«