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»erlag Langgaffe 21 r* ^L-ebl-tt.Haus - Nr.e«so-sz.

«iWöchentlich 12AuvMbcn. _ Gegründet 1852.

bis 8 Uhr abends.

Wöchentlich 12 Ausgaben.

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Tastblatt-Haus" Nr. 6650-53. Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, außer Sonntags.

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Bei wiederholter Aufnahme unveränderter Anzeigen tn kurzen ^wnchenraun.en entsprechender ^^avarr.

Kür die Aufnahme von Anieiaen an voraeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.

Donnerstag, 24. August 1911.

Nr. 393.

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Morgen - Kusgabe.

1. Matt.

Nordschleswig.

Die vor einiger Zeit aus Kopenhagen mitgeteilte Zustimmung der dänischen Regierung zu einem Artikel "derPreußischen Jahrbücher":Deutschland, Nord-

ischleswtg und Dänemark" wird neuerdings bemerkens- tverterweise aberurals, und zwar wiederum in einer hochofnziösen Erklärung (derBerlinske Tidenüe") wiederholt und ungewöhnlich stark unterstrichen. Man hat bei uns von der ersten Kopenhagener Kundgebung selbstverständlicherweise Notiz genommen, aber man hat sich nicht bemüht, sich den Artikel in denPreuß. Jahrbüchern" anzusehen, mit dem die dänische Regie­rung ihr Einverständnis in nicht gerade gewöhnlichen Formen ausdrückt. Und doch verlohnt es sich, von Diesem Artikel in denPreuß. Jahrbüchern" Kenntnis jsu nehmen. Er ist anonym erschienen (im Mai dieses Jahres), er trägt nur die UnterschrittEin Däne". Wir erhalten bei der Lektüre des Aufsatzes den Ein­druck, daß der Verfasser nicht nur ein sehr besonnener Und kluger, sondern auch ein über die Stimmungen und Wünsche seiner Regierung sorgfältig unterrichteter Mann ist: das Ganze liest sich wie eine indirekte Mittei­lung der dänischen an die deutsche Regierung. Es ist tzewissermaßen eine Staatsschrift, und nur in einer solchen kann, eine dänische Feder Sätze niederschreiben wie die folgenden:Wie man auch über Nordschleswig denkt, so ist es klar, daß es der dänischen Regierung an jedem Recht fehlt, sich in nordschleswigsche Angelegen­heiten zu mischen; sie muß alles diesbezügliche ab- wciseil, und es kann ihr auch sicher nicht vorgeworfen werden, daß sie sich in dieser Beziehung in irgend einem Punkte unkorrekt benommen habe. Im Gegen­teil, den Einfluß, den sie besitzt, benutzt sie in so weiter Ausdehnung wie möglich, um auch Bevölkerung und Presse darauf aufmerksam zu machen, daß staatsrecht- H'ch Nordschleswig ein deutsches, nicht ein dänisches t)and ist und der Artikel 5 der Vergangenheit angehört, daß ferner eine Kritik der Ereignisse in einem fremden Lande im besonderen, wenn es das Nachbarland des Kritikers ist, in ziemlichen Grenzen gehalten werden Muß, und daß endlich alle dänisch-chauvinistischen Rodomontadcn nicht nur den Nordschleswigern, sondern «auch den vitalsten Interessen Dänemarks Schaden zu- fügen. Eine Regierung kann ja aber in unserer Zeit die freie Rede und freie Presse nicht unterdrücken, und hier spürt man, trotz allem, eine, starke Empfindlichkeit der Regiererei in Nordschleswig gegenüber. Nur _ _

Feuilleton.

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München, im August.

Die sogenannten Feßlevschen Gründe von Hellabrunn sin Isartal, -die jetzt in einen Tierpark nach, Hagenbeckschem Muster umgewandelt worden sind, waren in alten Zeiten ein beliebtes Jagvgebioe der bayerischen Kurfürsten. Es stand dort ein fürstliches Jagdschlößchen, von dem aber heute keine Spür mehr vorhanden ist. Lange Jahre hat das Gebiet verwahrlost dagelegcn und seine, Flora hat sich Nrwaldärtig frei entwickeln können. Das ist es, was das Gebiet jetzt so trefflich geeignet zur Umwandlung in einen landschaftlich überaus reizvollen Tierpark machte; und daß bei der Benutzung zu solchem die Hellabrunner Wildnis ihre volle Schönheit behielt, ist dem von^ dem kettenden Künstler Professor Emanucl von Serdl _ fcstgc- staltenen Grundsatz zu danken, die Natur völlig frei für sich wirken zu lassen und dem Park unauffällig, ohne eine Vergewaltigung der schönen Anlagen, die Gehege für die verschiedenen Tierarten deren Bedürfnissen, entsprechend rinzufügen. Das ging um so besser, als em ganz unge­heurer Raum - 70 Tagwerk, zur Verfügung stand. So konnten alle Gehege ungewöhnlich große,Ausmessungen Erhalten und jede an eine Menagerie erinnernde Ein­engung verniieden werden. Das Gebiet ist von lvasser- teicheii Bächen durchzogen, hat mehrere große und kleine Teiche und bildet nach dem Urteil berufener Sach­verständiger mit seinem uralten Baumbestand, den in wilder Ursprünglichkeit erhaltenen Steilhängen und seiner Afchützcn Lage das günstigste Gebiet für einen AkNimatisationsgarten, in dem auch exotische Tiere gedeiben.

Die Unterschlupfs; für die nicht dem Raubtiergeschlecht angchörigcn Tiere passen sich der Landschaft Prächtig an; Nirgends sieht man Kunstbauten, die den Natureindruck stören meistens sind cs den Negerwohmmgen nachgebildcte Uinde' SchilflMm, 'bic den Tieren als Wetterschutz dienen. Wo Lutterkrippen nötig waren, hat man solche nach dem

Toren und Leute ohne Einfluß denken in Dänemark an ein Wiedererwachen des Artikels 5 oder dergleichen; sehr verbreitet aber ist der Unwille über die Verfolgung der dänischen Sprache und Kultur in Nordschleswig und über die geistige Grenzsperre, die man an der Königsan durchzufübren sucht. Wenn die, Deutschen sich auf ihre eigenen Gefühle den Sprachkämpfen in der österreichisch-ungarischen Monarchie gegenüber, besinnen wollen, werden sie auch die Gefühle der Dänen ver­stehen,, und dabei müssen diese weit stärker sein als die entsprechenden in Deutschland. Das kleine Land, das zahlenmäßig kleine Volk fühlt sich stets leichter verletzt als das große; der Schwache meint, daß alles,, was gegen fein Liebstes an Unrecht verübt wird, stattfindet, weil er schivach ist und sonst nicht begangen werden würde. Das vermehrt die Bitterkeit. In Dänemark bat man jetzt 1864 als eine geschichtliche, definitive Tatsache einregistriert; aber muß daraus notwendig folgen, daß eine annektierte dänische Bevölkerung auf Schritt und Tritt darunter leiden soll, daß sie Dänisch spricht, daß sie ein dänisches Schauspiel hören, einen dänischen Dienstboten halten, eine dänische Volkshoch­schule besuchen will und dergleichen? Man findet, :daß durch die gegen diese Dinge gerichteten Verbote deni Land Dänemark selber eine Geringschätzung erwiesen wird, die verletzend wirkt. Man weiß ja, daß dieses Auftreten nicht davon herrühren kann,daß von Däne­mark aus eine Gefahr droht?, also erklärt man es, wie gesagt, aus dem Umstand, daß man Dänemark gegen­über keine Rücksichten zu nehmen braucht."

Das alles ist ebenso behutsam wie verständig, eben­so zurückhaltend wie mit der Absicht, um Entgegenkom­men zu werben, geschrieben. Der Verfasser fährt fort: Ebenso wie es die reinste Unwahrheit, ist, daß man von dänischer Seite politisckje Agitationskassen oder anderes dergleichen in Nordschleswig unterstützt, eben­so darf mit vollkommener Sicherheit gesagt werden, daß jeder Gedanke der staatsrechtlichen Verknüpfung aus dem Spiel bleibt, und daß man solchen Gedanken, wenn sie vorhanden wären, nicht gestatten würde, For­men anzunehmen.. Die von dem Deutschen Verein in Nordschleswig und von seinen alldeutschen Bundesver- wandten ausgehende Agitation enthält viele direkte Ausfälle auch gegen Dänemark selbst und gegen die dänische Regierung, und eben darum weiß ieder,patrio­tische Däne, daß selbst der Schein eines Anlasses ver­mieden werden muß. und mehr und mehr wird setzt auf dergleichen in Dänemark geachtet, vor allein, wenn es sich um jeniand handelt, der nur irgendwie eine Amtsstellung oder einen amtlichen Auftrag hat. Daß man aber in Dänemark mit seinen 2% Millionen Ein­wohnern daran i->^-ressiert ist, daß es einer Bevölke- nutfl, die 4 bis 5 Prozent von der Volkszahl des eige-

89 . Jahrgarrg

nen Landes ausmacht, auch jetzt gestattet wird, Dänisch zu sprechen und zu schreiben usw., das hat seinen guten Grund doch schon darin, daß ein so kleines Sprach- und Kulturgebiet wie Dänemark nichts an Zahl zu verlieren hat, und das sollte doch eine Nation wie die deutsche, .deren Sprache Wohl die von hundert Millionen ist, mit Ruhe ertragen können."

Ter Däne derPreußischen Jahrbücher" will nicht anHochherzigkeit" appellieren, sondern nur an Ver­nunft, und er fragt nicht im Namen der Sentimentali­tät, sondern im Namen aller gesunden Vernunft, ivelchen Zweck Deutschland mit seinem harten Landrats­regiment in Nordschleswig, eigentlich verfolge. Leider können wir unsererseits die Frage nicht beantworten, denn wir wissen es selber nicht.. Auch wir stehen vor einem kniffligen Rätsel, auch wir fragen, wozu das alles ist, und das nordschleswigscheLandratsregiment" läßt uns wie den anonymen Verfasser in denPreu­ßischen Jahrbüchern" völlig im Stich.

Uolttischr Übersicht.

DieMahltMssichterr drrUarreien im Reichstag.

Über die Wahlaussichten der Parteien im Reichstag wird uns von hervorragender parlamentarischer, Seite geschrieben: Tie Parteien veröffentlichen bereits in

ihrer Parteipresse Mitteilungen über ihre Ausfichten bei den kommenden Reichstagswahlen. Am Hoffnung?- freudigsten sind, ivie stets, die Sozinldemokraten, die sich bereits selbst 100 Mandate zuerkennen. Wer län­gere Zeit dre Reichstagswahlen beobachtet hat, weiß, daß manche freudige Hoffnung späterhin herb ent­täuscht wird. Im Augenblick der Entscheidungsschlacyt sind bei der Mehrzahl des deutschen Volkes alle Hetze­reien vergessen, und das Verantwortungsbewußtsein für die Sicherheit der Entwicklung des Reiches tritt ber der Mehrzahl der Wähler in seine Rechte. Als Beweis dafür kann man ansehen, daß in den letzten 20 Jahren der Stand der Parteien trotz aller Hetzereien der Sozialdemokraten ungefähr der gleiche geblieben ist. Bei den Reichstagswahlen im Jahre 1898 hatten die Konservativen o3 Abgeordnete aufzuweisen, im Jahre 1907: 88 Abgeordnete. Tie Sozialdemokraten 1598: 56 und 1907: 43. Tie Reichspartei bei beiden Reichs­tagswahlen gleichmäßig 22, die Wildkonservatioen bei beiden Reichstagswahlen 4, der Bund der Landwirte hatte eine Zunahme von 2 Mandaten erfahren, da er im Jahre 1898: 5 und im Jahre 1907: 7 Abgeordnete hatte. Tie gesamten liberalen Parteien hatten im Jahre 1898:' 53 Abgeordnete und dieselbe Zahl im Jahre 1907, die Nationalliberalen hatten zuerst 48 und

Muster der Wmtcrfutterstellm der königlichen Forsten ausgestellt, die mit ihrem borkenbckleideten Holz in das Waldbild sich ohne Störung einsügen. Tie Tierwarter tragen eine der Uniform unserer Kolonialtruppen ähnliche Kleidung. Tie jedes Gehege umgrenzenden Gitter aus dunkelgrün gestrichenem Dr-ahr sind so weitmaschig wie möglich gehalten und die Drähte sind imnrer nur horizontal und vertikal gezogen, niemals diagonal; man sieht sie kaum und hat den Eindruck, als bewege sich das Wild in voller Freiheit. Man kann sich also beim Durchwandern des waldigen Teiles des Parkes mit einiger Phantasie ganz gut in die Lage eines Forschungsrciscnden hineinträumen, der durch eine an interessanter Flora wie Fauna besonders reiche Gegend zieht. ...

Um der Wahrbeit die Ehre zu geben, mutz gesagt werden, das der Münchener Tierpark bei seiner Eröffnung ttod) feilten fccföttibcrcit B'teicfytuiHölt Mieten, ictufvoeift, ßver so schlimm wie einige Spötter es mnstellen möchten, ist c» auch wieder nickst. Man darf nicht fürchten, das; man, da etwa nur ein paar Meerschweinchen oder em Rudel weißer Mäuse zu sehen bekommt. Es war d'.e Zahl der durch Geschenke und gelegentliche Ankäufe beschafften Tiere, in den letzten Monaten bereits so groß geworden,, daß ihre vorläufige Unterbringung schwierig wurde. Dre meisten waren im Nymphcnburger Volksgarten einguartrert, wo sie schon längere Zeit gegen -ein Eintrittsgeld, zur öffent­lichen Schau gestellt waren und von der tierl,ebenden Münchener Bevölkerung, zahlreichen Besuch erhielten, sv «daß sich daraus für -den Verein Zoologischer Garten berws ein kleiner Überschuß über die Wartungs- und Unter- bringüngskosten ergeben hat. An Raubtieren hat Hella­brunn heute schon ein paar prächtige Löwen, einen Tiger von den Sunda-Jnseln, einige Leoparden, einen schwarzen Panther einen Jagdleopardm aus unserer ostafrikamschen Kolonie' und einen afrikanischen Serval auszuweisen. Ferner sind noch vertreten Wolf, Marder, brauner Bär und der kleine »rdroMge malayische Bär in zwei hübschen Exempkan.i. etwa ein Dutzend Affeusovten, Ichneumon, Sumpfschwein, eine prachtvolle Bisonherde. Lama, Kängu­ruh, Guanako und viele Arten einheimischer und aus­ländischer Hirscharten, darunter der zierliche indische Axis­hirsch, der mit unserem Damwild große Ähnlichkeit hat.

und mehrere Antilopenarten. Recht gut ist auch schon der Bestand an Vögeln, namentlich Wassergeflügel, das sich in den mit Gebüsch umrahmten Teichen und Bächen äußerst wohl zu fühlen scheint. Auch das Terrarium ist schon mit allen möglichen Reptilien gut besetzt. Run, nachdem der Platz zur Aufnahme von Getier aller Art vorhanden ist, wird die Vermehrung des Tierbestandes sicherlich schnelle Fortschritte machen.

Ein Rückblick auf die Geschichte der Stadt München lehrt übrigens, daß dort in alten Zeiten Löwenstallungen bestanden haben, die an der nördlichen Ecke der Buvggasse inmitten der Altstadt gelegen haben. Die bayerischen Her­zöge, von Ludwig dem Strengen bis auf Wibrecht V. her­ab, liebten es, Löwen zu halten, und der letztgenannte, so erzählt die Chronik, hatte sogar einen zahmen um sich, der ihm nachlief wie ein Hund. Nach diesen frühen, dis ins 16. Jahrhundert reichenden Versuchen, erotische Tiere in München zu halten, findet sich noch ein Ansatz zu einem zoologischen Garten in kurfürstlicher Zeit. Kurfürst Maxi­milian III. ließ um das Jahr 1770 im Schloßpark zu Nymphenburg verschiedene Gehege für fremdländische Tiere cinrichen, die nach der Art ihrer Anlage sogar als ein Vorläufer moderner zoologischer Gärten betrachtet werden können. Besondere Beachtung verdient der Umstand, daß man damals auch Biber, die aus der Amper, der Isar und der Donau noch herbeigobracht wurden, fortzupflanzen suchte, allerdings ohne Erfolg. Der Nymphcnburger Tier­park, der wohl mehr für die Zwecke des Hofes bestimmt war, verschwand wieder, ebenso wie ein von König Mar im Jahre 1809 ebenfalls in Nymphenburg eingerichteter keiner zoologischer Garten, für den der König im Juli 1317, also vor jetzt 106 Jahren, 23 Tiere aus Stuttgart er­warb. In der württembergischen Hauptstadt war nämlich mit Rücksicht auf die damalige Notlage , die königliche Menagerie aufgelöst worden.

Bis auf den heutigen Tag hat sich ans früheren Zeiten dagegen der vom Kurfürsten Karl Theodor um 1780 ins Leben gerufene Hirschgarteu erhalten, der sich immer leb­haften Besuches erfreut.

Auch in neuerer ?"' 1 besaß München schon zweimal zoologische Gärten. Es warm aber nur Privatunter- u.chmungcn. die sich beide nicht als lebensfähig erwiesen.