Wiksbsömer Tsgblstl.
Verlag Zanggaüe 21 . Etz .. . , , OK _ „Tak»l-tt-H-«r" Nr.«sso-ss.
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Nr. «88,
Freitag, 18. August 1811.
Morgen-Ausgabe.
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Marokko.
Der „Temps" über die Erregung des deutschen Volkes.
Der Berliner Berichterstatter des „Temps" gibt ivlgendes Stimmungsbild: Der beschwichtigende Wink, den man gestern morgen in hiesigen politischen Kreisen Vom Reichskanzler erwartet, ist noch nicht erfolgt. In diesem großen Lande voll Disziplin und Methode, das das Deutsche. Reich zu sein sich rühmt, geschieht es zuweilen, daß sich aus unerklärlicher Ursache eine Verwirrung und Panik der Massen bemächtigt, eine Erregung, von der man nicht weiß, woher sie kommt, auf welchen Gründen sie beruht. Sie verbreitet sich im Reich mit riesiger Schnelligkeit, ohne auch eine Persönlichkeit zu treffen, die genug Autorität besäße, um sie zu zügeln. Tie unbewußte Bewegung kann sich zuweilen, wie in den Novembertagen, in eine Sturmflut wandeln, die um die Stufen des Thrones brandet. Es scheint, daß man am Vorabend eines ähnlichen Lchau- spieles steht. Die Unzufriedenheit, welche sich erst in der alldeutschen Presse andeutete, scheint allmählich die Blätter aller Richtungen zu gewinnen. Es wäre schwer zu sagen, gegen wen diese Unzufriedenheit gerichtet ist. Man kann nicht daran zweifeln , die öffentliche Meinung im Deutschen Reich ist überreizt, nicht wegen Marokko, um welches sie sich niemals viel gekümmert, nicht wegen Frankreich, das keine Verantwortung für die gefährliche Lage trägt. Sie ist vor allem überreizt, weil sie sieht, daß die Hoffnungen, die man ihr am 1. Juli erweckt hat, .sich nicht Verwirklichen. Sie ist der Meinung, daß nicht so, viel Lärm nötig war, um die Eröffnung eines kolonialen Kuhhandels. anzuzeigen. Tie große Mehrheit de§ deutschen Volkes begreift heute, daß der einzige Ausweg in einem Arrangement mit Frankreich besteht.
Feuilleton.
Feuerwehr in alter und neuer Jnt
Von Da-. Friedrich Spree».
Der rote Hah« hat wohl selten seinen feurigen Kamm io oft und drohend zum Himmel gereckt wie in diesem trockenen heißen Sommer, in dem kein Tag vergeht, ohne daß bei uns in Deutschland und überall auf der Welt große Feuersbrünste tu Städten, Bädern, Dörfern ansbrechen und riesige Waldbrände wüten. Das verheerende Element erhält in der glühenden Wärme der Lust, in der allgemeinen Dürre gefährliche Bundesgenossen, findet reiche Nahrung Und Ausbreitung in den erhitzten, leicht Feuer fangenden Staffen, die sichüberall darbieten. Aber der Mensch steht diesem Zerstörungswerk des Feuers nicht machtlos gegenüber; im Laufe der Jahrtausende hat er sich Waffen geschmiedet, mit denen er mutig den Kampf ausnimmt gegen den erbarmungslosen Feind, und gelingt es ihm auch nicht, die Brandgefahr zu beseitigen, f» glückt es ihm doch häufig, sie zu beschränken und einzudämmen. Eine „Wehr gegen das Feuer" ist wohl so alt wie die Menschheit; vielleicht hat ja ein von selbst entstandener Waldbrand in Urzeiten Schrecken und Segen des Feuers dem erstaunten Sohne der Tertiärzeit zugleich beschert! Eine systematische Bekämpfung des in seiner Wut so furchtbaren Elementes wurde ja doch erst von den Kulturvölkern unternommen; die Nachbarn taten sich zusammen, um dem vom Unglück Heimgesuchten zu helfen; eine freiwillige Feuerwehr entstand. Noch wichtiger aber war die Feuerwache, die den Brand rechtzeitig melden mußte. Deshalb gab es bei den Israeliten, Ägyptern und Griechen Wächter, die nachts die Runde machten und im Falle einer Brunst Alarm schlugen. Ein ausgebildetes regelrechtes Löschwesen wurde jedoch erst von den Römern geschaffen.
Aber sie begreift auch, daß man ihr trügerische Versprechungen gemacht und sie fünf Wochen lang in dieser Illusion gelassen hat, indem man vorschützte, daß strengstes Stillschweigen für^ eine glückliche Lösung der Verhandlungen unbedingt nötig sei. Man täusche sich nicht darüber: Tie wachsende Unzufriedenheit des deutschen Volkes wird sich nicht in dem Ruf nach Krieg kundgeben, sie bedroht nur jene, die es durch ihre ansschweifendeErmunterung zu dieserEnttäuschnng geführt haben. ^
Ter „Wert" der „Kompensationen".
Über den Nachteil, den ein etwaiger T au sch Marokko-Gabun für uns bedeuten würde, schreibt der „Täglichen Rundschau" ein genauer Kenner der afrikanischen Verhältnisse aus Mogador: „Wissen Sie, was Gabun ift? Ich kenne das Land, habe es von Brazaville bis zum Ubangi bereist. Fieberland. Galerieland mit sterilem Hinterland, das Flußufer verwüstet durch die Schlafkrankheit. Im Lande hausen die berüchtigten französischen Konzessionsgesellschaften. N'Pohp, Haut sanga, Sultanats du haut ubanga und unzählige andere haben im rücksichtslosen Kautschukkrieg die Einwohner dezimiert, die Kautschuk- Vorräte vernichtet. Das Land ist verarmt, hat die geringste Handelsbilanz von allen französischen Kolonien. Was nützt uns Deutschen eine neue Fieberkolonie, was ein Dutzend Millionen Export oder Import mehr? Nichts. Was uns not tut, ist ein Land, wo sich unsere Landsleute niederlasfen können, ohne fürchten zu müssen, in der nächsten Generation zu degenerieren."
Uolittsche Übersicht.
Die Regierung und die FrMerust.
Der Herr Landwirtschaftsminister hat jetzt endlich das Wort ergriffen zu dem außerordentlich wichtigen Thema „Futternot und Bichhaltung". In einem Erlaß an die Landwirlschastskamniern fetzt er auseinander, wie sich die Viehhaltung und die Viehpreise entwickelt haben und welche Maßnahmen er zu ergreifen gedenkt, um die Ernährung der Vichbestände sicher zu stellen. Der Erlaß ist ganz nach dem Herzen des Agrariertums geschrieben, und die „Deutsche Tageszeitung", die ihn gleichzeitig mit bei „Rordd. Allg. Ztg." zu veröffentlichen in der Lage ist, ist mit dem Schriftstück sehr zufrieden. Besonders hat ihr gefallen, daß der Minister bezüglich der Schweinepreise glaubt konstatieren zu müssen, die Kleinhandelspreise für Fleisch folgten nur zögernd den sinkenden Lebendgewichtspreisen, während sich eine Auswärtsbewegung der Vieh- Preise meist sehr bald in einer Steigerung der Fleischpreisc bemerkbar mache. Es ist dies der alte, den Schlächtern gemachte Vorwurf, den diese ebenso oft zu widerlegen sich bemüht haben. Herr v. Schorlemer äußert seine freudige Genugtuung über die Zunahme der Schweinehaltung,
Das Rom der Republik ist von Bränden heimgesucht worden, wie kaum eine andere Stadt. Die Hügel wuchsen allmählich durch den stets höher sich aufhänfenden Schutt der Bvandruinm. So entschloß sich denn endlich Augustus im Jahre 6 n. Ehr., eine Bernfsseucrwehr von 7600 Mann zu errichten, die ganz militärisch nach dem Vorbild einer Legion organisiert war. Die 7 Kohorten, von Denen jede die Wache für. zwei der 14 Stadtbezirke Roms zu versehen hatte, standen unter dem Befehl von Tribunen, während das Oberkommando der „Präfekt der Nachtwachen" führte. Patrouillen durchzogen die Straßen; sobald sie einen Brand entdeckten, schickten sie nach allen Seiten Leute, die mit dem Ruf: „Wasser! Wasser!" alles in Erregung versetzten. Die Alarmglocken ertönten; aus der „Hauptfeuerwache" eilten im Lausmarsch die Kohorten, mit Eimern, Äxten, Stangen, Leitern bewaffnet; zugleich fuhren die öffentlichen Spritzen auf. Freilich vermochten all diese Maßregeln nicht viel gegen die Macht !des Elements. Das be- weisen die Riesenbrände, die im ersten christlichen Jahrhundert die Stadt verwüsteten, die aus den ungeheuren Feuersbrünsten unter Tiber, Nero und Titus gleich dem Phönix ans der Asche verjüngt und herrlicher stieg. Das Feuer wütete so furchtbar, weil es an den hölzernen An- und Vorbauten, die selbst die Paläste hatten, stets Nahrung fand, dann aber auch, weil die Spritzen bei der Höhe der Häuser nicht wirksam sein konnten. Die Stoßspritze mit zwei Stiefeln war bereits von Hero von Alexandrien konstruiert worden, und die römische Feuerwehr hatte umfängliche Maschinen, die man „Sipho" nannte, augenscheinlich Spritzen mit Schläuchen, wie man aus den Angaben von Plutarch. Strabo, Dio Cassius und den Löschvorschriften im Gesetzbuch des Ulpian entnehmen kann. Aber da die Römer schon bescheidene „Wolkenkratzer" bauten, vermochten die Spritzen einem Dachstuhlbrand überhaupt nicht zu Leibe zu gehen. Schlimmer als in der Hauptstadt war cs im weiten römischen Reiche uni die Feuerwehr bestellt. Als in Nikomadia eine Feuersbrunst wütete, war nach dem Be-
58. Jahrgang.
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während er anderseits über die wenig günstige Entwicke- lung der Rindviehzncht mit vorsichtig-diplomattschen Wendungen hinwegzukommen bemüht ist. Wichtiger für de» Landwirt als diese statistischen Darlegungen ist nun die Erörterung der Frage, was gegenüber dem Drohenden Futtermangel geschehen soll. Und gerade bei dieser Hauptfrage ist das Programm des Ministers von bedauerlicher Bescheidenheit. Das durchgreifendste Mittel zur Linderung der drohenden Rot, die Aushebung der Futtermittelzölle, wird von dem Minister den Agrariern zu Liebe mit keinem einzigen Worte erwähnt. Dagegen will aber die Regierung „in Erwägungen eintreten" über eine vorübergehende Herabsetzung der Eisenbahntarife sür Futter- und Streumittel, und die „Denffche Tageszeitung" weiß auch hier schon zu melden, daß die Veröffentlichung eines NotstaNd- tarises für Futtermittel, Torfstreu und Torfmull sür Preußen unmittelbar bevorstehe. Die Regierung will ser» ner in eine „wohlwollende Prüfung" der Anträge aus Bezug von Waldstreu aus staatlichen Forsten eintreten, und „im äußersten Notfall" soll auch das Ausland zur Lieferung von Futter herangezogen werden, beispielsweise Steiermark für Heu in gepreßtem Zustande. Die „Deutsche Tageszeitung" macht selbst gegen diesen bescheidenen Vorschlag „veterinär- polizeiliche Bedenken" geltend. Im übrigen stellt die Regierung den Landwirffchaftskammern anheim, durch persönliche Einwirkung und durch Flugschriften nsw. auMrend zu wirken, um dadurch die Gefahr sernzuhaltcn. Alle diese Vorschläge sind recht mager, und wir werden ja sehen, wie sie von den kleinen und mittleren Landwirten, Denen Das - Wasser am weitesten an den Hals geht, ausgenommen werden.
Die „Kekirksgruppe".
Man schreibt uns aus Essen: Die konstituierende Versammlung der Neuen Hansa, die sich merkwürdigerweise offiziell immer noch „Bezirksgruppe" nennt, war eine Versammlung von Jndustrienotabeln. Sie hatte nicht das Gepräge einer Bürgerversammlung. Der Hauptredner, Herr Hirsch, reklamierte den größeren Teil sür die nationalliberale Partei, räumte aber ein, daß andere konservativ oder freikonservativ seien. Der Besitzer der „Rheinisch- Westfälischen Zeitung", der sich jüngst zum Programm Der sreikonjervativen Partei bekannt hat, würde also bereits Gesinnungsgenossen in Essen haben. Man erinnert sich hierbei vielleicht, daß Essen schon im Reichstage reichsparteilich vertreten gewesen ist, nämlich durch Friedrich Krupp. Herrn Krupp wählten aber die Nationalliberalen, und es ist nicht bekannt .geworden, daß auch einer von Krupps Wählern Reichsparteiler gewesen sei. Ob es jetzt viele werden, darf auch noch bezweifelt werden; und ebenso sind wir gespannt, wann dieser ersten Versammlung der „Bezirksgruppe" Die nächste folgen wird.
Aus dev Sorirrldemokratie.
Der „Vorwärts" konnte sich lange rühmen, Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie, daneben aber auch noch Publikationsorgan sür behördliche Sekret« zu sein. Wie mancher behördliche Geheimerlatz wurde ihm durch einen günstigen Wind aus den Redaktionstisch geweht? Wer allgemach hat Die radikale Partei selbst ein stark
richt des Plinius an Trajan in Der ganzen großen Stadt kein Feuereimer, keine Spritze, überhaupt keine Löscheinrichtung vorhanden. Plinius beantragte, wie es in anderen Städten der Fall war, aus Handwerkem, besonders aus denen, Die dazu am brauchbarsten waren, den Zimmer- leuten und Deckcnversertigern, eine Feuerwehr zu schaffen, aber der Kaiser begnügte sich, zu verordnen, Daß in Zukunft .jeder Hausbesitzer Eimer und Spritzen bereit halte. Immerhin waren im zweiten Jahrhundert, wie uns ausgefundene Inschriften erkennen lassen, Feuerwehren in fast allen großen Städten errichtet; sie bestanden noch bis in das frühe Mittelalter hinein, dann aber gerieten wie so viele andere Institutionen auch die Löschanstalten in Verfall. Die Verordnungen Karls des Großen, überall Feuerwächter anzustellen, nutzten wenig. Wie in primitiven Zeiten war der Mensch ans sich selbst und aus die Hilfe „guter Freunde, getreuer Nachbarn und Desgl." angewiesen.
Erst im späten Mittelalter wird der Kamps gegen das heiße Element wieder besser organisiert. Das Holzwerk der Häuser, die hohen Dachstühle, die Dächer mit ihren Stroh- hanbcn waren ein rechtes Fressen sür das Feuer, das sich gierig in sie hincinwühlte; das Fehlen von Schornsteinen, die Enge der Gassen trugen des weiteren Daran Schuld, daß uns jede Stadtchronik jahraus jahrein von großen „Brünsten" zu berichten hat. Man suchte dem entgegen zu wirken, indem man das Ansertigen von feuergefährlichen Stoffen und das Hantieren ldamit im Umkreis der Stadt verbot. Auch drängte man seit Dem 14. Jahrhundert auf das Erbauen von Steinhäusern und das Vermeiden von Strohdächern hin, Doch ohne Erfolg, denn noch rm 17. Jahrhundert gab es viele mit Schindeln gedeckte Holzbauten. Aus dom 13. Jahrhundert erzählen uns die ersten Feuer- ordnungen, Die nun neben die Bauordnungen traten, von der Sorgfalt, die man dem Löschwescn zuwandte. Ludwig IX. erließ 1254 ein Edikt, in Dem er die Zünfte von Paris zum Kamps gegen das Feuer verpflichtete und eine Feuerwehr leinrichtete, und seine NMLolgcr vervoll-
