Gelte M» NLcnd-AuSgaSe.
SataiLoven im WAajet Monastir zur K o n zen trierung an -der -rlechtfchen Grenze werden von dem KrieBsminister als unrichtig bezeichnet.
Zur Entführung Richters. Konstantinopeler Nachrichten Wer das Befinden des Ingenieurs Richter lassen ernste Befürchtungen unnötig erscheinen. Fervet Bei, Kommandant van Kosaua, kehrte nach Elafsona zurück und meldet, er sehe kein« Möglichkeit, die Entführer des Ingenieurs Mchter im Bereich des Olymps z u f i n d e n. Das deutsche Konsulat rief seinen nach Elaffona entsandten Vertrauensmann zurück, weil er nichts ausrichtm kann, wenn nicht die Räuber an ihn herantreten. Wegen des bevorstehenden Faftsmnonats Ramadschan dürsten die Nachforschungen bald ganz ruhen.
Luftfahrt.
DaS Luftschiff „Schwaben".
wb. Baden-Oos, 17. August. Das Luftschiff „Schwaben" fft heute morgen 6.33 Uhr zur Fahrt nach Friedrichs Hasen aufgestiegen. An der Fahrt nehmen Gras Zeppelin und fünf Passagiere teil.
wb. Stuttgart, 17. August. Das Luftschiff „Schwaben" hat um 7.15 Uhr Pforzheim, 7.35 Uhr Leonberg passiert und fft um 7.45 Uhr über Stuttgart eingetroffen, wo es einen großen Achter beschrieb und nach 8 Uhr den Weg nach Friedrichs-Hafen fortsetzt«.
Friedrichshasen, 17. August. (Eigener Drahtbericht.) Das Luftschiff „Schwaben" kam um 9 Uhr 36 Minuten über das Alp hinweg nach dem Saulgau und erreichte um 10 Uhr Ravensberg. Um 10 Uhr 40 Minuten erschien es über der -Stadt und landete um 1 0 Uhr 45 Minuten glatt vor der Halle.
Eine neue Eulerflugmaschine.
wb. Darmstadt, 17. August. August Euler versuchte heute auf dem Truppenübungsplatz in Darmistadt zum ersten Male einen nach ganz neuen Gesichtspunkten von ihm konstruierten Eindecker, der beim eisten Versuch zur vollsten Zufriedenheit wie ein ansprobierter Apparat flog. Die Flug- maschrne hat zum Unterschiede -gegen die bisher bekannten Systeme ein doppelt abgefedertes Anfcchrgestell unter dem Motor und dem Führersitz, so daß ein VornübeMppen bezw. beim Landen ausgeschlossen sein -dürfte. Außerdem besitzen die Tragflächen gar keine Wölbung und find nur einfach befpantt. Der Euler-Zweidecker fliegt mit der gewöhnlichen Guler-Zweidecker-Steuerung, welche bekanntlich den Vorzug besitzt, unter Vermeidung jeglicher Fußstcuerung den Apparat nur mit der Hand zu lenken.
Arrs Stadt und Land»
Wiesbadener Nachrichten»
Die Walderholungskolonie „Eiserne Hand".
Der Zug nach unfern Wäldern in der heißen Jahreszeit datiert schon einige Jahre zurück, aber selten hat er derartigen Umfang angenommen wie in den nun abgelaufenen letzten vier Wochen unseres Sonncnjahres 1911! Die sengende Sonne trieb hener den Siadtbewohmr hinaus ins Freie und ließ ihn im kühlen Waldesschatten Erholung suchen nach der Unlust des Lebens in der schwül-dumpfen Stadtlüft, ließ ihn die köstliche Höhenluft mit doppeltem Behagen in die von Straßenstaub und Asphaltdunst gequälten Lungen saugen. Daß das in solchem Umfang wie dieses Jahr möglich war, dafür gebührt der Eisenbahnverwaltung Dank, die durch den Ausbau der Stationsgebäude und Einrichtung der vorzüglichen ^Bahnhofswirtschaft ans der „Eisernen Hand" einem wirklichen Bedürfnis abgeholfen hat. Jetzt hat die „Eiserne Hand" die erste Saison als Höhenluftkurort Wiesbadens bald hinter sich, um eine weitere günstige Entwicklung in den nächsten Jahren wird sich keiner der diesjährigen Besucher sorgen. Schon jetzt, wo uns noch einige Wochen von dem Abzug des Gros' der Besucher trennen, lautet die ständig besprochene Abschiedsparole: „Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!" Das Hauptleben in unserer Walderholungskolonie tritt mit Beginn der Ferienzeit ein. Auch eine ganze Anzahl solcher, „-die es können", hat der Sommerfrische vor den Toren den gleichen Reiz abgefunden wie einer teueren Badereise. So schwoll besonders dieses Jahr mit Ferien- anfaug die Zahl unserer Waldcrholungskolonisten zu einem gewaltigen Strome an, der täglich vom frühen Morgen bis zum Nachmittag anhielt, um dann abends wieder znrück- zuebben. Die Eisenbahnverwaltung trug durch Einstellung von Extrmzügen und Ausgabe von Ferienkarten zu ermäßigten Preisen nicht unwesentlich zur Belebung dieser Walderholungsfahrten bei. Gin Teil der Sommergäste steigt schon bei Station Chausseehaus ans, u. a. auch die Krankenkassen-Ferienkolomsten aus Wiesbaden, Biebrich und Umgebung, die jeden Morgen mit dem 7-Uhr-Zug fahren und sich zum unterhalb Chansseehaus gelegenen Erholungsheim begeben. Die Mehrzahl der Fahrgäste, die in Landesdenkmal aus Biebrich und in Dotzheim aus Wiesbaden zusteigt, fährt mit hinauf zur „Eisernen Hand". Zwei Maschinen ziehen keuchend den schweren Wagenzug die starke Steigung hinan. Auf Station „Eiserne Hand" ergießt sich dann der bunte Strom in die Wälder. Bald ist ein gemütliches Plätzchen gefunden, und dann pflegt man in der Hängematte, im Liegestuhl oder auf Decken wohltuender Siesta und erquickt sich an der ozonreichen, linden Waldlust. Die auffteigende Sonne läßt zitternde Lichtreflexe über den dunkelgrünen Waldboden huschen, um uns herum zwitschert ein lustiges Vogelkonzert und von fernher schallt gedämpft der Jubel der Kinder, die „Soldat spielen und Krieg führen". -Gleich am ersten Tage wählte sich die Jugend einen Oberbefehlshaber, baute eine Kaserne mit Wache, Mannschafts- und Offiziersstube und rückwärtigem Wachhaus und fertigte Säbel und Lanzen an. Seitdem wird täglich zweimal Appell abgehaften, darauf mit Säbel und Lanze exerziert und zum Schluß eine regelrechte Fekddienstübung mit großem Gefecht abgehalten, das mft einem Sturmangriff zu Ende geführt wird. Zu Ehren Jung-Deutschlauds wurde am gestrigen Mittwoch im Hotel „Waldfriede" in Hahn-Wehen ein Kinderfest veranstaltet, das den besten Verlauf nahm. Veranstalter
Wiesbadener TagblaLS«
waren eine Reihe hiesiger Familien, die der Jugend vor Ferienschluß noch einmal eine besondere Freude bereiten wollten. Neben den bekannten linderspielen, wie Sacklaufen, uslw., war eine Nuffchbahn ausgestellt, die von der größeren und kleineren Jugend mit ungemessenem Vergnügen benutzt wurde. Einem „Kasperle", das mit ungewöhnlich reichhaltigem Repertoire spielte, spendete ein dankbares Auditorium stürmischen Beifall. Liedervorträge beschlossen dann das schöne Fest. Für den lebhaften Dank, den das Kasperle allen Mitwirkenden und besonders dem umsichtigen Leiter, Herrn Kaufmann Stillger-Wiesbaden, aussprach, dankte letzterer mit freundlichen Worten, in denen er der Hoffnung Raum gab, alle Teilnehmer der diesjährigen Walderhotungskolome auch im nächsten Jahr wieder aus der „Eisernen Hand" zu treffen. Nachdem noch einige Herren, die Mtglieder des „Wiesbadener Männergesangvereins" sind, mehrere sehr gut gelungene Chöre zum Vortrag gebracht, wurde beim Schein der Fackeln und eines abgebrannten Feuerwerks der Rückmarsch zum Bahnhof angetreten. Diesmal brachte — später wie an- gewöhnlichen Tagen — der Zug 10.02 Uhr die Teilnehmer glücklich nach Wiesbaden zurück. -o.
— Weinkommifsionäre gegen Weinhandcl. Der Verein „Rheinische Weirckommissiouäre" teilt uns mit, daß die in der von uns veröffentlichten Notiz zum Ausdruck gebrachte Auffassung, als trage die Vereinigung einen aggressiven Charakter gegen den Woinhandel, durchaus unbegründet ist. Eine solche Tendenz läge, wie aus den Statuten hervorgehe, dem Verein völlig fern, vielmehr sei seine Gründung erfolgt, um durch Zusammenschluß der Mitglieder und ihre Verpflichtung auf die Vereinsstatuten allen interessierten Kreisen die reellen Bestrebungen des WeinkoMmissionärstandes vor Augen zu führen. Diese Bestrebungen gehen nun, -weit entfernt, den Wein-Handel zu bekämpfen, gerade im Gegenteil daraus hinaus, durch Schaffung einheitlicher Grundsätze im Kommissionsgeschäft und Verpflichtung der Mitglieder auf die gleichen, bisher bereits in Geltung gewesenen Provisionssätze dem- Wein- Handel in die Hand zu arbeiten und ihm die Gewähr zu verschaffen, daß er es im geschäftlichen Verkehr mit den Mitgliedern der Vereinigung mit zuverlässigen und gewissenhaften Vermittlern zu tun hat. Des weiteren gehen die Bestrebungen der Vereinigung, deren konstituierende Versammlung bereits am 23. Januar 1911 stattgesunden hat, darauf hinaus, zu den verschiedenen Weinhändlerverbänden in wechselseitige Beziehungen zu treten, und ist es ihr auch tu der kurzen Zeit ihres Bestehens gelungen, eine Reihe von Fragen, die den Weinhandel und den Wein- kommissionärstand gleichermaßen am Herzen liegen, gemeinsam mit Fachverbänden des Weinhandels einer beiden Teilen erwünschten Lösung entgegenzusühren.
— Die Hauptversammlung Nass. Land- und Forstwirte fand in Hattenheim im Nollschen Saale statt. Geheim- vat Landrat Wagner-Rüdesheim erösfnete als Vorsitzender des Vereins die Tagung und gab den Rechnungsbericht für 1911 bekannt. An Einnahmen hatte der Verein 4661.13 M., an Ausgaben 4563.80 M. zu verzeichnen. Der Gewinn beträgt 97.33 M. Das Gesamtvermögen beziffert sich auf 3961.69 M. Ausgegeben wurden 1910 für die Vertilgung von Krähennestern 25 M., den Wiesbadener Obstmarkt 50 M., Hebung der Rindviehzucht insgesamt 2130 M. Der Verein beschloß im letzten Jahre, die Lahn-Rindvieh- rasse anzuschaffen. Hierzu wurden 4 Lahnbullen, von denen 2 in Hallgarten, 2 in Presberg ausgestellt wurden, angekauft. Man hofft, daß innerhalb fünf Jahren in diesen Gemeinden reinrassiges Lahnvieh steht, das von Mitgliedern anderer Gemeinden angökauft und so die Lahn- vasse, die sich vorzüglich zieht, in Milchgiebtgkeit und als Schlachtvieh gut ist, im ganzen Rheingau verbreitet wird. Für den Etat 1911 wurden vorgeschlagen und genehmigt: Zur Hebung der Rindviehzucht 1200 M., zur Hebung der Ziegenzucht 150 M., Zuschuß als Prämie für tüchtige Bock- Halter 50 M., für Vertilgung von Krähennestern 25 M., Wiesbadener Obstmarkt 50 M., Verwaltungszwecke 25 M. Von d-er Landwirtschastskammer erhält der Verein 300 M., vom landwirtschaftlichen Verein 600 M. Als Delegierten zur Hauptversammlung wurden gewählt: Geheimrat Land- rat Wagner-Rüdesheim, Ott-WieSbaden, Pitz-EltvWe. Vogel-Eltville, Naffen-Neuhof, -Siebert-Erbach, Fischer- Geisenheim, Grandjean-Johannisberg, Straßner-Rüdes- heim, Dietz-Stephanshausen. ZurHebung der Rind-Viehzucht wurden mehrere Anträge angenommen; u. a. soll ein Viehzuchtverein zur endgültigen Einführung der Lahnrasse gegründet werden. Auch Viehweiden sollen geschaffen werden. Im Rheingau habe sich der Rück gan g des Rind- Viehs sehr bemerkbar gemacht. In diesem Jahr sei der Rückgang hauptsächlich auf die große Futternot zurückzuführen.
— Gegen die ungesicherten Hutnadeln. Die Süd- deutsche Eisenbahn-Gesellschaft hat die von uns kürzlich schon mitgcteilte Anordnung für die Essener Straßenbahnen, bezüglich der übermäßig langen und ungesicherten Hutnadeln, welche im Betrieb und Gedränge des Straßenbahn-Verkehrs! leicht schwere Verletzungen anderer Personen verursachen können, nunmehr auch der Betriebsverwaltung der Wiesbadener Straßenbahnen zur Anwendung empfohlen. Damen, welche nicht einsichtig genug sind, einer höflichen Aufforderung des Schaffners zur Sicherung der Spitzen, bezw. zur Entfernung der Nadeln nachzukommen, sollen auf Grund d-er §§ 9 und 13 der Polizeiverordnung für den Regierungsbezirk Wiesbaden vom 28. März 1907, bezw. 8 77 der Eisenbahnbau- und Betriebsordnung vom 3. November 1904 von der Weiterfahrt ausgeschlossen werden.
— Orthopädisches Schulturnen. Im Amtlichen Schulblatt für den Regierungsbezirk Wiesbaden wird eine Zusammenstellung der in Preußen bisher abgehaltenen orthopädischen Turnkurse zur Kenntnis gebracht. Die Übersicht gibt ein erfreuliches Zeugnis von dem anerkennenswerten Bestreben einer zunehmenden Zahl von Gemeinden, unter Aufwendung teilweise recht erheblicher Mittel, sich solcher Kinder vorbeugend oder helfend anzunehmen, die in Gefahr sind, sich eine Mckgratskrümmung zuzuziehen oder an, einer solchen schon leiden. Wie die Übersicht zeigt, können die orthopädischen Turnkurse bei zweckmäßiger Einrichtung und sachgemäßem Verfahren viel Segen stiften, k Unerläßliche Voraussetzmm dabei ist, daß sie unter der Auf- -
Donnerstag, 17. August 1911, -Nr. 3 83,
sicht eines orthopädisch geschulten Arztes stehen, daß sie sich auf die immerhin zahlreichen Fälle beschränken, in denen es sich um Kinder mit schwachen Rückenmuskeln, schlechter Haltung und um die leichteren Formen von Verkrümmungen der Wirbelsäule handelt, und daß in jedem einzelnen Falle von dem zuständigen Arzte sorgsam geprüft wird, ob die betreffenden Kinder nach Lage der Verhältnisse zur Teilnahme an einem orthopädischen Turnkursus zugelaffe» werden können oder ob sie auf Anstallsbehandlung zu verweisen sind. In Wiesbaden fand im Berichtsjahre 1909/1910 der Unterricht zweimal wöchentlich je 1 Stunde statt. Der Kursus wurde unter der Aussicht eines Arztes und der Leitung je zweier besonders daffrr vorgebildeter Lehrer und Lehrerinnen abgehalten. 24 Knaben und 29 Mädchen nahmen in vier Abteilungen daran teil. Es wird beabsichtigt, an jeder Volksschule eine orthopädische Turnabteilung zusammenzustellen.
— Röstkartoffeln, frisch aus der Erde. Ein Gegenstück zu den „Bratäpfeln, frisch vom Baum" wird uns aus landwirtschaftlichen Kreisen mitgeteilt: Die furchtbare Hitze der vergangenen Wochen hat, wie schon mehrfach betont wurde, an? das Wachstum des Gemüses und der Kartoffeln einen sehr schädigenden Einfluß ausgeübt. Besonders die Kartoffeln haben in dem glühend heißen und völlig aus- gedörrten Boden furchtbar gelitten. Es ist keine Übertreibung, wenn man sagt, daß an vielen Stellen die Kartoffeln im Erdboden direkt geröstet erscheinen, da die unaufhörliche Hitze und der glühende Acker auf die Erdsrückste eine röstende Wirkung hervorgebracht hat. ‘ An Stellen, die besonders stark der Sonne ausgesetzt waren, findet man nicht mehr glatte und saftige Kartoffeln, sondern die Schale ist runzlig, wie wenn die Kartoffeln lange auf heißen Kohlen gelegen hätten. Bricht man aber die Kartoffel auf, dann staunt man darüber, wie groß der Einfluß der Hitze gewesen ist. Das Innere der Kartoffel zeigt nicht den saftigen Charakter einer ungekochten Frucht, sondern vielmehr ganz das Aussehen einer gekochten oder g«- rösteten Frucht. Auch der Geschmack ist ganz der von Röst- kartoffeln. Wenn man also, wie früher in der Presse mitgeteilt wurde, in diesem Sommer Gelegenheit hatte, Bratäpfel frisch vom Baum zu genießen, so hat man nicht minder Gelegenheit gehabt, Röftkartosfeln direkt aus det Erde zu beziehen. — Jetzt fehlen nur noch die in der Sonne gerösteten Bratwürste.
— Die Beschäftigung der Arbeiterinnen. Ein Geschäftsinhaber im Regierungsbezirk Wiesbaden war vom Landgericht auf -Grund des § 137a der Gewerbeordnung in Strafe genommen worden. Die betreffende Vorschrift verbietet, daß Arbeiterinnen für die Tage, an denen sie in> Betrieb die gesetzlich zulässige Arbeitszeit hindurch beschäftigt waren, Arbeit zur Verrichtung außerhalb des Betriebes vom Arbeitgeber übertragen wird. Gegen das Urteil legte der Kaufmann Revision ein, worauf sich das Frankfurter Oberlandesgericht mit der Angelegenheit beschäftigte. In der Revision war die Ansicht ausgesprochen, daß die Beschäftigung von Arbeiterinnen in der erwähnten Weise doch nur strafbar fei, wenn der Geschäfts-' inhaber einen Zwang auf sie ausgeübt hätte. Demgegenüber stellte das Berufungsgericht fest, daß diese Annahme unzutreffend ist. Das Gesetz will die Arbeiterinnen vor überarbeit schützen. Dieser Schutz muß, um wirksam durch» geführt -werden zu können, den Arbeiterinnen auch Wide« ihren Willen zuteil werden. Es genügt daher nicht, daß sie lediglich davor geschützt sind, daß ihnen Arbeit auft getragen wird, sie müssen auch davor geschützt sein, daß ihnen aus ihren eigenen Wunsch Arbeit mitgegeben wird. Es wäre aus praktischen Gründen nicht durchführbar, wer«! das Gesetz einen Unterschied machen wollte zwischen „Auftrag zur Arbeit erteilen" und „Arbeit mitgeben". Denn eine feste Grenze zwischen beiden Begriffen zu ziehen, wäre unmöglich. In dieser Weise begründete das Gericht die Ablehnung der Revision gegen das Urteil des Land" gerichts.
— Die Offizier-Brkleidungsvorsctzrift. Eine neue Aus- -gabe der Offizier-Bekleidungsvorschrift ist erschienen. Seit der letzten vom 15. A!ai 1899 war eine Reihe von Änderungen eingetreten, die einen Neudruck der Vorschrift notwendig machten. Es sei irr dieser Beziehung nur auf dis Veterinärosfiziere hingewiesen, deren neue Uniform eingeschaltet werden mußte; bei dieser ist hervorzuheben, daß diese Offiziere auch wie die -Sanitätsoffiziere eine Galahose, mithin Zutritt zu Hofe haben, wogegen dieses Bekleidungsstück bei den Zeug-, Feuerwerks- und Festungsbauoffizieren sortfällt. Beim Anzug der Generale fehlt der gestickte Paradewaffenrock, an seine Stelle ist der einfachere Waffenrock mit Fangschnüren und AchselbänderN getreten, wozu die Epauletten getragen werden. Die wichtigste Änderung wurde jedoch durch die Einführung der feldgrauen Uniform herbeigesührt, deren genaue Beschreibung der Vorschrift als dritter Teil hinzugefügt wurde. Die in der Vorschrift enthaltenen Bestimmungen sind ausschließlich maßgebend. Danach muß die dunkelblaue Uniform getragen werden: als Paradeanzug, im Garniso«- wachidienst, beim Kirchgang, beim Gerichtsdienst, als Ausgeh- und Gesellschaftsanzug. Die feldgraue Uniform muß getragen werden: im Felde, bei allen Gefechts- usw- Übungen gegen einen nicht nur markierten Gegner. Hierbei hätte sich nun eine günstige Gelegenheit geboten — bemerkt die „Köln. Zig.", der wir die nachstehenden Ausführungen entnehmen —, für die Offiziere eine zweckmäßigere Sommeruniform einzuführen, denn wenn bei der jetzt herrschenden Hitze die Mannschaften in leichtern Drillichanzug ausrücken, muß der Offizier, der doch länger die Anstrengungen aushalten muß als der Soldat, irN Tuchanzug einhermar-schieren, der oft derart durchschwitzl ist, daß er über Nacht kaum trocken zu bekommen ist. Die Litewka, an deren Stelle auch der Feldrock getragen werden darf, gehört nun allerdings zu den bequemen Bekleidungsstücken; aber nach der in Beilage 1 der Vorschrift enthaltenen Übersicht der Bcklcidungs- und Ausrüstungsstücke für die Offiziere der verschiedenen Waffengattungen gehört die Litewka zu denjenigen Stücken, die gestattet, aber nicht vorgeschrieben sind. Mithin ist es dem Ermessen jedes Offiziers anheimgestellt, ob er sich eine Litewka beschaffen will oder nicht; jedenfalls wird sie durch die BeAeidungsvor- schrift nicht gefordert, die als Ersatz dafür auch den Feldrock Vorsicht. In der erwähnten Übersicht sind übrigens die
