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Wiesbadener TsgbW

JüfeSr-.— WiichkMch12Allss-l>cn. „ Gegründet 1852. ~"’SRS&"’~

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Rr. 25?.

Samstag, 3. Juni LTLI.

58. Jahrgang.

Morgen-Ausgabe.

_ 1. iSfaif.

Jur AMhm der elfafHotljrinilfiip UerstUW.

Von einem alten Elsaß-Lothringer.

Die Verfassung für Elsaß-Lothringen ist im deutschen Reichstag mit großer Mehrheit angenommen worden. Haben aber alle mit freudigem Herzen dafür gestimmt? Nein, gewiß nicht! Aus den melften Reden der Mehrheitsparteien schaut uns ein gewmeo Unbehagen an, welches mangelhafte Kenntnis der elsaß-lothringischen Verhältnisse verrät. Hoffen wir mit diesen Mehrheitsparteien aber, daß sie das. Rrcy- tme getroffen haben. Es ist ein großer Irrtum, wenn man annimmt, daß die Bevölkerung von Eliatz- Lothringen in ihrer Mehrheit wirklich deMokransch oder gar retzublikansche gesinnt ist. Vor 18 eO har sie sich in ihrer überwiegenden Mehrheit für ^das selbstherrliche Regiment Napoleons Hl. erklärt. Nur die kleine Fabrikstadt Bischweiler stimmte geichlojjen dagegen und legte sich deshalb den Namen ^ „Klein- Paris" bei. Und heute? Kann man die Heutigen Wahlen in Elsaß-Lothringen demokratisch nennen oder- gar republikanisch? 'Nicht einmal Blumenthar rst ein bedinasloser Demokrat. Das große Wort aber yar überall der katholische Pfarrer, und der Pfarrer will in Elsaß-Lothringen der Herr fern und ist es. Kann uns das demokratisch oder republikanisch anmuten * — Und wie ist es mit der Liebe zu Frankreich? Vor 1870 wurden die Franzosen von den Elsässern und zum Teil auch von den deutschredenden Lothringern ge­haßt. „Er ist ein Welscher!" galt als Warnung zur Vorsicht, um sich nicht übervorteilen zu lasseil. „Welscher Hund!" „Welscher Kaibekerl!" waren böse schunpl- worte. Über die Verfügung Napoleons HI., daß die französische Sprache fortan die Unterrichtssprache sein sollte. War man außer sich. Trotz schwerer strafe babbelten die Kinder in ben Pausen auf dem Schulhofe ihr Titsch weiter,, wie die Alten sich in unbewußten Augenblicken noch heute rühmen, ^a, der Bischof Raes von Straßburg und der Präsident des Konsistoriums Augsburger Konfession in Bischweller, Grimm, baten im Jahre 1865 in einer Eingabe an die franzoflsche Re­gierung um die Erlaubnis, wenigstens deil Kom- munions- und Konsirmandenmlterrlcht tn der de u t- scheu Muttersprache erteilen zu dürfen. — Wre st mimt mit diesen Tatsachen das heutige Verhalten der Elsaß- Lothringer, soweit es sich in der Öffentlichkeit butt machi? Es ist nichts als Hetzarbeit. Hetzarbeit von Frankreich her! Die ganz überwiegende Mehrheit der Elsässer und des deutschredenden Teiles von Loth­ringen spricht und fühlt deutsch. Aber sie furchtet Frankreich und die unheimlichen Franzoslinge nnt ihren maßlosen deutschfeindlichen Rüpeleien, w' ^ Stillschweigen der deutschen Regierung gegenüber dem Maulheldentum französischer Generale und Riinrirer erregt ihre Verwunderung. Würde die französische Regierung stillschweigen, so fragt man sich, wenn

deutsche Generale und Minister sich solche kriegerischen Reden gegen Frankreich herausnehmen wollten? Und die' französische Presse - „einmütig würde sie Awrm blasen Hat die deutsche presse kernen Atem? Ruft sie nich? sogar die wenigen Zeitungen zur Ruhe, die aufbegehrten! Nicht unmöglich ist es also, so hört man sprechen, daß Deutschland gezwungen wrrd, uns ohne Schwertstreich an Frankreich zuruckzugeben. Und wie wird es Wann den Elsaß-Lothringern ergehen, die gleichgültig oder gar deutschfreundlich waren? — Tie erste allgemeine deutschfeindliche Flutwelle in Elsaß- Lothringen wußte der französische Kriegsminister Boulanger zu erregen, der so vollendet fern Kunstreiter­pferd zu tummeln verstand. Dre Reichstagswahlen von 1887 wiesen infolgedessen so überwiegende pro- testlerische Mehrheiten auf, daß z. B. rn einem Torfe nur eine Stimme für den Regierungskandwaten ab­gegeben wurde und der Bürgermeister und die beiden Beigeordneten sich darüber stritten, Wer von ihnen die Heldentat vollbracht hätte. In der Besorgnis, abgesetzt zu werden, wollte jeder von ihnen es gewesen lern, Frankreich wäre die Absetzung sicherlich erfolgt, rn Deutschland fiel der deutschgesinnte Minister v. Hof- manii. Aber es erhoben sich, rn Preußenernstzu- nehmende Stimriren, Elsaß-Lothriirgen in drei stücke zu zerreißen und an Preußen, Bayern und Baden zu verteilen, und Boulanger entpuppte sich als — Lump. Dazu kam die frivole Verurteilung des aus d?m Elsaß stammenden Hauptmanns Dreyfus und die Rüllsichts- losigkeit der französischen Regierung gegen seine elsässischen Verteidiger, besonders gegen einen Senator, der im Oberelsatz hochgeachtet war und dort erne große Fabrik besaß. Man begann von Frankreich abzurucken. Und auch die katholische Geistlichkeit, bis dahin die Förderin der deutschfeindlichen Stimmung, für die wrsyfus ein Jude und der Senator ein Protestant waren, wurde schwankend, als der Ministerpräsident Combes die Trennung von Staat und Kirche rn Frankreich durchgesetzt hatte. „Compes-Lumpes! hörte rnan da in diesen Kreisen oft spötteln, und cs konnte ein Landesausschußabgeordireter m eurer zahl­reich besuchten Versammlung ferner Wähler, . ohne Widerspruch zu finden, ausrufen: „Wer denkt bei uns noch an die Wiedervereinigung mit Frankreich? Nie­mand' Wer denkt in Frankreich int Ernst an die Zurückgewinnung von Elsaß-Lothringen? Niemand!" Hätte man in diesen Jahren die nun angenommene Verfassung vorgeschlagen, sie wäre von der überwälti­genden Mehrheit der Elsaß-Lothringer mit Freuden gutgeheißen worden. — Warum ist cs heute anders? In erster Linie danken wir die zweite größere deutsch­feindliche Flutwelle dem guten Oheim in London und seiner Einkreisungspolitk. Dann aber unserer Geduld Frankreichs Herausforderung gegenüber. Beides weckte in Elsaß-Lothringen den Glauben, daß die Deutschen das Land an Frankreich werden zurückgeben müssen, und man malte sich die Schrecken aus, welche die durch aus nicht sentimentalen Franzosen gegen die Deutsch gesinnten ausdenken könnten, so erhielten die Hetzer wieder die Oberhand. Wer gut deutsch war und dies gar offen bekannte, wurde rücksichtslos bloßgestellt. Mit

FkniUeio«.

pfingstblumen.

Von Franz Pflügt.

Zu Pfingsten prangt die Natur in vollem bräutlichen Schmucke^ Dicht wölbt sich schon bns Dach des l^ldes

-°"-m und äÄÄS“«,!

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fr « wh nitftt Der gchormmsvolle Zauber,

1«' t*t Natur immer und über- bE das ausübte, er hat auch heute noch

3LS!?™ W«8 verloren, und freu­dig,'chmücken wir Hans und Hof. Stube und Kammer mit

der Schmuck und Dust der Birten- m inSlen Gegenden unseres Vaterlandes die wodlriecheiide Kalmusstande mit dem Pfingstfest verbunden S ' l. No^ddeutschland ziert man mit ihr Tor und Tü^ Mos?en und Fenster; jedes Bild und jeder Sims zeigt tl ' SE? hc tschmuck, und oft zerschneidet man die Minurein kl An e Stückchen und streut sie in die Wohnungen. alfffkln Minfenb weißen Dielen der altbäuerlichen Gehöfte S?ÄS «>" WnteMW» -US. «-ich uud

Beifall wurden so manche einfältige Reden aufgenom» men, z..B. die eines Mitgliedes des Zrrkels elsaß- lothringischer Studenten in Straßburg: »Man rede

doch nicht von Versöhnung! Wvm man mrr solche Albernheiten vortragen wollte, so wurde ich dre Bist,«, unserer Ahnen von der Wand holen und ^zeigen, oaß die alten Soldaten Napoleons nicht, den Hunden glichen, die bei Jena und Aeuerstedt gepeitscht wurden; Kindisches Geschwätz!" kann man emwenden Ganz recht! Aber diese kindischen Menschen wollen doch un Reichsdienst angestellt werden. Wird das gut tun? „Frankreich", heißt es an einer anderen stelle, „ist das Land der Großmut, des Fortschritts und ^der großen Gedanken! Verziveifeln wir nicht! Der ^vag der Freiheit wird kommen!" — Soll man nun den Gegnern der neuen Vorlage recht geben? Nein! Ge­rade dieses Übermaß der Französelei unter den elsaß- lothringischen Nationalisten und die Ruhmredrgkert französischer Generale in unseren Tagen beweisen, daß ein Gegenwind einsetzt. Vor allem ist es ow liberale Partei in Elsaß-Lothringen, dre setzt offen und ehrlich, unter Anerkennung der endgültrgen Zugehörigkeit zrrm Deutschen Reich auf den Plan tritt, während das elsaß-lothringische Zentrum der einer schlecht verhüllten Krisis steht. Wenn dre deut­sche Regierung sich gegen die Französelei und gegen Frankreick selbst so stark erweist, daß man überall das Gefühl bekommt, es werde auch vor scharfen Maß- regelrr und selbst vor einem Kriege nicht zurück­schrecken, dann wird die neue Verfassung ein Segerr werden für Elsaß-Lothringen und für den Frieden ur Europa. ~ - ,

Vom lcknstWn SlrasZesrhbuch.

Über die Tätigkeit der im Rerchsjustizamt tageir- den Kommission zur Aufstellung eines Entwurfs zur Reform des Strafgesetzbuchs liegen uns wertvolle Mit­teilungen vor. Sie beanspruchen um so höhere Be­achtung, je bedeutsanrer ihr Ursprung ist. Kern Ge­ringerer nämlich als der Vorsitzende der Kommission selber, der Wirkliche Geheime Rai I>r. Lucas, rst der Verfasser der Darstellung, die das jüngste Heft der '„Deutschen Juristenzeituirg" von den Beschlüssen der Kommission geben kann, soweit eben Beschlüsse bereils vorliegelr. Das genannte Fachblatt wird auch ferner rn der Lage sein, über die Fortsetzung der Kommissrons- arberten in gleicher Weise zu berichten. Vom 4. April bis zum 18. Mar hat die Kommission 17 Sitzungen ab­gehalten, in denen sie auch den bemerkenswerten, von mehreren Rechtslehrern Mahl, v. Liszt, v. Lrlrenthal uird Goldschmidt) veröffentlichten Gegenentwurf be­rücksichtigte. Wir greifen aus der eingehenden Dar­stellung des Geheimrats vr. Lucas die wichtigsten Punkte heraus. Als „Weltverbrechen", d. h. als solche strafbare Handlungen, die nach den deutschen Straf­gesetzen verfolgt werden können, auch wenn sie im Auslande von einem Deutschen oder einem Ausländer begangen sind, werdeir außer den bereits im Vorentwurs dem geltenden Rechte neu hinzugefügten (Meineid in einem bei einer deutschen Behörde anhängigen Ver­

lautlos schreitet der Fuß darüber hinweg, und start^ und würzra ist der Duft, der das ganze Haus durchzieht. In der Mart müht sich noch hier und da jung und alt, den Kalmusflenael kunstgerecht zu teilen und die Kalmusseele, d h die innersten fleischfarbenen Rundblättchen, unversehrt herauszuschälen und ohne Hilfe der Zähne durch einen einfachen Zungenschlag zu verschlucken, „das löst die Zunge und stärkt das Herz". Übrigens ist auch der starke Geruch der Pflanze nicht ohne Bedeutung, nach der festen Über- zenquna manchen biederen Sandmannes soll er Hans und <wf mW* und Tier vor allerlei unheilbringenden Mächten und schlingen Krankheiten bewahren.

Die Gewinnung des Kalmus ist nicht ganz ungefähr­lich Er gedeiht nur auf feuchtem, sumpfigem Boden, namentlich an sumpfigen Flutzrändern, und es ist nicht ratsam ihn von der Landseite aus zu gewinnen, allzu leicht gibt der Boden nach und der Mensch ist unrettbar verloren Am sichefften gewinnt man ihn, indem man mit einem Nachen am Ufer dahinfährt. Seine Heimat ist wahr- fckeinlicb in Indien zu suchen; nach Deutschland kam er im 15 Fahrhundert. Bekannt war er aber auch schon vorher bei uns man bezog ihn aus dem Wege über Italien, er wurde in den großen Metropolen des germanischen Südens sebr hoch geschützt, und wer zu Pfingsten in seinem Hause die Cbalmuswurzel" aufweisen konnte, war nicht wemg stolz" auf dies seltene Gewürz. Selbstverständlich wurde es auch entsprechend teuer bezahlt, und der Patrizier Anton Tuckcr aus Nürnberg führt ausdrücklich in seinen Büchern an daß er im Jahre 1503 neben Mandeln, Zuckerkant und Rhabarber aus Venedig auch „2 Loch Ehalmus" bezogen habe Späterhin sank natürlich der Wert des Kalmus in dem Maße, wie er sich bei uns einbürgerte.

Eine prächtige Pfingstblnme ist die Päonie, die meist zu Pfingsten ihre großen, purpurroten Blüten entfaltet und vom Volk als Pfingstrose bezeichnet wird. Ihren Namen leiteten die Griechen, bei denen sie als wild­wachsende Pflanze ziemlich häufig war, von Päon, einem Beinamen des allheilenden Apollo, ab, der damit glückliche Kuren vollzog und auch Pluto, den Gott der Unterwelt, gesund machte. Es war übrigens nicht leicht, die Päonie zu erlangen, denn der Specht bewachte sie und stieß jeden, der sie ausgraben wollte, nach den Angen. Man durste daher nur des Nachts, wenn der Vogel schlief, an die Ar­beit gehen. Im Mittelalter legte man das Kraut auf die Herzgrube gegen Alpdrücken, fallende Sucht (Epilepsie) und Gicht. Noch heute bindet man im Aargau Kindern, die Krämpfe haben, ein Band aus 77 Päonienblättern um; fällt ihnen das Zahnen schwer, so befestigt man eine Schnur aus den Samen an dem Halse. Am stärksten wirkt die Kraft der Gichtrofe, wenn sie im März bei abnehmendem Lichte gegraben wird.

Pfingstblnme nennt man auch die Schwertlilie (Iris). Sie war schon im Altertum bekannt und beliebt, und da die Iris als schnellKßige, goldgeflügelte Götterbotin die Seelen der Frauen und Mädchen an den Ort ihrer Bestim­mung führte, pflanzten die Griechen die nach ihr benannte Blume auf die Gräber der Verstorbenen. Bis in die Gegen­wart hat sich diese Sitte erhalten. In der nordischen Mythologie stand der Himmelsschwertel jedenfalls mit dem Kultus einer Frühlingsgöttin in Verbindung. Auch dienten die Blätter zum Schmuck der Pfingstbraut, die nach altem deuffchen Brauche an Mingsten ihren Ehrenzug hielt. Reste dieser alten Sitte haben sich in Holland erhalten. Ein Mädchen wird hier mit Bändern und Blumen reich