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Nr. 253.

Donnerstage 1. Juni 1911.

59. Jahrgang.

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Morgen - Ausgabe.

1. Matt. _

Die deutsche Adjimenchewegung.

In Hanrburg rüstet man sich zu einem eigenartigen Feste: In der ersten Junihälfte werden die Guttempler ihren internationalen Kongreß, den ersten dieser Art auf deutschem Boden, veranstalten. Nicht weniger als .12 Tage (3. bis 14. Juni) dauert dieses Weltlogensest so nennen die Guttempler die alle drei Jahre statt­findende internationale Hauptversammlung- und das reichhaltige Festprogramm weist eine stattliche Zahl von Geschästssitzungen, Werbeversarnmlungen, wissenschaft- lnhen Vorträgen und allerlei festlichen Veranstaltungen verschidener Art auf. Auch wird während dieser 12 Tage in dem geräumigenVelodrom" an der Noten­baumchaussee eine Ausstellung von sehr bedeutendein Umfange die Alkoholfrage mit allem Trum und Tran veranschaulichen.

Die WorteGuttempler" undAbstinenten gerade in einer Stadt wie Hamburg nicht selten ge­braucht werden in den bevorstehenden Festtagen vollends in aller Mund sein. Tie wenigsten Menschen aber werden daran denken, daß diese Worte den Aus­gangspunkt einer Bewegung bezeichnen, von der man in der breiten Öffentlichkeit bei uns in Deutschland noch vor 10 bis 15 Jahren so gut wie nichts horte und wußte. Ganz so jung freilich ist die Bewegung die unter den angelsächsischen und skandinavischen Völkern schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ihren Anfang genommen und von Norden her nach Deutschland kam, auch bei uns nicht. Fast ein Men- schenalter ist doch bereits verflossen, seit, die erste Gut- templerloge auf deutscheni Boden in Hadersleben war es gestiftet wurde. Tie erste Guttemplerloge! Heute gibt es deren in Deutschland etwa 1500.

Man macht sich vielfach von dem Umfang der deut­schen Enthaltsamkeitsbewegung eine unzureichende Vor­stellung Die meisten wissen nicht, daß es sich um em Heer von rund 180 000 organisierten Streitern ^han­delt nicht zu reden von der vielleicht noch größeren Zahl derer, die unter dem Einflüsse der Bewegung die entbaltsame Lebensweise angenommen,, oder doch ihren Alkoholgenuß ganz erheblich eingeschränkt haben, mme sich in irgend einer Form zu organisieren. F > 200 000 Menschen, die von dem Wert und der Bcöc.!- tung der Idee, die sie vertreten, fest überzeugt , und stets bestrebt sind, andere gleichfalls davon zu über- zeugen das will etwas heißen. , Man mag zu diesen Streitern zählen oder nicht, auf leden Fall wird man die Macht des G e d a n,k e n s der, so viele L-rüe und Organisationskraft m sich birgt, bewum ern müssen.

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JBlten Md der Mr« mstrcs MusM!».

Von Dr. Friedrich Spreen.

Pfingsten, das Uhland das Fest der Freude nannte, bei unserem, an überschüssigen Kräften rercheu und nach tkämpfcn begierigen Volke vor allen andern Festen den :b entfesselt, zugleich mit der ^- e"vachten nnd n htbarcm Leben sich entfaltenden Natur die Starre uns oartdthcit der Glieder zu erproben^ und Einander messen. Vollsbelustigungen aller « |

igsten Burschen und Mädchen auf grunem Anger m ld uild Feld Das Einholen des Maibaumes erf .

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ngsten ward aber schon m ^hest-nZeenmi den rden verknüpft: es war em U»"'" umdre 6et-er von l Johannes Boömns Anbanus rn fernem 1536 zu Lyon

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± m " D ? m ram .halse trägt, singend und !L (t bic Saaten vo" allem himmlischen Scha- behüten wolle." Die Bauern, die sich hoch St tfir c r % cf trief: eit Pftngststimmung, besonders stolz *5E iS wollten cs nun den Herren Rittern ' Kämpft und Turnierspielen nach- und Mvortnn. W-e im SeK*en eine Sitte der Vornehmen anfnahmen. veranstalteten sie nun auch das Wettrennen nach dem

In stetiger Entwickelung hat sich die Bewegung, die den Enthaltsamkeitsgedanken ins deutsche Volk tragen will alle die Jahre ausgebreitet, von der Nordmark bis'hinab zu den süddeutschen Reben- und Hopfen­geländen. vom Rhein bis . zur Ostgrenze des Reiches; im Norden und Westen am stärksten, hier und da vor allem in Hamburg Hochburgen der Bewegung bildend, im Osten erst in jüngerer Zeit verheißungs­volle Saat ausstreuend. Im Süden fehlt es der Be­wegung vielfach noch an Festigkeit und^ Sicherheit, so biß ©rfoI$ß tncutujct otcibt tritt öot 3 wiegend recht wein- und bierfroher Bevölkerung auch

6-in buntes Bild bietet die deiitsche Enthaltsam­keitsbewegung' mit ihren nahezu 40 Organisationen, die fast alle wieder in mehr oder minder zahlreiche Logen Distrikte. Ortsvereine und Verbände zerfallen. Ein buntes Bild, in dem drei Wesenszüge besonders hervortreten' die Guttemplerbewegung, die religiöse Bewegung und. die auf Fach- und Standesvereine sich beschränkende Bewegung. -20 verschiedenai,. ig diese drei Gattungen im einzelnen fern mögen, ver­bindet sie doch der Glaube an eine kulturelle Auf­wärtsentwicklung und die Überzeugung, daß eine der Grundbedingungen dieser Entwicklung die energische Bekämpfuna der gefäbrlichsten Volkskrankheit ist: die Bekämpfung des Alkobolismus. Auch der rein Prak­tische Gedanke verbild.4 sie, daß die Mahnung zu strenger Mäßigkeit im Genüsse berauschender Getränke der großen Volksmasse gegenüber erfolglos zu ver­hallen pflegt imd im Kampfe gegen den Alkoholismus daher Ms psychologischen und taktischen Gründen die völlige Enthaltung vom Alkohol gefordert werden muß.

^Es kann nicht nachdrücklich genug hervorgehoben werden, daß keine einzige deutsche Enthaltsämkeits- organisation ihre Aufgabe rein äußerlich auffaßt, sondern stets von ihrem besonderen Standpunkte aus eine sittliche Idee damit verbindet, -so selbstverständ­lich das für jeden Kenner der sozialen Bewegungen ist, in den breiten Schichten der Bevölkerung weiß man das nicht oder beachtet es nicht. Fast unausrottbar ist die Vorstellung, daß die Abstinente,i nichts anderes seien als Menschen, die an Stelle alkoholischer Getränke alkoholfreie genießen, und daß die Aufgabe der Absti- nenzbewegung in der Propaganda für alkoholfreie Getränke bestehe. Ebensowenig wird beachtet, daß das Trinkbedürfnis und die .Trinklust der Abstinenten, verglichen mit.der Trinkfreudigkeit der an Alkohol ge­wöhnten Menschen, ganz verschwindend gering ist und nur ein ganz kleiner Teil der ungeheuren Menge alkoholfreier Getränke, die in Deutschland hergestellt werden, auf den Verbrauch der Abstinenten entfällt.

Tie Guttemplerbewegung ist ohne Frage an organisatorischer Kraft und Werbeenergie der weitaus stärkste Teil der Gesamtbewegung. Tie Guttempler

Maibanm nicht mehr zu Fuß, sondein zu Pferde und m dieser Pfingstbelustigung, die in manchen Gegenden noch heute geübt wird, ist der Keim und Ursprung der Pferde­rennen zu suchen, die seit etwa einem Jahrhundert ein so vornehmer und von den höchsten Kreisen gepflegter Sport geworden sind. Ein vorzüglicher Kenner des deut­schen Volkstums, Eugen Mögt, sagt in derSächsischen Volkskunde" von den Pfingstritten:In den großen Städten unseres Landes ist diese Sitte zum Sport ansgeputzt wor­den, denn unsere Frühjahrsrennen sind in ihrer Wurzel nichts anderes als die altdeutschen Wcttritte, bei denen der Sieger eine Spende aus der Hand eines Mädchens erhielt (in der Regel ein rotes Tuch), während der letzte Reiter Spott uüd Hohn von der versammelten Gemeinde erntete." Wir wollen nun die Entwicklung dieser Psingststtte bis zu unfern großartigen Psingstrennen etwas näher verfolgen, da wohl kaum ein Besucher und Freund des grünen Feldes von dieserUrgeschichte des Turfs" etwas wissen wird, kein Verehrer des Rennsports sich träumen läßt, daß^ er damit letzten Endes einer altehrwürdigen Volkssitte huldigt.

Das Wettrennen edler Pferde, wie es den Mittelpunkt des modernen Rennsports bildet, wurde im Altertum nur in seltenen Fällen, ja eigentlich gar nicht gepflegt. Zwar gab es bei den olympischen Spielen auch ein Rosselausen, aber es stand wenig in der Gunst der Griechen, die sich, ebenfalls wie die Römer, hauptsächlich für das Wagen­rennen begeisterten. Diese Südländer waren kein Reiter- voll wie die Germanen; auch als die Italiener der Renais­sance an einzelnen Orten, z. B. Siena, die Pferderennen ausnahmm, blieben diese eine exotische, nie reckst heimisch gewordene Volksbelustigung, An den Wagenrcnnen der Zirkusspiele aber reizte den Römer der Kaiserzeit vor allem die Gefahr, die größer war als selbst bei unfern Hürdenrennen, lockte ihn die dramatische Konzentrierung der aneinander gedrängten Gefährte in der engen Arena. In der christlichen Zeit am« dann jede Tradition des an­

sind die Kerntruppe. Ter internationale Guttempler-- orden (I. 0. G. T.), dessen Hauptkongreß nun auf dre Einladung der Hamburgischen Regierung hin zum ersten Male in Deutschland tagen wird, ist hier durch zwei Großlogen vertreten: eine kleinere mit dänischer

Geschäftssprache, die sich nur auf das dänische Sprach­gebiet in Nordschleswig beschränkt und etwa 3000 Mitglieder zählt, eine andere, dre sich auf den übrigen Teil des Reiches erstreckt; ihr gehören zurzeit 50 000 Männer und Frauen und in einer besonderen ^ugend- abteilung, demJugendwerk", 18000 Kruder und Halberwachsene an.

Tie Guttempler bekämpfeir den Alkobolismus vom ethisch-sozialen Standpunkt. Ihre sehr sinnreiche. Organisation, die über viele Kulturländer verbreitet ist (der Gesamtmitgliederbestand beträgt etwa 500 000), befähigt sie, bei den einzelnen Mitgliedern ein überaus^ lebhaftes Interesse für die Ordensidee zu erregen und wachzuhalten. Der Orden ist daher wie kaum eine zweite Vereinigung in der Lage, Alkoholkraiike zu heilen. Es wird aber betont, daß die Trinkerheilungs- arbeit nicht die einzige und nicht die Hauptaufgabe der Guttempler ist. Wichtiger ist es ihnen, gesunde und jugendliche Mitkämpfer zu erwerben^ und den Boden für eine alkoholfrei Kultur zu bereiten.

Im Laufe der Jahre sind von der Großloge 2 des internationalen Guttemplerordens einige kleinere Ordensgemeinschaften abgesplittert. Die bedeutendste derselben ist der neutrale Guttemplerorden, der auch internationale Verbindung hat. In den Grundideen unterscheiden sich diese Abzweigungen von dem Stamm­orden nicht.- Alles in allem zählt man aus deutschem Boden etwa 75 009 Gutiempler.

Die religiöse Bewegung dient, sotveit sie sich aus evangelische Kreise erstreckt, fast ausschließlich dep T r r n k e r r e t t u n g. Tie größte dieser evangeli­schen Vereinigungen ist dex deutsche Hauptverein des Blauen Kreuzes, der mit gleichnamigen Vereinigungen in der Schweiz, in Frankreich, Dänemark. und Nor­wegen eine internationale Organisation bildet. Ter deutsche Hauptverein nach seiner Hochburg Barmen auch vielfach das Barmer Blaue Kreuz genamrt< zählt rund 4 0 000 erwachsene Mitglieder und etwa 900 Kinder. Eine Abzweigung dieses Blauen Kreu­zes, der deutsche Bund evangelisch-kirchlicher Blau-. Kreuz-Verbände, hat etwa 8600 Mitglieder, während dem Freien Blauen Kreuze, das vornehmlich au» methodistischen und baptistischen Vereinen gebildet wird, 3600 Mitglieder angehören. Alle diese Trinkerrettungs-! vereine betonen bei der Heilung Alkoholkranker das religiöse Moment. Das Gleiche gilt von.dem Katho­lischen Kreuzbündnisse. Tie Gesamtmitgliederzohl aller religiösen Äbstinenzvereinigungen in Deutschland beträgt etwa. 100 000.

Weniger durch eine imponierende Mitgliederzcchl als durch den Einfluß ihrer Ideen wirkt die dritte

tiken Rennwesens nach und- rmch verloren; wo sie in den ersten Jahrhunderten noch auftauchte, in Byzanz wie in Rom, wurde sie von der Kirche unterdrückt und dies heid­nische Treiben als schwere Sünde gebrandmarkt. Dis frühesten Formen, unter denen sich der Hang zu körper­lichem Wagemut, die Begier nach dem Messen der Kräfte und nach Aufregungen wieder belebte, waren die Turniere und Buhurte der Ritterzeit. Diese Turniere, wie Wer-- haupt Feste aller Art, wurden mit Vorliebe zu Pfingsten gefeiert. In der Pfingstwock-e, diedes Maien Blumen­zeit" ist, versammelt König Artus die Helden zu den Turnieren, veranstaltet Kaiser Friedrich l. die Hoffeste, bei denen Spiele und Kämpfe abgehalten wurden. Während beim Tjoft und Turnier die Streitenden, schwer gerüstet, gegeneinander stürmten und mit Speerstoß oder Schwerter-, schlag ihr Leben einsetzten, war der Buhurt ein Reiter-, schauspiel, bei dem die jungen Herren ihre Geschicklichkeit zeigten undihre Rosse tummelten". Fm späteren Mittel- alter trat nun die Bedeutung der Turniere immer mehr zurück; die Geschwader der schwer gepanzerten Ritter gaben nach der Erfindung des Pulvers nicht mehr den Ausschlag in den Schlachten; die Tjoste hatten ihren praktischen Sinn verloren; über das Verschwinden der echt ritterlichen Sitten ward mehr und mehr geklagt. Die Turniere wur­den so zu prächtigen Scheinmanöbern und Schaustellungen, zu denen sich auch die Bürgerlichen drängten, und die Reiterspiele des Buhuris überwogen dabei. Da kamen denn im 15. Jahrhundert neben den Turnieren allmählich auch Wettrennen zu Pferde auf, die schon vorher bei den nie­deren Ständen mit den Maisesten, vor allem mit Pfingsten, verbunden waren. Es ist ein volksbümliches Element, das hier zur allgemeinen Geltung gelangt und an die Stell« der Pfingstturniere ritt. Die dem Germanen von alters her teuren Umritte und Wettritte der Frühlingszeit verq. schmelzen mit dem adligen Buhurt zum Pferderennen, da; nun zum erstenmal als ein Ausdruck des vornehmen Reit-, sports sich darbietcr.