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Verlag Langgafs« 21

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Nr. 25«.

Dienstag. 2«. Mai INH.

5«. Jahrgang.

klbend-Ausgabe.

_ 1. Matt- _

Mv öen Monat Juni

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Das Wahlergebnis in Portugal.

Mit wie großer Sorge die provisorische Regierung der jüngsten europäischen Republik den Corteswahlen entgegengesehen hatte, das geht schon aus der Energie hervor, mit der sie in schroffem Gegensatz zu den nackten Tatsachen das Vorhandensein einer Gärung in Portu­gal immer wieder bestritten hatte. Wer zu viel zu leugnen sucht, macht sich dringend verdächtig, und der unversöhnliche Widerspruch zwischen den privaten Alarmmeldungeir und den offiziösen Beschwichtigungen ließ darauf schließen, daß die Wahrheit etwa m der Mitte liegen würde. Wie wenig die runden Dementis 'der Lissabons Regierung mit der rauhen Wirklichkeit uvercinstimmten, dafür sprachen schon die umfassenden militärischen Vorbereitungen, welche die Regierung aus Anlaß der Wahlen besonders in deii unsicheren Nordprovinzen getroffen hatte. Andererseits bildet aber der Umstand, daß nach den bisher aus Portugal vorliegenden Meldungen, bei denen freilich mit der Möglichkeit einer amtlichen Vertuschungspolitik gerech­net werden kann, die Wahlen.im ganzen Lande ohne irgend welche Ruhestörungen vollzogen worden sind, ein Beweis dafür, daß auch die über die Lage in Portu­gal verbreiteten Alarmmeldungen zum Teil ebenso grau in grau wie die offiziösen Nachrichten rosa in rosa

MalteN. ^ , r r

Was das Ergebnis der Wahlen betrifft, so haben nach den telegraphischen Meldungen aus Lissabon die vom republikanischen Direktorium aus­gestellten Kandidaten fast auf der - ganzen Lune gepegt. und die unabhängigen Republikaner und Sozialisten haben nur vereinzelte Erfolge zu ver­zeichnen, während Monarchisten oder Klerikale uoer- haupt nicht gewählt worden sind, aus dein sehr ein­fachen Grunde, weil keine Kandidaten dieser Gruppen aufgestellt worden waren und angesichts der der jungen Republik zweifellos vorhandenen terroristi­schen Strömung eben nicht aufgestellt werden konn-

Fe mlleL on.

Wellberverb^Ausstellung ;um Asmarck- Unüonalüenkmal.

ii.

Von den Erfordernissen eines Bismarck-National- Donlmals.

Der Vertreter desBismarck-Bundes" äußerte bei dem sich an die Vorbesichtigung der Ausstellung arüchlreßendin Imbiß das dringende, auf den ersten Blick sehr natürlich scheinende Verlangen, daß das Natlonaldenkmal, . Volle durch seine Scherslein errichtet, aucy nach dem Ge­schmack des Volles gestaltet werde, oder vielmehr, «B P der Künstler diesem Geschmacke mehr unterordnen möge. Wir berichteten schon, wie energisch sich Gehelmrat echrmd gegen eine solche Auffassung .anssprach unÄ den emz g wahren künstlerischen Standpunkt, den des tunstlerrichen Gewissens, vertrat. Freilich, wenn wir em Bo ms denk mal errichten, wollen wir kein Denkmal, das leicht nur hypermoderne Ästheten preisen, wir wollen em Werk, das, wenn auch aus Umwegen, schließlich doch von jedem verstanden und geschätzt werden kann. Bn : *

in übertragenem Sinne Volkskunst und bo fche Kunst in einem, wollen ein Werk, das dem dankbaren verehrenden Empfinden des Volkes, der Naiwn, ' entspricht. Dem Kunstgeschmack, dem ungebildeten.narven ästhetischen Geschmack der großen Menge aber kann un möglich eine Konzession gemaM werden. Einem Mchm Geschmack oder vielmehr Ungeschmack entspricht vielfach ein schauerliches Marterl in den Bergen, em ungefüges mit reichlicher Verwendung von rotem Zmnober ode. Karmin recht blutig gemachtes Bild des Gekreuzigten eher, I Hochw rk der Kunst, das verfeinertes Empfinden und aeistiaes Begreifen voraussetzt. Dem Volle als solcyem. urd^das aebt sogar bis in die Reihen der sogenannten Gebildeten hinein, ist ja die mediceischc Venus noch ern

ten. Deshalb ist auch derSieg" der republikanischen Liste mit einer großen Zuruckhaltung zu bewer­ten, denn nach allen aus Portugal eingelaufenen Nach­richten haben die Wahlen sich unter einem starken Druck seitens der herrschenden Partei vollzogen, der einigermaßen im Gegensatz steht zu der stolzen Ver­kündigung, mit der vor . acht Monaten die. Republik proklamiert wurde:Es ist nur nötig, daß der Anfang eine Epoche strenger Moralität und unbefleckter Ge­rechtigkeit bildet, daß alle Portugiesen in harmonischen Grundsätzen sich vereinen."

Mit der Epoche der unbefleckten Gerechtigkeit hapert es fürs erste noch ebenso wie mit der Vereinigung in harmonischen Grundsätzen. Daß kein monarchistischer oder klerikaler Kandidat aus den Wahlen hervorging, beweist aus den vorher dargelegten Gründen keines­wegs, daß sich nicht noch monarchistisch gesinnte Grup­pen im Lande finden. Und wenn auch die offiziellen Republikaner über die ganz überwregende Mehrheit in der Kammer verfügen, wenn alle Land- und 'See­offiziere, die bei dem Sturz der Monarchie eine Rolle gespielt haben, sich unter den Gewählten befinden, so gibt es doch zu denken, daß bei diesen Mablen, deren amtlich beglaubigte Freiheit in der Praxis schon durch die Wucht der terroristischen Volksströmung einge­schränkt war, die unabhängigen Republikaner und Sozialisten überhaupt einige Erfolge erzielen konnten. Auch wird man abwarten müssen, ob sich nicht in der Kammer, die am 19. Juni eröffnet werden soll, manch einer, der unter der Regiernngsflagge segelte, als unabhängig" entpuppen wird, ebenso wie immerhin mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, daß sich unter den gewählten Unabhängigen auch monarchistisch gesinnte Elemente befinden.

Daß die portugiesische Regierung überhaupt acht Monate warten mutzte^ bis sie die immer wieder verschobenen Wahlen in Szene setzen konnte, und daß trotz des starken Drucks eine wenn auch nur sehr schwache Opposition gewählt wurde, zeigt jedenfalls, daß etwas faul ist im Staate Portugal. Und das ist nicht verwunderlich, denn der Umschwung im Lande hatte sich zu rasch und unerwartet vollzogen, als daß nicht mit der Wahrscheinlichkeit einer Gegenbewegung gerechnet werden konnte. Eine Revolution erweckt regelmäßig ausschweifende Hoffnungen, die ebenso regelmäßig enttäuscht werden müssen. Die Bevölkerung von Portugal, von der 80 Prozent weder lesen noch schreiben können, besteht in. der Mehr­zahl ausMitläufern", die heute dem, morgen jenem folgen. Die Republikaner aber haben an ihrer Spitze zwar einige Männer von Talent, wohl auch von Charakter, doch kein überragendes Genie, das die Massen leiten könnte. Es bleibt abzuwarten, ob der nun von der Nationalversammlung zu wählende defi­nitive Präsident ein solcher Mann sein wird. Wie

nackigtes, unanständiges Weibsbild, und der Hermes des Praxiteles ein Nackedei, der ohne ein Feigenblatt nicht zum Ansehen ist. Eher ließe sich ein Rechnungtragen des Volksgeschmacks erwägen, wenn sich eben dieser Volksge- schmack, wie bei den alten Griechen oder wie bei den Japanern, aus einer hohen künstlerischen Kultur ausbaute. Aber Gott sei es geklagt wir sind noch sehr, sehr weit von einer solchen Kultur entfernt. Mehr vielleicht, als in anderen wirklichen Kulturländern, muß bei uns noch der Künstler der Lehrer des Volkes sein, hat er die hohe Priesterpslicht, dasVolk" zu sich emporzuheben. Freilich, verliert er sich, im Bestreben, aufzufallen, in abstruse Ideen, verläßt er den festen Baden und jagt Irrlichtern nach, gebärdet -er sich als ein Übermensch oder erhebt er überstandene Zustände aus den Schild, die für eine gesunde Kunstentwicklung ein, wenn auch vielleicht interessanter Rückschritt bedeuten, dann verletzt er seine Pflicht als Volks­erzieher. Dann tut eine vernünftige ästhetische Kritik sehr wohl, ihlnauf den Dienst zu passen". Im allgemeinen aber ist es nur natürlich, daß der Laie in solchen Fragen den Fachmann, den Künstler, als Sachverständigen gelten läßt, und daß er dann auch in erster Linie den ästhetisch vovgebildeten Preisrichtern das Urteil anvertraut, selbst auf die Gefahr hin, daß daserrare humanum est" dabei zur Geltung gelangen könnte.

Wie kann denn der Laie sich so ohne weiteres zurecht- ftnden in der Welt von Ansprüchen und Erwägungen, in dem Reich des Wissens und Empfindens, das der echte Künstler lange durchforschen und durchwandern muß? Wer wird sich denn in der breiten Masse überhaupt über den Begriff eines Denkmals klar? Was ist denn eigentlich das vollendete Mal, das Erinnerungsmal? Die technische Vol­lendung desObjekts" ist es noch lange nicht, und wenn alle Welt vor ihr auf den Knieen liegt. Der Geist ist es, der aus dxm Werke spricht, die Stimmung, die es auf die empfängliche Menschensecle ausübt. Ja, oft genug heiligt der hehre Anlaß, aus denl ein Wal unmittelbar errichtet wurde, das ungefüge Zeichen und macht es selbst zu einem wahren Heiligtume.

aber auch die Tinge im Parlament uild im Lande ver­laufen werden, so scheint doch schon jetzt festzustehen. daß die Aussichten des Exkönigs Manuel, der so ruhelos aus seinen Thron verzichtet hat, daber .gleich Null sind. Zunächst wird alles davon ab- hängen, ob die neugewählte Kammer imstande sein wird, der republikanischen Regierung die Autori­tät zu verleihen, die ihr bisher mangelt. Im orde­ren Fall aber ist es wahrscheinlicher, daß die schleichende Gegenrevolution zu einer radikal-kommu­nistischen Republik oder auch zu einer Herrschaft des Säbels, zur Militärdiktatur, als zur Wiederherstellung der Monarchie führen könnte,, die in Portugal für absehbare Zeit ausgespielt zu haben scheinst, und zwar durch eigenes Verschulden des vielleicht letzten portugiesischen Königs. , ^

hd. London, 29. Mai. TieDaily Mail" bringt ein interessantes Telegramm üher die gestrigen Wahlen in Portugal, die zumeist ruhig verlaufen sind, weil kein W'ahlzettel gültig war, der nicht den Namen eines in den offiziellen Listen verzeich- neten Kandidaten trug. Ta die Monarchisten keine offiziellen Kandidatenlisten aufgestellt hatten, ent­hielten sie sich eben vollständig der Wahl und es fehlte infolgedessen jeder Enthusiasmus. Aus Oporto wird gemeldet, daß auch dort die Wahlen ruhig verlaufen sind. Tie Zahl der Wähler, die an der Urne erschienen, betrug 23 405. Alle Regierungskandidaten wurden mit Mehrheit bis zu 400 Stimmen gewählt. ^'

Aus der päpstlichen Enzyklika.

In der, wie in der Morgen-Ausgabe mitgekeilt, jetzt erschienenen päpstlichen Enzyklika heißt es weiter: Der Papst könne nach Erlaß des Trennungsgesetzes nicht mehr schweigen,, da das Gesetz den Abfall des Staates von Gott verkündet und mit der katholischen Religion breche, zu der sich fast die Gesamtheit dev Bürger bekennt. Das Gesetz sei nicht ein Trennungs- gesetz, sondern ein Raubgesetz gegen die katholische Kirche, was die materiellen Güter angehe,, und ein Gesetz tyrannischer Unterdrückung auf geistlichem Ge­biet. Das Gesetz raube der Kirche alle beweglichen und unbeweglichen Güter und mache ihr unmöglich, solche in Zukunft zu erwerben, indein es den Willen der Erb­lasser durch ungerechte Bestimmungen über die from­men Legate breche. Noch verderblicher sei die Tyrannei, die das Trennungsgesetz auf geistlichem Gebiete aus­übe. Die kirchliche Hierarchie sei vollständig ausge­schlossen von sedem Einfluß auf die Organisation des Kultus, womit man die Wohltätigkeitsvereine beauf­tragt habe. Andererseits rufe das Gesetz dje Korrup­tion des Klerus und die Empörung gegen die recht­mäßigen Oberen hervor, indem es Priestern, die von den kirchlichen Behörden suspendiert seien oder sich

Ws Jakob von seinem Himmelsleitertraum -erwachte, sagte er: Gewiß ist der Herr an diesem Orte und ich wußte es nicht, Und fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nicht anders, denn Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. Und Jakob stand des Morgens frühe auf und nahm den Stein, den er zu seinen Häupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Mal und goß Ol oben darauf. Und hieß die Stätte Beth-El, d. i. Gotteshaus. Und Jakob tat ein Gelübde und sprach: Dieser Stein, den ich aufgerichiet habe zu einem Mal, soll ein Gotteshaus werden. Haben wir in dieser schlichter Bibölerzählung nicht eine der schönsten Denkmalsgeschichten der Welt und in dem schlichten Stein Jakobs den Inbe­griff eines Denkmals als Weihestätte? Und haben wii nicht Ursache, die mystischen Steindenkmale auf der welk fernen Osterinsel, diese Kulturdenkmale eines unbekannten; verschwundenen Volkes, die Steinmale unserer einsamen Hünengräber und die Dolmen der alten Kelten, aus denen machtvoll die Vergangenheit zu uns redet und alter Helden­geist uns umweht, ebenso das Urbild des Denkmals zu achten?

Verschwistert sich der Geist der Stätte und das Mal mit der Kunst, desto besser. Mer selten genug geschieht dies in einer im höchsten Sinne vollendeten Weise. Auch die Alten haben den Kops des blinden Homer oder das majestätische Haupt des Zeus von Otricoli, Werke, die un­mittelbar zur Ehrfurcht zwingen, nur vereinzelt geschaffen, neben Hunderten von Werken, die sonst dem höchsten ästhe- tischen Geschmack voll Genüge leisten. Nur eine grandiose, künstlerische Eingebung, nicht aber ein Rechnungtragen eines noch so geläuterten Volksgeschmacks, konnten solche Werke schassen. Dergroße Wurf" muß es bringen. Mit der künstlerischen Geschicklichkeit, der geiswollen Auffassung und Ausführung allein ist es nicht getan, wenn man ein wirkliches Hochwerk verlangt. Freilich, auch das Hochwerk entsteht selten so unmittelbar, wie sich ein feuerspeiender Krater Wohl einmal aus dem Meere erhebt. Meist ist es die höchste Blüte einer künstlerischen Kulturepoche, der Aus­druck eines gewaltigen, künstlerischen Ringens ganzer Generationen. So war es vielleickü. als Leiderer mit einem