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Nr. 244.
Freitag- 2«. Mai LDM.
SS. Jahrgang.
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Die Niederlage der Donjervatmen.
Nun ist auch die elsaß-lothringische Wahlrechts- Vortage geschert. Die imposante Mehrheit von wogegen 47 Stimmen der Rechten, mit der der entscher- dende, im mesenltichen die Übertragung des RerchS- Wahlrechts auf dis Reichslande aussprecheno e Paragraph angenommen wurde» macht die Niederlage der Konservativen noch empfindlicher, als sie eo ohnehin schon war. Sie beiluden sich in erner keineswegs glänzend zu neirnenden Ijolicrung, denn auch die Antisemiten stimmten diesmal mit der Mehrheit» die lk ü den Freilo lservativen bis zu den Sozialdemokraten reichte. Merkwürdigerweise beteiligten sich die Konservativen überhaupt nicht an der Beratung. S:e ließen es also schweigend über sich ergehen, daß der Abegordnete Haußmann von einew Bankerott der konservativen Partei sprach und oer Liechten auch sonst clne Re,he voll bitteren Wahrheiosn sagte» so u. a.» daß sie die Regierung durch ihre Polink der Unfruchtbarkeit geradezu mrt unwlderstehllcher Gewalt immer mehr nach links dränge. schwieg d:e Rechte, so schwieg aber auch üLo Reichskanzlerauffallend konnte das jedoch nicht gefunden werden. ^ liegt keine Nötigung für den leitenden «.aatsmann vor» schon jetzt zu erklären» wie ^ und der Bundesra sich zur weiterenDemokratlsterung bes elfaß-lothr ngl chen Wahlrechts» also zur Besertrgung der Pluralstlmmen. stellen werden. Der Bundesrat wird nach der dr.tteu Lesung hierüber beraten» und es ist kein Zwerfeh dag er sich mit den Beschlüssen des Reichstags emverstandln erklären wird. Die beiden elsaß-lothnnglschen Bor lagen sind über alle Schwierigkeiten lMweg, und . Reichskanzler wie die RelchstagsinehrheU dürfen NÄ eines schönen» für das Gefüge des Reichs und ä Ansehen vor Inland und Ausland gleicherweis vollen Erfolg.es freuen. Welchen Emdrucklwtt- es in Frankreich gemacht» wenn die Vorlagen^ gesalle' wären! Aber danach fragte der verbissene Ltarrsl.m
Feuilleton.
lNachbruck verboten.)
Theater in England.
»Oglich der englischen Dheaterverhältmsse hon vielerlei darüber goschrröSen worden tf • ° tzten Jahrzehnten auäj zählrerche nwderm ^ in Deutschland zur Aufführung g-la» , si»d. d-r mmer noch falsche Ansfassungen «
ist man in dieser Hinsicht meist gut unterrichtet, me stsche Metropole übt eben eine «an, ^
gskrast aus als die englische, ^ ^eit
mf das dortige Dheaterleben Bezug hat,
em Interesse verfolgt. i.nterrich-
eshalb findet man auch in sonst Sanz S ^
deutschen Blättern ganz meÄwürdrge N-t-z n uv r
s Theaterwesen; wird z. B- oster erzählt dre^ooer
-ängerin gehöre der Königlichen Dp ^ ü£>cr- ;i an, Während es weder c n K g ^^Gard-cn-
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noch überhaupt -n englrichen ^Land-N -m gibt» die mit dem HÜ ^S Musentempel
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derer um Heydebrand und Oldenburg nicht. Für diese Partei gilt wie für den Jesuitenorden nur das Wort: sint tit sunt, aut non sint. Also sorgen wir dafür, daß das „non sink" Wahrheit werde. Die Konservativen saßen — so schreibt uns ein Augenzeuge — mürrisch und lautlos daber, als der freisinnige Rediier mit einem freilich abschwächenden „Vielleicht" (und die Abschwächung ist ja auch Pflicht) die gegenwärtige Gruppieruna als eine mögliche Perspektive für die Zeit des nächsten Reichstags Lezerchnete, der denn fruchtbare Arbeit machen und eme starke Mehrheit unter Ausschaltung der Konservativen haben könnte» wenn sich die Wahlparole» die der Reichskanzler ausgegeben» in den Wahlkampf übertragen würde: Entweder still stehen oder vor-
wärts schreiten!" Wie gesagt» wir wollen nicht allzu optimistisch sein» aber das bleibt nun einmal bestehen» daß Herr v. Bethmann-Hollweg tatsächlich diese Parole in einer bedeutsamen Stunde ausgegeben hat. Das sei ihm gedankt» aber das legt der Reichsleitung auch Pflichttreue auf.
Die russijche Note an dir Pforte.
# Berlin, 24 Mai.
Die russische Note au die Pforte findet begreiflicherweise die stärkste Beachtung. So schroff der darin angeschlagene Don ist» so kann man doch nicht sagen» daß der_ ungewöhnliche Schritt der russischen Regierung ohne eine erklärende Veranlassung erfolgte. Die montenegrinische Regierung hat kürzlich nicht bloß Dem Petersburger Kabinett» sondern auch den anderen Großmächten eine Note zugehen lassen, der um Schutz gegen die schon vorhandene und die weiter noch drohende Belästigung durch die an der Grenze zusammengezogenen türkischen Truppen gebeten wird. In Verfolg dieses montenegrinischen Ersuchens also hat das Petersburger Kabinett seine Note nach Kon- stantinoprl gerichtet. Nach verschiedenen Anzeichen möchten manche Beurteiler der Lage annehmen,daß Rußland bei seinem Vorgehen nicht allein stehen dürfte. In dieser Beziehung sind .mehrere heute aus London eingetroffene Meldungen von Interesse. Es wird zunächst genügen» sie zu verzeichnen und sich ihre kritische Würdigung bis zu einem späteren Zeitpunkt vorzubehalten. Die „Daily News" wollen in der russischen Note ein U l t i m a t u m sehen» und sie erklären, man werde in der Türkei glauben, sie sei im Einverständnis mit England abaesaßt worden. Man gehe in Kon- stantinopel so weit, die englische und die russische Regierung zu beschuldigen, das absolutistische Regiment in der Türkei wiederherstellen zu wollen. Seltsam genug» daß ein der gegenwärtigen britischen Regierung nahestehendes liberales Blatt so ganz ohne. Nötigung auf die Spuren eines Einverständnisses zwischen London und Petersburg in einer Frage hinweist» bei der anderenfalls niemand fo leicht auf die Vermutung einer Gemeinsamkeit der Politik der beiden Mächte gekommen wäre. Tenn England als Hort des Absolutismus» als Betreiber eines Umsturzes der Verfassunc
Theatre" usw. nennen, weit -das hübsch klingt, sonst ist -cs ohne jegliche Bedeutung.
Von den Engländern ist -es aber schon manchmal mit Bedauern empfunden worden, daß es weder königliche noch auch in sonst in einer Weise subventionierte Theater hier gibt Nicht nur ist keins vorhanden, das dem Herrscher gehört oder Zuwendungen von ihm empfängt» auch der Staat unterstützt keine Bühne, und ebensowenig ist dies seitens der Städte der Fall. -So ist denn auch selbst in Ort-en, die viele Hunderita-usendc von Einwohnern zählen, kein stehendes Theater zu finden» es sind nur Gebäude vorhanden, in denen während einiger Wochen im Jahre Gesellschaften spielen, die in der »Hauptstadt zusammengestellt werden und irgend ein Stück, das dort großen Erfolg gehabt hat» zur Aufführung bringen.
Besonders jetzt, wo alles, was sich hier ereignet, mit den Krönungsfeierlichkeiten in irgend einen Zusammenhang gebracht wird, betrachtet man es als einen großen Mangel daß ein nationales Theater nicht vorhanden ist, welche^'die geeignete Stätte wäre für Vorführungen während dieser großen Tage. Vor allem wird es bitter empfunden daß in der Zeit, da !das deutsche Kaiserpaar hier weilte' man ein Stück wieder ausloben ließ, das schon der Veracssenheit anheimgefallen war und daß es in einem Theater gegeben wurde, wo sonst Melodramen und Wolh- nachtspantomimen zur Darstellung kommen.
Beides geschah, weil es ein subventioniertes Theater nickt aibt wie unverständlich dies erst auch besonders hinsichtlich der Wahl des Stückes erscheinen mag. Es ckoar dies bekanntlich das Drama „Money" von Bulwer, welches den kaiserlichen Gästen vorgeführt wurde, ein nNbcdenten- des Machwerk voll falscher Sentimentalität. Denn wenn dieser Ariststeller auch sehr schöne und interessante
im Pfortenreiche» das ist ein Gedanke» den man von London aus erst formuliert bekommen muß, um an ihn zu glauben. Indessen werden die Engländer iu selber am besten wissen müssen, warum sie diesen sonderbaren Hinweis machen. Eine gewisse Unterstützung findet die eigentümliche Mitteilung der „Daily News" durch ein „Repter"-Telegramnl aus Monastir» wonach eine vom türkischen Komitee sür Einheit und Fortschritt dort angeschlagene Proklamation schwere Anklagen gegen den ersten Tragoman der englischen Botschaft erhebt und erklärt» geheime Feinde der türkischen Freiheit hätten bedeutende Geldsummen geopfert, um den Absolutismus wiederherzustellen; das Instrument dieser geheimen Feinde aber sei eben der erste Tragoman der britischen Botschaft» der sich mit einigen unwissenden Abgeordneten in Verbindung gefetzt habe, um eine der britischen Politik dienstbare Regierung ans Ruder zu bringen. So die Londoner Telegramme, die, wie gesagt» .Beachtung verdienen. Weil sie zeigen» mit welchen -Schwierigkeiten das gegenwärtige türkische Regiment nach innen wie nach außen zu kämpfen hat. Was nun aber die russische Note und chre Beurteilung in hiesigen politischen Kreisen betrifft» so wird es sich verstehen lassen, wenn, hier einstweilen Zurückhaltung geübt wird und wenn man sich darauf beschränkt, die ersichtlich sich anspinnende Verwickelung der Balkanfrage aufmerksam zu beobachten. Tie in der russischen Note geführte Sprache ist jedenfalls ein starkes Stück. Ihre Bezeichnung als „Ultimatum" sagt nicht viel. Die Forderung, daß die Türkei „unverzüglich und in kategorischer Form , ihre durchaus friedlichen Gesinnungen gegen Montenegro erkläre", bedeutet den Versuch einer beispiellosen Demütigung einer Regierung, die nach der Beseitigung des korrupten Absolutismus den Anspruch auf Gleichberechtigung in der europäischen Staatenfamilie erheben darf und deren Anspruch in dieser Richtung durchaus anerkannt worden ist. Aber gerade die Ungewöhnlichkeit des russischen Vorgehens läßt vielleicht, so paradox das klingen mag» die Sachlage wieder in einem weniger beunruhigenden Lichte, erscheinen. Wir sind schon vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht worden» daß im russischen Ministerium des Auswärtigen gegenwärtig ein besonderer Zustand herrscht. Es ist nämlich die Frage, ob der- Vertreter Sfasonows, der noch ziemlich jugendliche »Herr Neratov» in allen -Stücken die Zustimmung des erkrankten Chefs finden würde» wenn dieser nicht eben durch seine Krankheit völlig ausgeschaltet wäre. Indessen muß man sich» so beachtenswert dies Moment auch sein mag» an die offizielle russische Politik halten, wie sie zurzeit betrieben wird.
Äußerrmgkn türlischer Staatsmänner, sich Konstantinopel, 24. Mai. Die außerordentlich scharfe Sprache der russischen und bulgarischen Note an die Türkei erregte in hiesigen offiziellen Kreisen Erstaunen und Mißbehagen. Ein hervorragender St-aatsMamr erklärte, die Türkei habe hinreichende Beweise für ihren Willen zum Frieden geliefert, lasse aber an ihr SelbsGcstinmMn-gsrecht nicht tasten.
Romane geschrieben hat, aus dem Gebiete des Dramas hat er nichts Gutes geleistet. Nun wollte man a-ber keinen Theaterdirektor mt» seine Gesellschaft bevorzugen, da dies natürlich sehr viele Ko-ntroversen, Neid und Eifersucht hervorgerufen hätte, und- wählte so eine Stätte, die g-ewisser- maßen neutral -war, da sic sür ernsthaftere Darbietungen sonst längst nicht mehr in Frage kommt, und stellte eine Truppe von Sterneil für die Aufführung zusammen. Die Zahl sollte nun, damit der Eindruck ivenigstens in dieser Hinsicht ein außerordentlicher sei, eine möglichst große sei«, mid so wählte man ein Stück, in welchem eine Menge Rollen von ziemlich gleicher Wichtigkeit Vorkommen.
Von einer wirklich guten Vorstellung konnte natürlich unter diesen Umständen keine Rede sein» a-dgesöhen davon, daß es sich um keine eingespielte Gesellschaft handelte, richten die Stars das Hauptaugenmerk ja immer daraus, sich selbst zur Geltung zu bringen.
Das Kaiserpaar hat es sicher nicht sehr geschmerzt, einer Ausführung be-izuwohnen, die in keiner Hinsicht das Prädikat „künstlerisch" verdiente. Das britische Selbstgesüh! aber leidet darunter. Trotzdem ist es nicht' wahrscheinlich^ daß selbst diese Erfahrung dazu führen wird, daß in England subventionierte Theater entstch-en. Wenn sogar Städte, wie Birmingham, Liverpool, Manchester, es fm° ausreichend erachten, wenn hin und wieder einmal eine Londoner Gesellschaft hinkomnit und Vorstellungen gibt, und zwar nicht- etwa die einer dortigen Bühne, von der man wenigstens anständige Darbietungen erwarten kann, sondern zum Zweck zusammengewürfelte Truppen, so ist das Bedürfnis sür etwas aUder-es eben nicht vorhanden. Man behauptet, jedes Volk hat die Presse, die es verdient, und mit gleichem Recht kann man dies Wohl auch heKglich der Theater sagen. & La nd- London.
